Eine Treppe steigen

Auswahl

  • Schwierigkeit: herausfordernd
  • Zeit: 10 Minuten oder länger
  • Ort: Eine wenig bestiegene Treppe
  • Wirkung: aufrichtend
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Treppe in Andalusien 2016, © Anna-Lina Borgmann

Vorbereitung

  • flache Schuhe
  • oder barfuß

Prinzip
Wenn Sie möchten, probieren Sie es sofort aus.

  • Vor der Treppe stehend, Po nach hinten bewegen und sinken lassen
    (Bild: „In einen Lehnstuhl setzen.“)
  • Gewicht in ein Standbein fließen lassen.
  • Bleiben Sie nach hinten im gesunken und öffnen Sie sanft Ihre Brust.
    (Bild: „Sich von einer warmen Sonne bescheinen lassen und sich räkeln“)
  • Das Spielbein gleitet auf die erste Stufe.
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Treppe in Andalusien 2016, © Anna-Lisa Borgmann

Vorschlag zur Durchführung
Sie können ihn vor der Übung lesen oder überfliegen und anschließend nachlesen.

Suchen Sie sich eine Treppe, die wenig begangen wird.
An einem Ort, an dem Sie niemand stört.

Stellen Sie sich vor die Treppe hin.

  • Wie fühlen Sie sich?
  • Welche Körpersignale spüren Sie?
  • Wie würden Sie diese Treppe ersteigen, wenn Sie es eilig hätten?
  • Müssten Sie sich anstrengen? Und das Becken (in einer glockenförmigen Bewegung) nach vorn zu stemmen?
  • Würden Sie lieber den Fahrstuhl nehmen? Oder rennen Sie (gegen ihren inneren Schweinhund) die Treppe hoch, um fit zu bleiben?

Ginge es auch anders?

Ja: Denn Sie könnten die Schwerkraft nutzen, statt gegen sie anzukämpfen.

Zum Beispiel so:

Stellen Sie sich vor die Treppe.

Horchen Sie etwas nach innen. Welche Körpersignale spüren Sie besonders deutlich?

  • Füße?
  • Becken?

Sind Sie gerade etwas verspannt? Lassen Sie alles, wie es ist. Lösen Sie Ihren Blick von der ersten Treppenstufe. Schauen Sie – gelassen – vor sich hin.

Atmen Sie (langsam) aus. Und wieder ein …

Lassen sie ihren unteren Rücken nach hinten gleiten, so als ob Sie sich in einen Lehnstuhl setzen würden. (Bilder: eine Schale, die nach hinten abgesenkt wird, oder eine Baggerschaufel, die unter einen Sandhaufen greift).

Lassen Sie ein Standbein und ein Spielbein entstehen. Vielleicht legen Sie zusätzlich zur Stabilisierung eine Hand auf das Geländer. In dieser Stellung kann das Spielbein mühelos auf die erste Treppenstufe gleiten, während das Körpergewicht hinten ruht.

Lassen Sie zu, dass sich die Vorderseite des Brustkorbes öffnet, so als würden Sie von einer warmen Sonne  beschienen werden und räkelten sich ihr entgegen. Stellen Sie sich vor, „zwischen Sonne und Brustbein“ sei ein elastisches Band gespannt, dass sie nach vorne zieht und steigen lässt.

Klappt es?

Nach der Übung 

  • Welche Erfahrung haben Sie gemacht?
  • Könnten Sie diese neue Erfahrung im Alltag für sich nutzen?

Wollen Sie wissen, warum es funktioniert oder warum es (mit etwas Übung) gelingen könnte?

  • Das Becken gleicht einem Segelboot. Der Mast steht für die Wirbelsäule und das Tauwerk für die Muskeln und Sehnen. Ruht das Gewicht des Schiffchens in seinem Kiel („den Füssen“), und kann der Wimpel hoch oben an der Mastspitze freibeweglich flattern („ist der Scheitel aufgerichtet“), liegt das Bötchen sicher und doch freibeweglich im Wasser.
  • Bei einer klaren Verankerung zwischen „oben und unten“, kann sich der mittlere Bereich des Mastes („die Brust-Wirbelsäule“) nach vorne oder nach hinten biegen (Bilder: Schildkröte oder Sport-Bogen).
  • Verlagert sich die Schwerkraft ins Heck, steigt der Bug (senkt sich das Becken hinten und steigt vorn)
  • Die Wirbelsäule biegt sich bei einer setzenden Bewegung leicht nach hinten („Schildkröte“). Lässt man sie am tiefsten Punkt der Bewegung  bogenförmig nach vorne gleiten, entsteht ein Schub, der das Schiffchen, wie von einer Welle getragen, nach vorne oben bewegt.
  • Läge das Schiff fest vertäut im Hafen („wird das Becken von steifer Muskulatur festgehalten), könnte es nicht auf Wellen gleiten.

Wenn sich die Theorie nicht gleich praktisch umsetzen läßt:

  • Sorgen Sie zunächst für Entspannung (Methoden), oder
  • spielen Sie (ohne Ziel) mit den Bewegungsmöglichkeiten, die Ihnen zur Verfügung stehen.

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Autor: Helmut Jäger