Die Krise ist komplex

Menschen können (wie viele andere Tiere auch) Situationen aus zwei verschiedenen Perspektiven beobachten:

  1. Einzelfaktor fokusiert oder
  2. den dynamisch veränderlichen Zusammenhang betrachtend.

Ian Mc Guilchrist: https://iainmcgilchrist.com/videos

Beide Arten des Denkens sollten sich idealerweise ergänzen und abwechseln.

Gefahrensituation verändern sich sehr schnell, chaotisch und eigendynamisch. Sie erfordern Weitblick: die Wahrnehmung von Beziehungen und Wechselwirkungen. Die tunnelblickartige Konzentration auf Einzelfaktoren und mikroskopisch-kleine Details, ist dann weniger nützlich. 

In hochriskanten, bisher noch nie dagewesenen Situationen steht man vor „unbekanntem Nichtwissen“.

Complex problems have simple, easy to understand
wrong answers. Murphy’s Law

Also sollte, wer in ein komplexes Systeme intervenieren will, vorher

  • genau prüfen, was geschehen soll (d.h. man sollte wenigstens eine ausreichende Datenbasis und durch Erfahrung erworbene Kenntnisse besitzen, bevor man massiv eingreift),
  • sich an das Vorsorgeprinzip (s.u.) halten,
  • das Vorsorgeprinzip nicht umkehren (s.u.),
  • wenn nötig, vorsichtig und kontrolliert intervenieren,
  • unbedingt klären, wer haften wird, wenn es schief geht. Und niemals Menschen entscheiden lassen, die hinterher weder haften wollen noch zur Verantwortung gezogen werden können,
  • ruhig, gelassen, klug, rational) vorgehen, so dass man sich jederzeit von einer Aktion kontrolliert zuückziehen kann.
Meist wissen wir nicht was wir nicht wissen
https://fooledbyrandomness.com/pp2.pdf

Umsichtiges, vorsorgendes Vorgehen sollte eigentlich der Standard sein, wenn bei Menschen interveniert werden muss: durch Operationen, geburtshilfliche Eingriffe, Krebsbehandlung uva.

Bei gesellschafts-weiten Gefahrensituationen, wie bei der Covid-19-Krise 2020, müsste eigentlich ähnliches gelten: Je nach dem, ob man die mikrobiellen, individuellen, sozial-lokalen, ökonomischen oder globalen Systeme betrachtet.

Schaut man auf „Das Virus“, ergeben sich mono-kausale diagnostische, therapeutische, präventive, ordnungspolitische Konsequenzen. Deren Erfolg wird dann gemessen nur an den Auswirkungen auf diesen einen Faktor gemessen werden („Verdopplungsrate der Test-positiven“). D.h. man interessiert sich nicht für Wirkungen, die außerhalb des „viralen“ Fokus liegen.

Betrachtet man dagegen die veränderliche Gesundheit (einer Person, Gesellschaft, Menschheit), dann ist „das Virus“ nur ein Faktor von vielen, der mit anderen (ungünstig) wechselwirkt.

Das Virus als Indikator für Widerstandsfähigkeit (Resilienz):

Manche Menschen bleiben gesund und andere brechen unter (zu) vielen Belastungen zusammen. Andere beteilgte Faktoren könnne dabei sein

  • Umweltbelastungen (bei SARS-CoV-2: Feinstaub und Asbest wie in der Lombardei, vielleicht aber auch Metalle, Pestizide u.ä.?),
  • chronische Erkrankungen, die das Immunsystem beeinträchtigen,
  • psychisch-psychiatrische Aspekte (bei SARS-CoV-2 Angst / Stress / Panik / Depression),
  • Medikamentenwechselwirkungen,
  • Mischinfektionen (mit anderen Grippe-Viren oder mit opportunistischen Bakterien),
  • Rauchen,
  • im medizinischen Einrichtungen erworbene (nosokomiale) Infektionen,
  • gefährliche (unsachgemäß ausgeführte, ungünstige) Therapien
  • uva. …

Alles Faktoren die zu mehr Anfälligkeit und Instabilität führen (Fragilität).

Resilienz in gesellschaftlich-ökonomischer Systeme

Wenn ein Virus das globale Wirtschafts-System umpusten kann, war dieses vermutlich vorher schon krank.

Betrachtung des Zusammenhangs

Schaut man auf die vielen durch die Virus-Bedrohung und durch die Bedrohungsabwehr ausgelösten Wechselwirkungen, sieht man was sich in allen relevanten Bereichen verändert. Man ist also nicht also nicht nur Zahlenkolonnen, wie „Test-positive/Tote“ fixiert, sondern betrachtete Hinweise für die Veränderung von Gesundheit (Krankheitsmeldungen, Sterblichkeitszahlen), insbesondere bei Alten, den psychiatrisch Kranken, den Krebspatienten, und vor allem auch die Entwicklungsverzögerungen bei den Kindern.

Der Aspekt „Kampf“ oder noch schlimmer „Krieg“ gegen einen Faktor wird in der Corona-Krise 2020 überbetont, und von politisch-blindem Aktionismus begleitet.

Vernachlässigt wird es, ökonomische-soziale-physiologische Zusammenhänge und deren Dynamik zu verstehen. Und erst dann ruhig und besonnen zu handeln, wenn man verstanden hat, was man tut.

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Zur Corona-Krise 2020

Letzte Aktualisierung: 27.04.2020