Wie sicher sind HPV-Impfstoffe?

Wir wissen es nicht.

In Deutschland wird die HPV-Impfung seit 2014 allen Mädchen vom Alter von 9-14 Jahren empfohlen.

Seit 2018 rät das Robert Koch Institut, aus Gründen der „Geschlechtergerechtigkeit und des Bevölkerungsschutzes“, auch dazu Jungen zu impfen. Ein wesentlicher, individueller Schutz ist aber für die Jungen hierbei nicht zu erwarten. (Klug 2018)

Nutzen

Nach den bisherigen Erfahrungen wirken die Impfstoffe sehr effektiv (>90-100%) hinsichtlich der Verhinderung einer bleibenden HPV-Infektion, mit den Virus-Typen, deren Antigene im Impfstoff enthalten sind. Die Impfungen vermindern das Risiko des Entstehens von Zellveränderungen, aus denen sich später (nach Krebsvorstufen) Krebs entwickeln könnte (so genannte Dysplasien Grad CIN I-II) (Rambout 2007, Brotherton 2011).

In der Mehrzahl der Fälle heilen diese Zellveränderungen (CIN II) aber auch ohne Impfung innerhalb von zwei Jahren spontan ab. (Tainio 2018)

Von der Impfung profitieren können Personen, die noch keine sexuellen Kontakte hatten, und deren Infektionswahrscheinlichkeit mit HPV deshalb sehr niedrig ist. Wie lange der Schutz der Impfung anhält, ist nicht geklärt. Die Beurteilung der Effektivität bezüglich der Verhinderung höherer Schweregrade („schwere Dysplasie“ ohne Berücksichtigung von CIN I-II) oder von mikro-invasiven Karzinomen ist schwierig. Die Frage, ob und wenn ja wie viele Zervixkarzinome durch Impfungen verhindert werden, kann nicht beantwortet werden (Sawaya 2007, Paavonen 2009, Castellsague 2011, Sarayia 2011, De Vicenzo 2014, Johnson 2018). In den Niederlanden sank die Rate der Plattenepithel-Karzinome der Zervix, dafür stieg die Rate von so genannten Adeno-Karzinomen. (van der Horst 2017) Die Impfung spielt keine Rolle bei der Behandlung einer Infektion (Markowitz 2007). Bei Frauen, die vor der Impfung infiziert waren (HPV-DNA-Nachweis), führte die Impfung nicht zu einer schnelleren Beseitigung des Virus (Hildesheim 2007, Sawaya 2007).

Mädchen
Fröhliche Mädchen. Teneriffa 1978 (Bild Jäger)

Ist die HPV-Impfung sicher?

Die Zulassung von Impfstoffen sollte einer besonders strengen Aufsicht unterliegen, da sie bisher gesunden Personen verabreicht werden, und, im Gegensatz zu Medikamenten der Krankheitsbehandlung, nur einen potentiellen, in der Zukunft liegenden Vorteil bieten können. Um die Wirksamkeit der HPV-Impfung und das geringe Risiko von Nebenwirkungen nachzuweisen, wurden sorgfältige Studien durchgeführt, die in „peer reviewed“ Journals veröffentlicht wurden (Paavonen 2007, Future II 2009).

Allerdings wurde die Verträglichkeit der Impfstoffe verglichen mit Injektionen, die zwar keinen Wirkstoff, aber ähnliche Zusatzstoffe (Adjuvantien) enthielten wie der Impfstoff selbst (so genannte Pseudo-Placebos). (Jørgensen 2018). Da für unerwünschte Wirkungen im Wesentlichen die Zusatzstoffe verantwortlich sind, waren die Nebenwirkungsprofile bei tatsächlich Geimpften und den Kontroll-Personen erwartungsgemäß gleich.

Die durch die Pharma-Industrie bezahlten Zulassungsstudien hatten einen Umfang von wenigen Seiten. Wissenschaftler des Cochrane Institutes in Dänemark identifizierten aber insgesamt 206 Studien mit einem mehr als 100-fachen Datenvolumen. Die Informationen dieser weiteren Studien waren den Zulassungs-Behörden aber nicht bekannt. Es wurde also für die entscheidenden (überwiegend pharma-industriefinanzierten) Studien offenbar das herausgefiltert, was die im Voraus gewünschten Aussagen zu belegen schien. (Jørgensen (a) und Jørgensen (b) 2018)

Unerwünschte Nebenwirkungen

Nach unterschiedlichen Quellen sollten etwa 90% der Geimpften über Schmerzen an der Injektions-Stelle klagen, und über 15% fühlten sich durch andere vorübergehende Beschwerden in ihren Alltagsaktivitäten behindert. Ohnmachtsanfälle (Synkopen) wurden in den ersten dreißig Minuten nach der Impfung beschrieben (CDC 2014).

