Gewaltfreiheit und Religion

Inhalt

  • Gewaltfreiheit in Afganistan
  • Gewalt und Monothesimus (Januar 2020)

Gewaltfreiheit in Afghanistan

Today’s world is traveling in some strange direction. You see that the world is going toward destruction and violence. And the specialty of violence is to create hatred among people and to create fear. I am a believer in nonviolence and I say that no peace or tranquility will descend upon the people of the world until nonviolence is practiced, because nonviolence is love and it stirs courage in people. Khan Abdul Ghaffar Khan

Über Afghanistan wird selten Gutes berichtet.

Kabul 2015, Bild: Yahya Wardak

Die meisten Nachrichten drehen sich um Krieg, Selbstmordanschläge, Terrorüberfälle, Korruption, Unterdrückung,  Frauen-Misshandlung, Opium- und Waffenschmuggel. Oder sie handeln von hoffnungslosen Menschen, die vor dem Elend entfliehen wollen.

Viele der wirklich schlechten Nachrichten schaffen erst erst gar nicht in die Medien, wie z.B. die Details der Intrigen der Interventionsmächte, deren Bomben-Geschäfte ausländischer Drahtzieher widerstreitende strategische Interessen den Konflikt befördern, und die für „nachhaltige Kriegsverbrechen“ (u.a. mit strahlender Bomben-Munition) verantwortlich sind.

Ist die kulturelle Bedeutung Afghanistans vergessen?

Die Kulturen in Europa, China und Indien wurden entscheidend durch die Geschichte Afghanistans geprägt: Über das Drehkreuz der Handelsrouten im Nord-Osten Afghanistans (Baktrien), wurden über Jahrtausende nicht nur Waren, sondern auch Ideen ausgetauscht.

Vor über 3.000 Jahren entwickelte sich in Baktrien die erste erfolgreiche, monotheistische Religion. Mit Zarathustras Einheitsgott Ahura Mazda konnte ein riesiger Viel-Völkerstaat geeint werden. Mehr als dreihundert Jahre gelang es so, unterschiedliche Ethnien, Sprachgruppen, Kulturen und Glaubensrichtungen relativ konfliktarm (ohne Bürgerkriege) zusammenzuführen.

Vielleicht wäre aus dieser „Ethik des Guten“ sogar eine bis heute dominierende Weltreligion erwachsen (Holland 2015), wenn es nicht den Invasionsheeren unter Alexander „dem Großen“  gelungen wäre, die alte Muttergottesreligion (Kybele, Isis) mit ihren unterschiedlichen Varianten mit Erlöser und Sonnenkind wieder zu reaktivieren.

Etwa 100 Jahre nach Alexander konvertierten griechisch-baktrische Großkönige zum indischen Buddhismus und missionierten nicht nur nach China und Indien, sondern auch in ihre Herkunftsregionen in Europa. Die moralischen Prinzipien des Mahayana-Buddhismus (Mitleid, Nächstenliebe, Weltabgewandtheit) bildeten dann eine der vielen Wurzeln des Christentums.

Weitgehend unbekannt ist, dass aus Afghanistan auch eine Philosophie der Gewaltfreiheit im Islam stammt (Klußmann 2016). Möglicherweise fußten diese Denkrichtungen auf den Erinnerungen an „Gute“ der Ethik Zarathustras und des späteren Gandhara-Buddhismus, die u.v.a. auch isalmische Gelehrte der Sufi-Richtung beeinflussten, wie Dschalāl ad-Dīn ar-Rūmī (geboren 1207 in Balkh – 1273), „der den Pfad der Liebe lehrte“:

„Sei Sonne! Sonst bleibst du Fledermaus!“

Ein anderer großer Philosoph und Politiker war Khan Abdul Ghaffar Khan (s.u.), ein Freund Ghandis, der für gewaltlose Sozialreformen wirkte:

Wenn du wissen willst, wie zivilisiert eine Kultur ist,
schau darauf, wie sie die Frauen behandeln!“.

Viele Afghanen engagieren sich für eine friedliche Entwicklung ihres Landes.

Z.B. wird auf der Hamburger Afghanistanwoche über Projekte berichtet, die von Afghanen für Afghanen angestoßen, und sie haben zum Ziel, durch relativ bescheidene Maßnahmen lokale Entwicklungen anzuregen. Betroffene sollen ermutigt werden, sich nicht ihrem Schicksal zu ergeben (oder als Ärzte ins Ausland zu fliehen), sondern vor Ort zu handeln.

Solche Versuche sollten (eigentlich) unterstützt werden. Ausländische Finanzhilfe fließt aber meist in die klassische „Entwicklungs“- Zusammenarbeit oder Nothilfe, deren Dynamiken von außen nach Afghanistan einwirken. Oder in wirtschaftliche Interventionen, polizeiliche Abschottungsmaßnahmen oder in geo-strategische Strategien, wie die militärische Vernichtung immer neuer Gegner, die manchmal – wie die Taliban – zuvor im Rahmen militärischer Förderprogramme erschaffen wurden.

Viele dieser von extern subventionierten Projekte fallen in sich zusammen, sobald die ausländischen Militärs oder Projekt-Manager das Land wieder verlassen.

Der Sozialwissenschaftler Ivan Illich forderte deshalb schon vor einem halben Jahrhundert, externe „Hilfe“ und „Entwicklung“ (und natürlich erst recht militärische Interventionen) durch ein intensives „Verstehen und Verständnis“ zu ersetzen: damit Gesundungsprozesse, die nur von innen heraus erwachsen können, geschützt und wirksam begleitet werden können.

Literatur

Links

Letzte Aktualisierung: 27.11.2019