Viel hilft viel?

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Aventis 2002: „Nachhaltige“ Gesundheit

Die offiziellen Ausgaben für Gesundheit machen in den USA bald ein Fünftel des Bruttosozialproduktes aus (BMJ 2015).

Zusätzlich geben die Amerikaner erhebliche Mittel für statistisch nicht erfaßte „Gesundhets“-Produkte aus: Drogeriemittel, Esoterikbedarf und Voodoo-Präparate u.v.a..

Und natürlich beziehen sie ihre Pillen auch via Internet aus dem Ausland oder fahren direkt dorthin, um sich als Medizintouristen verschönen zu lassen (Jäger 2011).

Das Medizingeschäft hat sich längst über „Gesundheit und Krankheit“ hinaus in alle Lebensbereiche ausgedehnt. U.a. bringt die seit 1998 vermarktete blaue Pille für schlaffe Männer (Viagra®, Sildanafil) ihrer Herstellerfirma etwa zwei Mrd. $ pro Jahr ein. Von der neuen rosa Pille für lustlose Frauen (Addyi®, Flibanserin) werden ähnlich große Profite erwartet. Und das, obwohl der Nutzen (hinsichtlich der frisch für die Droge erfundenen Krankheit) zweifelhaft ist, und das Medikament im Stoffwechsel der Neurotransmitter (Serotonin, Dopamin, Noradrenalin) herumfummelt. Und es also absehbar ist, dass es die Lebenssituation psychisch labiler Personen verschlimmern kann.

Macht der Umsatz aller Bereiche des wuchernden Medizinmarktes (zumindest in den USA) bald schon ein Viertel des Bruttosozialproduktes aus?

Werden deshalb die Amerikaner immer gesünder?

Eher nicht: Sie erkranken häufiger an Diabetes, nehmen an Gewicht zu, nutzen reichlich Alltagsdrogen zum aktivieren und dämpfen, bewegen sich weniger, müssen sich häufig wegen Krankheiten des Bewegungsapparates behandeln lassen und konsumieren zunehmend Psychopharmaka und Psychotherapie. (s. US-Statistik).

Mehr Gesundheit  erforderte anderes Verhalten: z.B. mehr Bewegung (Lamb 2015). Und natürlich auch einen geringeren Konsum vermeidbarer Pillen und Behandlungen.

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Literatur

  • BMJ 03.08.2015: US healthcare spending will reach 20% of GDP by 2024, BMJ 2015; 351:h4204
  • Jäger H, Günther M: Chancen und Risiken im Medizintourismus. Patientensicherheit, Arzneimittel-fälschungen und Organhandel. FTR, 2011, 18 (4):177-181
  • Lamb E: Better balance, fewer falls. Encourage older women to attend balance training,  BMJ 2015, 351:h3930

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Amerikanische Statistiken

Geschäfte mit der Un-Lust

Unnötige Medizin

 

Autor: Helmut Jäger