Wenn im zeitlichen Zusammenhang mit der Impfung über z.T. bleibende neurologische oder auto-immune Störungen berichtet wurde, war ein ursächlicher Zusammenhang mit der Impfung nicht eindeutig nachweisbar (Sutton 2009, Arnheim-Dahlström 2013). Das Risiko von Fehlgeburten nach Cervarix-Impfung war über einem Zeitraum von sechs Monaten nicht signifikant erhöht gegenüber Kontrollpersonen, die eine Hepatitis B Impfung erhielten,  es könne jedoch möglicherweise ein kleines Risiko bis zu drei Monate nach der Impfung bestehen. (Wacholder 2010)

„Kommentar“ des Deutschen Ärzteblattes (38) vom 21.09.2018 zur aktuellen Auseinandersetzung u.a. in Cochrane zur Sicherheit der HPV-Impfstoffe

In Japan wurden von 2009 bis 2013 im Rahmen einer landesweiten HPV-Impfkampagne etwa 70% der Mädchen geimpft. Als dann über mehrere Fälle von Nebenwirkungen berichtet wurde, zog die Regierung nach Anhörungen ihre „aktive Impf-Empfehlung“ wieder zurück. Daraufhin fielen den Impf-Raten auf 0,6% (Normille 2017).

Die anschließende, emotional und ideologisch geführte Diskussion wurde 2016 durch eine neue Studie angeheizt: Bei Labormäusen, die hohe Dosen von HPV-Impfstoff erhielten, wurden Einschränkungen der Beweglichkeit und Hirnschäden nachgewiesen. Aus dem sehr speziellen Labormodell ist keine direkte Übertragung auf die Impfstoffanwendung beim Menschen möglich. Die Autoren schlossen jedoch, dass sich die Impfung im Zusammenwirken mit anderen Faktoren, bei empfänglichen Personen schädlich auswirken, und auch schwere neuro-immunologischer Krankheitsbilder auslösen könnte (Aratani 2016). Andere Wissenschaftler widersprachen dieser Aussage sehr heftig, und forderten Nature auf, den Artikel zurück zu ziehen, was Anfang Mai 2018 auch geschah. Dennoch war der Artikel am 01.08.2018 weiterhin im Volltext zugänglich (s.u.).

Die Autoren einer Studie in sechs asiatischen Ländern hielten die Nebenwirkungs-Risiken „für akzeptabel“, ohne zu erklären was dieses Wort konkret besagen soll. Sie beziehen sich auf Meldungen von Beobachtungen, die direkt nach den Impfungen aufgetreten sind, und die diesen unzweifelhaft zugeordnet werden können (Setiawan 2017). Untersuchungen dieser Art sind in der Regel abhängig von der Melde-Qualität, und können Langzeiteffekte, milde Symptome oder komplexe Wirkungen im Zusammenhang mit anderen Faktoren nicht einbeziehen.

In Dänemark wurde ein anderer, qualitativer Ansatz wissenschaftlicher Beobachtungen gewählt. Dort wurden Mädchen und Frauen befragt, die Impf-Nebenwirkungen beklagt hatten (Sørensen 2016). Ziel dieser Untersuchung war es, über abstrakte Daten hinaus, das komplexe Erleben betroffener Frauen besser verstehen zu können:

The side effects make the women feel more physically and mentally confined in their everyday life, which led them to live a more restricted and lonely life. Other people tend not to acknowledge their symptoms, and the women’s illness behaviour is therefore poorly accepted.

In general, the women distrust Danish healthcare system and current evidence on the safety of the vaccine. This distrust is further fuelled by their ex­periences of being stigmatised during their encounters with physicians. Sørensen (Volltext s.u.)

Die Beschwerde des Cochrane-Centers in Dänemark

Im Sommer 2016 beklagten sich Wissenschaftler/innen des Cochrane Zentrums in Dänemark (Cochrane Nordic), die Europäische Arzneimittelbehörde EMA habe die Sicherheit der HPV-Impfstoffe falsch beurteilt.

Wissenschaftliche Standards seien nicht gewahrt worden, und es hätten Interessenkonflikte bestanden. 80 Prozent der Finanzmittel der EMA stammten von Pharmaunternehmen, und bestimmte Expertinnen hätten ihre umfangreichen Interessenkonflikte nicht deklariert. Die EMA berufe sich in erster Linie auf Daten der Herstellerfirmen und bezweifle gut dokumentierte Beobachtungen.

Die spezifische Auslösung nicht-spezifischer Wirkungen 

Einige der Erkrankungen, die im Rahmen der Impfung häufiger beobachtet worden sein sollen, sind schwierig eingrenzbar:

  • Chronisches Erschöpfungssyndrom (CFS),
  • Fehlsteuerungen der Kreislauf-Funktion  (postural orthostatic tachycardia syndrome, POTS),
  • Versagen der Ovar-Funktion
  • chronische regionale Schmerzen (CRPS).

