Ost-West-Beziehungen

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  • Protestantismus und Aufstieg des Kapitals
  • Geht der Westen unter?

Letzet Aktualisierung 20.01.2020

Protestantismus und Aufstieg des Kapitals

Am 31.10.1517 schlug Martin Luther (1483-1546) seine fünfundneunzig Thesen an die Kirchentür von Wittenberg. Damit soll die Reformation begonnen haben.

Einhundert Jahre zuvor hatte der Rektor der Universität Prag, Jan Hus (1370-1415) gegen den sittlichen Verfall der Kirche gewettert und eine strenge, tugendhafte Lebenslehre gepredigt. Dafür landete er auf dem Scheiterhaufen. Im Gegensatz zu Luther war es ihm nicht gelungen, gesellschaftlich Mächtige für seine fromme Askese zu interessieren. Seine Zeit war dafür noch nicht reif.

Vergessen wird häufig auch Thomas Müntzer (1489-1525). Er predigte bereits vor Luther gegen den Ablasshandel, und galt  bald als der radikale Motor der Reformation. So wurde er für alle Fraktionen des Adels und des Bürgertums gefährlich. Als die ursprünglich kirchliche Reformbewegung zu einer gesellschaftlichen Revolution ausartete, sah Thomas Müntzer in den aufständischen Bauern Werkzeuge Gottes, die eine Veränderung der Welt herbeiführen sollten. Luther dagegen strebte nach einem Einvernehmen mit reformierten Adeligen und Bürgern. Deshalb, so forderte er, solle man

die mörderischen und räuberischen Rotten der Bauern … zerschmeißen, würgen, stechen, heimlich und öffentlich, wer da kann, wie man einen tollen Hund erschlagen muss.“

So geschah es dann auch: Thomas Müntzer, der Sozialrevolutionär, wurde hingerichtet.

Plünderung des Klosters Weißenau um 1525

Der deutscher Bauernkrieg („Die Revolution des gemeinen Mannes“, „Die frühe bürgerliche Revolution“) erwies sich als ein Trauma mit sehr weitreichenden Folgen. U.a. liegt der damals geraubte Grund und Boden bis heute in den Händen der Familien, deren Vorfahren damals so plünderten und mordeten wie Georg der Bauernjörg.

Möglicherweise nahm das Obrigkeitsdenken, für das die Deutschen berühmt sind, in dieser Tragödie seinen Ausgang. Der brave deutsche Michel unterscheidet sich jedenfalls deutlich von der jubelnden, französischen Marianne, deren Revolution anderthalb Jahrhunderte später siegreich verlief.

Martin Luther schlug sich damals auf die Seite der Sieger:

Von weltlicher Obrigkeit, wie weit man ihr Gehorsam schuldig sei (1523)

Die von ihm geprägte Reformation konnte sich so auch ökonomisch ausgesprochen erfolgreich entwickeln:

Max Weber (1905) : „Die protestantische Ethik und der ‘Geist’ des Kapitalismus.“ – Zusammenfassung

Die alte Feudalherrschaft, und die mit ihr verbundene katholische Kirche standen der unbegrenzten Produktion und dem freien Austausch von Waren und Arbeitsleistungen im Wege. In der neuen sittlichen Ordnung war es für das Seelenheil nicht mehr nötig, besondere Gott gefällige Werke zu erschaffen. Denn es reichte völlig aus, Tag für Tag das zu tun, was getan werden musste. Und das streng, fleißig, freudlos und ohne sündige Gedanken, denn vergeben wurde nichts mehr.

Wer Reichtümer erwirbt, wird von Gott geliebt.

Es war diese protestantische Ethik radikaler Auswanderer (Puritanismus), die den Aufstieg der USA zur Weltmacht beförderte. Und nun kriselt das Wertesystem angesichts deutlicher Verfallserscheinungen.

Das erklärte den rauen Ton im Lagerwahlkampf um die Präsidentschaft der USA. Allerdings verband die erbitterten Gegner Hillary Clinton und Donald Trump einiges. Beide wurden auf der Grundlage der gleichen Ethik reich und mächtig. Natürlich wollte auch Hillary Clinton, dass „Amerika wieder groß wird.“ Beide strebten nach mehr Wachstum, mehr Gewinnen, mehr Erfolgen, mehr Macht und großartigeren Bilanzen. Und beiden wurde zur Durchsetzung ihrer unterschiedlichen Strategien alles zugetraut. Ökonomisch waren sie ähnlich erfolgreich. Moralisch aber erschienen sie leer: Denn beiden war das Wertesystem, in dem sie aufwuchsen, und das sie vorzugaukeln versuchen, abhanden gekommen.

