Arsen: gut gemeinte Intervention – globale Katastrophe

 “Community policy on the environment […] shall be based on the precautionary principle”.
Article 174, Amsterdam Treaty of the European Union.

Gilt das Vorsorgeprinzip auch in der Entwicklungszusammenarbeit?

Theoretisch ist das Vorsorgeprinzip ein nach internationalem Recht akzeptierter Teil des Entscheidungsprozesses bei Interventionen, die Auswirkungen auf die Umwelt haben könnten (Martuzzi 2007). Natürlich müsste es deshalb auch angewendet werden bei Massen-Interventionen der öffentlichen Gesundheitsdienste. Und natürlich auch in allen anderen Bereichen der Entwicklungszusammenarbeit.

Katastrophen wie die im Folgenden geschilderte Arsenproblematik zeigen, dass dies manchmal nicht geschieht (Goldstein 2001).

Die Zahl von Bohrbrunnen, die mit Arsen vergiftet sind, nimmt zu.

Betroffen sind Millionen von Menschen in ökonomisch benachteiligten und dicht besiedelten Gebieten der Erde. Und Bewohner von Industriegebieten, in denen Bergbauaktivitäten in die Strömungsverhältnisse der Grundwasserleiter eingreifen, und sie mit Schadstoffen belasten (z.B.: Kanada) . Hohe Arsenkonzentrationen im Trinkwasser finden sich vor allem in Bangladesch und in der angrenzenden indischen Region Westbengalen, in Nepal, China, Mongolei, Kambodscha, Vietnam, aber auch in Afrika (insb. in Burkina Faso) und auch in einigen Regionen Kanadas, der USA und in Argentinien.

Sauberes Trinkwasser für alle

Durch verunreinigtes Trinkwasser verbreiten sich Durchfallerkrankungen (u.a. Cholera), die zu einer hohen Kindersterblichkeit führen. In der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts versuchten deshalb internationale Hilfsprogramme dieses entwicklungsland-typische Problem durch Rohrbrunnen-Programme zu lösen. Und sobald reines Wasser aus Rohren floss, sank tatsächlich die Zahl der Magen-Darm-Infektionen und auch die damit verbundenen Sterblichkeit.

Das klare Grundwasser, das diese Rohrbrunnen zutage förderten, war unbelastet von Schadstoffen. Keim-verseuchtes Oberflächen-wasser konnte ungenutzt abfließen. Die Cholera-Epidemien schienen nun  besiegt zu sein. Und die beteiligten Organisationen, die Nutzer und die verantwortlichen Behörden freuten sich gemeinsam über einen großen Entwicklungsfortschritt.

Im Laufe der folgenden Jahrzehnte stieg jedoch im (weiterhin keimfreien) Trinkwasser vieler dieser Rohrbrunnen der Arsengehalt an. In Bangladesch fiel dieses neue Gesundheitsproblem einzelnen Wissenschaftlern etwa dreißig Jahre nach den ersten Brunnen-Bohrungen auf. Von den beteiligten Organisationen (u.a. Unicef) und Behörden wurde es jedoch zunächst vehement bestritten.

Arsen Bangladesh
Arsenbrunnen. Fußamputierter Bauer und betroffene Regionen in Bangladesch.

Wie konnte es dazu kommen?

 Der Grund für die zunächst fehlende, und dann unbemerkt schleichende Vergiftung lag daran, dass Arsen als chemisches Element, in vielen Erdschichten in fester gebundener Form vorkommt. Die Ebenen am Fuß des Himalaya weisen in tieferen Lagen besonders viel Pyrit (Eisen-Schwefel-Kies) und Arsen-Pyrit auf. Diese Mineralien sind harmlos, solange aus ihnen Arsen nicht durch Gesteins-Verwitterung oder unnatürliche chemische Prozesse herausgelöst werden.

