Ebola: Marshall-Plan für Afrika?

It is not Ebola … it’s the systems.“ Barbiero 2014

Mit der Ebola-Bekämpfung allein ist es nicht getan.

Bei Ebola wird ein Virus (der Familie Filoviridae) von Wildtieren auf Menschen übertragen. Und dann von den Erkrankten über Körperflüssigkeiten auf andere Menschen. 30-90% der Infizierten sterben, je nach Qualität ihrer Versorgung. 

2014 ereignete sich die bisher größte Ebola-Epidemie. Die ersten Infektionen ereigneten sich in Südost-Guinea, später dann in Liberia, Sierra Leone und Nigeria. Etwa 11.000 Personen verstarben. Im Mai 2018 wurde ein neuer Ausbruch aus der Demokratischen Republik Kongo gemeldet. Bis Anfang Juli 2018 wurden 53 Infizierte entdeckt, von denen 29 verstarben. Im Rahmen dieser Epidemie wurde erstmals ein Impfstoff gegen Ebola getestet.

Ebola-Ausbrüche sind „Folge der Vernachlässigung der Gesundheitssysteme.“ (Kieny 2014) „Schwache, unterfinanzierte, unterbesetzte und fragmentierte Gesundheitssysteme sind nicht in der Lage, mit einem großen Ausbruch einer Infektionskrankheit fertig zu werden, und sie könnten sogar zu ihrer Ausbreitung beigetragen haben.“ (Piot 2015)

Die Forderung, die in vielen Regionen zusammengebrochene Basisgesundheitsversorgung wiederzubeleben (UNDP 2015, Difäm 2016) reicht allerdings nicht aus. Denn zugleich müssten sich auch die allgemeinen Lebensbedingungen verbessern. (Davis 2013)

Und außerdem: Sind nicht gerade die Infektionsrisiken im Gesundheitssystem ein wesentlicher Teil des Problems?

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Ebola-Infizierte Patienten in Westafrika (BNI, Schmiedel)

Wie kommt es zu Ebola-Epidemien?

In den Ökosystemen von Regenwäldern wimmelt es von Mikroorganismen und Viren. Menschen dringen brand-rodend oder jagend in diesen Lebensraum ein, verletzen sich durch Bisse, pferchen gefangene Tiere auf Märkten neben anderen Arten ein, und kommen so mit Blut und Speichel der Tiere in Berührung.

Wenn sich ein von einem Flughund gebissener Wilderer mit Ebola-Viren infiziert, steckt er vielleicht einige Familienmitglieder an, die seine Leiche versorgen. Dann sterben im Dorf wenige Personen, aber die Epidemie wird schnell zum Erliegen kommen. Meist wird der Patient aber in die nächstgelegene, marode Krankenstation transportiert. Dort sind Fieberpatienten nicht besonderes. Man bekämpft also eine vermeintliche Malaria mit Spritzen und Pillen, was einem Ebola-Kranken wenig hilft, aber Viren reichlich Gelegenheit bietet, weitergetragen zu werden.

2015 wurde in eine Sonderausgabe von Nature gefragt, ob wir aus der Epidemie in Westafrika gelernt hätten. 2018 werden jetzt erneut die gleichen Fragen gestellt:

… health facilities with inadequate infection control procedures can amplify outbreaks of Ebola virus disease, and serves as a reminder of the importance of providing sufficient training and equipment for health-care workers to protect themselves. Ahmadou 2018

Ebola-Epidemien sind angekündigte Katastrophen

Voraussetzungen für Seuchen sind Armut, Ungleichheit, Kriege, mangelnde Bildung und miserable Wohn- und Ernährungsverhältnisse. Das Auftreten von Epidemien beruht auf dem Vernachlässigen von Ursachen, die früher oder später zu Seuchen führen müssen.

Wenn wieder einmal eine Infektion aufpoppt, wird meist mit Problem-Bekämpfungs-Aktionismus versucht, möglichst einfach, ggf mit „heroischen“ Freiwilligen-Einsätzen“,  einen Feind zu erschlagen. Niemand denkt dann gerne an System-Zusammenhänge, zu denen u.a. eine für viele Länder nachteilige Weltwirtschaftsordnung gehört.

Was müsste eigentlich geschehen?

Um nachhaltig das Aufflammen von Seuchenausbrüchen in Afrika (und anderswo) zu verhindern, müsste das komplexe System der Beziehungen und Zusammenhänge, die die Verbreitung von Ebola, Gelbfieber, Lassa, Cholera, Polio, Malaria, Hep C, HIV, Zika u.v.a begünstigen, besser verstanden und beeinflusst werden. (Barbiero 2014, Azuine 2014).

Insbesondere müsste die Sicherung hygienischer, gesunder, stabiler, friedlich-gedeihender Lebensverhältnisse in den Fokus der Aufmerksamkeit rücken. Dazu gehört u.a. zum Beispiel Freiden und die Sicherung ausreichender Ernährung. Und im Kontext einer langfristigen Entwicklung gemeinde-naher Strukturen im ländlichen und im städtischen Raum müsste natürlich auch  in integrierte und qualitativ hochwertige Basisgesundheitssysteme investiert werden. Und das zu Lasten der aktuellen, voneinander isolierten Ausrottungsprogramme einzelner Infektionserkrankungen (Kieny 2014) Zudem müssten hochgefährliche und weitgehend unkontrollierte Medizineinrichtungen grundsaniert oder geschlossen werden.

Aus gutem Grund verlangte daher 2015 die damalige Präsidentin von Liberia, Ellen Johnson Sirleaf,  einen Marshall-Plan für Westafrika, der die Gesamtsituation der betroffenen Länder beeinflussen sollte.

Dieser kluge, aber nur wenig beachtete Vorschlag wertete Ebola (ähnlich wie Cholera) nur als einen Indikator desolater Verhältnisse. Folglich könne es nicht nur um die Lösung eines Einzelproblems (von vielen) gehen. Stattdessen müssten sich Regionen als Ganzes und in allen Bereichen gleichermaßen, nachhaltig-gesund entwickeln. Denn schließlich bewirkten Verelendung, Verdreckung und Verseuchung in Entwicklungsändern nicht nur lokale, sondern auch globale Folgen, wie Wanderungsbewegungen.

Die Weltgemeinschaft sollte also langfristig denken und handeln. (Virchow 1852) Und sich nicht nur mit kurzfristigen Einzel-Projekten der Entwicklungshilfe herumzuschlagen, die an einzelnen Problemen herumdoktern, und diese manchmal auch verschlimmbessern. Entwickelten sich dagegen ganze Regionen günstig, würden auch die Risiken der epidemie-artigen Verbreitung von Infektionskrankheiten sinken. (Dolin 1997)

Ebola ist nur eines der vielen globalen Krankheitszeichen.

Industrienationen wie Deutschland müssten eigentlich aus Eigeninteresse, nicht etwa aus mitleidig-humanitären Gründen, einen großen Teil ihres Reichtums, den sie auf Kosten anderer erworben haben, in „nachhaltige Entwicklungsziele“ investieren.

Das würde sehr schmerzhaft sein, und es würde auch den parteiübergreifend gewünschten Wachstumszielen widersprechen. Deshalb wird es kurzfristig nicht geschehen. Also werden sich immer mehr Menschen, um aus ihrem Elend zu entfliehen, auf den Weg nach Norden machen.

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Cholera, irgendwo in Westafrika. Bild: BNI 1998

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Literatur

Links

Aktualisierung (von 2014 und 2015): Helmut Jäger