Berührungs-Kunst

Um Gefühle wahrzunehmen und zu spiegeln braucht man keine Worte.

Angst z.B. kann allein durch Dasein und Zuhören beruhigt werden. Und durch die Erfüllung von Grundbedürfnisse: Sicherheit, Schmerzfreiheit, Wärme, Durstbefriedigung, Nahrung. Beim Sprechen wären dann Tonlage, Melodie und Ruhe noch wichtiger als die Vermittlung eines sinnvollen Zusammenhangs.

Vor schwierigen Kommunikation ist es zunächst nötig, sich selbst zu beruhigen: Spannungen spüren und lösen, den Atem fließen lassen und den umgebenden Raum wahrnehmen. Die Ausstrahlung der eigenen Sicherheit und Gewissheit bietet Schutz und nimmt Stress. Worte sind bei diesem initialen Prozess eher hinderlich.

Dann erst entsteht Verbindung – vielleicht auch durch eine Berührung.

Berührung
Berührung (Bild: Jäger 2017)

„Im Anfang war das Wort“, steht im Johannes-Evangelium.

Johannes irrte. Das Wort steht eher am Ende der Entwicklung menschlicher Kommunikation. Unsere menschenähnlichen Urahnen nutzten zunächst Körperhaltungen, Gesten, Mimik und Laute, um auf etwas zu deuten oder Befehle zu erteilten.

Später folgten Gebärden, mit denen bestimmte Realitätsaspekte symbolisch übermittelt wurden. Erst mit der Ausformung des Kehlkopfs konnten Laute in Klangfarben, Tonhöhen, Betonungen und Rhythmen variiert werden. Und erst jetzt war es möglich, klar trennende Begriffe zu formen, die schließlich auch in Ton geritzt wurden.

Die wortlosen Urformen der Sprache bilden bis heute das Fundament menschlicher Kommunikation. Folglich können Menschen begriffslos in Beziehung sein, sich austauschen und beeinflussen.

Semana santa
The joy of touch. (Foto: Wassermann 2016)

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Autor: Helmut Jäger