Zika, Gen-Mücken & Pestizide

Zika-Viren: Ein willkommener Vorwand zur Senkung ethischer Standards

Brasilien führt Krieg gegen das Zika-Virus“ (SDZ 26.01.2016)

Die Medizin bekämpft seit 100 Jahren gegen äußere Bedrohungen. Wie in allen Kriegen ist dabei jedes wirksame Mittel recht. Soziale und psychologische Zusammenhänge, das Vorsorgeprinzip oder Überlegungen zum friedlichen Gedeihen in Ökosystemen werden meist als unwesentlich zur Seite geschoben. Patientenrechte, Arzt-Patient-Kommunikation und Haftung, insbesondere bei komplexen Systemstörungen oder Langzeitfolgen stehen, wenn etwas ausgerottet werden soll, nicht im Vordergrund.

Der Hype um die Zika-Epidemie in Amerika ist dafür ein beredtes Beispiel. Die von der WHO ausgerufene Notsituation, senkte die Schwellen für die Freisetzung gen-manipulierter Organismen und für unausgereifte Impfversuche bei Schwangeren. Rationale Überlegungen, die vor solchen Eingriffen warnen, waren (und sind) „nicht besonders sexy“.

Freisetzung technisch veränderter Tiere

„Kampf gegen das Dengue-Fieber: Mücken gegen Mücken.“ Süddeutsche 12.04.2018
„Brazil will release billions of lab-grown mosquitoes to combat infectious disease.
Will it work?“ Science 13. Okt. 2016.

In vielen amerikanischen Ländern wurde mit der Freisetzung Mücken und anderer Insekten begonnen, die

  • durch Röntgenstrahlen sterilisiert,  oder
  • mit veränderten Bakterien (Wolbachien) infiziert, oder
  • gen-technologisch verändert wurden, und die dann u.a. ein sogenanntes „selbstlimitierendes Gen“ und / oder geschädigtes Fortpflanzungsgen in sich tragen (Gen-Drive)

Die mit einer Gen-Mücken-Freisetzung verbundenen Risiken sind hoch (GenWatchUK, 03.03.2017):

  • Niemand kann vorhersagen, welche komplexen Auswirkungen die Auslöschung einer existierenden natürlichen Tierart haben könnte, u.a. auf andere Insekten, Bakterien, Pilze oder auf Vögel oder Fische.
  • Nicht ausgeschlossen ist, dass bei wenigen der behandelten Tiere das eingebastelte Selbsttötungsgen nicht funktioniert, sie so eine evolutionäre Chance erhalten, und sich dann explosionsartig vermehren könnten. Ähnlich wie antibotikaresitente Bakterien oder ausgewilderte Impfviren bei der Polio-Impfung.
  • Neue bisher in der Natur unbekannte Tiere könnten ggf. zu Wirten für die Übertragung bisher völlig unbekannter Viren oder anderer Mikroorganismen werden.
  • Potentielle Risiken, wie u.a. die genannten, können aus  prinzipiellen Gründen nicht vor der Intervention untersucht werden, da die veränderten Tiere nicht wieder eingefangen werden können. Daher sind die Risiken der Freisetzung gen-manipulierter Tiere, allein aus Gründen der Wahrscheinlichkeitsrechnung, besonders gravierend und, falls sie eintreten,  nicht umkehrbar, (Taleb 2014)
aedes
Aedes-Mücke (Bild: Prof. Garms, BNI)

Die ethisch extrem fragwürdigen, bevölkerungsbezogenen Experimente, die u.a. in Brasilien, Mittelamerika und den USA zugelassen wurden, werden von gewinnorientierten Firmen durchgeführt. Studien in deren Auftrag beschreiben, genau wie bei anderen Kassenschlagern der Pharma-Industrie üblich, die Innovation des Vorgehens, die unschlagbaren Vorteile und das z.Z. fehlende Wissen zu kurzfristigen Nachteilen. Aussagen zu Langzeitwirkungen, ökologischen Zusammenhängen, potentielle Risiken bei unbekanntem Nichtwissen, Folgekosten und Betriebsgeheimnissen nennen sie nicht:

Gelegentlich kommt es bei solchen (vielleicht sogar) gutgemeinten Interventionen in komplex lebende Zusammenhänge zu Katastrophen, die sich dann als wesentlich größer erweisen, als das Problem, das gelöst werden sollte (Beispiel Arsen in Bangladesch).

