23. Oktober 2020

Covid-19

Inhalt

  • Übersicht zu SARS-CoV-2
  • Zur Corona Diskussion
  • Systemwirkungen und Covid-19 (Link)
  • Kinderkrankheit
  • Gefahr des Singens
  • Covid-19 im Süden
  • ÖGD stärken
  • Angst machen (Link)
  • Dicke Luft (Rauchen, Smog)
  • Selber-denken
  • Die Krise ist komplex
  • Zurück zum Bundes-Seuchengesetz?
  • Historischer Pandemie-Krimi
  • Pandemische Panik

Hinweis auf Aktualisierungen:
aufgrund des Umfangs einflutender Information
subjektiv, lückenhaft und begrenzt

Links

Covid-19 (Sars-CoV-2)

«Es ist an der Zeit, die Verengung der Debatte auf die medizinischen Folgen von Covid-19 zu beenden. Die sozialen und wirtschaftlichen Nebenwirkungen der Pandemiebekämpfung sind gravierend … Millionen von Menschen sind arbeitslos geworden und haben nicht genug Geld, um ihre Familien zu ernähren, trotz der Billionen an staatlichen Anreizen, die dazu beigetragen haben, globale Aktien auf ein Allzeithoch zu bringen.», Gabor Steingart , Morning Briefing 01.09.2020.

Mir interessant erscheinende Publikationen vom 01.09. bis 25.10.2020

Web-Siten, die regelmäßig aktualisiert werden

Über die Tagesaktualität hinaus bleibend interessant

Seit 30.08.2020 nicht mehr regelmäßig aktualisiert

„Von außen betrachtet würde ich sagen: Die Menschheit hat die Corona-Krise verdient. Bedauerlicherweise stecke ich mittendrin.“ Ansteckende Kartoons, Bremen Vegesack, Juni 2020

Real-Satire – zum Kotzen komisch: Lois Hechenblaikner, Ischgl, Verlag Steidl, ISBN 978-3-95829-790-6

„Eine Zeit nach Corona“ wird es nicht geben.

Wir werden mit dem Virus leben müssen.

Menschen und Gesellschaften lernen erfahrungsgemäß nur aus großen Krisen und Katastrophen, sich „grundsätzlich“ anders zu verhalten. Daher ist für mich (trotz aller Sorgen) die größte und interessanteste Frage, ob sich Chancen ergeben könnten, dass sich mehr Menschen anders, verhalten könnten, d.h. für das Leben auf der Erdoberfläche nützlicher.

Die folgenschwerste globale Krise seit 1945

Der internationale Währungs-Fond (IMF) beschreibt die ökonomische Krise 2020 als die schlimmste seit der Großen Depression des 2020 Jahrhunderts (IMF Blog 14.04.2020, NYT 24.06.2020) Verursacht sei sie durch die SARS-CoV-2-Pandemie. Allerdings sagte der IMF die drohende weltweite Rezession bereits im Oktober 2019, und in noch deutlicherer Form im Februar 2019 voraus:

„In Anbetracht der prekären Aussichten und der großen
Abwärtsrisiken, sollte die Finanzpolitik eine aktivere Rolle spielen,
insbesondere dort, wo der Spielraum für eine Lockerung der Geldpolitik
begrenzt ist.“ IMF Okt 2019 „Die Zentralbanken der Welt verschwenden knappe Munition in dem Versuch, politische Fehler auszugleichen, die die Weltwirtschaft in ihrer schwächsten Phase seit der tiefen Rezession vor zehn Jahren hinterlassen haben, warnte der Internationale Währungsfonds.“ The Guardian Okt. 2019 „Die Abwärtsrisiken für die Aussichten dominieren weiterhin. Die Risiken sind nach wie vor nach unten verzerrt.“ IMF Feb. 2020

Das Herunterfahren nationaler Wirtschaftssysteme (Lock down) geschah angesichts einer unübersehbaren, unaufhaltsamen, gigantischen, globalen Rezession. Die Quarantänemaßnahmen beschleunigten die Krise. Und sie führten zu einer erheblichen Umverteilung von Wirtschaftsvermögen. Wenige Personen und Konzerne (uva. Amazon) konnten ihre bereits immensen Vermögen vermehren. Die meisten Menschen, vor allem die, die ohnehin am Rand wirtschaftlicher Existenz stehen, sind vom Abgrund bedroht.

Die Virus-Pandemie war und ist eine wichtige Begleiterscheinung der Jahrhundert-Rezession. Die Ursache der Krise war sie nicht.

