Zeit für den nächsten Bewusstseins-Sprung?

Unbewohnbare Erde
It is, I promise, worse than you think. If your anxiety about global warming is dominated by fears of sea-level rise, you are barely scratching the surface of what terrors are possible, even within the lifetime of a teenager today… Rising oceans are bad, in fact very bad; but fleeing the coastline will not be enough. New York Magazine 09.07.2017

Immer mehr Wachstum

Wahlkämpfer aller Parteien werben mit stabilem Wachstum. Den einen ist das Erjagen der Beute wichtiger, und den anderen ihre gerechte Verteilung. Im Prinzip soll aber alles so bleiben, wie es ist: vor allem sicher, sauber und mit reichlich Ablenkung, Spiel und Spaß.  Trotz zunehmender Turbulenzen, da draußen vor dem Zaun.

Seit 1964 ist bekannt, das dem weltweit unbegrenzten Wachstum früher oder später ein Kollaps folgen muss. In der Wissenschaft besteht seit langem Einigkeit, dass eigentlich eine Transformation nötig wäre, weg von quantitativem hin zu qualitativem Wachstum. Bereits auf der Welt-Umweltkonferenz in Rio 1992 war man sich hierin einig und wagte einen vorsichtigen Vorstoß: Die Agenda 21. Sie sollte weltweit (sogar unterstützt von konservativen Regierungen) ein Umdenken der Menschheit anregen.

Weniger als 10 Jahre später wurde dieses zarte Kümmer-Pflänzchen auch in Deutschland nach seinem Schattendasein endgültig beerdigt: durch eine „rot-grüne“ Regierung, der genau wie der Wirtschaft, kurzfristiges Wachstum (Agenda 2010) mehr am Herzen lag als Nachhaltigkeit.

Damit der Umweltgedanke nicht völlig unterging, konzentrierten sich verzweifelte Umweltwissenschaftler anschließend auf das scheinbar drängendste Problem, auf das Klima. Andere Aspekte der weltweiten Umweltdegradierung (Böden, Meer, Artensterben, Wasser, Radioaktivität, Plastik …) gerieten in den Hintergund, um es für Politiker nicht zu komplex zu gestalten. Aber selbst bei dem Rest-Thema „Klima“ ist eine konsequente Wende (oder gar eine Transformation) nicht absehbar.

Deshalb müssten eigentlich Überlegungen, wie es der Menschheit gelingen könnte, vom Schädling zum Nützling der Erdoberfläche zu werden, den Wahlkampf bestimmen. Sie tun es aber nicht.

Düstere Zukunftsszenarien

Der Physiker Stephan Hawking gibt unser Spezies nur wenig mehr als 100 Jahre. Dann müsste sie die Erde verlassen und einen anderen Planeten infizieren. Einige Unternehmer wie Elon Musk verschleudern Unsummen, um für ein paar von uns ein neues Paradies auf dem Mars einzurichten. Ist es also bald aus auf diesem wunderschönen Planeten, selbst ohne Atomkrieg?

Ein anderes unschönes Szenario könnte sich entwickeln, wenn das stetig profit-orientierte Wachstum, in immer unkontrollierbaren lokalen Konflikten und Völkerwanderungen kollabieren würde. In einer solchen Chaos-Periode, in der das Licht ausgehen würde, hätten nur Menschen eine evolutionäre Chance, die sich lokal selbstversorgen und verteidigen könnten an Orten, die noch mit dem Leben vereinbar wären.

Oder aber, und das wäre die optimistische Variante, ein kleiner Teil der Menschheit (vielleicht fünfzehn Prozent?) machte einen Bewusstseinswandel durch, der nachhaltige Verhaltensänderungen bewirkte, die ganz langsam auch den Rest der Menschheit in ihren Bann zögen.

Bewusstseins-Veränderungen?

Homo sapiens stand im Labyrinth der Evolution mehrmals vor dem Aus, bzw. vor Abzweigungen, die einen Richtungswechsel erzwangen. Hätten unsere Vorfahren diese nicht vollzogen, gäbe es uns nicht:

evolution des bewusstseins
Sprunghafte Evolution des Bewusstsein

Der erste Bewusstsseins-Sprung des Homo sapiens gegenüber anderen klimatisch besser angepassten und stärkeren Frühmenschen war (vielleicht vor 60.000 Jahren) seine neue Fähigkeit zur starken Paarbindung. Menschen wurden zu Heldinnen und Helden, die, Sehnsucht getrieben, auch ohne direkte Befehle wussten, was unter Einsatz des eigenen Lebens zu tun war, um in der Erfüllung ihrer Rolle belohnt zu werden.

Dieses Herrschaftssystem erwies aber als unfähig, Bauern und Städter zur Arbeit zu zwingen. Daher musste es durch eine äußerst blutige Revolution abgelöst werden: von der Herrschaft der inneren Götter, die Schläfer in ihren Träumen verfolgten, oder tagsüber als direkt hörbare Stimmen etwas befahlen, und die bei Widerspruch mit dem Tod oder Schlimmerem drohten. Aus dieser Zeit stammt der Bruch mit dem zyklischen Denken ewigen Werdens und Vergehens: Es wurde ersetzt durch den linearen Zeitstrahl, an dessen Ende zwangsläufig der Tod steht.

Dann vor 3.000 Jahren, als immer weniger Menschen (wie noch die Propheten) ihre Psychosen hören konnten, tauchten zwei neue Bewusstseins-Systeme auf: die Fähigkeit zum Selberdenken und die äußere, den Menschen übergeordnete Wahrheit.

Wissenschaft, Recht und Religionen haben inzwischen die Wahrheitssysteme vielfach ausgestaltet. Manche Menschen läßt man auch selberdenken (wenn sie auch nicht alles sagen dürfen). Und nahezu alle modernen Kulturen beruhen auf der Grundlage, die in der neolithischen Revolution gelegt wurden: der Linearität vom Problem der Naturbeherrschung zum Ziel des unbegrenzten Wachstums. Und dieses Verhalten gerät mit zunehmender Umweltzerstörung in die Krise.

Und nun?

Menschen brauchten im Grund nichts revolutionär Neues entwickeln.

Sie könnten stattdessen auch das, was sich schon einmal in ihrer Evolution bewährt hatte, und in den modernen Zivilisationen zunehmend vergessen wurde, für die heutigen Anfordernisse reaktivieren und weiterentwickeln:

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Artikel H. Jäger