BBAT: Körper-Coaching und Körper-Lernen.

Juggling your way to succes by learning to love your mistakes. Michael Gelb, Body Learning Aurum Press 2006

Basic Body Awareness Therapy (BBAT)

BBAT ist eine einfache, strukturierte Methode zur Anregung körperlicher Lernprozesse. Sie wurde vor einigen Jahrzehnten in Skandinavien entwickelt, und ähnelt vielen anderen Versuchen, unterschiedliche Ansätze achtsamen Körperlernens zu integrieren (u.a Gelb, Lidell) Besonders ist allerdings die besondere Art den Einstieg Patient*innen gerecht zu strukturieren und zu entschleunigen.

BBAT geht von der Annahme aus, dass körperliche geistige und seelische Prozesse unterschiedliche Ausdrucksformen des Gleichen sind, und sich in ständigen Wechselwirkungen mit der Umgebung befinden. Störung des Körpers wirken sich psychologisch aus, und geistige Störungen führen zu körperlichen Folgen. Das Besondere an BBAT ist nicht die Entdeckung eines neuen methodischen Zugangs, sondern eher gute Strukturierung und Verlangsamung körperlicher Lernprozesse, die deshalb auch zu geistigen Veränderungen führen können.

Entwickelt wurde BBAT aus Erfahrungen der Physiotherapie von Menschen mit psychischen Erkrankungen. Ferner aus den Erkenntnissen der klassischen, naturwissenschaftlich orientierten Physiotherapie und modernen Biomedizin. Weitere starke Einflüsse des BBAT stammen aus Übungen des Zen, des Taiji, der Alexander Technik und vielen anderen Formen achtsamen Körperarbeit. Der integrative BBAT-Ansatz wurde mehrfach durch empirische Studien begleitet und erfreut sich einer gewissen Evidenz.

BBAT beginnt mit einer individuellen Diagnostik der vorhandenen Körperfunktion insbesondere in Hinsicht auf die Bewegungsqualität. Im Fokus steht die Stabilität der Funktion, die Koordination der Körperfunktion, die Atmung und die Fähigkeit mentaler Präsenz. Gleichgewicht und Haltung im Sitzen, im Stehen und im Gehen werden beurteilt. Ferner komplexere körperliche Funktionen; wie die Fähigkeit Last aufzunehmen und abzugeben, Drehkoordination und die Art des Gehens. Aus dieser Analyse ergeben sich Gespräch mit den Patient*innen, welche Veränderungsziele realistischerweise erreicht werden können. Grundsätzlich steht nicht das Beheben von Defiziten im Fokus, sondern um die Entwicklung von Körperlernen auf der Basis vorhandener Ressourcen.

Gyllensten, Basic Body Awareness Therapy, Easytranslate 2016, S. 68-69

In weiteren 5-6 Sitzungen werden mit den Patientinnen sehr einfache, grundlegende Übungen durchgeführt, die die Wahrnehmungsfähigkeit für innere und äußere körperliche Prozesse erheblich erweitern. So entsteht eine Grundlage für eigenständig körperliches Lernen. Besondere ist, im Gegensatz zu vielen anderen Methoden, die Schlichtheit der un-spektakulären Übungen. Sie sollen nicht durch „eine Technik“ Veränderungen erwirken, sondern nur einen Raum zu schaffen, in dem eigene Veränderung, wie aus einem Samenkorn wachsend, entstehen kann.

Im Ergebnis sollten durch BBAT Haltung, Beweglichkeit und Gang werden. Der Umgang mit Belastungen sollte sich deutlich stress-ärmer gestalten, die Atmung gelassen fließen und die mentalen Funktionen achtsam, ruhig und aufmerksam sein.

BBAT-Sitzungen unterstützen Patient*innen baldmöglichst in Gruppenprozesse des Lernens einzutauchen und auch eigenständig zu üben, sei es Yoga, Taiji, Feldenkrais, Pilates oder eine andere Methode achtsamer Bewegung.

Literatur

  • Gyllensten A et al: Basic Body Awareness Therapy – embodied identity. Die körperlich verankerte Identität. Studentlitterature, Lund 2015, Easytranslate 2016
  • www.bodyawareness.ch

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Letzte Aktualisierung: 29.09.2019