1. Home
  2. /
  3. Blog
  4. /
  5. Durchblicken oder glauben?

Durchblicken oder glauben?

«Klarheit und Wahrheit gibt es nicht gleichzeitig»,

behauptete zumindest Niels Bohr. Ein Atomphysiker und Nobelpreisträger. Schließlich könnten wir auch nicht zugleich das Bild einer Nadelspitze und eines Horizontes in uns aufrufen. 

Um «Klarheit» zu erlangen, müssen wir Unwichtiges aussortieren.

Oder es in einem Experiment wegschließen. Erst dann wird eine Einzel-Wirkung deutlich: eine Formel, ein bestimmter kleiner Ausschnitt unserer Wirklichkeit. Klarheit im Vordergrund vor der Realität im Hintergrund.

Klarheit ist Verstehen von Details in Zusammenhängen.

www.klarheit-gewinnen.de

Wer nach «Wahrheit» sucht, bezieht «Alles» ein

Teile, Fakten, Wechselwirkungen, Erscheinungen, Beziehungen, Zufälle uva. Das, was erfahren und erlebt wird, soll in einem übergeordneten Zusammenhang begriffen werden.

Unter «Wahrheit» verstehen alle, die an «ihre Wahrheit» glauben, etwas anderes.

Gemeinsam ist den Wahrheitssuchenden vielleicht, dass «Wahrheit» etwas umreißen soll, was «in Wirklichkeit so ist oder so war». Also ein Bild eines Zusammenhangs, einer komplexen Realität, die verwoben ist und mit vielem wechselwirkt.

Das ideale Abbild eines Vorganges kann aber nur das Geschehen selbst sein. Alles andere ist zwangsläufig nur die Summe von Einzelinformationen, Glaubenssätzen oder Formeln. Jede «Wahrheit» ist so ein schwaches Meinungsbild der Wirklichkeit.

Im Vergleich zur Realität bleiben Modelle, die eine Wirklichkeit widerspiegeln sollen, ziemlich einfach. Selbst dann, wenn sie so kompliziert erscheinen, wie Quantenphysik. Das was dort als Wirklichkeit beschrieben wird, ist letztlich nur die Summe von Einzelaspekten einer dynamischen Beziehungsvielfalt von Teilchen, Wellen und Wirkkräften, die wir in unserem winzigen Teil des Universums zu überblicken glauben.

Wenn wir etwas «wahr» nennen, erzählen wir uns oder anderen von Erfahrungen der Wirklichkeit, die wir erlebt zu haben glauben. Wir können nicht wissen, was wirklich «wahr» ist. Also die gesamte Realität umfasst, einschließlich dessen zu dem wir mit unseren Sinnen und Messapparaten keinen Zugang haben.

Aber wir können «Alles», was wir erleben, bestaunen. Und es in seiner Vielfalt und Schönheit bewundern und genießen. Wir können die Realität wie sie sich vor uns und in uns entfaltete akzeptieren und sie vielleicht auch beeinflussen.

Manchmal ist es dabei nötig, Einzelnes zu betrachten. Dann brauchen den Blick auf ein Detail. Um davon aufschauend Beziehungen und Zusammenhänge zu erfahren, in denen das Einzelne eingebettet ist. Am besten abwechselnd.

Wäre dieser Quizmaster neugierig, interessierte ihn eine Frage.
Er wüsste, dass er (wie wir alle) nichts (sicher) wissen kann und könnte Unsicherheit aushalten. Er würde versuchen klarer zu sehen. In Angst dagegen brauchte dringend Sicherheit, durch eine eine Antwort – auf jede Frage. Ob er etwas in dem Nebel sieht oder nicht, ist egal – Hauptsache die Priester, denen er vertraut, kennen den Kurs. Aber so wie er lacht, scheint er keine Angst zu haben. Wie teuer hat er sich verkauft? (Bild: Reklame am 17.04.2021)

Jedes Detail ist für ein Ganzes wichtig.

Aber das Ganze ist viel mehr als die Summe aller Details.

Aber das Ganze ist viel mehr als die Summe aller Details.

Ein Gewirr von Vogelstimmen an einem ruhigen Frühlingsabend ist begriffslos schön. Ein harmonischer Gesamtzusammenhang. Möchte man dann erkennen, ob da eine Stimme einer Amsel oder einer Nachtigal zu hören ist Rotkehlchen kann man in einem Buch nachschlagen. Um dann wieder den Gesamtzusammenhang – um eine Information bereichert – zu genießen.

Die Fähigkeit, Details klarer unterschieden zu können, verschafft uns eine andere Qualität der Wahrnehmung, die den Genuss des Zuhörens verstärken kann.

www.klarheit-gewinnen.de

Sind „Klarheit und Wahrheit“ doch gleichzeitig wahrnehmbar?

Details scheinen objektivierbar zu sein. Sie können als Begriffe in „Schachteln“ abgelegt werden. Um aber etwas zu verstehen, muss die Fülle der Detail (die in Begriffsschachteln beschrieben wurden) in einem Zusammenhang erfahren und erlebt, d.h. mit persönlicher Erfahrung verknüpft werden. Alle Aha-Effekte der Wissenschaft entspringen bei genauer Betrachtung einem ganz persönlichen Prozess der Wissensaneignung, der abstrakte Sinnes-Information mit persönlichem Erleben verbindet.

Manchmal entsteht dann für Sekundenbruchteile ein Erleben, bei dem schlagartig eine uneingeschränkte Wahrnehmung „von Allem“, mit allen Details und Wechselwirkungen, mit dem eigenen Selbst verbunden scheint.

Solche beglückenden Augenblicke, in denen die Klarheit der Sicht mit einem begriffslosen Erleben von Allem zu verschmelzen scheint, nennen Japaner Satori 悟, wörtlich „Verstehen“. Die deutsche Übersetzung „Erleuchtung“ klingt religiös-esoterisch-theatralisch, während das englisch-rationale Wort „enlightenment“ (für das Gleiche) dem näher kommt, was gemeint ist: ein ganz besonderes, alle inneren Aspekte einbeziehendes, sehr persönliches Erleben der Einheit und Harmonie innerer und äußerer Wechselwirkungen.

Schlagartige und subjektive Ereignisse neuer Wahrnehmung folgen oft einer endlosen Suche nach Einzelinformationen. Manchmal geht ihnen Verzweiflung voraus. Das erzwingt, eine Situation so, wie sie eben ist, anzunehmen.

Manchmal ereignet sich „ein Donnerschlag aus blauem klarem Himmel“ (Wumen).

Oder man erwacht (wie Kekulé) aus einem Traum (Video)

Zur Web-Site

Mehr

Letzte Aktualisierung: 30.04.2021