Obertönen

Schrottlaster
Viel Zeit zum Tönen. Jäger 1979

Auswahl

  • Schwierigkeit: relativ hoch. Die Übungen erfordern Geduld und Neugier.
  • Zeit: Ein paar Stunden
  • Ort: Ideal im Auto, während einer langen Fahrt. Am besten im Stau. Nicht empfehlenswert: In der Bahn.
  • Wirkung: intensiv. Es besteht das Risiko, sich selbst zu begegnen.

Vorbereitung

Planen Sie die Übungen ein für langweilige Autofahrten, bei denen sie sich sonst durch Medien ablenken lassen würden. Oder für einen einsamen Rastplatz am Berghang oder auf einem Deich, dort wo ihnen entweder nur Murmeltiere oder Schafe zuhören können. Oder lassen Sie sich viel Zeit in Ihrer Badewanne und beginnen einfach so zu Tönen.

Prinzip
Wenn Sie möchten, probieren Sie es sofort aus.

  • Lassen Sie ein aaa ertönen und es langsam (über ein o) in ein uuu übergehen.
  • Lassen Sie ein uuu ertönen und es langsam (über ein ü) in ein iii übergehen.
  • Lassen Sie ein iii ertönen und es langsam (über ein e oder ä) in ein aaa übergehen.
  • Was haben Sie wahrgenommen?

Vorschlag zur Durchführung
Sie können ihn vor der Übung lesen oder überfliegen und anschließend nachlesen.

Richten Sie sich auf und entspannen Sie. Reckt sich die Wirbelsäule wie ein Bäumchen in den Himmel? Dann kann alles andere loslassen (Muskeln, Gelenke, Arme, Faszien, …). Erstaunlicherweise sacken sie trotzdem nicht in sich zusammen.

Ausführlicher: Aufrecht und entspannt.

Damit sich die Muskulatur im Gesicht und Halsbereich lösen kann, wäre es sinnvoll, vor einer langen Autofahrt, dem Kopf und dem Hals etwas Gutes zu tun:

  • Grimassieren: Gesicht und Mund ganz schließen (wie ein Kranich-Schnabel, der nach einem Frosch pickt) und ganz öffnen (wie ein blökendes Deichschaf)
  • Schließen Sie den Mund und spitzen ihn zu: wie ein Storch, der nach einem Frosch pickt.
  • Hand in den Nacken legen und den Nacken sanft drehen
  • Vom Nacken über den Kopf und über das Gesicht streichen
  • Das Gesicht massieren
  • Die Zunge hinter Zahnreihe drücken und oben und unten kreisen
  • Unterkiefergelenke bewegen

Ausführlicher: Kiemenbogen streicheln

Und dann geht es los.

  • Nehmen sie kurz Ihre Atmung wahr und vergessen sie dann wieder.
  • Brummen Sie: Hmm, und öffnen dann plötzlich den Mund: hmm … up, hmm … ap
  • Lassen sie die Lippen flattern, wie ein Baby, das einen Motor nachmachen will.
  • Lassen sie die Lippen platzen: pop, pep
  • Seufzen Sie, mit viel Pathos und Selbstmitleid.
  • Gähnen Sie: tief, müde und ausgiebig, und öffnen Sie den Rachen: Huuup, Hooop
  • Pusten Sie Staub weg: pfff
  • Lassen die Aus-Atemluft entweichen wie einen Wind, gelinde oder sanft oder pfeifend oder heulend, wie ein Sturm.
  • Spielen noch ein wenig mit solchen Geräuschen, und lassen sie aus sich heraussprudeln …
aui
Die Grundvokale

Vokale

Singen Sie laut und entspannt ein a.

  • Achten sie auf die Stellung des Mundes und die Lage der Zunge (flach – Lippen offen).
  • Können Sie mit dem a spielen und die Mundöffnung dabei verändern?

Singen Sie laut und entspannt ein u.

  • Achten sie auf die Stellung des Mundes und die Lage der Zunge (flach – Lippen spitz).
  • Können Sie mit dem U spielen und die Mundöffnung dabei verändern?

Singen Sie laut und entspannt ein i.

  • Achten sie auf die Stellung des Mundes und die Lage der Zunge (zum Gaumen hin – Lippen halb-offen).
  • Können Sie mit dem I spielen und die Mundöffnung dabei verändern?

Singen Sie jetzt die Vokale in kürzeren Abständen hintereinander:
a oder u oder i,  in beliebiger Reihenfolge.

