Aus vollem Herzen lachen (2/2)

Ist Lachen gesund? 1/2 (22.03.2017)

Fröhlich, frech und gesund. (Jäger, Tansania 1983)

Lachen stärkt die Beziehung …

… wenn gemeinsam, fröhlich und spielerisch gelacht wird.

Oder wenn sich jemand mit verschmitzten Humor über sich selbst lustig macht.

Auch Bonobo können schon freundlich-friedlich-lach-ähnlich grimassieren. Vermutlich verhilft  ihnen dieses Verhalten zu einer spielerischen Kommunikation, die ihre sozialen Bindungen fördert.

Menschen können aber noch mehr. Weil wir aufrecht gehen, und so Brustkorb, Zwerchfell und Rippenmuskeln unbelastet und frei schwingen, können wir „aus vollem Herzen lachen“. Dabei werden zusätzlich die Stimmbänder und die Gesichtsmuskulatur gelockert, und auch die weit vom Herzen entfernten Blutgefäße geweitet (Seiler 2005).

Lachend schlägt dann das Herz (sympathisch angeregt) „höher“, wird aber zugleich mit der vertieften Ausatmung durch den Vagus-Nerven gedämpft (so genannte Respiratorische Sinusarrhythmie). Und wenn sich dann jemand „vor Lachen ausschüttet“, wird schließlich der ganze Körper einbezogen und durchgeschüttelt.

Säuglinge lachen (noch) nicht

Herzliches Lachen erfordert die Ausreifung bestimmter Nerven-Funktionen. Und das dauert mindestens ein Lebensjahr:

Trotzdem ist die normale Einstellung eines Kindes von Beginn an fröhlich

Aufmerksame Mütter und Kinderärztinn/en spüren, dass ein Kind krank ist, sobald es aufhört, „guter Dinge“ zu sein. Denn für ein Kleinkind ist eine positive Einstellung normal.

Intelligent Lachen können Kinder ab dem Kasperle-Alter (mit frühestens drei bis fünf Jahren). Dann beginnen Kinder zu verstehen, dass jemand anderes denkt, oder fühlt, dass ein anderer etwas glaubt. Deshalb müssen beim Kasperle (anderes als beim Kinderkanal) die Spielfiguren mit den Kindern reden und kommunizieren.

Humorvolles Lachen

Lachende können sich mit schmunzelnder Fröhlichkeit selbst in Frage stellen. Und sich sogar (manchmal) über ihre Weltanschauungen und Wahrheiten lustig machen.

Dabei dämpfen sie ihr autonomes Nervensystem und die Herz- und Lungenfunktion, die sonst bei Verunsicherungen gestresst reagieren würden. Damit sie das können, brauchen sie Sicherheit und Selbstvertrauen, damit Neugier, Überraschung und Freude nicht bei zu starker Verunsicherung in Angst umschlägt.

Es ist deshalb nicht verwunderlich, dass fröhlich-friedvolles Lachen Stressreaktionen besänftigt und sich so nachweislich positiv auf die Regulierung des kardiovaskulären Systems auswirkt. (Miller 2009, Higgins 10, Kob 2008)

Eine positive Grundstimmung löst Verspannungen und Verkrampfungen.

Bereits vor drei Jahrtausenden behaupteten chinesische Philosophen, dass es für die Gesundheit günstig sei, wenn sich der Geist in einem Zustand „Inneren Lächelns“ befinde, bevor man handele. Denn so könnte „das Herz die Führung übernehmen“, und Geist und Körper würden ihm so willig nachfolgen.

Tatsächlich ist das Herz der grundlegende Rhythmusgeber des Körpers, der lange vor der Hirnfunktion eines Embryos den Puls des Lebens vorgibt, in den sich alle anderen Zellen einfügen. Die anatomische Verbindung des Herzens zum Gehirn (Nucleus Tractus Soletarius) ist mindestens ebenso stark, wie die von der Steuereinheit im Stammhirn zum Herzen (Nucleus ambiguus).

Hirn und Herz bilden eine Funktionseinheit, einen Schwingungszusammenhang, in dem beide Organe (sich im Zusammenklang mit anderen) jeweils gegenseitig beeinflussen, oder sich in Resonanz verstärken oder dämpfen.

Humorvoll-fröhliches Lachen lockert diese Beziehung auf. Es stärkt die Wahrnehmung der Gegenwart, gegenüber der Zukunftsangst oder dem depressiven Kleben an der Vergangenheit.

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Literatur

  • Bot I et al.: Stressed brain, stressed heart? Lancet 11.01.2017
  • Duchenne GB: Mécanisme de la physionomie humane. Analyse electrophysique de l’expression des passions. Ve Jules Renouard, 1862
  • Higgins JP: Altitude and the heart: is going high safe for your cardiac patient. Am Heart J 2010, 159(1):25-32
  • Kop WJ et.al.: Effects of acute mental stress and exercise on inflammatory markers in patients with coronary heart disease and health controls. Am J Cardiology 2008, 101(6)767-77
  • Kop WJ et.al.:The role of immune system parameters in the relationship between depression and coronary artery disease Psychosom Med 2005, 67 (Suppl1):S37-41
  • Ferner RE: Laughter an Mirth. BMJ 2013, 347:f7274 (Volltext)
  • Miller M: The Effect of mirtthful laughter on the human cardiovascilar system. Med Hypotheses 2009, 73(5):636ff. – Video 2009 Video 2015
  • Provine R: Laughter: A Scientific Investigation. Pinguin 2001, Zusammenfassender Kommentar
  • Seiler B: Laughter helps blood vessels, 2005, Univ. of Maryland
  • Stollmann R: Groteske Aufklärung. Studien zur Natur und Kultur des Lachens 1997.  Interview
  • Tawakol A eta l: Relation between resting activity and cardiovascular events. The Lancet 2017, 389:834-835

Autor: Helmut Jäger