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Krieg den Keimen

Was haben Pocken, Pest, HIV und COVID-19 gemeinsam?

Es ist das „.. ideologische Festhalten an der maschinenparadigmatischen Ausrichtung in der Medizin und die damit verbundene eindimensionale und zeitlich begrenzte Sicht … Im Umgang mit Pandemien rein auf den stofflich-biologischen Aspekt des Erregers zu blicken und dabei Maßnahmen zu priorisieren, die auf das Ausmerzen des Erregers und die Isolation des Wirts abzielen, müssen scheitern, weil sie der Komplexität des Problems nicht entsprechen können.

Ein Paradigmenwechsel in der Medizin würde demgegenüber die komplexe Wechselwirkung zwischen Erreger, Mensch und Umwelt in den Vordergrund von Diagnose, Behandlung und Prävention von Pandemien stellen. Er würde den Menschen mehr in die Verantwortung nehmen und seine angeborenen und erworbenen, immunologischen Schutz- und Abwehrfähigkeiten, die über das Biologische hinaus in die psychologische und soziale, ja kulturelle Sphäre reichen, in den Vordergrund stellen.“ (Zitat: Prof. Christian Schubert, August 2021)

Die moderne Medizin stammt aus dem Kolonialismus

Jim Downs : “Maladies of Empire: How Colonialism, Slavery, and War Transformed Medicine” HarvardUniv Press, 2021.

Während des amerikanischen Bürgerkrieges (Ende des 19. Jahrhunderts) sammelten und testeten Ärzte der den Südstaaten Pocken-Material an versklavten Säuglingen und Kindern:

… Southern doctors tested smallpox vaccines and harvested that material within enslaved infants and children during the Civil War. …“ Jim Downs, (Medizinhistoriker) 2021

In französischen Kolonien versuchte man in den 1950iger Jahren, die Schlafkrankheit auszurotten. Dabei setzte man große Hoffnungen auf ein neues Medikament: Lomidine oder Pentamidin.

Lomidine/Pentamidin wurde im Rahmen von Massenkampagnen zwangsweise gespritzt. Der Nutzen war allerdings gering. Dafür erkrankten viele Patient:innen an diesem „kleinen Pieks“. Andere verstarben an den Krankheitsfolgen. Erst 1957 wurden diese Menschenversuche eingestellt. Anschließend tat man alles, um die angerichteten Schäden zu vertuschen. (Lachenal 2014) Das Misstrauen der Bevölkerung blieb (Lowes 2018).

Eine folgenreiche Verseuchung mit Hepatitis C fand in Ägypten statt. Dort begann man vor über sechzig Jahren damit, die Pärchenegel-Wurmerkrankung zu bekämpfen, deren Inzidenz zunahm als 1964 der schnell fließende Nil durch den Assuan-Staudamm gezähmt wurde. Das Gesundheitsministerium ließ große Teile der Bevölkerung mit Injektionen behandeln, die Antimon-Kalium-Tartrat enthielten. Diese giftige Antimon-Verbindung, die damals für das einzig wirksame Mittel gegen die Würmer gehalten wurde, wird heute selbst in der Tiermedizin nicht mehr verwandt. Erst ab 1980 wurde sie, auch in Ägypten, langsam durch ein nebenwirkungs-ärmeres (aber relativ teures) Medikament ersetzt. Einige Jahrzehnte nach dem Beginn der Kampagne fiel in Ägypten eine Epidemie von Hepatitis C auf, für die es zunächst keine Erklärung zu geben schien. Dann stellte sich aber heraus, dass die meisten der an Hepatitis C Erkrankten Anti-Wurm-Spritzen erhalten hatten.

G. Lachenal: The Lomidine Files 2016

Es hat manchmal auch rationale Gründe, warum viele Menschen in ökonomisch und sozial schwachen Ländern Präventionsmaßnahmen aus dem Weg zu gehen.

Ethik-Dumping

Es gibt bis heute „Gegenden ohne medizinische Ethik“ (medical ethics free zones) (NEJM 2013). Ärzte überwachen Folter und Exekutionen, oder sind an illegalem Organhandel (BMJ 2015) beteiligt.

Die Standard der Studiengestaltung und -durchführung sind in vielen Ländern sehr niedrig, was es für Konzerne attraktiv macht, neue Produkte dort auszutesten. Menschen werden dann als Versuchskaninchen benutzt (SomoCNN, Pandemrix).

