Change Management

Sollten Veränderungen „sinnvoll“ sein?

Wie schafft man es .. in einem unternehmerischen Umfeld voller Fallstricke, nachhaltige Entscheidungen mit Empathie, Klarheit, Durchsetzungskraft und Mut zu fällen und diese im unternehmerischen Alltag zu verankern sowie umzusetzen?Aus einem Coaching-Flyer 2020

Genau: Wie schafft man das, wenn man bei der Deutschen Bank, AstraZeneca, GSK, Bayer/Monsanto, Novartis, Siemens, SpaceX, VW, Heckler&Koch, Blackwell … angestellt ist?

Der Wert dieser Unternehmen wird vom Share-Holder-Value bestimmt. Der erzwingt von ihren „ehrbaren Kaufleuten“ theoretisch auch hohe ethische Standards. „Unbestechlichkeit“ gehört selbstverständlich dazu. Und wer sich, wie Wirecard. nicht daran hält, fliegt aus der Börse.

Coaches, die für Unternehmen arbeiten, bieten sich daher an, ihren Managern nicht nur zum Erfolg, sondern auch zu einem guten „ethischen Gefühl“ zu verhelfen. Natürlich ohne dabei zu sehr die Moral des Unternehmensziels zu thematisieren.

Unternehmensberater*innen benutzen deshalb gerne undefiniert-vage Begriffe wie

  • Chance, Compliance, Resilienz …“, oder Worte wie
  • „zukunftsweisend, unbestechlich, maßgeschneidert, innovativ, nachhaltig, ganzheitlich, interdisziplinär …“

… das klingt wunderbar „werte-voll„, und bleibt „für sich allein stehend“ sinnfrei.

Besonders bei „Public Private Partnerships“ (der Vermischung öffentlicher und privater Interessen von Gebilden wie bei VW, WHO/GAVI/CEPI oder GiZ/KfW) steht Coaching mit moralischen Zielen hoch im Kurs. Nur sollte man in den Planungsworkshops dieser Institutionen als Coach besser nicht nach dem Sinn der Unternehmensziele (für einen gößeren Zusammenhang) fragen. Jedenfalls nicht, solange man noch auf Nachfolgeaufträge angewiesen ist.

Eigentlich die Sinn-Frage Grundlage menschlichen Handelns. (Victor Frankl).

Menschen sind soziale Wesen (SDZ 17.09,2020). Manager*innen, Wissenschafter*innen und Politiker*innen stellen aber die Sinnfrage oft nur (wenn überhaupt), wenn sie ihre Karriere hinter sich haben. Und persönlich nichts mehr fürchten, und nichts mehr gewinnen wollen.

Das lies sich sehr schön bei der weltweiten Hysterie im Frühjahr 2020 beobachten, in der es einige pensionierte Expert*innen wagten, sich abweichend vom Meinungs-Mainstream zu äußern. Oder im Fall der Entwicklungszusammenarbeit, wo sich ehemalige Fachkräfte zusammenschlossen, um (vergeblich) Gehör zu finden: Bonner-Aufruf.

Auf moralische oder logische)Sichtweisen ehemaliger Expert*innen hören die, die gerade im Strom mitschwimmen müssen, aber nicht gern. Deshalb werden Abweichler, die das Grundsätzliche hinterfragen, meist als Spinner, Idioten, Verschwörer, Miesmacher, Weltfremde, Heiden, Senile, Neider, Unbelehrbare … madig gemacht.

Denn kritisches Denken (ohne Ideologie-, Dogmen- und Kommerzinteressen) ist unbequem, und (für die „Gewinner“) meist völlig unnütz.

Veränderungsmanagement mit Sinn?

Schon bei der Geburt des Coachings vor fast einem halben Jahrhundert fragten sich Paul Watzlawick und Steve deShazer, ob Einstellungen, die einer Handlung vorausgehen, nicht wichtiger seien, als das, was tatsächlich getan werde:

  • Warum müsse man eigentlich, zielorientiert, Tore schießen? Könne man nicht auch etwas ganz anderes tun?
  • Warum müsse man unbedingt Gewinne und Macht maximieren? Könne man nicht auch prozess-orientiert auf heilsame Weise Zusammenhänge fördern? Und sich dabei sogar besser fühlen?
Aufblühen im Zusammenhang. Bild: Jäger 2020

Béla H. Bánáthy entwickelte, aufgrund solcher Überlegungen, vor 40 Jahren Coaching-Techniken, um Entscheidungsträger*innen zu helfen, in komplexen System-Welten sinnvolle Entwicklungen voranbringen. Unter Sinn verstand er eine Sehnsucht, die einen höheren Stellenwert habe, als das unmittelbare Eigeninteresse. Eine Einstellung, die etwas zur Harmonie eines Gesamtgefüges beitragen wolle.

Bánáthy fragte nach

  • der Bedeutung des Zusammenhanges, in dem etwas geschieht.
  • dem Weg, den man gemeinsam gehen könne, um etwas nutzbringendes zu erreichen, und nach dem
  • was bewahrt werden sollte, wenn sich alles andere verändere.

Das technische Gerüst der genialen Bánáthy-Methode wäre längst vergessen, hätte nicht ein kluger Coach „den Sinn“ daraus entfernt.

Und so entstand der Coaching-Renner „Open Space“, der bei geringen Kosten hohe Einnahmen einspülen kann. Viel Varianten dieser Methode sind auch bei Unternehmen sehr beliebt, die auf Kosten der Umwelt und der Sozialsysteme wuchern, solange es noch geht. …

Zum vollständigen Artikel

Veränderungs-Management

Letzte Aktualisierung: 18.09.2020