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Homöopathie: Un-Sinn?

Hokuspokus oder Heilwirkung?

Seit Jahren schreiben Journalist:innen, Homöopathie sei gefährlich. Sie halte von der Anwendung moderner Medizin ab. Der Effekt der Homöopathie gehe nicht über den eines „Placebo“ hinaus.

Daher sei es überfällig, dass alle Ärztekammern in Deutschland die „Zusatzbezeichnung Homöopathie“ streichen. (FAZ, 27.08. und 04.09.2022)

Spiegel Nr. 34, 18.08.2018 Medizin oder Mumpitz? SZ 17.08.2018

Vergessen wird, dass Patient:innen auch in den dominierenden Marktsegmenten des rasant wachsenden Medizin-Business hochmodern zur Kasse gebeten werden. (IGeL, Mühlhauser: „Unsinn Vorsorgemedizin“, 2017; Reuther: „Der betrogene Patient“, 2017 uva)

Ärztekammern, Unternehmen und Institute der Main-Stream-Medizin haben in der Regel kein Problem mit der Anwendung von „Unwirksamem“, wenn es den Umsatz fördert. Und solange die Medien, die Patient:innen und die Krankenkassen dabei zufrieden sind. (siehe Placebologie)

Die Aufregung um „Alternativmedizin“ kennzeichnet einen Verteilungskampf

Das dominierende Medizinmodell beruht auf der Keimtheorie, die sich Ende des 19. Jahrhunderts im Rahmen der „Seuchenbekämpfung“ durchsetzte. Danach stehen die Feinde der Gesundheit „außen“. Sie können mit immer intelligenteren Waffensystemen bekämpft werden, die der Chemiker Paul Ehrlich Zauberkugeln („Magic bullets“) nannte.

Die Munition sollte punktgenau (hoch-spezifisch) treffen. Die Homöopathie hatte aber die spezifischen Effekte so lange verdünnt, bis sie verschwunden waren. Sie destillierte den reinen „Nicht-spezischen Effekt“. Der frei war von „spezifischen Nebenwirkungen“, die typisch sind für „Zauberkugeln“.

„Nicht-spezifische Wirkungen“ sind mit jeder Art von Therapie verbunden

(inkl. Antibiotikagaben und (Covid)-Impfungen uva.)

Seit 1900 und besonders seit 2020 hat sich in der Medizin Philosophie totaler Kriege („gegen was auch immer“) nahezu komplett durchgesetzt. Jetzt wollen die Marketingabteilungen des Medizinbetriebes die letzten Widerstandsnester ausmerzen, die das Neue Normal stören.

Placebo oder Systemeffekt?

Der Kinderarzt Stephan Nolte glaubt, Homöopathie sei ein „intelligenter Placebo“. Sie vermittele in einer vertrauten, empathischen Kommunikation, dass „spezifische Wirk-Inhalte spezielle Effekte auslösten“.

Nach meiner Erfahrung sind aber für die Entstehung von Systemwirkungen („Sicherheitsgefühl, Konditionierung, zelluläres Lernen, u.a.“) Täuschungen unnötig. Denn am stärksten ausgeprägt sind Systemwirkungen in der Mutter-Kind-Bindung. Und eine leibende Mutter betrügt nicht.

Um später ähnliche (wenn auch schwächere) Effekte auszulösen, können Ärzt:innen ohne weiteres transparent und rückhaltlos-offen kommunizieren. Denn Rituale wirken unbewusst. Z.B., wenn das Bewusstsein grundlegenderen Regionen des Gehirns vermittelt, „dass etwas so sei“. Dass also das Mittel („die Zwiebelscheibe beim Insektenstich“) eine wirksame Substanz enthalte. Dann wird den Immunzellen Sicherheit vermittelt, so dass sie ihrer Arbeit weniger aufgeregt nachgehen könnten.

Voneinander lernen?

Würden Mediziner:innen offen mit ihren Patient:innen kommunizierten, können diese mehr verstehen. Sie könnten durch Verhaltensänderung die Nachfrage nach weiteren Leistungen des Gesundheitswesens senken.

Möglicherweise investieren Homöopath:innen Zeit und Kompetenz in die Fähigkeit zu kommunizieren. Davon könnten ihre skeptisch oder naturwissenschaftlich orientierten Kolleg:innen lernen. Und Homöopath:innen könnten ihrer Kommunikationswirkung mehr vertrauen. Und damit aufhören nachweisen zu wollen, dass Rituale doch spezifische Inhaltsstoffe enthielten.

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Letzte Aktualisierung: 17.09.2022