Warum beißen die Dinge zurück?

Wir können immer schaden, selbst, oder
gerade dann, wenn wir es gut machen wollen.
We can always do harm, even – and especially –
when well intentioned. McCartney, BMJ 2015

Menschen verursachen Katastrophen.

Zunehmend häufig und mit erschreckend globalen Ausmaßen.

Wenn etwas funktioniert, machen wir gerne „Weiter so“ wie bisher. Immer schneller und wirtschaftlich erfolgreichr. Die Erfahrungen der Vergangenheit und die Börsendaten geben uns recht: Wir leben sicher in unserem reichen Land und die Katastrophen sind noch weit weg. Warum also sollten wir „Umdenken“?

Damit alle mitmachen bei diesem globalen Blind-Kuh-Gewinn-Spiel, muss intensiv in eine profitable Spaß-Sport-Medien-Unterhaltungs-Maschine investiert werden. Sie lenkt ab, uns selbst und von unserer Umwelt.

„Ein sehr unglückliches, hochunwahrscheinliches Ereignis, ein „Schwarzer Schwan„, den wir zutiefst bedauern und uns entschuldigen. Aber wir sind unschuldig, denn niemand kann solche Dinge vorhersagen. Graphik aus Nassim Nicholas Taleb: Skin in the Game. Hidden Assymetries in daily life Allen Lane 2018, Seite 243

Völlig unerwartet überrascht uns immer wieder ein (anderer) Schmerz, der uns zwingt, hektisch gegen das neu-aufgepoppte Problem anzukämpfen. Manchmal lernen wir auch etwas dabei: zum Beispiel, wie wir zukünftig den gleichen (vergangenen) Fehler vermeiden können.

„Problembär-Totschlagen“: Das Wesen unserer Lebensart?

„Die Terroristen sind viel stärker als der Klimawandel. Ihr Rhythmus passt zu dem der Medien. … Der Beschuss eines Cafés dauert nur einige Sekunden. … Die Erwärmung der Erde dagegen Jahre … Uns ist das Klima deshalb egal, weil uns die Terroristen schneller umbringen als die Waldbrände in Asien … Alle rufen jetzt „Keine Angst!“ und „Wir werden unseren Lebensstil nicht ändern!“ … Genau das ist falsch.“ Charlie Hebdo, L’Édito, Nr. 1218, 25.11.2015

Unterscheiden wir uns nicht von allen anderen Tieren durch unsere große soziale Kompetenz? Warum leben wir dann nicht als intelligente, ökologisch integrierte Nützlinge auf der Oberfläche unseres Planeten?

Warum produzieren wir immer neue Katastrophen? 

Die Masse der Abfallprodukte, die Meere, Luft und Böden verseuchen, nimmt rasant zu, parallel zu wachsenden Bevölkerungszahlen, ökonomischem Wachstum und steigendem Ressourcenverbrauch.

Die Erde hat Fieber, und das droht auf zwei Grad über normal anzusteigen. Bei Menschen erhöht sich die Temperatur, wenn unbegrenzt wachsende und alles andere verdrängende Mini-Lebewesen sie mit Schadstoffen überschwemmen. In solchen Fällen ist es die einzige (evolutionär sinnvolle) Chance der Schad-Bakterien, sich in das existierende Ökosystem, das sie befallen haben, sinnvoll zu integrieren. Andernfalls würden sie im Fieber umkommen oder müssten mit ihrem Wirt gemeinsam sterben. Oder aber sie überleben nur deshalb, weil sie einen nächsten Wirt finden und infizieren können. Diese für Bakterien manchmal erfolgreiche Seuchenstrategie steht Menschen sicher nicht zur Verfügung.

Eine wichtige Ursache dramatischer Umwelt-Degradierung ist Profitgier. Wie in Indonesien, wo intensiv nachgeholfen wird die Wälder abzubrennen, um Platz zu schaffen für Palmölplantagen.

Profiten nachzujagen ist eine Form von Suchtverhalten. Die Gier nach Ersatzbefriedigungen entwickelt sich, wenn menschliche Werte abhandenkommen oder elementare Grundbedürfnisse, wie Beziehung, nicht erfüllt werden können. Häufig führt Suchtverhalten in eine Katastrophe, für die Betroffenen und ihre Umwelt. Es sei denn, es gelänge rechtzeitig ein Entzug.

Häufig wird aber auch (unabhängig von Profitstreben) Technik eingesetzt, deren Komplexität sich später und unerwartet als nicht beherrschbar erweist. Zum Beispiel dann, wenn zu äußeren Belastungssituationen menschliche Irrtümer hinzukommen, wie in Tschernobyl oder in Fukushima. (Jäger 2012)

Manchmal wurde auch alles richtig gemacht. Und alle konnten begeistert feiern, wie gut das anvisierte Problem erfolgreich zum Nutzen aller beseitigt werden konnte. Die handelnden Institutionen und Personen waren dann, ohne Gewinninteressen, zutiefst davon überzeugt, etwas durch und durch Gutes zu tun. Und trotzdem ging es gewaltig schief.

Diese Art menschenverursachter Katastrophen sind für das Verstehen, wie sich das Denken und Handeln unserer Spezies verändern müsste, besonders interessant:

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Literatur

Artikel: Helmut Jäger