Covid19: Kampf der Religionen

„Krooser Gott, wir loben dich!“ … Es herrscht im Fußballhimmel ein Rotationsprinzip. … „Gott ist Kroos“, aber Toni Kroos ist gewiss nicht der letzte. Die Weltreligionen könnten davon einiges lernen. SZ 25.06.2018

Tiziano Asunta, 1580
Mariä Himmelfahrt

War die „schönste Nebensache der Welt“ nicht immer die beste Ablenkung?

Der Glaube an das Gute auf dem nahen Rasen gab Halt. Die tiefe Verbundenheit, mit der jeweils lokalen Kirche, bot Schutz. Und verdrängte nervige Nachrichten zu fernen Rohstoff-Kriegen, Elends-Migration, Reichtums-Konzentration, Umwelt-Zerstörung …

Gerade jetzt wäre Fußball so wichtig: weil die Werte des „Westens“ zerbröseln, der Glaube an weiteres „nachhaltiges Wachstum“ schwächelt, und eine Rezession vor der Tür steht.

Wer hätte da gedacht, dass der Fußballgott plötzlich, von einer Grippe kalt erwischt, auf der Intensivstation landet.

Die neue Gesundheitsreligion.

Gesundheit war im Leistungssport immer unwichtig. Beim Fußball sowieso. Denn dort wird voller Einsatz verlangt, und die Langzeitfolgen sind egal (s.u.).

Jetzt aber wird der Corona-Teufel bekämpft. Er reitet auf Wellen. Er wird uns immer wieder heimsuchen. Auch das Tauf-Ritual des „kleinen Picks mit großer Wirkung“ wird daran nichts ändern. Denn der nächste Virus-Teufel wartet schon darauf geboren zu werden.

Ein Feind, so klein, dass ihn nur wenige eingeweihte Experten sehen können, die auch noch meistens eine Sprache benutzen, die das gemeine Volk nicht kennt – die Virologen.

Die Regierungen der Welt haben sich nach und nach allen diesen Experten – anstatt der Astrologen und Theologen diesmal den Virologen – zugewandt und diese als ihre wichtigsten Berater erkoren. Was sie empfehlen, wird schnell und ohne Widerspruch als neue Regeln für die Völker beschlossen und mit der Strenge von Gesetzen umgesetzt. Weltliche Macht und virologische Theorie vereint, sozusagen. Corona – der Beginn einer neuen Religion. Spatz A, Wildungen.digital 03.05.2020

Was tun, wenn der Teufel schwächelt?

Dann droht, dass Menschen ihre Angst verlieren. Wer soll aber dann die Produkte kaufen, die den Teufel austreiben werden? Oder verhindern, dass einige auf dumme (eigene) Gedanken kommen, oder sich zusammenrotten oder gar randalieren?

„Das Gerücht (Corona sei harmlos) könnte ganz Afrika beerdigen.“ Fetziger Reklame-Musik-Clip aus Burkina Faso, Ende Februar 2020. U.a. Bill Gates warnte damals vor 10 Millionen Toten in Afrika. Man müsse alle Afrikaner impfen, je schneller je besser. Zwei Monate später (am 06.05.2020) waren (laut AfricaCDC) bei 1.900 Verstorbenen Corona-Viren nachgewiesen worden. Gab es in Africa nicht noch ein paar andere Probleme, wie Elend, Malaria, Krieg, Durchfall, Hunger, Umweltzerstörung …?
Reuters 06.05.2020: Tansania stoppt Corona-Tests

Noch erinnern uns die Masken an die unsichtbaren Gefahren: Das Unsichtbare lauert selbst in Kindergärten und Schulen.

Aber die Corona-Zahlen fallen, selbst beim RKI. Es wird zunehmend mühsam, die neu-entstehende Gesundheitsreligion mit nur einem Teufel zu begründen. Wenn Gläubige die Gefahren nicht direkt sehen können, müssen die künftigen Bedrohungen um so deutlicher an die Wände gemalt werden: „Die nächste Welle kommt! Und wenn ihr nicht brav seid, werdet ihr wieder eingesperrt!“

Die Realität meint es aber manchmal nicht so gut mit der (alternativlosen) „Wahrheit“. Dann versuchen sich die meisten zunächst an die Empfhelung von Paul Watzlawick zu halten: „Wenn die Realität der Theorie widerspricht: Umso schlimmer für die Realität!“

Manche Kirchenvertreter (wie die der WHO) klingen dann aber etwas kleinlauter: Gesundheitsprobleme würden sich ggf. auch „mit einer Partnerschaft mit der Bevölkerung“ beeinflussen lassen. So, als würde ein „Gott in Weiß“ zu seiner Krebspatientin herabsteigen und wahrnehmen, dass sie ggf. über einen selbst-bestimmten Willen verfügen könnte.

Solche Gedanken (offen) zu äußern ist riskant. Denn der Abfall vom Glauben (die für Kirchen so gefährliche Häresie) beginnt oft mit der Idee, man sei für sein Seelenheil oder seine Gesundheit (auch) selbst verantwortlich.

Paul Ryan (WHO) zum Umgang Schwedens mit der Corona-Epidemie (29.03.2020) https://nypost.com/2020/04/29/who-lauds-sweden-as-model-for-resisting-coronavirus-lockdown/

Wird der Fußballgott also doch wieder benötigt? Zumindest als Neben-Gott?

Balleluja! … Kirchen wie Stadien füllen sich im Wochenrhythmus; wie der Kirchgänger das gebügelte Hemd nimmt, holt der Fan seine emblemgeschmückte Jeansjacke aus dem Schrank, sinnigerweise „Kutte“ genannt.

Fan – das kommt vom lateinischen „fanaticus“ und bedeutet „von einer Gottheit in Entzückung, in Raserei versetzt“. Der Fan bekennt sich zu seinem Verein und kennt seine Vereinshymne auswendig wie der Kirchgänger sein „Großer Gott wir loben dich“. “ SZ 14./15.01.2017

Fußball ist offenbar unverzichtbar.

Wenn die Gesundheitsreligion noch zu schwach ist, weil sie noch nicht über das magische (Impf)-Ritual verfügt, muss das Volk trotzdem irgendwie bei Laune gehalten werden. Dafür ist Fußball ideal. Formel-1-Rennen, Boxen und Tennis können noch warten.

Problematisch ist, dass die Gläubigen nicht mit rituellen Gesängen in die Stadien strömen dürfen, sondern einsam vor Bildschirmen hocken müssen. So läßt sich religiöse Trance eigentlich nicht auslösen. Außerdem müssen die Profi-Spieler Unmengen an Corona-Tests verbrauchen, die im Gesundheitswesen fehlen. Aber noch viel schlimmer: Eigentlich scheinen die Religionen „Gesundheit“ und „Fußball“ irgendwie nicht zusammenzupassen.

Denn Profi-Leistungssport ist natürlich ungesund. Insbesondere wenn immer jüngere Talente körperlich verschlissen werden. Und eine Kontaktsportart „ohne Viren- und Bakterienübertragung“ ist nicht möglich. Wenn man sich wirklich um Gesundheit sorgen wollte, würde man endlich die Kinder wieder kicken lassen. Denn Spaß-haben, Sich-fröhlich-bewegen und Spielen fördern das Immunsystem. Außerdem ist der Austausch von Viren, die jährlich um die Welt sausen, unter Kindern völlig normal und meist harmlos.

Allerdings hat die neue Konfessions-Ökumene von Gesundheits- und Fußball-Religion auch komische Seiten:

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Letzte Aktualisierung: 06.05.2020