Bewegung oder Medikamente?

Ist körperliche Aktivität wirksamer als Pillen?

Immerhin ging körperliche Bewegung in einer Analyse von 304 Studien mit 339.000 Teilnehmern mit einer Senkung der Sterblichkeit bei vier chronischen Erkrankungen einher. Bei Schlaganfallpatienten schien körperliche Aktivität sogar nützlicher zu sein als die Einnahme von Medikamenten. (Naci 2013)

Leider ist die Zahl der Studien zu Bewegungsprävention gering, im Vergleich zu denen, die pharmakologische Therapien untersuchen. Naci spricht von einem „Blinden Fleck“.

Zwar ist inzwischen gut untersucht, dass intelligente Bewegungsmethoden nachweislich Behandlungskosten einsparen können (Hollinghurst 2008).

Aber ist Bewegung tatsächlich immer gut?

Die Gesundheitsbehörde der USA (CDC) schätzt, dass 80% der Bevölkerung über 18 Jahre sich nicht ausreichend körperlich bewegen würden.

Bewegen sich dann 20% optimal?

Ich bin da nicht so sicher. Selbst bei gesundheitsbewussten Menschen, die Yoga praktizieren wollen, kann eine zu ehrgeizige, zielorientierte Anwendung zu Überdehnungen von Gelenken und Muskulatur, zu Bandscheibenvorfällen und zu anderen gravierenden Problemen führen (NY Times 05.01.2012). Solche Berichte sprechen nicht gegen die Methode. Aber gegen eine unqualifizierte Anwendung und Durchführung des Trainings. Denn wenn „Yoga“ als banale „Fitness-Gymnastik“ vermarktet wird, kann es zu Verkrampfungen führen, z.B. wenn versucht wird, den Atem zu „kontrollieren“ oder „in den Schmerz hinein“ zu dehnen.

„Über-Training“ (Schneller-Höher-Weiter) zieht jedenfalls ähnlich gefährliche Folgen nach sich, wie kein Training. (Murgia 2013).

Ob Bewegung Gesundheit fördert oder nicht, kommt also offenbar darauf an, wie sie geschieht.
Ich vermute, dass meist das nutzen wird, was Spaß macht, während es geschieht. Bewegung im Stress schadet eher.

Links

Literatur

  • Hollinghurst S et al.: Randomised controlled trial of Alexander technique lessons, exercise, and massage (ATEAM) for chronic and recurrent back pain: economic evaluation BMJ 2008; 337:a2656
  • Murgia C.: Overuse, tissue fatigue, and injuries. J Dance Med Sci. 2013;17(3):92-100.
  • Naci H: Comparative effectiveness of exercise and drug interventions on mortality outcomes: meta-epidemiological study, BMJ 2013; 347:f5577

Autor: Helmut Jäger