Gefährlicher Kommunalismus?

Invasion in Nord-Syrien:
Todenhöfer 10.10.2019, CBS 11.10.2019, BBC 14.10.2019

Die Türkei begann am 09.10.2019 erneut (wie schon 2018) einen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg gegen Syrien. Windelweich „bat“ der NATO-General-Sekretär am 11.10.2019 „um Mäßigung“ bei den anstehenden Aggressionen und Massenvertreibungen.

Das Ziel der Intervention ist es offenbar, die arabisch und kurdisch sprechende, syrische Bevölkerung aus einem 30 km breiten, annektierten Territorium zu verdrängen, um anschließend in der besetzten Beuteregion islamistische Kämpfer und deren Familien anzusiedeln.

Die türkischen Armeeführung verbreitet medienwirksam ihre Behauptung, Nordsyrien werde von einer terroristischen Vereinigung beherrscht. Gemeint ist die kurdische Organisation YPG (die von der Türkei als PKK nahe eingestuft wird). Sie ist Teil der Demokratischen Kräfte Syriens (DKS). Dem Kampfverband der DKS gehören allerdings auch arabische Kräfte an. Ihnen gemeinsam gelang es, (vorübergehend) den sogenannten IS zu besiegen. Durch die türkische Invasion ist dieser Erfolg jetzt hoch-gefährdet.

Als NATO-Partner, Waffen-Lieferant und AWACS-Aufklärer ist Deutschland bei diesem Irrsinn direkt beteiligt. (IPPNW 10.10.2019)

Kampf dem Kommunalismus?

In der von der DKS kontrollieren Nord-Region Syriens ( „Rojava ), wird ein (im „arabischen Frühling“ einzigartiges) Experiment staatlicher Organisation ausgetestet (Video: BBC 2014).

Der religiöse Fanatismus wurde verdrängt, eine strikte Gleichberechtigung von Frauen und Männer durchgesetzt, die Todesstrafe abgeschafft und ein kommunal-organisiertes Rätesystem eingeführt (so genannter Kommunalismus).

Eigentlich müsste „der Westen“ dieses kleine basis-demokratische Pflänzchen vor den ideologisch im Mittelalter verhafteten Invasoren schützen, die jetzt im Geleitschutz der Türkei syrisches Gebiet annektieren wollen.

„Die Militäroperation richte sich nicht „gegen die Kurden“, sondern nur gegen einen „Terrorstaat“ in Nordsyrien, so Erdoğan.“ SZ 14.10.2019

Warum geschieht das nicht?

Weil der Kommunalismus sich auch in anderen Weltregionen ausbreiten könnte?

Entwickelt wurde der Kommunalismus von dem amerikanischen Öko-Anarchisten Murray Bookchin. Von seinen Ideen lassen sich die „Demokratischen Kräfte Syriens“ inspirieren .

“ … Es ist nicht utopisch nach der Kommunalisierung der Wirtschaft zu streben. Ganz im Gegenteil, sie ist praxisnah und durchführbar, wenn wir nur unseren Verstand so frei benutzen, wie wir versuchen, in unserem Leben Freiheit zu erlangen. Unser Lebensraum ist nicht nur der Ort, an dem wir unseren Alltag leben, er ist ebenso der tatsächliche wirtschaftliche Ort, an dem wir arbeiten, und seine natürliche Umgebung ist die tatsächliche ökologische Umgebung, die uns herausfordert, im Einklang mit der Natur zu leben. Dort können wir damit beginnen, nicht nur die ethischen Bande, die uns zu einer aufrichtigen ökologischen Gesellschaft verknüpfen werden, zu entwickeln, sondern auch die materiellen Bande, die uns zu fähigen, ermächtigten und selbstversorgenden – wenn nicht sogar unabhängigen – Menschen machen können. Sofern eine Kommune oder eine lokale Föderation von Kommunen politisch vereint ist, bleibt sie trotzdem eine recht zerbrechliche Form der Gemeinschaft. Sofern sie jedoch die Kontrolle über ihr eigenes materielles Leben besitzt, allerdings nicht im Sinne einer Gemeinde, die sich in einen privatisierten Stadtstaat verwandelt, so hat sie wirtschaftliche Macht und somit auch eine ausschlaggebende Stärkung ihrer politischen Macht. “ Murray Bookchin 01.10.2009

Wäre es nicht lohnenswert solche Ideen friedlich zu diskutieren?

Gerade von dem Hintergrund des ideologischen Hasses, Wahnsinns und der zerstörerischer Gier nach Öl und Macht, die die Region in Schutt und Asche legt?

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Letzte Aktualisierung: 14.10.2019