Konsonanten und Vokale

Gestalten sie mit den Lippen ein wwww und deuten dann (im Hintergrund) den Klang eines Vokals an:

  • wwawwaww
  • wwuwwuww
  • wwiwwiww

Gestalten sie mit den Lippen ein mmmm, und deuten dann (im Hintergrund) den Klang rrr-llleines Vokals an

  • mmammamm
  • mmummumm
  • mmimmimm
  • mmammamm rrrr
  • mmummumm rrrr
  • mmmimmimm rrrr
  • mmammamm rrrr – mmammamm llll
  • mmummumm rrrr – mmummumm llll
  • mmmimmimm rrrr – mmimmimm llll

Setzen vor die drei Vokale, jeweils ein sehr scharfes X oder S, dem dann im letzten Drittel der Ausatmung ein aaaa, oder ein uuuu oder ein iiii folgt

  • xxxx – a (oder u oder l)
  • ssss – a (oder u oder I)

Tönen

Bei allen Formen der Stimmbildung, des Sprechens und des Singens erklingen neben einem Basiston viele Obertöne. (In Wirklichkeit gibt es weder einzelne Grund- oder Obertöne, sondern jeweils nur einen Gesamtklang, in dem vieles schwingt und von unserem Ohr nicht alles wahrgenommen werden kann. Die Abmischung der Töne und Übergänge zwischen ihnen macht den einzigartigen Charakter eines Stimmapparates aus. Deshalb ist es so einfach, eine Person eindeutig beim Telefonieren zu erkennen.

Um Neben- oder Obertöne deutlicher zu betonen, müssen sie verstärkt werden. Das geschieht nicht unbedingt, indem man sie bewusst erzeugt. Es ist ebenso möglich, leise Schwingungen wahrzunehmen und sich zu entspannen. Dann entstehen die „schrägen“ Zusatz-Töne, wie von selbst.

Wer von der Wahrnehmung der Obertöne fasziniert ist, kann lernen, das Spiel mit ihnen zur Perfektion treiben

Hier geht es aber nur um die ersten Schritte:

  • Sich selbst wahrnehmen,
  • Und sich dabei entspannen
aui verschmiert
Vokale verschmieren

Vokale verschmieren – Den Resonanzkörper des Mundes verändern

Bei folgenden Übungen können Sie Ihre Klang-Wahrnehmung verändern, indem Sie eine Hand ans Ohr legen, um die Ohrmuschel zu vergrößern, oder den Gehörgang mit einem Finger verschließen, um die Knochenleitung wahrzunehmen. Und dann die Hand wieder ruhen lassen.

Wiederholen Sie, wie ein A klingt und wie ein U: A – U – A – U. Gestalten Sie beide Vokale übertrieben deutlich. Die Zunge liegt entspannt im Unterkiefer, der Mund öffnet und schließt sich. Starten Sie mit einem A, und lassen es ganz langsam in ein U übergehen. Und dann von einem U langsam zum A. Kommen Sie zwischendurch an einem O vorbei? Was klingt da?

Wiederholen Sie, wie ein I klingt und wie ein U:  I – U – I – U. Gestalten Sie beide Vokale übertrieben deutlich. Die Zunge liegt beim U entspannt im Unterkiefer bei schließenden Lippen. Beim I bewegt sich die Zunge zum Gaumen hoch und der Mund öffnet halb. Starten Sie mit einem I und lassen es ganz langsam in ein U übergehen. Und dann von einem U langsam zum I. Kommen Sie zwischendurch an einem Ü vorbei? Was klingt da?

Wiederholen Sie, wie ein I klingt und wie ein A: I – A – I – A. Gestalten Sie beide Vokale übertrieben deutlich. Die Zunge liegt beim A entspannt im Unterkiefer bei offenem Mund. Beim I bewegt sich die Zunge zum Gaumen hoch und der Mund ist halb-offen. Und dann starten Sie mit einem I und lassen es ganz langsam in ein A übergehen. Und dann von einem A langsam zum I. Kommen Sie zwischendurch an einem E oder einem Ä vorbei? Was klingt da?

Den Gong anschlagen und vibrieren lassen – Den Oberen Nasen-Rachenraum einbeziehen

nasal

Beginnen Sie eine Ausatmung mit einem entspannten Hhhhh. Dem folgt ein leicht-

angehauchtes A und dem ein NG. Das einfache Wort Hang. Bei NG legt sich die Zunge an das Gaumensegel und der Nasenraum wird Teil des Klangkörpers.

Wenn Ihnen das gelungen ist, variieren sie mit den Lippen den Resonanzraum im Mund vor und über der Zunge. Wie klingt das?

