16. November 2020

Covid-19: Gesund bleiben!

Die Mehrzahl der Menschen, die mit SARS-CoV-2 in Kontakt kommen, bemerken nichts. Vielleicht ein Fünftel der Infizierten leidet unter leichten Gesundheitsstörungen. Einige erkranken schwer. Und manche von ihnen versterben mit der Infektion.

Kriegsmedizin: Infektionserreger besiegen

Um schwere Krankheitsverläufe zu verhindern, konzentriert sich die Gesundheitspolitik auf Maßnahmen, die unsichtbare Viren-Gefahren abwehren sollen: Kontaktbeschränkungen, „Alltagsmasken“, Medikamente, Impfungen …

Wir sind gewohnt, umgehend und umfassend „gegen“ neue Bedrohungen zu handeln. Vor über einem Jahrhundert erfand Paul Ehrlich die ersten „magischen Kugeln“ („Magic bullets“) im Krieg gegen die Erreger. Und mit der Entwicklung immer neuer, wirksamer Waffensysteme (Antibotika, Desinfektionsmittel, Impfungen, …) erschien diese Art kriegerischer Medizin bald alternativlos zu sein.

Ende des 20. Jahrhunderts warnten aber u.a. die Psychotherapeuten Paul Watzlawick und Steve deShazer (zumindest in ihrem Fachgebiet) vor den Folgen von „Problem-Trancen“. Die monokausale Fixierung auf ein Hindernis, führe zu immer neuen Bekämpfungsstrategien. Zu „Mehr-des-selben“, so als renne man mit dem Kopf gegen eine Wand. Bei diesem Verhalten vergäße man den Gesamtzusammenhang und überhöhte das Einzelproblem. Die Konsequenz seien dann Verschlimm-Besserungen. Manchmal sei dann „das Ende der Therapie“ auch „das Ende des Problems“.

Friedensmedizin: Körper und Geist beruhigen

Seit Beginn des 21. Jahrhunderts ist bekannt, dass Menschen nicht nur von Bakterien und Viren umgeben sind, sondern ebenso aus ihm bestehen (Mikrobiom). Es hängt daher nicht nur von dem Erreger ab, ob Menschen eine Infektion folgenlos überstehen, oder an ihr sterben. Es ist, mit einem gesunden Mikrobiom und einem effektiven Immunsystem, durchaus möglich, trotz vieler Infektionen gesund zu bleiben.

Bereits ein halbes Jahrhundert vor Paul Ehrlich hatte der Chemiker Antoine Béchamp beobachtet, wie sich mikroskopisch kleine „Keime“ auf der Oberfläche faulender Pflanze vermehrten. Waren seine Labor-Kräuter dagegen gesund (wir würden heute sagen „resilient“) konnte er keine „Keime“ mehr auf ihnen nachweisen. Daraus schlussfolgerte er, Infektionen seien Hinweise für Krankheiten lebender Organismen.

Same-Same but different: Achtsame Bewegungen. Oben Mawangdui-Grab in China, um 200 v.u.Z., unten Rudolf Bilz vor über 100 Jahren, und in der Mitte: moderne Bewegungen im Taiji-Forum

Der Soziologe Aaron Antonovsky (1923–1994) entwickelte diese Sicht weiter und beschrieb (ergänzend zu den körperlichen) auch psychologische Merkmale bei Menschen, die trotz starker Belastungen gesund blieben:

Die Herausforderungen erschienen dann den Betroffenen,

  1. in ihrer persönlichen Bedeutung verstehbar zu sein.
    (Sie passten zu einem zu einem Modell der Realität, das einen Handlungsrahmen zu eröffnen schien.)
  2. für sie (persönlich oder für ihre Unterstützer*innen) hand-hab-bar zu sein.
    („Zu klein hätten die Belastungen nicht zu Lerneffekten geführt, und „zu groß oder überwältigend“ wäre Stress oder gar Panik ausgelöst worden.)
  3. in einem größeren Zusammenhang einen (persönlichen nachvollziehbaren) Sinn zu ergeben.
    (Sie vermittelten das Gefühl, dass „die Situation ‚mich‘ brauche“).