Die Krisen des Kapitals und der protestantischen Ethik

Die Enkel protestantisch „Reiner“ (engl. puritans), die sich einmal für besonders moralisch hielten, stehen heute für eine entfesselte Raubtier-Mentalität:

Tea Party Patriots : Our visons: Personal Freedom, Economic Freedom …

Ihr Sieg wird einigen Reichen dazu verhelfen noch reicher zu werden: auf Kosten anderer. Die absehbaren Umweltschäden werden das Anthropozän (das Zeitalter des Menschen) noch etwas näher in Richtung Abgrund rutschen lassen.

Dagegen gehen von dem Gegner des Protestantismus , der „papistischen“ Ideologie zarte Signale aus, die zu nachhaltigen und sozial-verträglichen Entwicklungen führen könnten, zu weniger Wachstum, weniger Erfolgen, weniger Gier und weniger Gewinnen:

Laudato si‘  Papst Franziskus. 24.05.2015

Geht der Westen unter?

„Wer rettet den Westen?“ Der Spiegel Nr. 17 / 2018

Ist Arthur Spengler heute wieder aktuell?.

… Titanisch ist der Ansturm des Geldes auf die geistige Macht. Die Industrie war noch erdverbunden wie das Bauerntum. Die Hochfinanz ist dagegen ganz frei, ganz unangreifbar. … Es ist der Verzweiflungskampf des technischen Denkens um seine Freiheit gegenüber dem Denken in Geld. … Wir haben nicht die Freiheit, dies oder jenes zu erreichen, aber die das Notwendige zu tun oder nichts. …“ Spenglers „Untergang des Abendlandes“ 1918, ISBN 9783730604533, Neuauflage 2017

Seit einghundert Jahren wird Spenglers düstere Vision allerdings von der Geschichtswissenschaft verrissen. U.a. von Karl Popper, der darauf hinwies (in „Das Elend des Historizismus“), dass es in der Geschichte „geschlossene Gesellschaften“ nicht geben kann.

Zudem schwang sich ja auch die Leitkultur „des Abendlandes (freier Fluss von Produkten, Finanzmitteln, Kapital und Arbeitskräften) im 20. Jahrhundert erfolgreich in schwindelnde Höhen auf. Und alle realen oder denkbaren Alternativen zur westlichen Marktwirtschaft brachen im 20. Jahrhundert in sich zusammen.

Jetzt aber, auf dem Höhepunkt ihrer Macht, scheint die auf Wachstum gegründete euro-nordamerikanische „Wertegemeinschaft“ zu schwächeln. Zwar ist die Wirtschaftsmacht „des Westens“ immer noch tonangebend, aber

  • die großen Sieben sind heillos zerstritten (G7 in La Malbaie 2018),
  • die Bürger*innen wählen zunehmend „populistischer“ Parteien, die für reaktionäre Abschottung und wirre Außenpolitik stehen,
  • die letzten Kriege des „Westens“ um Hegemonie und Rohstoffe erwiesen sich als wenig erfolgreich, und
  • einige verstockte Länder, wie Russland, Iran und China, weigern sich unterzuordnen. (NTV 09.06.2018)

Und zugleich zeigen sich die Folgen der Ideologie des unbegrenzten Wachstums immer deutlicher: die Meere verdrecken, das Klima erwärmt sich , die Artenvielfalt nimmt ab und die Böden versauern.

Aber solange es noch gut geht besteht parteiübergreifend Einigkeit, so wie bisher weiter weiter zu wirtschaften. Nur über die Art der Verteilung unserer Reichtümer besteht Dissens und über die Art der Abschottung.

Im Westen nichts Neues?

