Covid-19 – Test

Die Aussagekraft von Tests ist begrenzt.

Früher galt jemand als gesund oder krank, weil er oder sie sich so fühlte. Heute: weil ein Test positiv oder negativ ausfällt.

Die Qualität der Vorhersage eines Tests hängt von vielem ab. Nicht nur von technischen Faktoren ab. Sondern auch von der Wahrscheinlichkeit des Auftretens der Ereignisse, die gemessen werden sollen. (Schlenger 2020)

Um Testergebnisse beurteilen zu können, muss man die Wahrscheinlichkeit kennen, mit der ein Test

  • tatsächlich vorliegende Infektionen entdecken (Sensitvität), und
  • bei fehlenden Infektionen falsch-positiv ausfallen (Spezifität).

Meldezahlen sind wenig verlässlich, da meist undurchschaubar ist

  • welche Daten,
  • nach welcher Konzeption,
  • nach welchen Kriterien,
  • mit welcher Technik,
  • in welcher Bevölkerungsgruppe,
  • mit welchem Ziel,
  • von wem erhoben,
  • von wem ausgewertet wurden, und
  • wer diese Maßnahmen koordiniert und
  • wer die Ergebnisse (wie sorgfältig) gemeldet hat.

Unsicherheit erzeugen

„Lasse den Zuschauer nie im Ungewissen,
sondern versorge ihn ständig mit Informationen,
die ihn weiter verunsichern.“
Alfred Hitchcock

Im Gesundheitsmarkt orientieren sich viele an Hitchcocks Empfehlung: Je mehr unklare Einzel-Informationen einströmen, desto bedrohlicher erscheint eine Situation.

Das erzeugt Dauer-Angst, ein sehr unangenehmes Gefühl, das dringend nach Sicherheit verlangt. Und so einen starken Bedarf erzeugt, nach einem Produkt oder einem Ritual, „das alles wieder gut macht“.

Im Panik-Tunnel ist keine Zeit für eine nicht-aufgeregte Beurteilung einer Gefahr. Wichtig ist dann nur, wie das Risiko, das sich bedrohlich groß anfühlen muss, beseitigt werden kann.

Wenn du störrische Hammel treiben willst, mach ihnen Angst vor dem Wolf. Alte Schäfer-Weisheit.

Mehr

Zum Covid-19 Test

„Die (PCR-) Methode ist so empfindlich, dass sie ein einzelnes Erbmolekül dieses Virus nachweisen kann. Wenn ein solcher Erreger zum Beispiel bei einer Krankenschwester mal eben einen Tag lang über die Nasenschleimhaut huscht, ohne dass sie erkrankt oder sonst irgend etwas davon bemerkt, dann ist sie plötzlich ein Mers-Fall. Wo zuvor Todkranke gemeldet wurden, sind nun plötzlich milde Fälle und Menschen, die eigentlich kerngesund sind, in der Meldestatistik enthalten. Auch so ließe sich die Explosion der Fallzahlen … erklären. Prof Christian Drosten, Mai 2014, Wirtschaftswoche

BMJ-Test-Calculator: www.bmj.com/content/369/bmj.m1808 (einfach Ausprobieren. Beispiel: Infektionswahrscheinlichkeit: 1% (Infizierte in der Bevölkerung). Erkennung von Infizierten (Sensitivität) 70% (ein guter Wert, da viele Infizierte gesund erscheinen), Spezifität 95% (ein guter Wert für einen Test). Ergebnis: Richtig positiv: 1 – Falsch positiv: 5

Wenn es Anfang 2020 keinen PCR-Test gegen SARS-Cov-2 gegeben hätte?

Dann hätte man in Deutschland und einigen anderen Ländern nicht viel bemerkt

Euromomo-Daten zur Übersterblichkeit (Z Scores), ausgewählte Länder, 40 KW (abgerufen 13.10.2020)

In vielen anderen europäischen Länder hätte man allerdings etwas Ungewöhnliches beobachtet

Euromomo-Daten zur Übersterblichkeit (Z Scores), alle europäischen Länder, hier 40 KW
(42 KW: abgerufen 21.10.2020)

Man hätte

  • im Winter 2019/2020 eine schwache „Grippewelle“ aufgezeichnet,
  • im Frühjahr dann aber eine vermehrte Sterblichkeit an Atemwegsinfektionen vorwiegend bei älteren Menschen beobachtet, und besonders bei alten und mehrfach erkrankten Personen (nicht aber bei Personen unter 45 Jahren und Kindern),
  • vermehrt Antikörpertestuntersuchungen durchgeführt. Die hätten aber nur wenig Klarheit gebracht. Möglicherweise hätten Virologen einen ungewöhnlichen Anteil der üblichen Coronaviren im Mix der Grippeviren beobachtet.
  • in den Kliniken gesehen, dass Patienten einen untypischen „Influenza“-Verlauf durchmachten, und man sie ggf. anders behandeln muss (z.B. sie nicht so schnell beatmen sollte),
  • die Verstorbenen auf Influenza getestet, und die Test-positiven als Influenzatote gezählt (so wie immer),
  • die Ereignisse als eine (etwas zeitlich ungewöhnlich verzögerte), plötzlich ansteigende und ebenso schnell abfallende, heftige Grippewelle beurteilt, bei der die „Grippeimpfung“ (wieder einmal) keinen besonderen Schutz geboten hätte,
  • im Sommer solange keine „zweite Welle“ beobachtet, wie die Sterblichkeitszahlen auf dem normalen Niveau blieben (Todesfälle/Infektion 2020).
  • wie jedes Jahr im Oktober wieder damit geworben, sich erneut mit einem neuen Influenza-Impfstoff gegen „Grippe“ impfen zu lassen, um „sicher gegen Grippe geschützt zu sein“. So wie jedes Jahr.

Was sagen die Meldedaten aus?

In anderen Ländern wird das, was wir als positive Tests sehen, auch so genannt. Bei uns sind das immer gleich Infektionen. Dabei wissen wir bis heute nicht genau, wie gut die Tests sind und wie viele falsch-positive Ergebnisse es tatsächlich gibt.

Hinzukommt, dass wir aufgrund der immer noch chaotischen Testsituation nicht wissen, was uns an tatsächlichen Infektionen entgeht, also wie hoch die Dunkelziffer ist. Prof. Antes, Cochrane Dtschl, AZ, 101.101.2020

Prof. R. Gottschalk, Prof. U. Heudorf: Die-Covid-19-Pandemie in Frankfurt am Main. Was sagen die Daten? 29.08.2020

Literatur zu SARS-CoV-2-Tests

Letzte Aktualisierung: 22.10.2020