Wenn Sie dabei Obertöne wahrgenommen haben, wiederholen Sie die Übung mit U und mit I.

Und dann mit den Zwischen-Vokalen, die die Resonanz deutlich verstärken: Ü (Hüng) und O (Hong) und E (Heng).

Die „Elster-Brücke“ formen – Oder zwei Pfeifen in Serie schalten.

Alten Chinesen war es wichtig, die Zunge so am Gaumen ruhen zu lassen, als wolle man ein L aussprechen. Diese Position wird Elster-brücke genannt. Sie erinnert an eine Sage, nach der einmal pro Jahr die Vögel im Flug zwei Sterne verbinden, über die am Himmel verzauberte Liebende kurz zueinander finden können. Nach der traditionellen medizinischen Medizin verbinden sich hier die Yin und Yang-Meridiane.

Sobald wir die Zunge in diese Position drücken, wird sie steif, und es wird nichts tönen. Stattdessen verkrampft sich die Zunge.

Man oder frau kann die Zunge aber auch entspannt in die L-Position rutschen lassen:

Wiederholen Sie dazu die Mmm-Übung, die Sie schon kennen mit einem E: Die „Mehr Mehl!“ – Übung:

  • mmemmemm rrrr – mmemmemm llll, und verkürzen es dann
  • mmme rrrr – mmme llll
  • llll

Können Sie die Zunge ganz entspannt beim L liegen lassen? Fühlt sich das merkwürdig an?

Sie haben jetzt zwei Pfeifen hintereinander geschaltet: Kehlkopf und Zunge (am Gaumen).

Blasen Sie diese Doppelflöte einmal an. Am besten vorweg eine tonloses Hhhhh gefolgt von einem beliebigen Ton, zunächst ohne Vokalisierung. Spüren Sie das ganz leichte Vibrieren in der Zungenspitze?

Der Trick hierbei ist, die Zunge wirklich zu entspannen, und sie nur unmerklich, ganz fein im Luftstrom zu modulieren, bis ein Feuerwerk von Obertönen entsteht. Haben Sie Geduld und lassen Sie sich viel Zeit. Ehrgeiz verlangsamt den Lernerfolg.

Und dann probieren Sie

  • hinter dem LLL-Sound Vokale anklingen zu lassen: La – Lü – La – Li – Lu – Le – Lo
  • den Mund beim LLL-Sound zu öffnen und zu schließen

Sie werden es hören: Bald entstehen dabei merkwürdige Tonleitern.

Die Brust vibrieren lassen – Den unteren Rachenraum entspannen

Den Muskelapparat unmittelbar oberhalb der Speiseröhre zu entspannen, ist sehr ungewohnt. Wir tun es selten, zum Beispiel wenn wir rülpsen sollten. Deshalb kann man sich bei dieser Art des Obertönens, bei dem Mongolen ihren Magen mitschwingen lassen, besonders leicht verkrampfen.

Deshalb gilt hier besonders: Entspannen und genießen!

Lassen sie die Zunge ruhig im Unterkiefer liegen, wie bei einem A. Öffnen Sie den Mund und atmen Sie ohne Ton normal. Stellen Sie sich eine heiße Kartoffel vor, die sich langsam Richtung Speiseröhre bewegt, und dabei den Gaumen nicht verbrennen darf. Sie atmen „abkühlend“ um die „heiße Kartoffel“ herum. Dann atmen sie langsam geräuschvoll aus mit einem Ääää oder Öööö. Halten Sie eine Hand auf die Brust, und lauschen Sie auf die Vibrationen im Brustraum.

Die Modulationen entstehen durch die Bewegungen des Mundes und der Lippen.

om
Om mani peme hung

Tönen als Körpermeditation

Im Osten, in der Mongolei, China, Tibet und in Indien, wird seit Jahrtausenden unter philosophischen und gesundheitsbezogenen Aspekten mit Stimmen und Tönen gearbeitet.

Im Yoga ist das Singen von Mantras ein wichtiger Teil des körperlich-geistigen Trainings. Im Mittelalter sang man aus dem gleichen Grund Gregorianik, und Sufi-Derwische lassen die erste Sure des Koran ertönen.

All das ist besonders wirksam, wenn Stimmbildung und Bewegung miteinander kombiniert werden:

Fragen (nach der Übung)

  • Macht es ihnen Tönen Spaß?
  • Was haben Sie über über „Ihre“ Klänge erfahren?
  • Was haben Sie über „sich“ erfahren?

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Autor: Helmut Jäger

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