Bei Spengler beginnt das Abendland um 900 n.u.Z in Europa. Das trifft nicht zu, u.a. weil die abendländische Leitkultur des Kreuzes wesentlich älter ist und u.a. in den östlichen Religions-Philosophien wurzelt. Das Christentum wurde zusammengerührt aus römischem Muttergotteskult, jüdischer Schriftlehre, indischen und griechischen Weltentsagungs-Religionen und den keltisch-indisch-germanischen Doppel-Hierarchien, bei denen dem Heerführer ein (für das Spirituelle zuständiger) Druide-Brahmane-Priester zur Seite stand. Damit bildeten West- und Oströmisches Christentum (Katholizismus und Orthodoxie) den idealen geistigen Überbau für den Feudalismus, und (später) auch für den Kolonialismus, der ebenso auf der Territorialmacht und der Ausbeutung von Ländereien aufbaute.

Damit die feudal-unterjochten Massen wirksam im Glauben zusammengehalten wurden, wurde ihnen durch einprägsame Rituale das vermittelt und verkündet, was sie verstehen sollten und tun mussten. Nur wenigen Auserwählten wurden die Mysterien in inneren geschlossenen Zirkeln offenbart  (Assmann: Religio duplex). In der christlichen „Doppelreligion“ (Rituale fürs Volk und Geheimlehren für Insider) war es völlig unnötig, lateinische Bibel-Texte zu übersetzen, denn das Volk sollte nur glauben und folgen, aber nicht versuchen, etwas zu verstehen.

Mit der Entwicklung der Produktivkräfte taumelten die Feudalsysteme und ihre Kirchen in eine Sinn-Krise, wie sie der Roman Don Quichote schildert. Geld und Waren verlangten zunehmend nach freiem Austausch,  und schließlich mussten auch die Leibeigenen und Sklaven befreit werden, damit sie als beliebig einsetzbare Lohnarbeiter dorthin verschoben werden konnten, wo das Kapital sie brauchte. Für diese veränderte gesellschaftliche Ordnung mussten neue Formen des ideologischen Überbaus entstehen, die sich, wie die protestantische und die jüdische Ethik, dem unbegrenzten Wachstum des materiellen und finanziellen Kapitals besser anpassen konnten. (Weber 1905)

Solange es dann Europa und Amerika, stetig wachsend, immer besser zu gehen schien, bildeten sich besonders nach dem 2. Weltkrieg auch Werte heraus, die das Leben im Westen heute so angenehm machten: Meinungsfreiheit, Liberalität, sozial abgefederte Marktwirtschaft, Menschenrechte, Gleichberechtigung, Rechtssicherheit, Umweltschutz, Bildung, …

All das war und ist teuer, aber es sorgte „im Westen“ für Ruhe, relativ stabile Lebensbedingungen, hohes Konsumverhalten und für die ergänzende Ablenkung durch Medien, Events, Spiele, Web-2 und Genuss- oder Suchtmittel. Zunehmend aber kam trotz dieses Wohlstandes unmerklich der Sinn abhanden:

„Wer Visionen hat, soll zum Arzt gehen.“ Helmut Schmidt 2009

Ohne ideologischen Überbau, der (wie ein Gott oder eine positive Zukunftsphantasie) über den Herrschenden steht, und einen Gemein-Sinn vermittelt, verhalten sich erfahrungsgemäß die Massen bei ernsthafteren Erschütterungen unangenehm. Denn sie suchen sich dann irrationale Führer, die sie verstehen können und denen sie glauben, und fegen möglicherweise das weg, was ihnen im Weg steht.

Der „Westen“ ist also bedroht: Die Ideologie der alten Kirchen verliert immer mehr Glaubwürdigkeit. Und die Ersatzreligionen (wie uva. der Fußballgott), lenken zwar erfolgreich ab, weisen aber nicht in eine erstrebenswerte Zukunft. Aber andere Ideologen (die sich nicht um Demokratie scheren) verfügen sehr wohl über Visionen und nutzen auch die modernen Formen der ameisenhaft gesteuerte Lenkung zunehmend für ihre Zwecke (Jaron Lanier: TED Vortrag)

In Russland und Polen wird versucht, die alten christlichen Kirchen für moderne Formen der Machtausübung und Kontrolle wiederzubeleben. Dort segnen Popen mit mittelalterlichem Ritual-Gehabe Raketen, oder Minister des 21. Jahrhunderts knien, wie im Wahn, ergriffen vor Maria. Beides wirkt aufgepfropft, und hat mit der gottlosen Kapitaldynamik, die auch in diesem Ländern die Märkte beherrscht, nichts zu tun, sondern sorgt nur für etwas Stabilität in unsicheren Zeiten.

