Homöopathie-Studie

Die Securvita-Krankenkasse hat eine Langzeit-Studie zur Wirksamkeit und Wirtschaftlichkeit der Homöopathie abgeschlossen:

Securvital Ausgabe Okt-Dez 2020, Artikel-Download

Die Studie wurde vermutlich finanziert, um zu rechtfertigen, dass die Kosten für Homöopathie erstattet werden – trotz heftiger Kritik.

Hahnemann
Daguerreotypie von Samuel Hahnemann, 30.09.1841 in Paris (Wiki)

Als durchführende Institution der Studie wurde „Gesundheitsforen Leipzig GmbH“ genannt. Nähere Angaben oder Daten fanden sich Ende September 2020 nicht.

In der Presserklärung der Securvita heißt es, man habe 15.7000 Versicherte mit mindestens drei-jähriger Homöopathie-Nutzung mit einer gleich großen Kontrollgruppe verglichen. Man habe u.a. (durch Vergleich von Versichertendaten?) herausgefunden, dass in der Homöopathie-Gruppe die Zahl der Antibiotika-Behandlungen bei Kindern geringer ausgefallen, und die Zahl der Krankschreibungen bei Depression gesunken sei. Und es habe weniger Krankenhauseinweisungen gegeben.

Wenn eine Krankenkasse die gesundheitlichen Auswirkungen einer Marketingstrategie hinterfragt, ist das zunächst positiv. So wurde (ebenfalls im Auftrag einer Krankenkasse) 2005 die Auswirkungen der Reisemedizin auf die Gesundheit der Reisenden zukunftsgerichtet beobachtet (Europ J PH, 2006 16(1):96–100)

Obwohl man damals keinen Hinweis für die Wirksamkeit von Reisemedizin fand, wurde von den großen Krankenkassen entschieden, u.a. die Kosten der Reisenden für Impfungen gegen Typhus, Cholera oder Japanenzephalitis zu erstatten. Der Wirksamkeitsnachweis für die Anwendung dieser Medizinprodukte ist bei Reisenden aus prinzipiellen Gründen nicht möglich, weil die Erkrankungs-Ereignisse bei ihnen sehr selten sind. Vorschläge des Tropeninstitutes Hamburg die (gegenüber der Homöopathie wesentlich teurere und nebenwirkungsreichere) Praxis der Kostenerstattung durch ein ähnliches Studiendesign aus Mitteln der Versorgungsforschung überprüfen zu lassen, wurden mehrfach abgelehnt.

Die Tatsache, dass die Securvita ihr Tun überprüft, ist daher im Vergleich sehr löblich.

Nehmen wir an, die statistischen Daten der Securvita gäben das her, was gesagt wird. Dann wäre aus meiner Sicht die plausibelste Erklärung, dass sich die Qualität der Arzt-Patient-Kommunikation in unterschiedlichen Settings unterscheiden könnte.

Der Kinderarzt Stephan Nolte spricht, in Bezug auf die Homöopathie, von einem intelligenten Placebo. Ich dagegen benutze den Begriff „Placebo ungern, weil er vermittelt, man müsse Patient*innen über das Vorhanden-sein oder das Nicht-Vorhandensein spezifischer Wirk-Inhalte täuschen, um gewünschte „nicht-spezifische“ Effekte auszulösen. Stattdessen bevorzuge ich den Begriff Systemwirkungen: Sie ergeben sich meist (als Konditionierung oder Lerneffekte) aus Beziehungen und Kommunikation. Am stärksten sind Systemwirkungen in der Mutter-Kind-Bindung ausgeprägt, und später schwächer (aber immer noch bedeutsam) in der Arzt-Patient-Beziehung.

Wenn Mediziner*innen wirksamer und offener mit Patient*innen kommunizierten, können diese mehr lernen und damit (aus einer meist unbewussten Verhaltensänderung) die Nachfrage nach weiteren Leistungen des Gesundheitswesens senken.

Ich halte es für denkbar, dass Homöopath*innen mehr Zeit und Kompetenz in die Art ihrer Kommunikation investieren, und glaube, dass auch skeptisch & naturwissenschaftlich orientierte Kolleg*innen (wie ich) dabei von ihnen etwas erfahren könnten.

„Natürlich braucht man einfühlsame Ärzte, und mehr Empathie ist wünschenswert – vor allem braucht es Ärzte, die besser kommunizieren.“ Prof. Fischer, SZ 31.07.2019 – Einfühlungsvermögen ist eines der Elemente, die die Wirksamkeit der Behandlung erleichtern, und zwar ein mächtiges. “Empathy is one of the elements that facilitates treatment effectiveness, and a powerful one.” Jean Decety

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Letzte Aktualisierung: 24.09.2020