Genau das geschah und geschieht in den Rohrbrunnen: In der Trockenzeit sinkt der Wasserstand in der tiefen Gesteinsschichten, wenn diese durch die Rohrbrunnen angezapft werden. Oder sie trockenen bei exzessiver Nutzung aus. Dann kommen arsenhaltige Kiesel mit Luft in Berührung und werden anschließend in der Regenzeit wieder geflutet. Zusätzlich sickern bei den üblichen geringen Bohrtiefen (50-80 m) Düngemittel oder Pestizide ein, die chemische Prozesse (z.B. Oxydation) beschleunigen. Außerdem dringen über die Rohrsysteme im Verlauf vieler Jahre eisenoxid-zersetzende Bakterien in die Grundwasserleiter, und führen dort zur Freisetzung von wasserlöslichem Arsen. Das so allmählich mit Arsen verunreinige Brunnenwasser wird nicht nur getrunken, sondern dient zugleich der Bewässerung der Reisfelder und anderer Nutzflächen. Und weil Wasser durch die Brunnen so leicht verfügbar war (und ist), stieg der Verbrauch allein in Bangladesch in den letzten zwanzig Jahren um mehr als sechzig Prozent. Folglich wurden die landwirtschaftlichen Nutzflächen bei Bewässerungsmaßnahmen auch intensiv mit Arsen belastet. Deshalb weist u.a. das Hauptnahrungsmittel Reis heute in vielen Regionen hohe Konzentrationen von Arsen auf.

Die Bodenverhältnisse verändern sich so rasch, dass wir einfach nicht Schritt halten können.
Dpiankar Chakraorti, Umweltchemiker der Universität Kalkutta 

Die gesundheitlichen Folgen

Arsen Medikamente
Teure Verschlimmbesserungen bei Arsenvergiftung

Wasserlösliche Arsen-Moleküle wirken wie Zellgifte, zunächst in der Haut, dann aber allmählich auch in Gehirn, Herz, Immunsystem und Nieren. Arsen ersetzt in Eiweißmolekülen das Element Phosphor, und stört damit ihre Funktion. Die veränderten Proteine werden zwar sofort abgebaut (und das Arsen damit auch wieder ausgeschieden), aber durch  Zellfunktions-Störungen werden schließlich die Organe beeinträchtigt. U.a. kann sich auch Krebs entwickeln. Alleine in Bangladesch sind 70 Millionen Menschen von erhöhten Arsenkonzentrationen betroffen, und bei über vier Millionen von ihnen sei die Belastung so hoch, dass schwere, behandlungspflichtige Erkrankungen auftreten, wie z.B. Amputationen von Gliedmaßen bei Hautkrebs. Die Gesundheitsdienste in dem ohnehin armen Land sind damit  völlig überfordert.

Oft verschlimmern Mediziner das Problem zusätzlich noch, da die Patienten unter starkem Leidensdruck Behandlungen einfordern, die nicht möglich sind. Denn die verursachende Substanz Arsen ist bei Auftreten von Krankheitszeichen schon längst ausgeschwemmt. Häufig nachgefragte „Behandlungen“ mit Medikamenten, die Schwermetalle ausscheiden helfen (Chelat-Komplexe) nützen deshalb nichts. Auch die oft angebotenen „Naturheilpräparate“ sind nicht nur wirkungslos, sondern auch gefährlich, da sie in diesen Regionen oft mit Schwermetallen, Arsen und Pestiziden belastet sind. Und auch Placebo-Präparate („Beruhigungsmittel“) verschlechtern die Situation der Betroffenen, da sie deren Fähigkeit ihre Lage zu verstehen (und nach eigenen Wegen aus ihrer Krise zu suchen) weiter behindern.

Die Lösungsansätze sind schwierig

Arsen-Filter
Ein Filter-Aufbereitungssystem. Shiwei 2017

Die WHO hält Konzentrationen 10 Mikro-Gramm Arsen pro Liter und mehr für eindeutig gefährlich. In Indien und in Bangladesch wurde deshalb, um das Problem schnell zu lösen, der gesetzlich erlaubte Grenzwert auf 50 Mikro-Gramm pro Liter heraufgesetzt. Die Arsen-Konzentrationen liegen aber örtlich bereits deutlich höher, und sie werden weiter steigen.

Internationale Organisationen, die wie UNICEF das Problem mit-verursachten, versuchen relativ billige Haushaltsgeräte zu verteilen, die Arsen aus dem Wasser herausfiltern sollen. Der Aufwand des Wasserfilterns ist für die verarmen Frauen, die diese Aufgabe zusätzlich übernehmen müssen, sehr groß. Außerdem werden die Haushalts-Anlagen, wenn sie nicht ständig gereinigt werden, bakteriell besiedelt, so dass auch bald die Zahl der Durchfallerkrankungen wieder zunehmen könnte.

