Alles Zufall?

Gott würfelt nicht! Albert Einstein.

Irrte Einstein?

In der Quantenphysik jedenfalls wimmelt es von Zufällen. Sie geschehen planlos. Ohne erkennbar verborgene Ursachen oder mystische Kräfte.

Wir mögen keine Zufälle.

Denn Zufälle bergen Risiken. Deshalb schließen wir Versicherungen ab. Wir möchten die Ungewissheiten möglichst klein halten. Wir hätten es gerne einfach und beherrschbar.

Aber alles Lebende, das uns umgibt, und das uns ausmacht, wirbelt. Es steht in Beziehungen und wechselwirkt miteinander. Und ist in dieser Dynamik nur begrenzt vorhersag- und noch schwieriger kontrollierbar.

Eine beliebte menschliche Strategie ist es, die Zukunft relativ überschaubar zu halten. Wir vermeiden deshalb die vielen kleinen Gefahren, die uns in der Vergangenheit Ärger bereiteten.

Und so rudern wir indem wir zurückschauen, zu dem was schon geschah, hinein in eine Zukunft, die wir nicht sehen. Solange, bis völlig überraschend etwas Unwahrscheinliches geschieht, und wir an einen Felsen stoßen, und unser Boot zu kentern droht.

Zufälle nutzen

Wir könnten uns stattdessen Zufälle und Ungeahntes auch nutzbar machen. Zum Beispiel, indem wir das, was geschieht, anders betrachten: also neue Blickwinkel, innere Bezüge und Einstellungen wählen. Dann erscheint „das Gleiche“ erstaunlicherweise anders, ohne dass sich „außen“ das Geringste verändert hat.

Von dem Chemiker Kekulé wird erzählt, er sei verzweifelt, weil er die Struktur einer einfachen Kohlenstoffverbindung nicht entschlüsseln konnte. In seinem Denkmodell war ein Kohlenstoffatom in einer Fläche immer genau mit einem anderen verbunden. Das ergab aber bei dem Molekül „Benzol“, das er untersucht, keinen Sinn. Erschöpft sei er nach langem Grübeln vor seinem Kamin eingenickt, und habe, plötzlich erwachend und noch halb verschlafen, in den Flammen tanzende Affen erkannt. Schlagartig sei dann vor ihm eine Lösung erschienen: Seine Kohlenstoffatome bilden einen Ring, der von einer Elektronenwolke eingehüllt war. Ein Zufall hatte sein altes Erklärungssystem einstürzen lassen, und in der Vision war eine bisher unbekannte Dimension aufgeblitzt.

Klarheit-gewinnen: Zum Beispiel durch Setzen eines neuen Bezugsrahmens (engl. Reframing). Alle üblichen Lösungsstrategien lassen, und schlagartig einen neuen Möglichkeitsraum zu erkennen. Z.B.: „Lege mit 6 Streichhölzern 1 Figur, die aus 4 Dreiecken besteht.“ Zweidimensional ist die Aufgabe unlösbar. In drei Dimensionen bilden sie einen Kegel.

Reframing

Reframing ist dann besonders wirksam, wenn man vor ernsten Problemen stehend „gerade-aus“ starrt und ein Problem bekämpft, das den Weg verbaut. Psycholog:innen bezeichnen diesen Zustand der Denkblockade: die Problem-Trance.

Sie entsteht besonders oft, wenn eine Flut von Einzelinformation, Fakten und Daten analysiert wird und die Übersicht verloren gegangen ist: der Zusammenhang, die Beziehungen, Wechselwirkungen und Veränderungen. Dann wird immer intensiver das Gleiche getan mit heftigerem Aufwand und immer besserer Unterstützung durch Expert:innen, die einen Hammer besitzen und da das Problem klar als Nagel erkannt haben. Bis dann manchmal die Verzweiflung zum Zusammenbruch führt, zum Burn-out oder zur Depression.

Manchmal ist es dann befreiend, schlagartig zu erkennen, dass es auch Leben und Bewegung außerhalb des Tunnels geben könnte. …

Vollständiger Artikel

Ursprung des Reframing – Selber ausprobieren

Zufälle nutzen

Letzte Aktualisierung: 11.02.2021