Inzwischen wurde tatsächlich belegt, dass das Immunsystem am effektivsten arbeitet, wenn es (durch das eigene Nervensystem und durch Beziehung zu anderen) beruhigt wird. Wird es dagegen durch Angst, oder noch schlimmer durch Stress, gestört, reagiert es fahrig, ineffektiv oder übersteigert. (Anti-inflammatorischer Reflex)

Immer mehr Informationen verbessern die Immunfunktion nicht. Denn eine Flut von Daten, die nicht sofort in sinnvolle persönliche Zusammenhänge eingeordnet werden kann, erzeugt noch mehr Stress. Und damit wird eine wirksame Immunfunktion ausgebremst.

Wichtiger, als rationale Aufklärung, ist es deshalb, bei jeder Art von Erkrankung, zuerst für Ruhe, Beruhigung, Vertrauen, Sicherheit und soziale Unterstützung zu sorgen.

Das gilt analog auch für den gesellschaftlichen Umgang mit Epidemien: Bevölkerungen, die „ruhig & besonnen“ mit einer Belastung umgehen können, haben bessere Chancen eine Notsituation zu bewältigen, als andere, die gestresst, hektisch und panisch reagieren (Arte 10.11.2020)

Bei allen jährlich umlaufenden Atemwegsinfektionen hilfreich:

Wer ohne akute Atemwegsinfektionen, ohne schwere Erkrankungen und lebend, durch ein Grippesaison kommen möchte, sollte

  • Frei und entspannt atmen: achtsam und in guter Luft.
    Sinn: Atemvolumen verbessern …
  • Sich dem Sonnenlicht aussetzen.
    Sinn: Vitamin-D-Herstellung steigern
  • Sich viel und entspannt bewegen.
    Sinn: Immunsystem-Rhythmus stabilisieren
  • Ausgiebig schlafen.
    Sinn: Immunsystem ungestört arbeiten lassen
  • Sich gesund ernähren.
    Sinn: Den Bioreaktor ‚Mikrobiom‘ optimal befeuern
  • Stress-arm leben.
    Sinn: Frieden machen, mit dem was ist, und das Immunsystem nicht stören.
  • Auf Hygiene achten.
    Sinn: Die Belastungen gering halten …
  • Nicht rauchen.
    Sinn: Die Immunfunktion nicht verwirren und schädigen …

Fraglich hilfreich bei Covid-19:

Aktionistische Bekämpfungsstrategien („Hochdosiert Chloroquin“, „Remdesivir“, „schnell intubieren“,…) erwiesen sich bei SARS-CoV-2 Behandlungen nicht als sinnvoll. Erhöhte Sterblichkeit und die Häufigkeit von Langzeitstörungen waren nicht abhängig von lokal besonders bösartigen Erreger-Varianten. Sondern sie folgten meist einer (durch unterschiedliche Faktoren ausgelösten) Entgleisung der Immunantwort: einer „Abwehr im Ausnahmezustand“ oder einem „Zytokinsturm“. (Eckert 2020)

Covid-19 ist im Gegensatz zu Influenza keine Erkrankung der Lungenbläschen. Das Virus kann die Immunreaktion sowohl anregen oder auch empfindlich stören (Kratzer 2020). Betroffen sind dann u.a. die Auskleidungen kleiner Blutgefäße.

Impfungen gegen Covid-19 müssen einen deutlichen Nutzen mit sich bringen: Eine geringere Wahrscheinlichkeit einer Infektion, oder eines schweren Erkrankungsverlaufes. Und dieser Vorteil muss gegen mögliche, kurz- oder langfristige Nebenwirkungen abgewogen werden.

Bei neuen Impftechniken (RNA-, DNA-Impfstoffe) ist das unbekannte Nichtwissen (noch) nahezu unbegrenzt.

