Sauberes Wasser wird knapp

Alles Leben kommt aus dem Wasser.

Der Zugang zu sauberen Wasser wird aber immer schwieriger (FAO Water Ressources, GreenFacts, Guardian). In Papua Neu Guinea z.B. kosten fünfzig Liter Wasser fast zwei Pfund, was 54% eines dort typischen Gehalts entspricht. (Burgess 2016)

Hainan China (Büttner, BNI 2010)

Die Verseuchung der weltweiten Trinkwasser-Bestände

Nicht nur die Menge sondern auch die Qualität der weltweit verfügbaren Süß-Wasservorräte sinken sinken weltweit.

U.a. Öl-Förderung und Öl-Transport belasten die Umwelt nachhaltig. Besonders gefährdet sind die Weltmeere und Küstenregionen. Nicht nur durch Tanker-Katastrophen, sondern u.a. auch durch Offshore Bohrungen. 2010 führte im Golf von Mexiko die Explosion auf der Bohrinsel „Deepwater Horizon“ zu einer der größten Umweltkatastrophen der USA. Das Tiefsee-Ökosystem, das bei weitem größte dieser Erde, ist durch solche diese Aktivitäten akut bedroht. Die mechanischen Teile sind unter dem Druck in Tiefen von mehreren tausend Metern erheblichen Belastungen ausgesetzt, und die geologischen Bedingungen können dort kaum eingeschätzt werden (Glover 2003 s.u.).

Auch die Böden und Grundwasserleiter werden, insbesondere in Ländern mit laxen Sicherheitsstandards oder den aktuellen Gebieten der Kriege um Ölvorkommen, zunehmend belastet.

In vielen ländlichen Regionen der Welt scheinen sich Unternehmen der Ölförderung wenig für die langfristigen Folgeschäden zu interessieren, die sie verursachen. In Nigeria (Nigerdelta), Kazachstan (Kashagan), Kolumbien (Casanareregion), Ecuador (Amazonas Yasuní Nationalpark), USA (Alaska), Kanada (Athabasca-Ölsand) uva. versuchen meist schwache Bürgerbewegungen auf die zunehmenden Umweltbelastungen durch die Ölförderung in ihren Ländern aufmerksam zu machen.

Das Gas wird in bis zu 5.000 m Tiefe durch Fracking (hydrologic fracturing) gewonnen. Dabei werden große Mengen Wasser, gemischt mit einem Chemiecocktail. (Geo-Artikel: Fracking: Das sollten Sie wissen) in Schiefergestein verpresst. Studien belegen wie nach einigen Jahren der umfassenden Anwendung in den USA, dass die Grundwasserleite durch Schadstoffe belastet werden. (DiGiulio 2016, Denham 2019)

Long-term exposure to unconventional drilling may be harmful to population health. Genitourinary and skin-related hospitalization rates increase with drilling. Healthcare professionals should encourage exposed individuals to seek care early. Research into the causal mechanisms is warranted. Denham 2019

Öl-Bohrkompetenz für die Wassersuche?

Mach dem Peak-Oil drohtjetzt der Peak Water. Damit eröffnet sich für die Bohrindustrie ein neues Geschäftsfeld. 2016 trafen sich dazu erstmals Wasser-Experten und Ölscheichs in Abu Dhabi um gemeinsam ganz neue Geldquellen sprudeln zu lassen. 2019 folgt nur der Global Water Summit in London, weiter unter dem Motto: Water meets Money. Begleitet wird das Business-Meeting von wissenschaftlicher Forschung, die u.a. im Journal Water Rescources and Industry publiziert wird.

Länder-Beispiele:

  • In Indien leben 100 Millionen Menschen in Regionen mit kritischer Wasserqualität. (WRI 2016, BBC 2016) Industrielles und kommerzielles Abpumpen großer Mengen von Grundwasservorräten, und das Einleiten verseuchter industrieller Abwässer, sind dafür mitverantwortlich. Andere Faktoren sind: hoher Pro-Kopf-Verbrauch (Bevölkerungswachstum, Nutztieren), industrialisiert Landwirtschaft (bei der Pestiziden Düngemitteln in gelöster Form einsickern) und millionenfache Anlage von Bohrbrunnen geringer Eindringtiefe in der Nähe industrieller Anlagen. (The water project)
  • Auf  den französischen Antilleninseln Guadeloupe und Martinique wurde das Grundwassers durch Pestizide belastet. Vor über 20 Jahren sickerte das nicht biologisch abbaubare Insektizid Choldécone in die Wasserdepots und belastet sie bleibend. Seither werden die resultierenden Gesundheitsstörungen dort wie in einem „epidemiologischen Labor“ betrachtet, aus dem die sozial Schwachen nicht entfliehen können. Bei  Erwachsenen treten häufiger Krebs-Erkrankungen auf. Die Risiken für Störungen in der Schwangerschaft sind erhöht. Bei Neugeborenen können die Funktionen der Schilddrüse und des Gehirns beeinträchtigt sein. Und bei Kleinkindern wurden Entwicklungsverzögerungen beobachtet (Costet 2015, Cordier 2015, Multigner 2016). Mehr: Chlordécone , Santé Publique France)
  • Die Arsen-Verseuchung des Grundwassers in Bangladesh, Indien und Nepal ist eine der größten durch Menschen verursachten Massenvergiftungen. Die Katastrophe ist massiv, bleibend und nicht umkehr-bar. Sie ereignete sich als Folge von Interventionen, die in gutem Glauben durchgeführt wurden. Kurzfristigen Erfolgen stehen im Ergebnis unvergleichlich größere langfristige Schäden gegenüber, und jetzt versuchten Interventionen zu (neuen) Problemlösung erwiesen sich als unbefriedigend oder extrem teuer. Mehr: Curare 2018.