Die EMA habe solche Befunde vernachlässigt, weil sie „nicht-spezifisch“ seien, also viele Ursachen haben könnten, und der Zusammenhang mit der Gabe eines „hoch-spezifischen“ Impfstoffes unwahrscheinlich sei.

Die Wissenschaftler/innen von Cochrane weisen aber darauf hin, dass die Wirk-Komponente des Impfstoffes durch einen neurotoxischen Zusatzstoff (ein Aluminiumsalz) ergänzt wurde (und wird). Dessen Aufgabe ist es, eine wichtige, nicht-spezifische Wirkung auszulösen: den vorübergehenden Alarmzustand des Immunsystems.

Die Diskussionen um die möglichen Nebenwirkungen der HPV-Impfung berühren grundsätzliche Fragen: Sind Placebo-kontrollierte Studien ohne Placebo Betrug?

Bei den Studien, auf die sich die Zulassung der EMA gründete, wurden nur geringe Unterschiede kurzzeitiger Nebenwirkungen zwischen echtem Impfstoff und den Kontrollen dokumentiert. Das lag daran, dass beide Gruppen Zusatzstoffe in gleicher Dosierung erhalten hatten. Die Studien wurde also irreführend als „placebo-kontrolliert“ zu bezeichnet.

Bei der Entwicklung neuer Impfstoffe kommen zunehmend Moleküle zum Einsatz, die allgemeine Immun-System-Reaktionen auslösen. Manche (wie Aluminium-Moleküle) wirken nicht-spezifisch, ander binden punktgenau an einen „Alarmknopf“ des Immunsystems (den Toll-like-Receptor). Für solche Substanzen gibt es bisher keine Zulassungsstudien, da ihre Wirkungen mit klassischen zufalls-kontrollierten und zukunfts-orientierten Studien (RCT) nicht erfasst werden können. Denn menschliche Testpersonen könnten bei ihrer Anwendung keine Vorteile erwarten, müssten aber Risiken in Kauf nehmen.

Die modernen „Placebo-kontrollierten-Studien“ der Pharmaindustrie enthalten also in ihren Null-Kontrollen häufig nicht etwa „Nichts“, sondern „Etwas“. Und das kann, wie alles was wirkt, auch Nebenwirkungen auslösen. Bei dem Impfstoff Pandemrix®-2009 z.B. betrug das Risiko für das Auftreten einer Hirnfunktionsstörung (Narkolepsie) etwa 1:10.000 (s.u.).

Die EMA müsste folglich „placebo-kontollierte“ Studien anders benennen. Oder ganz auf den irreführenden „Placebo“-Begriff verzichten, und transparent A („etwas“) mit B vergleichen: „etwas anderem“. Sie müsste weiterhin der Frage nachgehen, wie spezifisch-ansetzende Moleküle oder punktgenaue Interventionen, die systemisch wirken sollen, künftig überprüft und dann kontrolliert zugelassen werden sollen.

We recently published an index of all prospective comparative studies on human papillomavirus vaccines we could find. Predictably, only 62% of the completed studies had been published and none of the non-industry-sponsored studies’ underlying documentation was available. Ninety-five per cent of studies were listed on regulatory or industry trial registers or journal publication databases, but only 48% of completed studies listed on ClinicalTrials.gov had study results posted. (Jefferson 2018)

Die Zulassungsverfahren für Medizinprodukte müssen sich grundlegend ändern

Insbesondere wären langfristige Anwendungsbeobachtungen nötig, wenn nicht-spezifisch-wirkende Stoffe eingesetzt würden. Denn schwache System-Wirkungen machen sich nur im zufälligen Zusammenwirken mit vielen anderen Faktoren und Beziehungen bemerkbar: oft erst nach langen Zeiträumen und dann auch häufig eher diffus.

Die Zulassung und Kontrolle von Medikamenten und Impfstoffen sollte strikt von den Interessen Pharmaindustrie (und der von ihnen abhängigen Institute) getrennt sein.

“We can be confident that rates of serious adverse events and miscarriage are similar between vaccinated and unvaccinated women.” (Lasserson 29.06.2018)  – „… None of the girls in the control group received placebo. They all received a hepatitis vaccine or the vaccine adjuvant. It is outright misleading to state that rates of serious adverse events and miscarriage were similar between vaccinated and unvaccinated women, as there were no unvaccinated women to compare with. If the hepatitis vaccine and/or the vaccine adjuvant give similar harms as the HPV vaccines, this could obscure a true harm caused by the HPV vaccines.“ comment Gøtzsche 30.08.2018

Dokumente ab Mai 2018:

Mehr

Cochrane Auseinandersetzung

Gebärmutterhalskrebs

Spezifische und Systemwirkungen

Evidenz (Überprüfbarkeit)

Video

Literatur

Autor: Helmut Jäger