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Die Geek-Störung

Körper-fern und hoch-intelligent.

Moderne Kulturen fördern den Aufstieg spezial-begabter Stubenhocker. Diesen Geeks sind virtuelle Realitäten vertrauter, als die inneren und äußeren Systeme, in denen sie atmen, und die sie sind.

Die Analyse toter Daten gewinnt immer mehr an Bedeutung. Während menschen-spezifische Fähigkeiten, mit Lebendem in Beziehung zu treten, (u.a. in der Erziehung) vernachlässigt werden. Deshalb scheinen Testergebnisse bei Kindern vielen wichtiger zu sein, als deren Entwicklungschancen.

Der gesellschaftliche Stellenwert Algorithmen-gesteuerter Realitäten steigt, und der gelebter Wirklichkeiten nimmt ab:

„… Unsere Gehirne wurden von einem System gekapert,
um die Welt zu manipulieren,
anstatt sie zu verstehen …“ (McGilchrist Oktober 2021)

Bild: Rimbert, Le Monde Diplo, Oktober 2021 „… Die Gesundheitskrise ist nur ein Symptom unserer kranken Gesellschaft, deren Erneuerung eine überlebenswichtige Notwendigkeit ist.“

Schlechte Zeiten für Sinnlichkeit

Lebende Systeme berühren, durchdringen und verwandeln sich. Um sie zu verstehen, muss man sich mit ihnen verbinden. Man muss sie erfahren: sie in ihren Zusammenhängen und Wechselwirkungen wahrnehmen. Menschen verfügen dazu über einzigartige Fähigkeiten:

Mit dem Verlust dieser Kompetenzen schwindet die psychische Voraussetzung, die Dynamik (inner und äußerer) lebender Systeme zu verstehen.

Wir können nicht wissen, was wir nie erfahren haben.

Geeks können Einzelinformationen in riesigen Datenbanken zu kompliziert-strukturierten Gebilden verknüpfen. Aber das, was sie sehen, beruht letztlich auf vertrauten leblosen Unterscheidungen, wie 0 und 1. Übertragen auf die Realität, benötigen Geeks eindeutige Begriffs-Zuordnungen wie „Test positiv“ oder „Test negativ“. Aber schon bei der Interpretation dessen, was ein Test-Ergebnis aussagen kann oder nicht, geraten sie häufig ins Schleudern (Unstatistik 28.10.2021) Das Management lebender Systeme und der Umgang mit unbekanntem Nicht-Wissen sind ihnen fremd. Besonders dann, wenn die Zahl der beteiligten Einflussfaktoren unendlich groß ist: Zum Beispiel bei medizinischen Interventionen während der Schwangerschaft und der Kindheit.

Geeks glauben, Nicht-Wissen vernachlässigen zu können. Denn dann können komplexe, sich wandelnde Gebilde, wie zum Beispiel Menschen, in Daten umgerechnet werden. Um ihr Verhalten so zu kontrollieren und zu steuern.

„Sicherheit und Notstand sind keine vorübergehenden Phänomene, sondern eine neue Form der Regierbarkeit.“ Giorgio Agamben : Rede zum „Green Pass“ im italienischen Senat (07.10.2021)Originaltext (ital.)

„The next big thing!“

Zitat Mark Zuckerberg (Facebook), Welt, TV 20.10.2021

Der neue, „revolutionäre“ Ansatz, wird das „MetaVerse“. Ein von vielen gestalteter virtueller Raum, der durch die Verschmelzung von virtuell erweiterter physischer Realität, virtuellem Raum und der Summe aller virtuellen Welten des Internets entsteht. „Wie in der Realität“ scheint dann alles mit allem verbunden zu sein, ohne super-schräg zu wirken. Man sieht Himmel, kann Steine anfassen und erlebt die Löwen beängstigend direkt. Eine Art 3D-Fortsetzung des heutigen zweidimensionalen Internets. Dort sollen dann die „Nutzer:innen“ (vereinzelt und bewegugsunfähig in realen Höhlen hockend) in künstlichen Welten arbeiten, kämpfen, spielen, lieden, siegen und vor allem: kaufen und verkaufen.

Heilsame Effekte

Die Menschen im „Neuen Normal“ sollen sich, in ihrer zunehmend virtuellen Realität, wohlfühlen und glücklich sein. Dann bleiben sie auch brav.

Bild: Virtuelle Verstärkung eines Piecks-Erlebnisses: Dem ängstlichen Kind wird vorgegaukelt, der Zauber-Piecks sei schaurig schön: www.youtube.com/watch?v=VgCPMkNlkSI www.uchealth.org/today/vr-technology-helps-patient-get-covid-19-vaccination.

Bild: Bams Titelseite 31.10.2021. Natürlich droht zusätzlich auf der Titelseite (wie jeden Tag) die „nächste Todeswelle“. Nicht nur der Journalist Milosz Matuschek fühlt sich an Mao Tse Tung erinnert: „Bestrafe einen, erziehe Hunderte!“. Die Überhöhung der – eigentlich harmlosen – Bedeutung der persönlichen Ansicht eines Fußballspielers offenbar eine Schwäche: Die Mehrheit macht mit, aber möglicherweise weniger aus Angst oder aus Überzeugung, sondern um sich irgendwie in dieser Störung zu arrangieren.

Video-Voodoo ist hochwirksam.

