AIDS: Warum Afrika?

Wie bedeutend ist die sexuelle Übertragung von HIV in Afrika?

20 von 40 Millionen Menschen, die mit HIV infiziert sind, leben im östlichen und südlichen Afrika, sechs Million weitere West- und Zentralafrika. 56-59% von ihnen sind Mädchen oder Frauen. (UNAIDS 2017). Die Raten der Infizierten lagen 2016 besonders hoch in Botswana (22%), Lesotho (25%) und Swasiland (27%). Sind die Frauen dort besonders sexuell aktiv? Oder muss es auch andere Ursachen der HIV-Übertragung geben haben oder geben?

Wird die nicht-sexuelle HIV-Übertragung in Afrika unterschätzt?

Projet SIDA, Kinshasa 1989
Projet SIDA, Kinshasa 1988

2011 befasst sich eine Publikation der deutschen Entwicklungsbank KfW mit den verfügbaren ökonomischen Daten zur HIV-Epidemie in Afrika. Die Autoren kamen zu dem Schluss, dass nicht-sexuellen  Infektionswegen eine wesentlich höhere Bedeutung zukommt, als von Regierungen und Entwicklungsorganisationen bis dahin angenommen. (Grimm 2011)

Die gängige Meinung, HIV werde überwiegend durch „unsicheren Sex“ übertragen, habe sich nur deshalb über Jahrzehnte halten können, weil es unterlassen worden sei, HIV-Ausbruchsereignisse sorgfältig zu analysieren. Der Nutzen von Maßnahmen zur sexuellen Prävention sei in Afrika mit großer Wahrscheinlichkeit überbewertet, und Strategien um „iatrogene“ (medizinsystem-verursachte) Infektionen zu verhindern seien sträflich vernachlässig worden. (Grimm 2011)

Häufig würden die betroffenen Frauen völlig zu unrecht beschuldigt werden, sich durch Sex mit anderen Partnern infiziert zu haben. (Class 2012).

Die Fehlbewertung der HIV-Epidemie führe, so die Autoren, zu wenig effizienten Mittelzuweisungen. Um weiteren ökonomischen Schaden abzuwenden, müsse die Strategie der HIV-Prävention in Afrika ausgewogen korrigiert werden. (Grimm 2011)

OP in Tansansia
OP in Tansania 1983 (Bild Jäger)

Fragen an die KfW

Was geschah seit 2011? …

Zusammenfassung

Völlig unabhängig von HIV-Prävention ist Sexualaufklärung weltweit dringend erforderlich. Frauen und Männer sollten, selbstbestimmt, risikoarm und lustvoll Erotik, Liebe und Sexualität genießen können.

Frauen wird dieses Recht häufig vorenthalten.

HIV wurde (und wird) aber in Afrika südlich der Sahara häufig (auch) auf nicht-sexuellen Wegen übertragen. Daraus müssten sich für die Entwicklungszusammenarbeit folgende Konsequenzen ergeben:

  • Investition in Qualitätssicherung: Unterstützung bei der Schließung und dem Verbot gefährlicher medizinischer Einrichtungen (Bad Medicine)
  • Stärkung der Position von PatientInnen gegenüber den Anbietern von Gesundheitsleistungen (Patienten-Aufklärung und -Schulungen, Stärkung der Patientenrechte, ökonomische Sicherung)
  • Durchsetzung und strikte Einhaltung des Vorsorgeprinzips (insbesondere bei Großinterventionen): Zuerst nicht schaden!
  • Rechenschaftspflicht (Accountability): wenn sich Verdachtsmomente erhärten, dass bestimmte Massenintervention der Entwicklungszusammenarbeit (Depo-Provera DMPA u.a.) zur Verbreitung von HIV in Afrika beigetragen haben.
  • Investitionen in Analysen von Ausbruchsereignissen in großen Bevölkerungsgruppen zur Klärung der Wege und der Dynamik der Infektionsausbreitung.

Vollständiger Artikel

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.