Menschen werden dann als Versuchskaninchen benutzt (SomoCNN, Pandemrix). U.a. wie die > 800.000 Kinder, die in den Philippinen von 2016 bis 2017 einen nicht ausgereiften Impfstoff erhielten. (BBC 03.02.2018Mehr)

Die Standard der Studiengestaltung und -durchführung sind in vielen Ländern sehr niedrig, was es für Konzerne attraktiv macht, neue Produkte dort auszutesten. Wie bei den Kindern, an denen der Malaria-Impfstoff Mosquirix über Jahrzehnte ausprobiert wurde und wird (DLF 17.12.2020):

Der Freitag am 09.12.2021: Zitat: „Eine gesunde Welt ist möglich … Impfstoff global: Die Idee ist simpel und einfach: Wenn alle geschützt sind, ist die Pandemie vorbei“ Früher gab es mal Gesundheit für alle durch Verhaltens- und Verhältnis-Prävention. Heute ist es „Injections for all“, was neben (staatlich subventionierter) Patentfreigabe das große Geschäft mit der Kühlinfrastruktur mit sich bringen wird. Über die Risiken von Infektionen, die durch Blut übertragen werden (HIV, Hep C) und über Haftungsfragen redet man nicht gern. Und selbst wenn dieser Schädling vernichtet wäre: Was geschieht dann in einem Ökosystem von unendlich vielen keimen? Wie soll die nächsten Mörder-Mikrobe bekämpft werden, die zwangsläufig kommen wird, wenn wir die Biospäre (immer schneller wachsend) zerstören: Rob Wallace: On the origins of Covid-19, 2020

„… In dieser Studie wurden 7200.000 Kinder nichtsahnend und ohne Einverständnis ihrer Eltern zu Probanten. das ist nicht nur eine Verletzung der internationalen Ethikregeln . Es ist sogar eine Menschenrechtsverletzung. Und im Forschungskontext ist es die die größte Verletzung der Menschenrechte von Kindern, die mir bekannt ist.“ Charles Wejer, Bio-Ethiker, in Koloniales Denken in der Wissenschaft – Ethik-Dumpig, DLF, 27.12.2020

Was haben wir aus Kriegs-Katastrophen gelernt?

Wenig.

Die Bekämpfungsstrategien gehen nach gleichen Prinzipien immer weiter.

Und auch bei Pandemien wie Covid, geht es nicht um das Verstehen komplexer Zusammenhänge, sondern um das Ausrotten von „Problem-Bären“.

Bekämpfungsstrategien sind weiterhin (und erheblich verstärkt seit 2020) der wesentliche Motor der Medikalisierung von Gesundheit und Krankheit.

Die kriegerische Keimtheorie wurde im 20. Jahrhundert auf viele andere medizinische Gebiete ausgedehnt. Immer geht es darum, durch eine Diagnose einen Feind zu erkennen und ihn dann zu bekämpfen. Das nutzt sowohl den medizinischen Armeen, als auch den Waffenherstellern.

Die auf der Keimtheorie basierenden wissenschaftliche Erkenntnissen der Infektiologie oder der Krebsbehandlung sind nicht falsch. Aber sie zeigen nur einen Teilaspekt eines wesentlich größeren komplexeren Zusammenhangs (Mikrobiom).

Krankheit und Gesundheit sind die Ergebenisse vielgestaltiger Wechselwirkungen lebender Systeme. Sie haben immer viele Ursachen und Einflussfaktoren.

Viele Kritiker der Keimtheorie vor 100 Jahren waren Vorläufer einer Erkenntnis, die später zur Salutogenese (Antonovski) erweitert wurde, und die heute zum Standardwissen der System-Biologie gehört: Lebewesen bestehen aus komplexen Systemen, und sie sind eingebettet in Ökosysteme. Krankheit kann deshalb als Störung von Wechselwirkungen, Kommunikationen und Beziehungen aufgefasst werden.

Koloniales Denken und Handeln in der Wissenschaft: Öffentliche Diskussion zweier Wissenschaftler (Jean P. Mira, C. Locht am 02.04.2020 zur Tests von Covid-19 Impfung in Afrika: www.youtube.com/watch?v=GKajchR7Gg8. Englisch: www.youtube.com/watch?v=0oGQn5rnCf0. Es ist selten, dass jemand (aus Versehen) so dämlich ist, in der Öffentlichkeit das zu sagen, was sonst (viele) nur hinter verschlossenen Türen von sich geben.

Davon abgeleitet entsprechen viele moderne Überlegungen zur Gesunderhaltung den Gedanken der ersten Medizinphilosoph:innen :

Man sollte sein Leben und die Lebensverhältnisse möglichst so gestalten, dass man die Produkte und Dienstleistungen der Schamanen und der Kräuterapotheken nicht benötigt.

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Letzte Aktualisierung: 18.12.2021