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Ende der Entwicklung?

Die „Entwicklungs-Hilfe“ wurde vor einem halben Jahrhundert geboren.

Umbenannt in „Entwicklungs-Zusammenarbeit“ erblühte sie in immer neuen Facetten.
Jetzt, nach ihrem relativ kurzen Leben, verwelkt sie.

Im Zeitalter der imperialen Kriege um Rohstoffe, gibt es Wichtigeres zu tun.

„Die klassische Vorstellung einer Entwicklungspolitik,
die sich allein am Ideal globaler Solidarität orientiert,
scheint jedenfalls an ihr Ende zu gelangen.“ BZ 11.07.2026

US-Präsident Harry S. Truman verkündete am 20.01.1949 eine internationale „Entwicklungs“-Strategie. Sie sollte sich von der „kolonialen Zivilisierungsmission“ abgrenzen, und zugleich von den sozialistisch-nationalen „Befreiungsbewegungen“.

Die „westliche“ Wirtschaftsordnung sollte der Welt unbegrenztes Wachstum bescheren, durch

  • Investitionen in neue Märkte (Marshallplan)
  • Eindämmung (UdSSR und andere Risiko-Länder isolieren) (Containment)
  • Interventionismus als Weiterentwicklung der Monroe Doktrin
    „Freien Völkern beistehen, die sich der angestrebten Unterwerfung durch bewaffnete Minderheiten oder durch äußeren Druck widersetzen.“ (Truman 1947)
  • Und durch Forcierung des Rohstoffabbaus in armen Ländern mit sozialer Abfederung:
    „Wachstum der Produktion ist der Schlüssel für Wohlstand und Frieden!“ (Truman 1947)

Als dann ein „freies Volk“ (im Kongo in der ersten freien Wahl Afrikas) den falschen Präsidenten wählte (den jungen Gewerkschaftsführer Patrice Lumumba), befahl Präsident Dwight Eisenhower (wie seit 2000 bekannt ist) seine Eliminierung. Denn Uranvorkommen waren damals im Rüstungswettlauf mit der UdSSR von überragender Bedeutung. Man unterstützte seither Regierungen, die ihr Land dem Weltmarkt gegenüber öffneten und an dem die einheimischen Türsteher am Ressourcenverkauf verdienten. Wie in Niger, dessen Uran in den französischen AKWs verfeuert wurde, während die Bevölkerung unverändert arm blieb.

Eisenhowers Nachfolger J. F. Kennedy erkannte aber sehr weitsichtig, dass Ausbeutung sozial abgefedert werden muss, weil sie sonst ab einem gewissen Leidensdruck nicht mehr toleriert wird:

Die Diskussionen zu „Entwicklung“ um 1980 sind 2026 immer noch aktuell: Download:
https://www.medizinisches-coaching.net/wp-content/uploads/2026/06/The-Development-Set.pdf

„Den Bewohnern von Hütten und Dörfern auf der Hälfte des Planeten, die dafür kämpfen, die Ketten des Massenelendes zu brechen, versprechen wir, unser Bestes zu tun, dabei herauszuhelfen, wie lange das auch immer braucht….
Wenn eine freie Gesellschaft der Masse der Armen nicht helfen kann, kann sie die kleine Zahl der Reichen nicht retten.“ Kennedy, 20.01.1961

Nur wenige, die in „der freien Welt“ lebten, wagten es, diesen kühnen Thesen aus Amerika zu widersprechen. Einer von ihnen war der Theologe und Philosoph Ivan Illich. Er bezeichnete die neu erfundene „Entwicklungspolitik“ als „fremdbestimmte „Modernisierung der Armut“ (Zitat aus Paquot 2017), und hielt sie für „gefährlicher als die koloniale Missionierung“. (Zitat aus Paquot Ivan Illich – Denker und Rebell. C.H. Beck, 2017).

Sein Vorschlag eines natürlich nachhaltigen Zusammenlebens von Mensch und Natur (Conviviality) wird nach dem „Ende der Entwicklungszusammenarbeit“ (Lancet 2024) erneut gefordert. Dagegen spricht die Dynamik des radikalen Neo-Neo-Kriegs-Kolonialismus der globalen Wirtschaftspolitik im 21. Jahrhundert. Der Zugriff auf Ressourcen ist für das Wachstum des Kapitalismus von immer größerer Bedeutung, da die diversen Blasen sonst zu platzen drohen. Humanitäre Begleitmaßnahmen verlieren an Bedeutung, ebenso wie die Sorge für die Umwelt. Beides dient nur noch begleitenden Strategien des Marketings.

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„IS-Nazi“-Propaganda, die Jugendliche für die Zerschlagung staatlicher Strukturen rekrutieren soll. (Bild: Jäger 2020 in Süd-Tansania)

In Deutschland folgten kaum ein Jahr später Schwesterorganisationen u.a. wie der Deutsche Entwicklungsdienst, mit dem ich drei Jahre in Tansania unterwegs war, und später noch fünf Jhare in der Zentrale in Berlin. Die dem amerikanischen USAID vergleichbare Expertenorganisation GAVI/GTZ/GiZ ist weiterhin die größte Unternehmung der EWZ. Für sie leitete ich 1987–1991 ein Projekt im Kongo.

Seit 2025 hat die „Entwicklung“ rasant an Bedeutung verloren.

USAID wurde vom neuen Präsidenten im Juli 2025 abgewickelt. Moral, Demokratie, Frauenrechte, Soziales oder Gesundheit sind heute auch für die Propaganda unwichtig geworden.

Es geht heute (ungeschminkt und offen) um den direkten Zugriff auf die nötigen Bodenschätze. Dafür müssen die Lebensverhältnisse der regionalen Bevölkerung nicht verbessert werden. Im Gegenteil: Wenn sie ihre Pflanzen über Reichtümer anbauen, die Kriegsmaschinen, Digitalkonzerne, Industriekomplexe dringend brauchen, muss man sie, wenn nötig, vertreiben. Wenn sie nicht fliehen wollen, muss man sie notfalls dazu zwingen, die Frauen vergewaltigen oder Kinder morden. Dem dienen Strategien zur Schaffung regionaler Chaoszustände (Sudan, Kongo, Mosambik u.v.a.) oder auch direkte militärische Interventionen (Libyen, Irak, Iran u.v.a).

In Deutschland eröffneten sich mit dem amerikanischen Strategiewandel und dem Zerfall der unipolaren Weltordnung zwei Möglichkeiten:

Man könnte sich radikal zu einer gerechten, friedlichen, fairen Wirtschaftskooperation bekennen, und nach den Verbrechen aus der Kolonialzeit und dem absehbaren Ende der paternalistischen „Entwicklungs-Zusammenarbeit“ (EWZ) nach neuen Wegen zu einer gerechten Weltordnung suchen. (Bonner Aufruf – seit 2009)

Oder weiter versuchen (so als wäre nichts geschehen), die Arbeitsplätze der EWZ zu erhalten, und mehr Mittel in das Marketing positiver Botschaften zu investieren (Healthy developments). In der Hoffnung, dass es in der globalen Wachstumskrise für uns gut ausgehen werde.

Vollständiger Artikel

Inhalt

  • Einführung
  • Persönliche Erfahrung
  • Einfache Interventionen in komplexe Zusammenhänge
  • „Nachhaltige Entwicklung“ (SDGs)
  • Weitere Artikel, Vorträge, Links, Literatur

Letzte Aktualisierung: 11.07.2026