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Covid-Kollateralschaden: Rauchen

COVID-19 war ein natürliches Experiment

„Für die öffentliche Gesundheit wurden Entscheidungen mit erheblichen sozioökonomische Auswirkungen getroffen. … Wenn die COVID-19-Maßnahmen als vertretbar angesehen werden, ist das Risiko-Nutzen-Verhältnis für Maßnahmen zur Beseitigung des Tabaks weitaus günstiger. Selbst bei den pessimistischsten Prognosen liegt die Zahl der COVID-19-Todesfälle weit unter der durch Tabakkonsum verursachten Belastung. Außerdem sterben an COVID-19 vor allem ältere Menschen mit mehreren Grunderkrankungen, während die Hälfte der Todesfälle durch Tabakkonsum bei Menschen zwischen 30 und 69 Jahren auftritt“. (Ioannides, Lancet 26.10.2021)

Brave Menschen im öffentlichen Raum, die glauben sich durch Masken schützen zu können. Vorbei an Krankheit fördernder Rauchreklame. Bild: Jäger, Bahnhof Düsseldorf, Juni 2020.

Mit Beginn der Covid-Pandemie 2020 schien sich (logisch denkenden Epidemiolog:innen) eine günstige Gelegenheit zu bieten, die Tabak-Industrie zu schwächen. Denn Nikotin-Produkte verursachen Krebs, Immunstörungen, Schwangerschafts-erkrankungen uva., und sie führen zu vorzeitigem Tod. All diese Risiken werden durch Atemwegsinfektionen erhöht.

Neuseeland griff Empfehlungen zur Verdrängung des Rauchens auf und will (bis 2025) das erste rauchfreie Land der Erde werden. (BBC 13.12.2022)

Um die Covid-19-Sterblichkeit zu senken, wäre es in allen Ländern folgerichtig gewesen, den Tabakkonsum (vorübergehend) zu ganz verbieten. Selbst im tabak-industrie-freundlichen Deutschland.

„… Deutschland war eines der wenigen Länder mit hohem Einkommen, die sich dem starken Rahmenübereinkommen zur Eindämmung des Tabakkonsums (FCTC, WHO) widersetzten. Deutschlands Position diente durchweg dem Schutz von Industrieinteressen und wurde genutzt, um andere Länder zu beeinflussen und unter Druck zu setzen. Damit hat Deutschland maßgeblich zu den Versuchen beigetragen, einen internationalen Vertrag zu schwächen … .“ Grüning 2012

Luftverschmutzung mit Feinstaub (der u.a. auch beim Rauchen entsteht) trug erheblich zur Covid-19-Mortalität bei. (Pozzer 2020, Harvard 2020). Und weil das Virus eine übersteigerte Immunreaktionen auslösen kann (z.B. bei vorbestehenden Schädigungen (u.a. der intrazellulären Atmungsorganellen). (Valdés-Aguayo 2021)

Für Raucher:innen sind Covid19-Infektionen wegen der inhalierten Schadstoffe, auf denen das Krebs-Risiko beruht, besonders gefährlich.

Tabak-Werbung und Verkauf in Zeiten des Lockdown, Bild: Jäger, März 2020

Aber noch bedeutsamer ist, dass Nikotin die Funktionen der Vagus-Nerven-Regelkreise beeinträchtigt. Deren Aufgabe es ist, Herz, Atmung und Immunsystem zu beruhigen.

Das aufgenommene Nikotin wirkt auf das „nikotin-artige“ Signalsystem (u.a. der Immunzellen), und stört es. Bei älteren Personen (mit vorgeschädigter zellulärer Atmungsfunktion) wird so das das Risiko erhöht, einen so genannten Zytokin-Sturm zu erleiden, der zu schweren und langandauernden Verläufen führen kann.

Bei Kleinkindern verlief die CoV-19-Infektion meist symptomfrei.