„Das westliche System wird sich als ebenso autoritär erweisen wie das chinesische. … Wir tun zehnmal zu viel, um uns nicht der Nachlässigkeit bezichtigen zu lassen. Und es ist nicht das Chaos, das aus dieser Krankheit entsteht, sondern, auf eine sehr antiliberale Weise, der Geist der wiedergefundenen Ordnung. Sloterdijk, LePoint 18.03.2020

Medizinische Aspekte der Krise

Diskussionen um die Bedeutung und die Gefährlichkeit des Virus, den Nutzen und die Risiken von Quarantäne-Maßnahmen und ihre Langzeit-Folgen waren seit Beginn der Pandemie vermint. Während die Wirtschaften absacken, schien man froh gewesen zu sein einen Schuldigen zu finden. Macron rief „Nous somes en guerre“, und schon saßen die lästigen Gelb-Westen angst-verstört im Home-Office. Wissenschaftliche Ansichten, die diese Sicht der Dinge nicht stützten, wurde ausgegrenzt. Politische Interessen, Macht-Gehabe, Strategien der Panikauslösung, ökonomische Marktdynamik, quasi-religiöse Mehrheits-Meinungen vermischten sich in den Medien zu einer merkwürdigen Atmosphäre, die wissenschaftliches Kommunizieren erschwerte.

Vieles verstehe ich nicht

Im November 2019 hatte ich in einem Leserbrief vor der Überschätzung der „Grippe“-Impfung: Sie sei nur relativ schwach gegen Influenza-Viren wirksam, die nur ein Viertel der Grippeviren ausmachen. Die anderen Nicht-Influenza-Viren, die jedes Jahr im Rahmen der Grippe übertragen werden, seien keineswegs harmloser. Besonders für gefährdete Menschen sei es wichtig, sich gesund zu verhalten. Aber im Rahmen der Impfstoffvermarktung „gegen Grippe“ war damals für solche Botschaften kein Platz.

Dieses Bild hat ein leeres Alt-Attribut. Der Dateiname ist grippe-kranke.jpg
Broschüre gegen die „Grippe“-Impfung 2019

Der Ausbruch eines untypischen Coronavirus in Wuhan überraschte mich nicht. Ich fühlte mich eher bestätigt, und hoffte die Überschätzung der Influenzaimpfung würde dadurch relativiert werden.

Als ich zum Unterrichten Anfang Februar 2020 nach Laos reiste, fühlte ich mich nicht bedroht. Obwohl Laos dicht an China liegt und mit seinem Nachbarn wirtschaftlich und politisch eng verwoben ist.

Aber ich kannte die erhöhten Sterblichkeitsraten an Lungen-Erkrankungen in Megastädten, die durch hohe Schadstoffkonzentrationen in der Luft verursacht werden. Auch China war und ist davon betroffen, und besonders stark die Megastadt Wuhan. Ähnliches gilt für die Lombardei und Megastädte in Lateinamerika. In Laos dagegen war die Luftqualität, sogar in der Hauptstadt, relativ gut.

Ende Februar erklärte man mir im Gesundheitsministerium in Vientiane, man werde angesichts der bevorstehenden Pandemie im Wesentlichen das tue, was bei Grippewellen eben getan werden müsse: beruhigende, angst-nehmende Patientenaufklärung, Verbesserung der Hygiene und Durchführung allgemeiner Vorsichtsmaßnahmen. Man habe viele andere Gesundheitsprobleme und das Krankenhaussystem biete nicht viel. Mir kam diese Strategie sehr rational vor. Und sie war offenbar erfolgreich (JHU 25.06.: Keine Todesfälle in Laos, Vietnam und Kambodscha, und nur sehr wenige im übrigen Südostasien – und das ohne Lock down).

Hebamme in Laos. Bild: Jäger, Februar 2020

Die Absperrung der Millionenstadt Wuhan durch die chinesische Staatsführung interpretierte ich im Februar als bewusste Überreaktion zur Durchsetzung von Sekundärinteressen: Zur Erreichung der absoluten Kontrolle der Bevölkerung im Rahmen der neo-konfuzianischen Staatsideologie.

Eine vergleichbar wahnhafte Übersteigerung eines relativ begrenzten Risikos in Europa hätte ich mir Anfang März noch nicht vorstellen können. Denn bei allen Gefahren-Situationen (in der Luft- oder Seefahrt, in der Industrie und natürlich auch im öffentlichen Gesundheitsdienst) ist es immer als erstes notwendig, eine Panik zu verhindern.

Am Anfang jeder Epidemie wird daher (wie bei dem Ausbruch eines Feuers) normalerweise dafür gesorgt Ängste zu besänftigen. Denn nur dann sind Menschen für rationale Präventions-Botschaften erreichbar.

Es sei denn, man möchte von anderen größeren Ereignissen ablenken. Etwa so wie ein Pilot, der, einem Triebwerkschaden entdeckt, und die Passagiere bittet, wegen Gewitter-Turbulenzen ihre Plätze einzunehmen und sich anzuschnallen.