Die Rückkehr zu den traditionellen Trinkwasseraufbereitung in Naturteichen (Ponds), die über Jahrtausende örtlich sehr erfolgreich betrieben wurde, ist nicht mehr möglich. Diese Teiche waren früher mit Schilf bewachsen und reinigten sich so selbst, sofern sie intensiv gepflegt wurden. Nach Anlage der Bohrbrunnen erschienen sie überflüssig zu sein. Sie wurden voll gemüllt oder zur Fischzucht genutzt oder durch die umliegenden Äcker mit Pestiziden oder Dünger belastet.

Möglicherweise könnten die geologische Kartierung des Untergrundes, großräumige Bodenanalysen und wasser-chemische Untersuchung nützlich sein. Vielleicht auch Tiefbohrungen (> 200m) zu Grundwasserleitern in Regionen, in den  die arsenhaltigen Kiesel nicht vorkommen, und von dort die Anlage eines weiträumigen Wasserleitungssystems. Tiefbohrungen an der Stellen kontaminierten oberflächlicher Brunnen, wäre dagegen ausgeschlossen, da dann (arsenhaltiges) Wasser von höheren Schichten in tiefere versickern würde.

Bei der Arsenvergiftung handelt es sich um eine der größten menschen-verursachten Katastrophen: möglicherweise nach Zahl der Betroffenen ggf. auch um einen größten anzunehmenden Unfall (GAU). Ursache waren Interventionen, die erhebliche Gesundheitsprobleme lösen sollten, und die darin kurzfristig sehr erfolgreich waren. Langfristig erwies das entstehende neue Problem aber um ein vielfaches größer als das, was beseitigt werden sollte.

Eine der beteiligten Organisationen (British Groundwater Survey, BGS) hat nach anfänglichem Leugnen und Beschwichtigen inzwischen daraus voll-umfänglich gelernt. Bei einer deutschen Organisation (Gesellschaft für Internationale Entwicklung, GIZ), die überwiegend in Afrika Bohrbrunnen-Programme realisiert, findet sich auf der Web-Site nichts zur Arsen-Problematik. Das ist umso erstaunlicher, weil inzwischen bekannt ist, das auch in Afrika (dem Kernkontinent der GIZ-Wasserabteilung) Bohrbrunnen, wie u.a. in Burkina Faso, in ähnlicher Weise belastet sind. Die GIZ müsste also eigentlich alle von ihr angelegten 50-80-Meter-Bohrbrunnen auf Arsen testen. Zusätzlich müssten Gesteinsproben entnommen werden, um das Vorhandensein von Arsenkies in den Grundwasserleitern auszuschließen. Ggf. müssten alternative Wasserversorgungs-Konzepte entwickelt werden: Tiefbrunnen- und Wasserleitungssysteme. Zusätzlich müsste man die ökologischen und ökonomischen Zusammenhänge im Rahmen nachhaltig ökologischer Regionalentwicklung berücksichtigen. Und man müsste sich natürlich auch intensiv um die Betroffenen kümmern, deren Lebenssituation und Gesundheit durch Maßnahmen der Entwicklungszusammenarbeit ggf. verschlimmert wurden. Vielleicht geschieht das auch alles im Stillen, ohne auf der Web-Site zu erscheinen.

Mechanische Intervention in komplexe Systeme

Probleme dieser Art wurden für die Entwicklungszusammenarbeit vor fast zwanzig Jahren von Dietrich Dörner (Computermodell: „Tana-Land“) vorhergesagt, und sie wurde inzwischen von dem  Mathematiker Taleb auch theoretisch gut analysiert.

Häufig treten sie dann auf, wenn ein gestörter Zusammenhang (eines Ökosystems oder eines Menschen) ignoriert wird,  weil er zu komplex erscheint, und stattdessen ein einzelnes Problem heraus gegriffen und durch eine spezifische Intervention gelöst wird. Solche Eingriffe in einen Systemzusammenhang sind zwar relativ kostengünstig und einfach abrechenbar. So als würde man bei einem maroden Segler ausschließlich schadhaftes durch stabiles Tauwerk ersetzen. Ob sich ein krankes System nach einem solchen Eingriff erholen (und entwickeln) kann, bleibt dann offen. Bei einem klapperigen Segler könnte es auch zum Mastbruch kommen.

