Gefährliche Nadeln

In vielen Ländern ist das Gesundheitswesen krank.

Wer dort medizinische Leistungen in Anspruch nimmt, Risiken ein. Z.B. könnte es zu Infektionen mit Viren (Hepatitis CEbola, HIV, …) oder Besiedlungen mit antibiotikaresistenten Bakterien kommen.  

„Ebola in Congo now infecting newborn babies … WHO noted that health centers have been identified as a source of Ebola transmission, with injections of medications “a notable cause.” AP 23.11.2018 

Die große Mehrzahl der Injektionen weltweit ist unnötig

Nadelstiche trugen 2008 mindestens zu 14% der weltweiten HIV und 25% der Hepatitis B Infektionen bei (Gore 2013). Weltweit erhielten im Jahr 2000 die Bewohner von Entwicklungsländern im Durchschnitt 3-4 Injektionen, von denen nahezu 40% mehrfach benutzt waren (Hauri/WHO 2004).

In 2000, … in developing and transitional countries, unsafe injections accounted for respectively 5%, 32% and 40% of new infections with HIV, hepatitis B virus (HBV) and hepatitis C virus (HCV) …  Pépin 2014

Unsaubere Spritzen

Laut WHO sollen immer noch ein großer Teil 16 Milliarden Injektionen weltweit pro Jahr durch mehrfach verwendete Spritzen erfolgen. Die Folgen werden auf bis zu 1,3 Millionen Todesfälle pro Jahr geschätzt (Popp 2010, Pandit 2008). Annahmen wie diese sind nicht überprüfbar, weil systematische Untersuchungen zu den Auswirkungen gefährlicher therapeutischer Interventionen fehlen. Die Einführung sich-selbstzerstörender Nadeln (Guardian 2011) könnte bei flächendeckendem Einsatz das Risiko deutlich senken, verteuert aber die medizinischen Dienstleistungen (Motherbord 2015). Ferner erhöht sich die Masse an Krankenhausmüll, der oft von Kindernarbeitern nach Verwendbarem durchwühlt wird.

Die Wahrscheinlichkeit für HIV-Infektionsübertragungen durch Nadelstiche steigt. Aufgrund (u.a. intravenöser) Behandlungen nimmt die Lebenserwartungen HIV-Infizierte Personen zu, und damit die Wahrscheinlichkeit für Verletzungen in medizinischen Einrichtungen. Die Virus-Last bei mehrfach benutzten Spritzen kann dann besonders hoch sein  (Khamasi 2009).

Es wäre deshalb wichtig Patienten auszubilden, damit sie unnötige Injektionen strikt ablehnen. Offenbar haben Mensch, die wissen, wie Viren durch Hautverletzungen übertragen werden können, ein geringeres Risiko sich mit HIV zu infizieren. (Brewer 2011)

Warum ist die Nachfrage nach Injektionen so groß?

Ein Grund für die Zunahme von Injektionen ist die weltweite Vernachlässigung der Basisgesundheits-Versorgung (Public Health) durch rein technisch umsetzbare Eradikations-Programme. Dabei steht die Ausrottung eines Krankheitserregers durch bestimmte Medizinprodukte im Vordergrund. Insbesondere über private Stiftungen und Beteiligungen verfügen Ausrottungsprogramme (Beispiele: Ebola, Kinderlähmung) über ein vielfaches an Finanzmitteln als integrierte Programme gesunder Regional-Entwicklung oder Gesundheitsaufklärung.

Maßnahmen, die unnötige Injektionen verhindern könnten, werden zudem von der WHO vernachlässigt. Zum Beispiel Initiativen, die „schlechte Medizin“ durch strikte Kontrollen unterbinden, oder die Patientinnen über das Erkennen von schlechter Medizin aufklären würden. Dafür müssten die Gesundheitssysteme drastisch reformiert werden. Und das wäre für viele Beteiligten, die vom Wachstumsmarkt der Medizin  profitieren, unbequem und Konflikt beladen.

Injektionen werden häufig von PatientInnen sehr bestimmt  eingefordert.

Schmerzhafte Hautverletzungen sind mit einer stark einprägsamen psychologischen Komponente verbunden. Bei Akupunktur ist dieses Phänomen gut untersucht (Howard 2009). Injiziertes „Nichts“ (Plazebos) wirkt stärker als „Nichts“ in Pillenform. Die rituell-schamanistische Komponente ist daher sowohl für Ärzte als auch für Patienten präsenter und damit bedeutungs- und wirkungsvoller. Nach einem schmerzhaften Nadelstich glaubt frau oder man, dass es jetzt gut werde. Das mag (neben den intensiven Vermarkungs-Strategien der Produkthersteller) die große (oft irrationale) Nachfrage erklären. Der kleine Piks ist jedenfalls mit ordentlichen Gewinnmargen verbunden, zeit-effizient und die Patienten fühlen sich danach sicherer.

Die Risiken für die rein kommerziel motivierte Anwendung von Placebologie steigen mit den wachsenden Angeboten der weltweiten Krankheits- und Gesundheits-Märkte, und auch das Geschäft  „Körper-Verschönerungen“, kosmetische OP’s, Tattoos, Piercings, Botox-Anwendungen boomt.

„Alle Injektionen sicher machen!“ Ein frommer Wunsch. SIGN-Borschüre. Download,
Mehr: www.who.int/bloodsafety

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Autor: Helmut Jäger