Covid19-Risiko: Dicke Luft

Warum kein Verbot von Tabak-Werbung?

„Mediziner warnen: Wer raucht, ist verstärkt gefährdet,
bei einer Infizierung mit dem Coronavirus
an der Lungenkrankheit Covid-19 zu erkranken.“ FAZ 20.04.2020

Das Sars-CoV-2-Virus wird über Tröpfchen der Atemluft übertragen. Bei ~20% der Infizierten entwickeln sich Beschwerden. Das Krankheitsbild Covid-19 verläuft dann schwerer bei Personen, bei denen u.a. die Lungen-und die Immunfunktionen vorgeschädigt sind. (WHO 2020)

Rauchen und E-Smoke schaden doppelt

  • Nikotin beeinträchtigt die Funktionen des Vagus-Nerven, die das Herz, die Atmung und Immunsystem beruhigen.
  • Abfallprodukte, die beim Rauchen anfallen, werden in den Lungenbläschen abgelagert und stören deren Funktion.

Beides fördert die Entwicklung von Krebs und anderen chronischen Erkrankungen.

Selbst in gut gelüfteten Räumen sind Menschen erheblichen Schadstoffkonzentrationen ausgesetzt, wenn Rauchern anwesend sind, selbst wenn diese nicht rauchen. (Sheu 2020) Kinder, deren Eltern rauchen, sind folglich bei Ausfall von Kindergarten und Schule länger und intensiver Passiv-rauch ausgesetzt, als zu normalen Zeiten.

Auch beim Tragen von Gesichtsmasken muss damit gerechnet werden, dass die Sauerstoffversorgung (bei vorgeschädigten Lungen) eingeschänkt sein kann, und Kohlendioxid (ggf. mit Schadstoffen) wieder eingeatmet werden (Butz 2005).

Folglich müsste im Rahmen drastischer Präventionsmaßnahmen die Reklame für Tabak-Produkte verboten und der Verkauf eingeschränkt werden. (Simons 2020)

Tabak-Werbung und Verkauf in Zeiten des Shutdown, Bild: Jäger, März 2020

Warum wird Rauchen bei der Covid-19-Pandemie ignoriert?

Vielleicht,

Oder besitzen sie einfach einen „guten Draht“ zur Bundesregierung?

„…Gesundheit ist ein Menschenrecht und es ist die Pflicht des Staates, die Gesundheit der Menschen zu schützen. Das muss wichtiger sein als Überlegungen zur Wirtschafts-förderung oder zum Steueraufkommen. Allerdings gibt die Tabaklobby offen zu, „über Jahrzehnte einen guten Draht zur Politik aufgebaut“ zu haben. In Deutschland sei es wie in keinem anderen Land so einfach, mit der Politik ins Gespräch zu kommen…“ Kleine Anfrage im Bundestag Drucksache18/11368, 03.03.2017

Rückgang der Luftverschmutzung in Nord-Italien von Februar auf März 2020: https://www.youtube.com/watch?v=6Sro2j5A65M — Video-ESA-Aufnahmen: http://www.esa.int/Space_in_Member_States/Germany/Coronavirus_Rueckgang_der_Stickstoffdioxid-Emissionen_ueber_Italien

Umweltbelastung und Covid-19

Rauchen ist im Zusammenhang mit Covis-19 besonders dort riskant, wo die Lungen- und die Immunfunktion bereits durch Umweltbelastungen geschädigt sind. In Nord-Italien besteht zum Beispiel ein erhebliches Problem mit Asbest-Altlasten, das seit Jahrzehnten bekannt ist (Spiegel 10.12.2009). Ein wesentlicher Hinweis auf die Asbestose-Erkrankung ist dort die Häufigkeit des (sonst) selten Lungenkrebses Mesotheliom (Corfiati 2015).

Covid-19 Erkrankungen verliefen zudem auch in Industrie-Regionen und Megastädten besonders schwer, die eine sehr schlechte Luftqualität aufwiesen.

„… von den 4443 Todesfällen entfielen 3487 (78%) auf fünf Regionen in Norditalien und Zentralspanien. Darüber hinaus weisen dieselben fünf Regionen die höchsten NO2-Konzentrationen in Kombination mit einer nach unten gerichteten Luftströmung auf, die eine effiziente Ausbreitung der Luftverschmutzung verhindert. Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass die langfristige Exposition gegenüber diesem Schadstoff möglicherweise einer der wichtigsten Verursacher der durch das COVID-19-Virus verursachten Todesfälle in diesen Regionen und möglicherweise in der ganzen Welt ist.“ (frei übersetzt: Ogen 2020, Hinweise auf weitere Studien: SD 23.04.2020)

Relativ für in der SARS-CoV-2-Pandemie, wurde dieser Zusammenhang in Wuhan thematisiert (Eurasiareview 01.02.2020), und seither vielfach (u.a. in Nord-Italien und in Madrid) bestätigt (Dt. Allianz Klimawandel 20.03.2020).

Quantifiziert wurde der Zusammenhang erstmals im April 2020 in den USA:

“ … Ein geringer Anstieg der langfristigen Feinstaub-Exposition .. führt zu einem starken Anstieg der COVID-19-Todesrate … Die Studienergebnisse unterstreichen, wie wichtig es ist, die bestehenden Vorschriften zur Luftverschmutzung weiterhin durchzusetzen, um die menschliche Gesundheit sowohl während als auch nach der COVID-19-Krise zu schützen.“ Xiao 2020

Tabak-Werbung und Verkauf in Zeiten des Shutdown, Bild: Jäger, März 2020

Eigentlich müsste viel getan werden,

um

  • Tabak und E-Smoke-Konsum zu verringern
  • Luftqualität zu verbessern

Was kann man tun, damit das auch geschieht?

Mehr

Literatur

Letzte Aktualisierung: 26.04.2020