„Die Infektions-Sterblichkeitsrate (IFR) bei Covid-19 betrug 0,0003 %
bei 0-19 Jahren, 0,002 % bei 20-29 Jahren, …“ Pezzullo 2023

Kleinkinder waren indirekt (von den Covid-Maßnahmen) betroffen. U.a. weil sie durch die Quarantäne (zu Hause) stärker Passiv-Rauch ausgesetzt wurden, was sich nachteilig auf die Ausreifung des „nikotinartigen“ Immunsystem-Regelkreises auswirkt. Und weil ältere Kinder und Jugendliche, in Folge vermehrter Stress-Belastung schneller zu Zigaretten 8und anderen Suchtmitteln) griffen.

Für die Tabakindustrie verliefen die Pandemie-Jahre optimal

Anzeige der Zigarettenindustrie in der „Zeit“, Dezember 2022.

Werbung und Verkauf von Nikotin-Produkten wurden während der Pandemie nicht gestört. Aufkleber (wie „Rauchen tötet!“ mit Fotos hässlicher Krebs-Symptome) wurden weiter verlangt, sind aber bekanntermaßen wirkungslos. Denn die Nikotin-Sucht greift an Rezeptoren von Immunzellen an. Und die verstehen weder Worte noch Bilder.

Die große Verunsicherung bewirkte Angst, Stress und Panik, und erhöhte damit (wie immer in Kriegen oder Katastrophen) die Nachfrage nach Nikotin:

2019 rauchten in Deutschland noch 29% der Bevölkerung, Ende 2022 waren es schon 36%. Bei über 25-jährigen hat Rauchen pandemie-bedingt um 41% zugenommen. Bei 14-17-jährigen um 16%. (Debra 2022)

rauch arzt
Würde er heute E-Zigaretten rauchen?

Auf diesem Marketing-Erfolg will die Tabakindustrie nun zukunfts-bewusst aufbauen: Sie bewirbt das Geschäftsmodell „Reine Nikotinsucht ohne Feinstaub-Risiko“. Der Strategiewechsel war dringend erforderlich, da das neuseeländische Beispiel Nachahmer findet, z.B. in Spanien, wo Tabak-Hersteller künftig Zigarettenkippen wegräumen sollen. (Guardian 03.01.2023)

Jetzt endlich soll es möglich sein, ohne Reue Nikotin zu dampfen und sich dabei noch sexy, modern und gesundheitsbewusst zu fühlen. Weil bei e-Smoke, Vaping oder Shisha die Schadstoffe des Zigaretten-Teers wegfallen. Inhaliert werden nur elektronisch erhitzte Aroma-Flüssigkeiten. Mit vielen bei-gemixten Designer-Zusatzstoffen, die u.a. nach Gummibärchen oder Lakritze schmecken können, und die „eher nebenbei“, reines Nikotin enthalten.

E-Zigaretten: bald „ärztlich empfohlen“?

Die Tabakindustrie arbeitet daran. Sie versucht Ministerien, Krankenkassen und Ärzt:innen mit dem Argument zu überzeugen, dass sie den mehr als 1,3 Mrd. Menschen helfen könnten, die sich nicht von ihrer Sucht trennen.

switch to blue
Killing me softly!

Das würde dazu führen, dass noch weniger Menschen den endgültigen Absprung von diesem Suchtmittel schafften. Denn die inhalierte Nikotin-Dosis kann bei E-Zigaretten um ein vielfaches höher liegen als bei herkömmlichen Tabakprodukten.

Damit steigt das Suchtpotential und die Wahrscheinlichkeit für Störungen, die direkt durch Nikotin verursacht werden. Ist erst einmal eine Nikotinsucht etabliert, werden die Betroffenen, hin und wieder, zu herkömmlichen Zigaretten greifen.

Durch steigende Nutzerzahlen von E-Zigaretten wird die Zahl der Lungenkarzinom-Fälle möglicherweise zurückgehen. Dafür wird die Zahl unterschiedlicher Immunstörungen zunehmen, und vielleicht auch die Zahl von Krankheiten, die wir noch gar nicht kennen. (McKee 2015)

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Vollständiger Artikel, Literatur, Links

Letzte Aktualisierung: 19.01.2023