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Freiheit und Geborgenheit

Freiheit wird genommen. Vertrauen geht verloren.

Eigentlich werden Freiheitsrechte in Deutschland garantiert (GG Art. 2)

Das ändert sich gerade.

Expert:innen glauben, auf der Basis vorläufigen Wissens Maßnahmen empfehlen zu müssen, die Freiheitsrechte einschränken. Gesundheits-Schutz sei vorrangig. Für „härtere“ Zwangsmaßnahmen müsse das Infektionsschutzgesetz sogar noch verschärft werden. (Merkel 08.04.2021) Wie in vielen Ländern nutzen Mächtige die willkommene Gelegenheit, Freiheitsrechte wegzuschmelzen (AI Report 2020/21 – 07.04.2021).

Da es einen „freien Willen“ ebenso wenig gibt wie „wahre Kartoffeln“ (Dörner 2006), kann man „Freiheit“ zwar nicht wegnehmen, wie einen Gegenstand. Aber man kann sehr wirksam, mitleidlos und brutal verhindern, dass sich etwas ungestört entwickeln, gestalten und entfalten kann. (Pink Floyd 14.03.2021)

Es ist leicht möglich Leben einzuengen, und für Angst und Beklemmung zu sorgen. So fördert man die Illusion, alles sei unter Kontrolle. Komplexe Situationen neigen aber dazu „sich zu rächen“ (überraschend in Katastrophen abzukippen), wenn man ihre Flexibilität und Gestaltungsmöglichkeiten begrenzt. (Tenner 2015)

Alles, was gegen die Natur ist, hat auf die Dauer keinen Bestand. Charles Darwin

Geborgenheit

Der japanische Philosoph Takeo Doi beschrieb das zentrale, handlungsleitende Gefühl: Geborgen zu sein. Er nannte es „Amae“ abgeleitet von „amaeru“: „sich anlehnen, sich verwöhnen lassen“. (Takeo Doi 1982) „Mütterliche Geborgenheit« sei ein innerer Ur-Zustand. Das tiefe Vertrauen in eine sichere Abhängigkeit zu sorgenden nahen Menschen. Werde dieses Gefühl tief verletzt, folge auf „Amae“ die Verzweiflung. Immer dann, wenn ein Lügengebäude in sich zusammenbricht, und zu Vertrauensverlust führt.

„Sich geborgen fühlen“ ist ein Grundbedürfnis. Es widerspricht nicht unserer Sehnsucht nach freier Entwicklungsmöglichkeit. Sondern es ergänzt sie. Der Mensch habe (so Takeo Doi) „ein Recht auf Abhängigkeit“ – ebenso und gleichermaßen wie ein „Recht auf Freiheit“. Amae, die Lust, das fröhliche Baby einer großen Mutter sein zu dürfen, steht nicht im Widerspruch zu persönlicher Entfaltung und Leistung: „Die Mutter darf streng sein, klare Grenzen setzen und sagen, was zu tun ist“. Nur eines darf sie nicht: täuschen und lügen.

Sehnsucht nach Geborgenheit und Freiheit

Wir brauchen beides – gleichermaßen – wie Wasser und Nahrung.

Die Erinnerung an den Schutz im Bauch der Mutter ist körperlich eingeprägt. Auf dieser ursprünglichen Geborgenheit beruht unser Urvertrauen. Die erste Freiheit entsteht durch die elementare Trennung: das Auspressen der Lungen und anschließende Einsaugen von Luft. Durch das Abnabeln. Und durch die weite Öffnung der Arme und Beine für die Welt. Streicht man Neugeborenen sanft über die Außenseiten der Gliedmaßen, kuscheln sie sich in der Geborgenheits-Geste zusammen, und erwarten das Gefühl einer „Gebärmutter-Berührung“ am Rücken (Tragetuch) und die sanfte „Berührung eines Beckens“ an der Kopfhaut (durch eine Hand). Dann aber wollen sie wieder frei sein, sich der Welt weit öffnen und sie begreifen. Was ihnen am besten gelingt, wenn sie auf Schutz und Sicherheit vertrauen können.

Bilder: Jäger 2021. Puppe Rikepa

Freiheit bedeutet auf der Grundlage, der Kleinkind-Erfahrungen, sich weit öffnen, verletzlich sein, etwas riskieren, mutig die Welt erkunden, neugierig sein.

Graphik Jäger 2021. Rechte Skizze: Die Möglichkeit, sich dem was geschieht, lebensfroh und risikobereit zu öffnen. Wird dieses natürliche Gefühl unterbunden, entsteht nicht etwa Geborgenheit und Vertrauen. Sondern Frust, Ärger, Depression, Instabiltät (Skizze links).

Eine Stimmung, die aus Unsicherheit, Angst, Wut, und Hilfslosigkeit aufgemischt wird, ist unerträglich. Daher steigt der Bedarf durch Schein-Sicherheit, durch Rituale oder Produkte, deren Anwendung zelebriert wird mit dem Versprechen, dass alles wieder gut werde. Pharmafirmen forschen daher intensiv an Möglichkeiten, wie ihre kommerzielle Produkte Gefühle mütterlichen Vertrauens auslösen können (placebo-competence.euprograminplacebostudies). Das klappt meist auch wunderbar, bis die Betroffen entdecken, dass sie getäuscht wurden.

Foto Jäger: 2018

Menschen brauchen alles zugleich: Geborgen-sein, Schutz und die Freiheit, das zu entwickeln, was aus uns entstehen will. Dafür brauchen Menschen (besonders dringend Kinder) keine Placebos, sondern offene Kommunikation und sanfte Berührungen (Arte verfügbar bis 31.05.2021, Arte verfügbar bis 28.05.2021, danach über mediathekview möglich)

Foto: Jäger (Tansania 1983) – Zukunftsfähige Kinder: frei, geborgen, neugierig, lebensfroh, schmutzig, zärtlich, verspielt, fröhlich und voller Unsinn im Kopf

Wir müssen dringend wieder in das Leben zurückfinden.

Todesangst, Macht und Gier machen krank.

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Letzte Aktualisierung: 10.04.2021