Vorbeugung vor zu vielen Diagnosen?

Wir wollen sicher sein vor Krankheit und Tod.

Weil das nicht möglich ist, suchen wir Hilfe im Medizinsystem, das uns Diagnosen und Behandlungen bietet. Oft mehr als für die Gesundheit gut ist.

Das unbegrenzte Wachstum des Gesundheitsmarktes wird bestimmt von einem steigenden Angebot von Gesundheitsleistungen. Und ebenso von einer zunehmenden Nachfrage nach dessen Produkten. Die Leistungsfähigkeit der Medizin scheint zu steigen, und wir werden älter, d.h. uns bleibt eine längere Zeitspanne, um Gesundheitsprodukte zu konsumieren.

Früher galt als sicher, dass Vorbeugung „billiger sei als heilen“. Das trifft heute nicht mehr zu, obwohl natürlich die Kosten für Behandlungen deutlich steigen (Heath_1 2013). Denn Vorbeugungsmaßnahmen können zu paradoxen Ergebnissen führen. Zum Beispiel, wenn für kleine messbare Erfolge bei einzelnen Personen, große Bevölkerungsgruppen erreicht werden müssen (Rose 1981).

Dieses „Präventionsparadox“ wird deutlich, wenn die Zahl von Krankheitsfrüherkennungen, die noch nicht zu Krankheitserscheinungen geführt haben ansteigt (Heath_2 2013). Bei solchen “symptomlosen Epidemien” steigen die Gesundheitskosten schneller an, als wenn nur bei Krankheitszeichen behandelt worden wäre (Smith 2011).

Die früher progressive Gesundheitsdefinition der Weltgesundheitsorganisation „… vollkommenes physisches, psychisches und soziales Wohlbefinden“ (WHO), ist jedenfalls veraltet. Sie begünstigt den Verkauf  von Gesundheitsprodukten für jedes Lebensproblem.

Natürlich wäre es sinnvoll, wenn Vorbeugung die Kosten für medizinische Leistungen senken könnte. Wäre Gesundheitsförderung darauf ausgerichtet, den Bedarf – und damit die Nachfrage – nach Gesundheitsleistungen zu senken, könnten die Gesundheitskosten sinken (Jäger 1999). Das wäre vermutlich erfolgversprechender, als die Bevölkerung vor Interventionsprogrammen durch teure, genetische Analysen in Gruppen einzuteilen (Burton 2012).

It is better to be healthy than ill or dead.
That is … the real argument for preventive medicine.
It is sufficient. Rose

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Literatur

Konferenz

Autor: Helmut Jäger