Impfmüdigkeit?

Im Deutschen Ärzteblatt erklärten eine Professorin für Gesundheits- Kommunikation, ein Kabarettist und eine Redakteurin, wie „Impf-Müdigkeit“ bekämpft werden kann. (DÄB 15.03.2019)

Was könnten sie mit diesem Kunstwort meinen? Das Auftreten von Müdigkeit nach Impfungen? Oder eher das Verhalten der „20 % der Bevölkerung, die Impfungen unentschlossen gegenüberstehen oder unsicher sind“. Aber: sind solche Widerspenstigen wirklich müde oder nicht manchmal auch hellwach?

Warum schreiben die Autor*innen pauschal von „Impfungen“? So als gäbe es bei diesen Medizinprodukten keine Unterschiede wie bei Arzneimitteln oder chirurgischen Eingriffen.

Zum Beispiel scheinen sich Lebend- und Totimpfstoffe, je nach Lebensalter ihrer Verabreichung, nicht-spezifisch unterschiedlich auszuwirken: In mehreren Studien eines Forschungsprojektes in Afrika zeigten sich über einen Zeitraum von drei Jahrzehnten positive Auswirkungen auf die Lebenserwartung, die nicht allein durch den erwarteten (spezifischen) Impfeffekt erklärt werden konnten. Bei Totimpfstoffen waren die Auswirkungen dagegen deutlich negativ, insbesondere bei Mädchen (Higgins 2016; Kandasamy 2016; Aaby 2018; Benn 2018).

Wäre es nicht an der Zeit über solche Zusammenhänge nachzudenken? Zum Beispiel über die Zusammensetzung bestimmter Impfstoffe und über geeignete Impfzeitpunkte:

Christine Stabell Benn (Vortrag, Tedx Aarhus 06.10.2018 ):
How vaccines train the immune system in ways no one expected


Mit freundlicher Unterstützung von…
DGIM Kongress 04.-07.05.2019
Dtsch Ärztebl 2019; 116(11)B427-B33Zitat; „Beispiel für typische Techniken von Impfgegnern: … Verschwörungstheorien (conspiracy theories): Die Pharmaindustrie lässt nichts unversucht, um Wissenschaftler, Ärzte und Behörden zu beeinflussen, um neue Märkte zu erschließen.“

Konsument*innen sollen nicht denken. Sie sollen tun.

Deshalb ist es den Autor*innen des DÄB-Artikels so wichtig auf jede mögliche Frage eine handlungswirksame Antwort zu finden. Damit das gelingt, schreiben die Autor*innen, müsse man einen guten Einstieg finden, Empathie und Glaubwürdigkeit vermitteln, Bedenken adressieren, Krankheitsrisiken verdeutlichen, die Impf-Schutzwirkung betonen und starke persönliche Empfehlungen auszusprechen. Zu Personen, die sich trotzdem nicht entscheiden könnten, solle der Kontakt offen gehalten werden. Man solle über die Mythen der Nachteile des Impfens aufklären und nicht einfach widersprechen, und die unterschiedlichen wissenschaftsfernen Missinterpretationen, Fake-News und Konspirationstheorien der Impf-Gegner souverän entlarven.

Die Wortwahl dieses DÄB-Artikels strahlt Glaubenskraft und Sendungsbewusstsein aus. Beides wird symbolisiert durch den Button „Ich bin geimpft!“, der an jedem Kittel getragen werden könnte. Zusätzlich wird eine Impfpflicht gefordert. Das würde den den künftigen Aufklärungsaufwand sicher drastisch kürzen.

Menschen, die kritisch nachfragen oder für sich selbst entscheiden wollen, müssen den Autor*innen entweder als dumm oder uniformiert erscheinen, oder sie gelten als gefährliche Gegner, oder als verblendete Anhänger von Verschwörungstheorien.

Fragen machen das Wesen der Wissenschaft aus

Dem Marketing und den Religionen sind die wahren Antworten wichtiger. Wird in der Wissenschaft das Fragen geringgeschätzt und die Antworten überhöht, verarmt der intellektuelle Diskurs. Übrig bleibt dann eine akademisch-korrekte Orthodoxie, die gegen „die Heiden“ zu Felde zieht. Wer in einem solchen Klima dann noch wagt, außerhalb des Mainstreams zu denken, riskiert es, ausgegrenzt zu werden.

Evidence- oder Eminenz-basiert?

Der Untertitel des Ärztblatt-Artikels verspricht Gesundheitsinformationen, die auf nachprüfbarer Evidenz beruhen. Dazu zählen, z.B. nach dem Discern-Instrument:

  • „Ausgeglichene und unvoreingenommene Darstellung von Informationen“
  • „Auflistung zusätzliche Informationsquellen“
  • „Verweis auf Unsicherheitsfaktoren“
  • „Verdeutlichung gleichermaßen von Vorteilen und Risiken“
  • „Aufzeigen von mehr als einer Behandlungsoption“

Alternativ hätten sich die Autor*innen an den „Entscheidungshilfen für Patienten“ orientieren können, die auch im DÄB veröffentlicht worden waren (Lenz 2016) oder an anderen Initiativen wie Choosing wisely oder dem EbM-Netzwerk.

Im Artikel von Betsch, von Hirschhausen und Zylka-Menhorn: leider Fehlanzeige.

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Literatur

Weitere Literatur:

Autor: Helmut Jäger