Medizin: Ein krisensicherer Wachstumsmarkt

Wachstumsmarkt Medizin
Einladung an Investoren: „With a total volume of around EUR 320 billion, Germany is a large and attractive health care market. … This book … devising a market access strategy and identifying potential pitfalls and misunderstandings.“ (BMZ 2016)

Medizin ist eine Kunst.
Und manchmal auch ein Geschäft. 

Die Kunst, mit Medizin Geschäfte zu machen, besteht darin, Sorgen auszulösen oder zu nutzen, um sie dann mit Produkten und Dienstleistungen wieder zu nehmen.

Das Deutsche Ärzteblatt schreibt, die Gesundheitsbranche sei einer der wichtigsten Motoren für Wachstum, Beschäftigung und Innovation. (Sogorski 2016)

In diesem Sektor seien 6,8 Millionen Menschen beschäftigt, die etwa 324 Milliarden €, d.h. 12 % des Brutto-Inlandsproduktes, erwirtschaften.

In Deutschland  wuchs die Branche von 2004 bis 2014 jährlich um etwa 3,5%, und übertraf damit deutlich das Wachstum der Gesamtwirtschaft in dieser Zeit. Im Osten Deutschlands sollen 16,8 % aller Arbeitsplätze zum Gesundheitsbereich gehören.

Die Aussichten für ein weiteres Wachstum dieses lukrativen Wirtschaftsbereiches sind gut, zumal sich Bundesministerien (wie das BMZ) um ausländische Investoren bemühen. Und weil die ohnehin riesige Nachfrage auch in den neuen Märkten der Entwicklungsländer stetig steigt: Afrikaner scheinen Gesundheit schon für das Zweit-wichtigste im Leben zu halten.

Gesundheitsausgaben: Weltweit bald 20% des gesamten Bruttosozialproduktes (BMJ 2015)

nobilin
„Ihre Gesundheit unterstützen kostet im Monat nur 9,90€!“

Die hier genannten Daten zum Gesundheitsmarkt beziehen sich nur auf Produkte und Dienstleistungen, die speziell und offiziell zur Krankheitsbehandlung oder Gesunderhaltung angeboten werden.

Hinzu kommt aber noch der „graue“, unüberschaubare, kaum oder nicht kontrollierte Markt der Dienstleistungen und Produkte der Körperverschönerungen, der Optimierungen oder des Körper- oder Gehirn-Dopings, der Beruhigung- oder Schlafmittel, der Stärkung des Immunsystems oder der Darmregulierung, des Medical Wellness und des Medical Tourism, der Drogerie-Artikel und der als „gesund“ verkauften Suchtmittel, der  Scharlatanerie, der Lebenskrisenberatungen, der Konsumenten-freundlich-alternativen-Produkte, der Nahrungsmittel-Ergänzer, der Internet-Medizin uva.

Überleben in ökonomischen Wellen.

Komplex
Hokusai (1760-1849): Die Welle

Die Dynamik des Medizin-Marktes gleicht einer Welle (Neofiodow 1996), und die Auswirkungen dieses Tsunamis auf die Gesundheit sind nicht  (nur) positiv (Illich 1974).

Denn Gesundheit ist eigentlich ein Zustand, bei dem kein Bedarf besteht, Gesundheits-Produkte oder -Dienstleistungen einzukaufen. Wer also den Gesundheitsmarkt nicht braucht, ist oft gesund.

Die Seeleute, die in Hokusais Wellen navigieren, scheinen Ruhe zu bewahren. Sie behalten die Übersicht, weil sie sich an einem Berg orientieren, der unerschütterlich ruhig und fest zu stehen scheint.

Wie aber soll man als Patientin oder Patient gelassen bleiben angesichts regelmäßig aufschäumender, medialer Wellen , die Angst und Schrecken verbreiten (s. Graphik), oder beim Lesen oder Sehen „zufälliger medizinischer Nachrichten“, die täglich aufs Neue verwirren? (s. Karikaturen)

Mücken und Elefanten
Virtuelle Seuchen: www.informationisbeautiful.net

Vorschläge zur Orientierung im Gesundheits-Dschungel

Es lohnt, zu prüfen, ob das was an Gesundheitsleistungen konsumiert wird, wirklich nötig ist (Morgan 2015),

und sich an Qualität und Evidenz zu orientieren.

Man (oder frau) kann sich Behandler/innen suchen, die kommunizieren, Beziehungen aufbauen, mitfühlen und mithelfen, den Gesundheitsmarkt so schnell wie möglich wieder zu verlassen.

Also Menschen, die mithelfen, den Bedarf nach Gesundheitsleistungen zu senken. (Chadwick 2015), und die versuchen, die Sicht der Betroffenen zu verstehen  (Loxterkamp 2015).

Literatur

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Autor: Helmut Jäger