Menschlich vermittelte Statistik

Angesichts von Zahlenkolonnen reagieren viele hilflos ..

.. und ziehen dann scheinbar sicher und intuitiv vorschnelle Schlüsse. …

Darmkrebs

Darmkrebs- oder Botox-Risiko?

Risiken und Nutzen von Früherkennungsuntersuchungen sind nicht einfach zu verstehen.

Besonders, wenn die Ergebnisse der Statistik dem „gesunden Menschenverstand“ oder dem „Bauchgefühl“ widersprechen.

Mühlhausen Vorsorge
Mühlhausen, rororo 2017, ISBN 978 3 499 63255 6

Risikoforscher, die sich mit diesen Zusammenhängen beschäftigen, beklagen eine fehlende, ärztliche Statistik-Kompetenz.

Screening-Methoden würden zunehmend zur juristischen Absicherung eingesetzt, „um nichts zu übersehen“. Und oft würden Methoden, deren Risiken den Nutzen übersteigen, unkritisch (wider besseres Wissen) angewandt werden (Mühlhauser 2017).

Das was Medizin-Statistiker (s.u.: Gigerenzer, Beck-Bornhold&Dubben, Mühlhauser) und auch mich zur Verzweiflung bringt, ist, dass nur extrem wenige im Medizin-Business die Test-Logik verstehen. Mit Risiken und Test-Systemen wird nämlich meist nicht rational, sondern emotional-kommerziell umgegangen.

Die Statistiker wiederum glauben,

  • sie wüssten wie es ist, und
  • wenn man dieses Wissen nur einfach genug aufbereite, müsse es jede/er verstehen.

Beides ist falsch.

Statistisch fassbare Daten beziehen sich immer nur auf wenige Faktoren eines Gesamtsystems. Damit Messungen exakt ausfallen, werden dafür alle anderen (oder die große Mehrzahl) der beteiligten Faktoren ausgeschlossen. Es werden Bedingungen geschaffen, die die „störenden“ Wechselwirkungen und Beziehungen der realen Welt bei der Beobachtung beseitigen.

Der direkte Rückschluss von Experimenten, die Messdaten liefern, auf die Realität einer Patienten-Situation wäre deshalb irreführend.

Die Erkenntnisse statistischer Daten sind nicht auf konkrete Situationen übertragbar.

Frau Mühlhauser beklagt zu Recht, dass es Menschen, die leiden oder die Angst verspüren, an der Fähigkeit mangelt, Risiken zu verstehen und für sich selbst abwägend zu beurteilen. Und ferner, dass Patientinn/en den Überangeboten der Gesundheits-Wirtschaft ziemlich hilflos ausgeliefert sind.

Bereits vor 2.500 Jahren soll ein griechischer Arzt empfohlen haben, dass der, der ein Beim
amputieren kann, nicht der sein darf, der entscheidet, dass das Bein abgeschnitten wird. In der modernen Gesundheitswirtschaft gewinnt dieses Prinzip erheblich an Bedeutung.

„Unabhängige Beratung muss möglich sein!“ Ingrid Mühlhauser 2017

Damit es Patientinn/en ermöglicht wird, eigene, rationale, selbstbewusste
Entscheidungen zu treffen und weniger Blödsinn zu konsumieren. …

Zum vollständigen Artikel

Weiter

Wahrscheinlichkeit

Gesundheitswirtschaft

Autor: Helmut Jäger

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.