Der brasilianische Menschenversuch wurde genehmigt, obwohl bekannt war, dass bei der Epidemie fetaler Kopf-Missbildungen auch andere Faktoren wie u.a. das Gift Pyriproxyfen (s.u.) eine Rolle gespielt haben könnten. Es ist z.B. unklar, warum Zikaviren, im Gegensatz zu Dengue- oder Gelbfieberviren, die Plazentaschranke überwinden können (SpdWi 18.04.2018).

Zika-Infektionen Ungeborener, die das Risiko von Kopffehlbildungen erhöhen, könnten also in einem Zusammenhang mit anderen, für den Plazentastoffwechsel schädigenden, Faktoren stehen, u.a. der Belastung mit Pestiziden u.a. (Parens 27.11.2017)

Zika Necsi report
Vergleich der Zika-Epidemien und der Epidemien von Kopfmissbildungen in Brasilien und Kolumbien. Necsi 27.11.2o17

Der Nutzen der Freisetzung veränderter Organismen wird in jedem Fall sehr  begrenzt sein, da das Virus nicht nur über die eine Aedes-Sorte verbreitet wird, die gentechnologisch manipuliert werden soll, sondern ebenso über andere nah-verwandte, für die noch keine gen-technologisch veränderten Tiere freigesetzt wurden. (Brooks 2016).

Die nachteiligen Auswirkungen der Freiland-Experimente gen-technologisch veränderter Tiere könnten erst nach vielen Jahren durch Langzeitbeobachtungen beschrieben werden. Und mir ist nicht bekannt, ob solche Studien z.Z. geplant werden.

Wenn sich, nach vielen Jahren herausstellen sollte, dass der Schaden wesentlich größer gewesen sein wird als der Nutzen, wird es nicht mehr möglich sein, die Intervention ungeschehen zu machen, oder den neuen komplexen Problemzusammenhang zu beherrschen. (Taleb 2014) 

Wenn bei wissenschaftlichen Vorhaben etwas schiefgehen kann, wird es auch schiefgehen. Wenn alles gut läuft, hat man wahrscheinlich etwas übersehen. Bis es dann genau in dem Augenblick schiefgeht, der dafür am wenigsten geeignet  ist. Murphys Gesetz

Impfstoff-Tests bei Schwangeren

Lange bevor klar ist, womit die Häufung der Fälle fetaler Kopfmissbildungen (s.u.) zusammenhängen könnte, wurde gefordert, die „ethischen Rahmen-Bedingungen“ für Studien an Schwangeren und an Ungeborenen zu ändern (Omer 2016, BMJ-News 2016). Da die komplexen Zusammenhänge der Entwicklung und Reifung der Hirnentwicklung Ungeborener sehr anfällig sind für unterschiedliche Störungen, ist es in der Schwangerschaft immer schwierig, Nutzen und Risiken einer Intervention eindeutig zu kennen und abzuwägen.

Neue Impfstoffe sind insbesondere in der Schwangerschaft mit unkalkulierbaren Risiken verbunden: Als im Jahr 2009 der Impfstoff Pandemrix® großflächig ausgetestet wurde, verzichtete man auf Langzeit-Beobachtungen von Kindern schwangerer Mütter die geimpft worden waren. Welche Auswirkungen Pandemrix® auf die Entwicklung Ungeborener hatte, wissen wir also nicht. Aber etwa eines von 15.000 Kindern, die nach der Geburt mit Pandemrix® geimpft worden waren, erlitt eine schwere Hirnfunktionsstörung (Narkolepsie) (Ahmed 2105, Jackson 2015).

Moderne Impfungen enthalten Moleküle, die rezeptor-genau wirkend, das Immunsystem alarmieren. Für diese Substanzen gibt es noch keine geeigneten Zulassungsstudien. In den klassischen Studien zur Prüfung moderner Impfstoffe (bei denen das zu kleine Antigen-Schnippsel keine Immunantwort auslösen kann) erscheint deshalb der Zusatzstoff, der die Immun-Systemantwort auslöst, sowohl in der Produktgruppe („Verum„) als auch in der Kontrolle („Placebo„). Bei Erwachsenen mit reifen Hirn- und Immunsystemen sind die Störungen durch Zusatzstoffe selten, bei Ungeborenen dagegen ist es unbekannt, wie sie sich auf die komplexen Entwicklungs- und Reifungs-Zusammenhänge auswirken werden.

Sicher ist, dass die Hirnentwicklung der Neugeborenen in der Schwangerschaft sehr anfällig ist für Störungen, und Schädigungen, die lebenslang Folgen haben können.