Könnte Fehlerlernen die Praxis der Entwicklungszusammenarbeit verändern?

Um aus gescheiterten Interventionen in eigendynamische System zu lernen, müsste man  ihre Komplexität wahrnehmen und verstehen wollen. Lebende System-Prozesse, die durch viele Einflussfaktoren oder auch den Zufall beeinflussten werden, lassen sich nur begrenzt in Planungszyklen festschreiben. Da aber die zuvor festgelegten Indikatoren der Steuerungs-Workshops mit den Geldgebern als Erfolg abgerechnet werden müssen, fehlt systematisches „Fehler-Analysieren“ häufig. Stattdessen enthalten die Verlautbarungen der Entwicklungszusammenarbeit meist viele Beispiele „bester Praxis“ („Best Practice„), die beschreiben, wo und wie Projekt erfolgreich realisiert werden konnten.

In der Flugindustrie wäre das gleiche Verhalten inakzeptabel: Die Lehre aus Air France 440 war z.B., dass Piloten auch dann besonnen handeln müssen, wenn Messinstrumente und Computer ihnen Blödsinn anzeigen. Wie sonst (ohne die Analyse dieser Crash-Katastrophe) hätten Piloten motiviert werden können, dieses scheinbar paradoxe Verhalten trainieren?

Lern-Hemmnisse in der Entwicklungszusammenarbeit

Entwicklungszusammenarbeit ist ein Markt, in dem (wie im Jahr 2016) mindestens 143 Milliarden US$ umgesetzt werden. Für die Anbieter von Leistungen gibt es dort u.a. zwei Arten von Kunden:

  1. die (schwachen) Zielgruppen im Gastland und
  2. die (starken) Geldgeber im Herkunftsland.

Projekte müssen dann in erster Linie so gestaltet werden, dass die Zielgruppe „zwei“ glücklich ist. Und das ist sie dann, wenn der einmal erstellte Plan erfüllt wird. Solche Planerfüllungen gründen sich auf Prognosen, die von vergangenen Erfahrungen abgeleitet werden. Sie schließen ein Verständnis für dynamische Systementwicklungen aus. Folglich werden die Zentralen der Geldgeber mit Papier beliefert, das geduldig ist.

Warum wird das Vorsorgeprinzip in der Entwicklungszusammenarbeit oft nicht angewendet?

Der Gedanke der Vorsorge ist weitergehend als Prävention, die sich auf bekannte Risiken bezieht, die möglich klein bleiben sollen. Denn dabei wird auch bedacht, dass es durch das Zusammenwirken vieler Faktoren in komplexen Systemen Folgen geben könnte, die auf der Basis des bisherigen Wissens noch nicht erkannt, oder vielleicht auch nicht erahnt werden können.

Wissenschaftliche Erkenntnisse beziehen sich immer auf historischen Erfahrungen, und können daher nicht ausreichen, um zu begründen, wie strikt das Vorsorgeprinzip angewendet werden müsste.

Wissenschaft ist der Glaube an die Inkompetenz der Experten.
Richard Feynman

Kein Wissenschaftler, der von den aktuell bekannten Grundannahmen ausgeht, kann sicher ausschließen, dass niemals etwas eintreffen wird, das sein bisheriges Weltbild gefährden könnte. Deshalb konnte auch niemand hinsichtlich der Arsenproblematik 1960 ahnen, dass sich bis 1995 eine völlig neue Situation entwickeln würde. Denn nach damaligem Wissenstand, der auf vergangenen Erfahrungen beruhte, waren keine Probleme absehbar. Aber man hätte, nach dem Vorsorgeprinzip wesentlich vorsichtiger und langsamer vorgehen müssen und hätte die historische gewachsen Wasseraufbereitungssystem (Ponds) im Rahmen integrierter Regional-Förderung in die Lösungskonzepte einbeziehen müssen.

In Situationen, in denen Beweise für künftige Schäden fehlen, führt der Vorschlag das Vorsorgeprinzip anzuwenden meist zu Widerspruch und zu Konflikten. Die Argumente der Kritiker von Interventionen sind naturgemäß schwach, weil ihnen Studien fehlen, die eindeutige Gefahren belegen könnten. Deshalb scheint es für die Befürworter relativ einfach zu sein von fehlenden Risiken auszugehen, wenn offensichtliche Probleme kurzfristig durch eine massive Intervention gelöst werden können. Das führt dann manchmal Jahre später zu sehr überraschenden Ergebnissen.