Jede medizinische Intervention beruht auch auf Erwartungseffekten: völlig unabhängig von ihrer spezifischen Wirkung. Die Effekte sind besonders dann stark ausgeprägt, wenn „großer Angst“ die Aussicht auf „Errettung“ folgt. Und wenn die Produktanwendung (bedeutungsschwanger) im Rahmen schmerzhaft-einprägsamer Rituale erfolgt. Dann folgt der Ausschüttung von Hirn-Glücks-Hormonen tiefe Erleichterung, die sich psychisch und immunologisch beruhigend auswirkt.

Allerdings halten solche nicht-spezifischen Effekte nicht lange an. Deshalb müssen Ängste immer wieder aufs Neue ausgelöst werden, um sie dann durch Folge-Produkte wieder zu nehmen.

Geeks sind in diesem Markt- und Medien-Geschehen gefordert, sinnlich-wahrnehmbares Heiliges so zu programmieren, dass ihre Videos ähnliche tiefe Eindrücke hinterlassen, wie Weihrauch, Gebete und Gesänge eines katholischen Gottesdienstes.

Trotz virtueller Dauer-Berieselung: Viele tun nicht, was sie sollen.

Der neue gottlose Staats-Kult hat, als „Moralin-Spender“ (NZZ 30.10.2021), im Gegensatz zu richtigen Religionen keine Vision zu bieten. Die täglich-angstauslösenden Zahlenkolonnen erreichen nicht „die Herzen“. Die menschtypisch-emotionale Mittelhirn-Intelligenz wird durch sie nicht angeregt.

Deshalb musste sich Ende Oktober das gesunde deutsche Volksempfinden aller Medien gegen einen Prominenten empören, der sich weigerte, ein Medizinprodukt zu konsumieren.

Die starke Auslösung von psychischem Druck, ist aber nicht nur in dem gewünschten Sinn wirksam.

Menschen verlieren im „neu-ängstlich-zwanghaften Normal“ an sozialen Bindungen. Das Gefühl für gesellschaftlichen Zusammenhalt läßt nach. Deshalb ist die Gefahr groß, dass steigende Frustration und zunehmende Verunsicherung nicht nur zur gewollt-brave Passivität führen. Immer neue Verunsicherungen lösen Dauer-Stress-Zustände aus, denen psychische und immunolgische Erkrankungen folgen. Und zusätzlich wächst das gesellschaftliche Risiko, dass Aggressivität in radikale Massen-Psychose-Phänomene umschlagen könnte. (Prof. Mattias Desmet, Psych. Uni. Gent, Okt. 2021).

Ist „Homo sapiens“ ein psychiatrisch hoffnungsloser Fall?

Eigentlich sollte sich ja der ärztliche Berufsstand mit Krankheiten befassen. Aber von dort sind zurzeit nur wenige heilsame Impulse zu erwarten: Denn nach vielen fetten Jahren der klassischen Medikalisierung sind Ärzt:innen jetzt (im Markt der Digital-Krankheit) akut existenzbedroht. Die Geeks des neu-normalen Medizin-Business werden sie immer seltener benötigen:

  • zu teuer,
  • zu langsam (im „0/1-Denken“) gegenüber „künstlicher Intelligenz“, und zudem
  • überflüssig für die Ausführung von Ritualen, sofern die Hilfskräfte optimal kommunikativ geschult werden.

Die Tech-Konzerne (Apple, Amazon, Alphabet, Microsoft, Google, Facebook u.v.a.) werden sich (nach den gigantischen Gewinnen in der Corona-Pandemie) ihre „Geek-Medizin“ leisten. Dabei wird das klassische Pillengeschäft gegenüber dem Daten-Gold an Bedeutung verlieren. Die Profite werden künftig eher mit Datenerhebung, Steuerung, Manipulation, Lenkung und Kontrolle erwirtschaftet werden. Auch die Pharmaindustrie hat diesen Trend erkannt

Die Digitalisierung fördert ein neues Verständnis von Gesundheitsversorgung … Wir kommen von einer Versorgung, die Erkrankungen hauptsächlich reaktiv behandelt, zukünftig hin zu einer Versorgung, die Gesundheit durch frühzeitige Interventionen und aktives Management länger erhalten kann“ Anzeige von Roche im Verlagsspezial der FAZ vom 03.11.2021

Prinzip Hoffnung: trotz allem!

Die hier angedeuteten soziologisch-ökonomisch-psychologischen Phänomene sind nachgeordnet. Denn sie spielen sich im Rahmen umfassenderer Krise ab, u.a. der Zerstörung der Biosphäre.

Das, was mir als Zeitzeuge dieser globalen Infektions-Krankheit (mit unserem Keim „Homo sapiens“) Hoffnung gibt, ist, dass junge Menschen nach neuen Lebensformen suchen. Dass sie oft keine Lust mehr verspüren, wie die Lemminge mit dem „Neuen Normal“ einem offensichtlichen Abgrund entgegen zu rennen. Und sich stattdessen in nachhaltigen Projekte engagieren, um wie u.a. in einer SoLaWi im Dreck zu buddeln. Um dabei lebende Ökosysteme mit all ihren Sinnen zu erfassen.   

.. Die Menschen, die Betroffenen, die Patienten, …, müssen aufstehen und sich solange diesem System verweigern, bis es sich auf seine Gebote, etwa das Nicht-Schadensgebot oder die Stärkung der Selbstheilungskräfte zurückbesinnt. “ Dr. Nolte, Kinderarzt, Rezension zu: „G. Ralle: Damit Krankheit nicht heillos verwaltet wird, Büchner-Verlag 2021“)

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Letzte Aktualisierung: 18.11.2021