Die Mullahs und Scheichs versuchen sich an einen mittelalterlichen Islam zu klammern, und ihn der Dynamik der Kapital-Märkte über zu stülpen. Aber solange der Islam noch auf eine modernisierende Reformation wartet, steht er prinzipiell im ideologischen Widerspruch zur Unterordnung aller Werte unter das Gewinnstreben, das aber genau diese islamo-kapitalistischen Gesellschaften beherrscht. Die Stabilität der islamischen Theokratien beruht nur auf auf dem Verkauf fossiler Brennstoffe beruhen, die zufällig unter ihrem Territorium herumliegen, und da sie trotz konservativer Religiosität zunehmend ethisch verarmen, werden sie irgendwann implodieren oder von Revolutionen durchgeschüttelt werden, aus denen dann zwangsläufig neue (aus dem Islam erwachsene?) Ideologieformen entstehen müssten.

Steigt „der Osten“ auf, wenn „der Westen“ untergeht?

In China wächst klammheimlich und we­itgehend unbemerkt eine neue (und zugleich alte) Ideologie, die den Kapitalismus zu integrieren versucht, um in so zu dominieren. Man könnte sie mit dem alten chinesischen Bild „Auf dem Tiger reiten“ beschreiben.

Der Tiger macht aus Angst Angst. Yüan Shih-chen, 1938

Nach den Schrecken und Hungerjahren der Kulturrevolution, wurde in China ein raubtierartiger, brutaler Frühkapitalismus entfesselt, der zu entsetzlichen Umweltzerstörungen führte. Der Wahnsinn der Bilderstürmerei hatte die ideale Basis geschaffen, für ungehindert freies Wachstum des Kapitals. Alles was sich im „Westen“ als nützlich und produktiv erwiesen hatte, wurde erfolgreich kopiert, und scheinbar kritiklos übernommen. Mit Erfolg: Deng Xiao Pings Katze fing tatsächlich Mäuse. Peking erstickt zwar im Smog, aber die Wirtschaftsmacht Chinas wächst immer stärker.

Warum gelang es dem „Westen“ nach der Kulturrevolution nicht, so wie in Opiumkriegen im 19. Jahrhundert, China wieder zu unterjochen?

Statt das am Boden zerstörte Großreich an den „Westen“ auszuliefern oder, wie in Russland an Oligarchen zu verhökern,  besannen sich die chinesischen „Kommunisten“ um Deng Xiao Ping auf die zweitälteste Staatsreligion der Erde: den Konfuzianismus. Er entstand etwa 300 Jahre nach der Gründung des ersten Gottesstaates im persisch-medischen Großreich, das von dem Monotheismus des Zarathustra zusammengehalten wurde.

Konfuzius, ein ritual-verliebter Opferpriester, benötigte für seine formal-streng, ritualisierte und regulierte Religion keinen Gott. Vielmehr sollten die heiligen und symbolischen Handlungen so ausgeführt werden, als ob es Götter, Geister oder Ahnen gäbe. Damit Menschen, harmonisch und „human“ handelten, brauchten strikte Regel, Kontrollen und eine ernste straff organisierte hierarchische Führung.

Mit diesem Mix aus Raubtierkapitalismus und konfuzianischen Ritual entwickelte sich tatsächlich ein chinesisches Wirtschaftswunder, ohne Ausbruch sozialer Widersprüche und Aufstände. Maximale Ausbeutung, Umweltverseuchung und schlimmes Unrecht  lösten keine Klassenkämpfe aus und führten noch nicht einmal zur Gründung von Gewerkschaften. Die das Land führende Organisation nannte sich weiterhin kommunistisch, und dass sie es nicht ist, wird behandelt wie ein Staatsgeheimnis. Gäbe es „Kommunisten“, die von ihrer Partei die Durchsetzung ihrer Ideale (z.B. Arbeiterrechte), würden sie vermutlich als gefährlich-subversive Elemente bekämpft werden.