Aussicht

Wenn wirklich nichts schiefgehen kann, wird es trotzdem schiefgehen.
Und die Lösungen erzeugen dann neue Probleme. Murphy’s LawMurphys Gesetz

Die Zika-Epidemie bot nicht nur die Chance für neue Produktentwicklungen, sondern auch für die Senkung der Sicherheitsstandards ihrer Anwendung. Beides ist hochgefährlich.

Angesichts akuten Bedrohungen (zumal in weit entfernten Erdteilen) fragen nur wenige nach möglichen Hintergründen, Zusammenhängen oder Möglichkeiten, wie kranke Systeme mit friedlichen Mitteln günstig beeinflusst werden könnten.

Dabei gibt es selbst im Umgang mit Infektions-Erregern dafür gute Vorschläge: Balzer 2017, Walther 2004Ewald 2007

Epidemien ereignen sich nur selten schicksalhaft.

Zu den Zusammenhängen der Zika-Epidemie gehören nicht nur die Genetik eines Virus oder seines Überträgeres, sondern ebenso Klimawandel, Armut, elende Wohnverhältnissen, Verstädterung, unhygienischer Müllentsorgung, Gewalt und soziale Instabilität, Stress, Feinstaubbelastung, allgemeine Degradierung der Umwelt, Gifte, mangelnde Bildung und vieles andere. Deshalb werden sich krankmachende Umstände insgesamt nicht verbessern, wenn nur eine Überträger-Mücke beseitigt wird.

Das Aufpoppen eines neuen Gefahren-Ereignisses müsste also eigentlich, statt Problemlöse-Hektik und der Geschäftemacherei mit neuen Produkten und Interventionen, zu langfristigen Überlegungen führen:

Weiter so oder ganz anders?

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Der Lebensraum der Aedes-Mücke in Ghana. Foto: BNI 2010

Hintergründe

Zika-Erkrankung

Meist verläuft die Infektion bei Erwachsenen symptomlos. Bei jedem vierten Betroffen treten die Krankheits-Erscheinungen drei bis vier Tage nach einer Zika-Infektion auf. Die Symptome ähneln denen von milden Dengue- oder Chikungunya-Infektionen: Gliederschmerzen, Fieber, Kopfschmerzen, Hautausschlag und Augenbindehautentzündung. Diese Infektionserscheinungen heilen ohne Folgen ab. Todesfälle kommen in der Regel nicht vor.

Eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung ist, mit Ausnahme von Verletzungen bei der Krankenpflege, unwahrscheinlich. Es wurden jedoch sexuelle Übertragungen des Virus von Reisenden auf ihre PartnerInnen in Europa oder Nordamerika nachgewiesen.

Eine Studie aus Polynesien analysierte die Fälle von 42 Patienten, die im Zeitraum von zwölf Monaten bei einem Zika-Ausbruch in Französisch Polynesien (2013-2014) Lähmungen erlitten hatten (Guillan-Barré Syndrom). 41 (98%) dieser Patienten wiesen Antikörper gegen Zika-Viren auf, die dort bisher noch nicht verbreitet waren. Die Erkrankungen verliefen relativ mild. Die Wahrscheinlichkeit dieser Lähmungserscheinungen wurde auf 0,2 pro tausend (Erst)-Infektionen geschätzt. Ob auch andere Ko-Faktoren wie Infektion oder Schadstoffe eine Rolle spielten, war bei der kleinen Fallzahl nicht zu klären (Cao-Lormeau 2016).

Explosionsartige Verbreitung der Zika-Viren in Lateinamerika

Zika-Viren wurden erstmals 1952 in Uganda nachgewiesen, und vermutlich im im Rahmen der Fußball-Weltmeisterschaft 2014 eingeschleppt. 2015 konnten sich Zika-Infektionen von Bahia ausgehend, schnell in ganz Brasilien verbreiten, und später in ganz Amerika verbreiten da bei der Bevölkerung noch keine schützenden Antikörper vorhanden waren, und die Überträgermücke überall vorkommt. In Lateinamerika war das Zika-Virus bis dahin unbekannt. Zikaviren ähneln Gelbfieber-, Chikungunya- und Dengue-Viren, die durch die gleichen Mücken übertragen werden (Aedes ägyptii und Aedes albopictus oder Tigermücke), und in Amerika immer wieder Epidemien auslösen.

