„Nachhaltiges Wachstum“: Unwort des Jahres?

„Gutmensch“ war das Unwort des Jahres 2015.

Gaia
Die Antwort auf die rhetorische Frage „Machen wir sie gerade kaputt?“ ist eindeutig: Ja! (Chrismon 02.07.2017)

„Gutmenschen“ könnten Verrücke sein, die sich sorgen, wie sich die sozialen und ökologischen System auf unserem Planeten zurzeit entwickeln.

Bisher hätte man vielleicht sogar Angela Merkel zu den Gutmenschen rechnen können. Denn sie konnte emotional handeln (Kehrtwende der Atompolitik nach Fukushima-Schreck), war zu Visionen fähig („Wir schaffen das!“) und erinnerte im Juni 2017 den mächtigen Narzissten in den USA an die Zukunft „unserer Mutter Erde“.

Nun hat sie aber, um die Raubtiere auf dem „G20-Gipfel“ bei Laune zu halten, und sie durch ihren Ring springen zu lassen, einen Begriff erfunden, der es würdig wäre zum Unwort des Jahres 2017 erklärt zu werden: „Nachhaltiges Wachstum“ (Reuters 02.07.2017).

Die Wortkombination macht so viel Sinn wie „Schwarze Eisbären“, „Tiefgekühlte Hitze“ oder „Fröhliches Absterben“.

„Nachhaltigkeit“ geht auf den Förster Georg Ludwig Hartig zurück: Ein Wald solle so verwaltet und geschützt werden, dass er auch künftigen Generationen Nutzen bringe.

Angesichts begrenzter Ressourcen ist aber „Wachstum“ (im Sinn von „mehr, mehr, mehr …“) die beste Strategie, um Nachhaltigkeit zu verhindern. Das ist seit 1964 bekannt. Nötig wäre stattdessen eine Transformation (qualitatives Wachstum im Sinne von „anders …“).

Das interessiert die Weltwirtschaft aber nicht, da

  • zurzeit noch nicht alles verbraucht, verdreckt und verwüstet ist, und
  • es sich dort, wo Geld und Macht sich konzentrieren, noch ganz gut und sicher leben lässt.

Also weiter so?  

Auch den G20-Politikern dürfte klar sein, dass die Oberfläche der Erde ein geschlossenes Öko-System darstellt. Außer Sonnenstrahlen kommt von außen wenig hinein, und alle hier produzierten Abfall-Gifte bleiben drin. Folglich wäre es logisch, nicht mehr zu konsumieren als das Öko-System liefert. Und das System auch nicht weiter zu verdrecken, als wieder ab- und umgebaut werden kann.  (Foley 2017)

Mit zunehmendem Bevölkerungswachstum und erhöhtem Verbrauch der verfügbaren Ressourcen wird das  “Ökosystem Erde“ gestresst.

Mit Verlust an Artenvielfalt, Umwelt-Verdreckung, und soziale Konflikte um Ressourcen  tauchen typische Zeichen eines radikalen System-Wandels auf.

Der könnte von einem Kollaps der dominanten Spezies (Mensch), zur Entwicklung alternativer biologischer Lebensformen oder zu einem Kollaps des gesamten Ökosystems führen. Vignieri, April 2017 (frei übersetzt)

Der Begriff „Nachhaltiges Wachstums“ kann nur „noch mehr Autos, noch mehr Abfall, noch mehr Konsum …“ bedeuten. Z

ugleich soll er vermutlich die Illusion fördern, in unserem gut umzäunten Vorgarten bliebe alles wie bisher. Das mag eine kluge Wahlkampfstrategie sein, weil es mit allen Koalitions-Farben vereinbar ist: schwarz, braun, gelb, grün, rot und rosa-rot.

Bedeutet „Nachhaltige Wachstum“ nur „Nach mir die Sintflut!“ ?

Von den mehr als 50 Millionen, die der G20-Gifel kostet, etwas Nützliches für das „Ökosystem Erde“ zu erwarten, wäre irreal.

Allerdings regen Begegnungen wie diese viele zum Selber-Denken und Handeln an. Das macht (mir) Mut.

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Literatur

Autor: Helmut Jäger