Zudem wird bei den ersten Impfgroßkampagnen der Placebo-Effekt sehr deutlich ausgeprägt sein. Denn seit Monaten wird ohne Unterbrechung große Angst vor einem Problem erzeugt, das durch die Gabe eines sicheren Mittels im Rahmen einer bedeutsam-schmerzhaft-einprägsamen Behandlung sicher beseitigt werden soll. Endlich könne so der Dauerangst die Normalität folgen. So werde „alles wieder gut“. Sicherheitsillusion und Anwendungsritual bilden Voraussetzungen für einen „Ultimate Placebo“, wie ihn sonst nur die Chirurgie erzeugen könnte. (Harris 2020)

Bei Covid-19 Infektionen sicher hilfreich

  • Beruhigen!
    Bei Covid-19-Erkrankungen macht es besonders viel Sinn, für Ruhe sorgen. Es ist überlebensnotwendig, die Immunfunktion nicht durch stressige Bekämpfungs-Strategien, Angst und Panik, weiter anzuheizen und so einen Zytokinsturm auszulösen. (Beruhigungsnerv)
  • Frei atmen in gute Luftqualität!
    Covid-19-Infektionen verlaufen besonders schwer in Regionen mit hoher Feinstaubbelastung oder bei Menschen, die beruflich oder durch ihr Verhalten Mikropartikeln in der Luft ausgesetzt sind. (Harvard 2020, Pozzer 2020, NZZ 18.11.2020). Bei der Covid-19-Epidemie müssten daher Maßnahmen der Verminderung von Feinstaubbelastung unternommen werden (u.a. in Ballungsgebieten). Und das Rauchen sollte unbedingt unterlassen werden. Darauf müsste die Regierung hinweisen. Sie müsste zudem ein Tabak-Werbeverbot erlassen, oder ein entsprechendes Gesetz im Parlament erlassen.
  • Optimale Versorgung bei Risiko!
    Gefährdete und kranke Personen müssten optimal versorgt werden. Denn nur wenige Personen sind für die Masse der Neuinfektionen verantwortlich, oder für sie empfänglich. (Economist 07.11.2020) Zum Schutz des Immunsystems gehören insbesondere Bewegungsfreiräume und soziale Kontakte. Besondere Maßnahmen bei nicht gefährdeten Gruppen (Kindern und Jugendlichen) machen wenig Sinn. (Kuhbandner 2020)
  • Humor!
    Fröhlichkeit, Spaß an Bewegung und herzhaftes Lachen wirken ausgesprochen gesundheitsfördernd. (Glück & Gesundheit)
  • Erholsam schlafen!
    Im Schlaf löst sich Alltags-Stress. Schlafen konsolidiert neuronale Netzwerke und sorgt für einen Ausgleich der Stoffwechselfunktionen, für die so geannnte Homöostase. (Watson 2015). Das begünstigt die Effektivität der Immunfunktionen. (Grippe verschlafen)
  • Sich Sonneneinstrahlung aussetzen.
    Wenn es nicht möglich ist, sich von der Sonne bescheinen zu lassen, scheint es sinnvoll zu sein, Vitamin D zuzuführen. (Castillo 2020, Annweiler 2020, Israel 2020)

Fazit:

Im Prinzip wäre es einfach, dafür zu sorgen, dass Psyche und Körper mit starken Belastungen zurechtkommen: Man könnte achtsam und bewegt das tun, was sich gut anfühlt. Und was zu Zufriedenheit führt: mit sich selbst und mit der umgebenden Situation. (Wallace 2019)

Man kann sich spüren. Man kann dem Körper das geben, wonach das große unbewusste „Selbst“ verlangt. Oder man kann auch einfach Spaß haben am Leben, und sich nicht ständig um den Tod sorgen.

Da wir in unserer Zivilisation trainiert sind, nur das zu glauben, was durch Daten belegt ist, kann man auch gerne dem folgen, was ganz gewiss durch Studien gesichert wurde (Tonn 2020).

Man wird dann feststellen: Es ist das Gleiche, zu dem man auch gelangte, wenn man einfach der Sehnsucht folgte. Wenn man wieder mehr zu sich fände, und auf seine wirklichen Bedürfnissen hörte.

Mehr (inkl. weiterführende Literatur)

Literatur

Letzte Aktualisierung: 21.11.2020