Tönen

Auswahl

  • Schwierigkeit: gering (am Anfang).

    wolken
    Wolken und Mond hören?
  • Zeit: 20 Minuten oder länger
  • Ort: Allein im Auto, im Grünen, in der Badewanne …
  • Wirkung: öffnend

Vorbereitung

  • Sie sollten allein sein.
  • An einem Ort, an dem sie niemanden stören können: im Auto, im Wald, in einem Boot, im Garten, unter der Dusche, …

Prinzip
Wenn Sie möchten, probieren Sie es sofort aus.

  • Ruhig und tief einatmen und langsam ausatmen.
  • Dabei einen beliebigen Ton entstehen lassen.
  • Hören, wie er sich verändert, wenn sich der Mund dabei öffnet und schließt
    oder sich die Lage der Zunge verändert.

Vorschlag zur Durchführung
Sie können ihn vor der Übung lesen oder überfliegen und anschließend nachlesen.

Machen Sie es sich bequem. Wenn der Gürtel zu eng ist: lösen Sie ihn.

Sie werden sich selbst hören. Das ist ungewöhnlich. Versuchen Sie trotzdem den vollen Umfang Ihrer Stimme wahrzunehmen.

Sie können damit beginnen, ausgiebig und laut vernehmlich zu gähnen und sich zu räkeln. Beim Autofahren natürlich nicht mit beiden Armen. Vielleicht können sie sich auch selbst bemitleiden und seufzen, jammern und stöhnen. Und dann darüber grinsen und lachen.

Pusten Sie kräftig mit leicht geöffnetem Unterkiefer gegen Ihre geschlossen Lippen, und lassen sie flattern. So als würde ein Kind ein Motorengeräusch nachmachen: brrr, brrr, brrr …

Atmen Sie langsam und tief ein, ohne Anstrengung. Lassen die Luft wieder leicht und fließend entweichen. So als wollten sie eine flackernde Kerze aushauchen: Hhhhhhh ….

Blieben Sie wach, aufmerksam, gelassen.

Und dann formen sie mit der ausströmenden Luft einen Vokal: „Aaa“ oder „Iii“ oder „Eee“ oder „Ooo“ oder „Uuu“.

Können Sie den Vokal in unterschiedlichen Tonhöhen erklingen lassen? Lässt sich, ohne den Vokal zu verändern, der Mund weiter öffnen oder enger schließen? Ist der Unterkiefer beweglich? Kann die Zunge, bei gleichem Vokal, die untere oder die obere Zahnreihe erreichen oder gar den Gaumen? Wie hört sich das an? Wie viel unterschiedliche „Vokale“ und Übergänge entstehen da?

Und dann wählen sie sich zwei bestimmte Vokale.

Vielleicht ein „Iii“ und „Uuu“. Beginnen Sie mit dem Vokal ihrer Wahl und lassen sie ihn ganz langsam ohne Bruch bei einer möglichst gleichbleiben Tonhöhe in den anderen von Ihnen gewählten Vokal übergehen. Im Beispiel das „Iii“ über ein „Iiu“ zu „ Iuu“ zu „Uiu“ zu „Uuu“ und zurück. So dass sich die Töne langsam und gleichmäßig vermischen.

Hören sie genau hin. Fiept, pfeift oder zwitschert da etwas ganz leise?

Wenn Sie etwas intensiver hineinhören wollen, können Sie, bevor Sie zwei oder mehrere Vokale „verschmieren“, einen Konsonanten anstimmen. Besonders gut eignen sich: Mmm, Nnn, Ngg …

Kleine Spielchen:

  • mmm – aaa – ooo – uuu – mmm
  • www – uuu – rrr
  • sss – iii –eee – sss
  • mmm – ee – lll

Können Sie sich einen großen Gong vorstellen, der einmal angeschlagen, sehr lange nachklingt?

  • „Ggg … oooooo … nnnng“.

Fragen (nach der Übung)

  • Wie fühlen Sie sich?
  • War die Erfahrung ungewohnt?
  • Ist der Rachenraum offener und beweglicher geworden?
  • Gibt es Auswirkungen, die am ganzen Körper spürbar sind?

Was geschieht beim Tönen?

Immer, wenn sie sprechen oder singen, entstehen im Mundraumes Schwingungen, die dem Klang Ihrer Stimme eine besondere Färbung oder persönliche Note geben. Andere erkennen Sie an dem Gesamtklang dieser „Zwischentönen“, ohne Sie zu sehen.

Wenn Sie zwischen zwei Vokalen wandern, verstärken sich die Begleit-Schwingungen. Damit nehmen Sie sich selbst (anders) wahr.

Grundtöne und Obertöne

Unsere Musik spielt seit dem Mittelalter mit scheinbar eindeutigen Grundtönen. Wir lieben Melodien und die Abfolgen von Tönen, die in einem passenden Schwingungsverhältnis zueinander stehen (Beispiel: Bach). Reine Grundtöne erklingen allerdings nur auf Stimmgabeln oder durch Computer-gesteuerte Instrumente. Bei akustischen Instrumenten und Stimmen schwingen immer die zum Grundton passenden Obertöne in einem charakteristischen Gesamt-Klang mit.

Werden die Begleit-Schwingungen der Obertöne betont, entsteht der Eindruck, als würden, in sphärischer Musik, zwei Töne gleichzeitig gesungen:

Aus manchen Weltregionen sind die Gesänge schamanistischer Traditionen erhalten. Sie sollen den Körper zum Schwingen anregen und den Geist verleiten, sich zu beruhigen und nach innen zu horchen:

Alles, was ist, schwingt oder oszilliert.

Zum Beispiel tönt der Komet 67P/Churyumov-Gerasimenko im Bereich von 20-40 Millihertz. Das sind etwa 15 Oktaven tiefer als menschliche Stimmen.

Verdichtete Schwingung erscheint uns als Form.
Schwingung, die wir nicht wahrnehmen, halten wir für Nichts.

Und das scheinbare Nichts füllt sich mit Schwingung, je intensiver wir lauschen.

Die Sonne tönt nach alter Weise
in Brudersphären Wettgesang
und ihre vorgeschriebne Reise
vollendet sie mit Donnergang.
J.W. v. Goethe

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Autor: Helmut Jäger