Lebt (nur) Deutschland auf Pump?

„Deutschland überlastet die Erde und lebt wieder auf Kredit“.  dpa 02.05.2018

„Damit der Mensch die Erde so nutzt, dass sie sich ausreichend regnerieren kann, müsste sich noch viel ändern. In der Gesellschaft – und bei ihm selbst“ SZ  02.05.2018

Global footprint
Erd-Überlastungs-Tag: Das Global Footprint Network kalkuliert den jeweiligen Kalender-Tag eines Landes, an dem die verfügbaren Ressourcen der Erde erschöpft wären, wenn alle Menschen weltweit ebenso soviel verbrauchten würden: www.footprintnetwork.org

Was folgt daraus?

Statt, nach dem Cholera-Prinzip, unbegrenzt „nachhaltig zu wachsen“ müsste unsere Spezies eigentlich nach Wegen suchen, sich als Nützling in ein widerstandsfähiges (resilientes) Ökosystem zu integrieren. Warum tun wir es nicht?

Die 1972 vom Club of Rome formulierte Vision eines ressourcenschonenden Lebens wurde tatsächlich 1992 in Rio als weltpolitisches Ziel festgeschrieben. Sie löste sogar eine globale Graswurzel-Bewegung aus, die Agenda 21 (Global denken- lokal handeln). Dieses zarte Pflänzchen des „Anders“ (statt „Weiter so!“) wurde in Deutschland Ende der neunziger Jahre von der konservativen Regierung  wohlwollend toleriert und sogar gefördert. Die rot-grüne  Bundesregierung beseitigte dann 2003 diesen unbedeutenden Störfaktor, um kurzfristig-wachstums-orientiertes Handeln durch zusetzten: Die Agenda 2010.

Die Rio-Bewegung scheiterte weltweit, besonders drastisch in Ländern mit dynamischer Wirtschaftsentwicklung und niedrigen Sicherheitsstandards, wie u.v.a. auch in Brasilien: 2015, 2016, 2017.

„An allen Ecken und Enden schwächt die brasilianische Regierung des Umwelt-schutz … Das Budget des Umweltministeriums wurde um 40% gekürzt .. Wo eigentlich Urwald sein sollte, wachsen jetzt Eukalyptusbäume und Soja … Niemand kontrolliert“ SZ  02.05.2018

In ihrer Ohnmacht versuchten Umwelt-ExpertInnen seit einem Jahrzehnt sich auf das Teil-Problem „Klima“ zu beschränken, weil von dessen drastischer Störung auch die reichen Länder betroffen sind, die die meisten Ressourcen verbrauchen. Andere Themen wie Degradierung von Meer, Süßwasser, Böden oder das Artensterben uva. wurden aus taktischen Gründen weggelassen, um es für PolitikerInnen nicht zu komplex zu gestalten. In Deutschland forderte der Wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung „Globale Umweltveränderungen“ ins seinem Hauptgutachten dennocheine „Umfassende Transformation“. Dafür war die Zeit nicht reif, aber immerhin gelang 2016 der Abschluss eines Klimaabkommens. Die dort festgelegten Maßnahmen erweisen sich aber als sperrig, weil sie den Wachstumszielen widersprechen, die nicht nur in den USA, sondern auch in Deutschland die Politik bestimmen.

Solange es uns in eingezäunten Wohlstands-Oasen noch gut geht, bleibt es also beim gesellschaftlicher Konsens des „Weiter so“. Nur über den Umfang der Schadensbegrenzung (Fracking, Glyphosat, Diesel …) gehen die Meinungen etwas auseinander. Aber auch hier herrscht überparteiliche Einigkeit, dass unser Vorgarten sauber bleiben muss: Die ökologischen Folgen des „nachhaltigen Wachstums“ (CDU) oder des „qualitativen Wachstums“ (SPD), sollen andere treffen, aber nicht uns.

Einige Milliardäre, wie Elon Musk, sind pessimistischer, und investieren Unsummen in Raketen, die ein paar Überlebende aus dem Müllberg Erde auf eine Marskolonie schießen sollen.

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Autor: Helmut Jäger