Warum „beißen die Dinge zurück“?

Why things bite back. E. Tenner

Wir wissen es (eigentlich). aber wir lernen nur wenig aus Fehlern. Sie werden immer wieder neu begannen und führen zu immer katastrophaleren Auswirkungen.

In Bangladesch dauerte es fünfundzwanzig Jahre bis 1995 erste Studien belegten konnten, dass eine neue, langsam beginnende und absehbar immense Krankheitslast auf das Land zukam. Erste Verdachtsmomente gab es schon viele Jahre vorher, aber die Wissenschaftler, die ihnen nachgegen wollten, wurden erst als Anhänger von Fake News oder Verschwörungstheorien erst verlacht und solange bekämpft, bis sich der Zusammenhang nicht mehr verleugnen lies.

Auch bei Fracking dauerte es Jahrzehnte massiver Anwendung, bis erste Studien sicher langfristige Folgen nachweisen konnte. Es wird nochmals viele Jahre dauern, bis die Auswirkungen auf Risiken, wie die der Krebsentwicklung oder der Schädigungen der Entwicklung von Ungeborenen bewiesen werden. Dann aber wird es zu spät sein, weil der Ursprungszustand der Grundwasserleiter unumkehrbar verändert sein wird. Ähnlich wie bei den Belastungen mit Arsen in Bangladesch, oder mit Chlordécone in Guadeloupe.

Verhaltens-Evolution   

Menschen scheinen als kurzfristige Problemlöser und kurzsichtige Bedarfs-Befriediger geboren werden. Und damit waren sie auch zwei Millionen Jahre sehr erfolgreich.

Jetzt allerdings müssten wir, angesichts von uns verursachter Probleme, kulturell in unsere eigene Evolution eingreifen und sie in neue Bahnen lenken (Bánáthy 2004). Wir dürften die komplexen Zusammenhänge, in denen wir leben, nicht weiter zu zerstören. Sondern sie, soweit es noch möglich ist, bewahren und wieder ausheilen zu lassen.

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Links

Literatur und Links

  • Bánáthy B, Rowland G: Guiding our evolution. If we don’t do it, who will? NYC, 2004
  • Burgess T et al: Water: At What Cost? The State of the World’s Water 2016 WaterAid, March 2016 24 pp. Download  7 MB
  • Cordier S et al: Perinatal exposure to chlordecone, thyroid hormone status and neurodevelopment in infants: the Timoun cohort study in Guadeloupe (French West Indies). Environ Res. 2015; 138:271-8. Costet N etal: Perinatal exposure to chlordecone and infant growth. Environ Res. 2015 Oct;142:123-34. Epub 2015 Jun 30.
  • Denham A et al: Unconventional natural gas development and hospitalizations: evidence from Pennsylvania, United States, 2003-2014. Public Health 21.01.2019, 168:17-25
  • DiGiulio et al.: Impact to Underground Sources of Drinking Water and Domestic Wells from Production Well Stimulation and Completion Practices in the Pavillion, Wyoming, Field, Environ. Sci. Technol, Web-Pub: 29.03.2016, Spiegel-Online-Artikel 31.03.2016
  • Glover A et al: The deep-sea floor ecosystem: current status and prospects of anthropogenic change by the year 2025 Environmental Conservation 2003, 30(3)219-241 Cambridge University Press
  • Multigner L et al: Chlordecone exposure and adverse effects in French West Indies populations Environ Sci Pollut Res Int. 2016; 23: 3–8. Published online 2015 May 5
  • Rahman M et al: Status of Groundwater Arsenic Contamination in all 17 Blocks of Nada District in the State of West Bengal, India: A 23 year study report. Journ Hydrology 2014, 518:363-372
  • Rodriguez-Lado L et al: Groundwater Arsenic Contamination Throughout China. Science 2013, 342:866-868
  • Sen P et al: Arsenic: the largest mass poisoning of a population in history BMJ 2013; 346:f3625

Autor: Helmut Jäger