Gemeinsam sind dem modernen dem klassischen Konfuzianismus die höchste Autorität (des Kaisers oder des Parteivorsitzenden). Allerdings bildete der neukonfuzianische Beamtenapparat vor 2000 Jahren den Staat, während heute die Macht ausübende KPCh parallel zu Staat und Wirtschaft organisiert ist, und so von keiner anderen übergeordneten Autorität kontrolliert werden kann. Nicht von den Parlamenten, von keinem Gericht und von keiner Regierung. Idealerweise kann sie so das Volk effektiv lenken, den inneren „Frieden“ bewahren, die zerstörerischen Effekte des explosiven kapitalistischen Wachstums im Zaum halten und die Auslieferung an das westlich bestimmte Kapital verhindern. Das Modell Hongkong, in dem der „ideologisch sinnentleerte Westen“ seine Finger im Spiel hat, ist deshalb für Peking langfristig perspektivlos.

Der Konfuzianismus war und ist eine starke und eifersüchtige Religion, die vielfach bewiesen hat, dass sie effektiv für Ordnung, Harmonie und Stabilität sorgt, die Massen zusammenhalten kann und schon im Ansatz Rebellionen, Unruhen, Streiks und Aufstände verhindert. Individuelle Freiheiten (oder gar Demokratie) sind ihm ebenso fremd, wie mystisch, spirituelle oder jenseits-bezogene Glaubenssysteme (Daoismus, Islam, Christentum, Buddhismus). Und wie vor 2.500 der alte Opferpriester machen sich jetzt moderne Konfuzianer daran durch ein lückenloser Sozialkontrollsystem einen neuen Menschen zu erziehen (Stern 17.05.2018)

Westlern mag dabei ein Schauer des Entsetzens über den Rücken, aber immerhin scheinen in dieser neu-konfuzianischen Theokratie keine Psychopathen oder Narzissten zu regieren, so dass in der Weltlage China wie einen Hort der Stabilität und Ruhe erscheint.

Kim Jong Un’s schwierige Wahl

Korea’s Kim könnte das „Libysche Modell“ des Westens annehmen, dass ihm Donald Trump vorschlug (Spiegel 18.05.2018): Atomwaffen verschrotten, auf den Volksaufstand und die Invasion warten, und dann wie Ghaddafi aus einer Abwasserröhre gezogen werden. Oder er sich die chinesische Theokratie zu kooperieren versuchen.

Eine dritte Möglichkeit, die Reichtümer und Fabriken an mafiöse Oligarchen zu verhökern, wird sich ihm nicht bieten, weil es keine parallele Ideologie (wie in Russland die Orthodoxie) gibt, die das Volk weiterhin im Glauben zusammenhalten könnte.

Die zweite Lösung des Neo-Konfuzianismus ist auch nicht besonders attraktiv für einen jungen Diktator, denn in dieser Religion ist der „Sohn des Himmels“ nur so frei wie eine Bienenkönigen, die lebendig begraben, zwar intensiv versorgt wird aber ohne Unterlass nur das tut, was sie muss. Andernfalls würde sie tot gebissen. Wenn also in China tatsächlich diese alte Staats-Religionslehre wieder reaktiviert wurde, und nicht stattdessen eine Bande von Dieben und Gangstern den Staat unter sich bereits heimlich aufgeteilt hat, dann entwickelt sich dort die ideale Grundlage für einen Insektenstaat, in der auch der Höchste, und sei es demnächst die koreanische Oberameise Kim Jong Un persönlich völlig unfrei funktionieren müsste.

Solche Aussichten mögen Westlern fremd erscheinen, aber sie müssen, da „der Westen“ gerade das Ökosystem der Erde in den Abgrund steuert, für die Erde nicht unbedingt schlecht sein. Außerdem bringt der Konfuzianismus noch einen großen Vorteil mit sich:

Ihm ist der Zusammenhalt lebender Systeme wichtiger, als die Konzentration auf tote Einzelfaktoren.

Welche Chancen hat der Westen noch?

Um das Wertvolle europäischer Kulturen zu bewahren, müssten neue Visionen entstehen, für die es lohnte sich zu engagieren, oder sich vielleicht sogar mit reißen zu lassen.

Die Regierenden könnten z.B. die typisch westliche Sicht des unbegrenzte Wachstums zur Anhäufung toter Geldmengen, revidieren, und für nachhaltig sinnvolle Zusammenhänge tätig werden (McGilchrist 2012).

Man könnte ernsthaft mit einer Transformation der Gesellschaft beginnen, und z.B. damit anfangen die Erde aufzuräumen, damit spätere Generationen noch auf ihr überleben können.

Mehr

Literatur

Letzte Aktualisierung: 29.01.2020