Aedes-Arten benötigen für ihre Vermehrung warmes Klima und nur kleine Wasserpfützen, wie sie sich nach Regenfällen u.a. in Slums im Unrat, in Autoreifen, in Plastikabfällen oder in altem Mauerwerk ansammeln. Aedes-Arten können u.a. mit Flugzeugen oder Containerschiffen auch nach Europa verschleppt werden, sind aber nur im küstennahen Mittelmeerraum verbreitet.

Epidemie von Kopfmissbildungen, überwiegend in Brasilien

Zeitgleich mit der Verbreitung des Zika-Virus wurde 2015 in Brasilien eine Häufung von Neugeborenen mit zu kleiner Kopfgröße (Mikrozephalie) beobachtet. Die grobe Schätzung der Inzidenz lag bei etwa 0,5/10.000 Geburten, und bei einer bisher noch kleinen Zahl dieser Betroffenen wurden auch Zika-Infektionen nachgewiesen (CDC 2016). Aus vorläufigen Untersuchungen von Kindern, die mit Mikrozephalie geboren wurden oder bei denen in pränatalen Untersuchungen ein zu kleines Kopfwachstum festgestellt wurde, wurde von den Gesundheitsbehörden im Januar 2016 die Arbeitshypothese aufgestellt, dass ein Zusammenhang mit Zika-Infektionen bestehen könnte (CDC, BMJ, WHO 2016). Außerdem wurde nachgewiesen, dass Zika-Viren neuronale Vorläuferzellen infizieren können, die eine wichtige Rolle bei der Großhirnentwicklung spielen (Tang 2016).

Allerdings war in Afrika kein Zusammenhang zwischen Zika-infektionen und Auffälligkeiten bei Neugeborenen beschrieben worden. Auch in Brasiliens Nachbarland Kolumbien, das ebenso stark von der Zikaepidemie betroffen war, gab es relativ viel weniger Fälle von Kopfmissbildungen.

Störungen des Hirnwachstums von Feten können durch eine Vielzahl von Schadenseinwirkungen verursacht werden, und bisher ist unklar, in welchem Umfang und über welchen Mechanismus das Virus an einer Entwicklungsstörung der Feten beteiligt sein könnte.

Mögliche Störungen der Kopf-Entwicklung in der Gebärmutter

Die Entwicklung des menschlichen Gehirns ist komplex und erst mit dem beginnenden Erwachsenenalter abgeschlossen. Einige Phasen dieses Reifungsprozesses sind sehr störanfällig. Nervenzellen werden ab dem 42. Tag nach der Empfängnis hergestellt. Ihre Entwicklung wird durch genetische Programme im Wechselspiel mit dem mütterlichen Umfeld bestimmt (sogenannte Epigenetik). Der Aufbau der Hirnstrukturen (Neurogenese) beginnt mit dem Stammhirn und wird bis zur neunten Schwangerschaftswoche mit der Anlage der Frontalhirn-Strukturen abgeschlossen. Schädigungen der Neurogenese des Großhirns führen zu Wachstumsstörungen des Schädels.

Wenn die Grundlagen der Hirnstruktur festgelegt sind, beginnt die kritische Phase der Ausdifferenzierung, in der die wesentlichen Verbindungen und Verknüpfungen gebahnt werden.  Im letzten Schwangerschaftsdrittel vollzieht sich dann u.a. der sehr störanfällige Faltungs-Prozess der Großhirnhälften. (Stilles 2010)

Die Entwicklungsphasen des Gehirns überlappen sich, und gleichen nur entfernt einem allmählichen Aufbau eines hoch-komplexen Musikinstrumentes in einer ruhigen Werkstatt. Denn die entstehenden Nervenstrukturen werden ständig während ihres Herstellungsprozesses intensiv „bespielt“. Eine anfangs noch einfache und schnell reicher werdende Musik wirkt (beeinflusst durch die Körperrhythmen der Mutter) auf die Entwicklung des Instrumentes selbst (Buzsáki 2012). Störungen, dieses hoch-empfindlichen Prozesses der Ausgestaltung der Hirnfunktion wirken lebenslang (Faa 2014).

Neben den Zika-Infektionen werden auch andere mögliche Ursachen für Mikrozephalie untersucht (WHO Oct. 2016):

  • weitere Infektionen: , wie Dengue u.a. Viren, die in den Tropen verbreitet sind, aber auch Toxoplasmose, Röteln, Herpes, Syphilis, Cytomegalie, HIV
  • giftige Chemikalien: Pestizide, Herbizide, Schwermetalle (Blei, Quecksilber, Arsen)
  • Feinstaubbelastung in Großstädten (Saenen 2015).
  • Sucht-Gifte: Alkohol, Nikotin, Drogen und andere
  • Strahlenexposition
  • genetische und chromosomale Störungen
  • epigenetische Schädigungen (starke Stressbelastung in der Schwangerschaft)
  • schwere Mangelernährung während der Schwangerschaft.