Beispiel: Wasserversorgung einer Vorstadt

An den umgebenden Berghängen einer im Tal liegenden Mega-Stadt wachsen unkontrolliert Hütten. Dort hausen die Ärmsten der Armen. Sie leiden u.v.a. auch an Wassermangel. Ihre (ungeplant) errichteten Siedlungen  könnten relativ einfach durch ein Rohrleitungssystem erreicht werden, durch das Grundwasser zu ihnen hochpumpt  wird. Diese Möglichkeit einer besseren Zukunft wird zum Wahlkampfthema. Nach einer gewonnenen Wahl sagt die internationale Kooperation auch ihre Unterstützung zu. Es wird ein Hilfs-Budget vereinbart. Der anschließende Planungs-Workshop legt fest,  wie das Geld ausgegeben werden soll. Niemand  verschwendet einen Gedanken an das Vorsorgeprinzip. Denn das könnte möglicherweise zu „Killer-Annahmen“ führen, die die Realisierung des bereits beschlossenen Projektes gefährden könnten. Der zielorientierten Konzeption  folgen dann die reibungslose Umsetzung und schließlich der erfolgreiche und gefeierte Projektabschluss. Und dann? Die verbesserten Lebensbedingungen erhöhen die Attraktivität der Slums und damit den Zuzug. Immer Menschen kommen und hausen an den Berghängen. Das Wasser, das aus den Leitungen fließt, rinnt in übel riechenden Bächen die Hügel hinab ins Tal Es belastet dort die maroden Abwassersysteme und führt örtlich zur Versumpfung. Viele Jahre später ereignet sich plötzlich eine unvorhersehbare Naturkatastrophe mit vielen Toten: Nach einem Stark-Regen kommt ein Hügel ins Rutschen…

Für Entscheidungsträger, Politiker, Behörden, Finanzgeber, Unternehmen, und natürlich auch für Populisten und deren Zuhörer, ist die Anwendung des Vorsorgeprinzip ein störendes Hemmnis, eine bürokratische Blockade oder gar ein missbräuchlich angewandtes Werkzeug mächtiger (protektionistisch orientierte) Interessengruppen. (Goldstein 2007) Oder eine auf „dummen Verschwörungstheorien“ basierende Miesmacherei eines großen Fortschritts oder einer entschlossenen Rettung. Beispiele:

Wissenschafts-theoretisch ist gut beschrieben, was geschehen könnte, wenn bei bestimmten Maßnahmen, die globale Auswirkungen haben, das Vorsorgeprinzip nicht beachtet wird. Zum Beispiel bei der Freisetzung gen-manipulierter Lebewesen (Taleb 2014).

Genau das ist aber 2016 mit dem Segen der WHO oder anderer internationaler Behörden geschehen, um die Zika-Epidemie einzudämmen.

Offenbar war zum Fehler-Lernen die Arsen-Katastrophe nicht ausreichend.

Wir müssen jetzt abwarten, ob Taleb (hinsichtlich der Freisetzung gen-manipulierter Lebewesen s.u.) tatsächlich Recht hatte.

  • Wenn nein, haben wir noch einmal Glück gehabt.
  • Wenn aber doch, dann wird es nicht mehr möglich sein, zum Ausgangspunkt vor der Intervention zurückzukehren.

„… Ich stimme Ihnen voll und ganz zu: Es ist wahnsinnig schwer genau dieses förderliche Lernverhalten („ .. aus Fehlern Lernen ..“) in der Entwicklungszusammenarbeit zu finden. Auf Tagungen/Konferenzen kommt dieses Thema regelmäßig zur Sprache, mit viel genereller Zustimmung, aber meist ohne spezifische Konsequenzen. Bei einer Konferenz (…) wurde argumentiert, dass in der Wirtschaft 80% der Projekte scheitern – und es in der Entwicklungszusammenarbeit auch nicht anders sei. Aber über Misserfolge und dem Umgang damit wird kaum berichtet. Traurig. …”  Persönliche Nachricht eines international tätigen Experten, Februar 2017

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Autor: Helmut Jäger

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