Eine Untersuchung der Epidemiologie von Microcephalus vor Auftreten des Zika identifizierte insbesondere soziale, ernährungsbedingte und suchtassoziierte Risikofaktoren (Krauss 2003)

Möglich ist, dass eine Kombination verschiedener – allein für sich „relativ“ harmloser – Schadens-Einwirkungen zu bleibenden Entwicklungsverzögerungen und Wachstumsstörungen führen könnte, und dass die Zika-Infektion eventuell nur einen Teil eines sehr komplexen Zusammenhanges darstellt. Oder noch ein bislang unbekannter Faktor/ Umstand existiert, der zusammen mit dem Zikavirus erst das beschriebene Ausmaß an Schäden hervorruft.

Das Risiko für die Geburt eines Kindes mit zu kleiner Kopfentwicklung (Mikrozephalie) soll nach Beobachtungen in unterschiedlichen Ländern bei 2-12/10.000 Geburten liegen. Nach einer Zika-Infektion im ersten Drittel der Schwangerschaft soll es demgegenüber 0.88 – 13.2% betragen. (Johannson 2016)

Die weltweit meisten Mikrozephalus-Fälle, die im Verdacht stehen mit Zika-Infektionen im Zusammenhang zu stehen, stammen aus Brasilien. Von November 2015 bis März 2016 wurden in Brasilien 6,398 „Verdachtsfälle“ von Fehlbildungen des Zentral-Nervensystems gemeldet. Bei 854 wurde Mikrozephalie bestätigt und von diesen wurde in 97 Fällen ein abgelaufene Zika-Infektion bei der Mutter nachgewiesen (Nature 21.03.2016).

Der Anstieg der Mikrozephaliefälle in Brasilien begann jedoch schon im Jahr 2012, lange vor der Zika-Epidemie (CBC 13.02.2016). In Kolumbien, dem nach Brasilien am stärksten von Zika betroffenen Land Lateinamerikas kam es bisher zu keiner Welle von Kopf-Fehlbildungen bei Neugeborenen. (Science 15.06.2016). Diese Hinweise sprechen dafür, dass in den besonders von Fehlbildungen betroffenen Regionen ein anderer auslösender Faktor hinzugekommen sein muss, z.B. ein Pestizid (Science 16.02.2016, ScienceDaily 24.06.2016)

Das Pestizid Pyriproxyfen u.a.: möglicher Mitverursacher der Kopfmissbildungen?

In Brasilien wurde unter anderem das Insektizid Pyriproxyfen versprüht. Die Verstoffwechselung solcher Pestiziden führt auch bei Säugetieren zu Wechselwirkungen bei der Gen-Expressionen wechselwirkt. (Ritz 2016), und ist auch an der Entstehung neurodegenerativer Veränderungen beteiligt (Tartaglione 2016, Costet 2015, Cordier 2015). In einer argentinischen Provinz scheint in Regionen mit intensiver Landwirtschaft (bei der massiv Pestizide versprüht werden) die Sterblichkeit deutlich erhöht zu sein (Cordoba 2016)

Das in Brasilien weit verbreitet Larvengift Pyriproxyfen wurde daher bereits bei Epidemie-Beginn verdächtigt, mit dem Auftreten von Mikrozephalie in Zusammenhang zu stehen (Science 2016, ScienceDaily 2016Reduas 2016).

Ein Indiz dafür sei, dass ein gehäuftes Vorkommen dieser fetalen Missbildung bisher in Lateinamerika vorwiegend in Brasilien auftrat. (Tech Times, 14.12.2016, Necsi, 27.07.2016). Die Umweltbehörde Brasiliens stellte daraufhin vorsorglich seine Verwendung ein (CNN, 18.12.2016,)

Given this combination of information about molecular mechanisms and toxicological evidence, we strongly recommend that the use of pyriproxyfen in Brazil be suspended until the potential causal link to microcephaly is investigated further. NECSI 15.03.2017Parens R et al: PLOS 27.11.2017

Publikation 

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Umwelt

Zika-Virus

Literatur

Autor: Helmut Jäger