Bericht über den Verlauf von Atemwegsinfektionen im Jahresvergleich.
RKI Influenzabericht 24. KW, abgerufen am 24.06.2020 – akuelle Version siehe https://grippeweb.rki.de – und https://influenza.rki.de/Wochenberichte/2019_2020/2020-36.pdf
Aus den Daten der AGI lies sich hinsischtlich der Grippe Saison nichts besonderes ableiten. s. auch: „Das Schweigen der Viren“ Multipolar 21.06.2020

Seit Beginn der HIV/AIDS Epidemie wurde gut untersucht, dass Angstbotschaften nur kurzfristig (zudem oft unsinnige) Verhaltensänderungen bewirken. (Projet SIDA 1987-91)

Angstauslösung ist nur kurzfristig wirksam, und daher im Marketing und in der rein-kommerziell-orientierten Medizin beliebt. Langfristig wird, das was Angst erzeugt, aber verdrängt. Angst ist daher eine ungünstige Strategie um intelligente Verhaltensänderungen zu bewirken. Die Erfahrungen u.a. mit der relativ schwachen Grippewelle 2009 zeigen zudem, das übersteigerte Maßnahmen mehr schaden als nutzen.(Schweinegrippe 2009)

Als jemand, der einige Epidemien beruflich begleitet hat, verblüffte mich, dass (angesichts eines bis dahin unklaren Risikos) nur „der eine“ Faktor „Virus“ thematisiert wurde.

Denn diese Sicht stammt aus der Seuchen-Medizin des 19. Jahrhunderts. Im 21. Jahrhundert gehört es eigentlich zum Allgemeinwissen, das alles Leben (Bakterien, Zellen, Viren, …) in Ökosystemen wechselwirkt und daraus besteht. (Mikrobiom). Krankheit ist also nicht Folge der Einwirkung eines Einzelfaktors, sondern eine System-Störung, an der viele Beziehungen beteiligt sind. Und nicht das Ergebnis eines einzelnen Faktors, dessen Vorhandensein mit einem Test nachgewiesen werden kann oder nicht.

Begleitfaktoren und Wechselwirkungen, die eine Infektionsübertragung begünstigen oder zu einem schwereren Krankheitsverlauf führen, schienen nur sehr wenige zu interessieren.

Es wurden nicht (wie bei Epidemien sonst üblich) alle erfahrenen Wissenschaftler*innen (Virologie, Epidemiologie, Public Health, Mikrobiologie, …) eingeladen, um an einem gemeinsamen, fruchtbaren Diskurs teilzunehmen. Erfahrungsgemäß sind bei solchen Treffen gerade kreative Minderheitenmeinungen wichtig, da gerade Fragen (und nicht alte Antworten) neues wissenschaftliches Denken anregen.

Erstaunlich war auch, dass die massiven, gesellschaftlichen Interventionen (angesichts einer schon beginnenden globalen Rezession) nicht durch wissenschaftliche Forschung begleitet wurden;

und dass sich die Gesundheitsbehörden überwiegend auf mehr oder weniger zufällige Teststrategien und Meldezahlen bezogen. Und aus dem Vorhandensein eines positiven Testresultates auf einen ursächlichen Zusammenhang schlossen. Statt von Beginn der Epidemie an, systematische bevölkerungsbezogene Studien durchzuführen.

Außerdem wurden Maßnahmen getroffen, die aus wissenschaftlicher Sicht keinen Sinn machen, sondern höchstens ein gewisses Maß an Angst aufrechterhalten. Zum Beispiel das Tragen von Masken außerhalb medizinischer Einrichtungen. Für die Virusübertragung hat das keine Bedeutung. Vielleicht mag es die Toleranz gegenüber einer „Neuen Normalität“ erhöhen, bis ein Mittel der Angstlösung zum Verkauf angeboten wird.

Unverständlich ist mir auch, dass als Lösung der jetzigen Krise überwiegend von der Herstellung und Verteilung eines Impfstoffes geredet wird. Der aber wird vielleicht (zumindest als sicheres Produkt) genauso wenig kommen, wie ein Impfstoff gegen HIV. Es wurde und wird kaum thematisiert, was weiter möglich wäre: Rauchprävention (Verbot der Tabakwerbung), Reinhaltung der Luft (insbesondere in Großstädten), Klimaschutz, gesundheitsförderliches Verhalten (insbesondere bei Kindern, Kranken, und älteren Menschen).

Finanzmittel wurden ausschließlich für virologische, produktbezogene Forschung und Vermarktung zur Verfügung gestellt, aber kaum für die wissenschaftliche Untersuchung der Kollateralschäden, die durch die Quarantäne-Maßnahmen ausgelöst wurden.

Die Covid19-Pandemie hat eine Dynamik gesamtgesellschaftlicher, globaler Veränderungen angestoßen. Das Gesundheitssystem, die Kapital- und Finanzordnung, die nationalen Rechtssysteme und die internationalen Beziehung zwischen den Staaten werden nach der Pandemie radikal anders sein als vorher. Ein Virus hat diese Veränderung aber sicher nicht hervorgerufen.

Denn ein Virus kann nichts „tun“. Es sind die Handlungen eines Immunsystems oder einer Gesellschaft die Schaden anrichten, besonders dann wenn die betroffenen System ohnehin kränkeln. Viren können daher auch als Symptom betrachtet werden, sie bringen manchmal „ein Fass zum überlaufen“, oder sie sind ein Katalysator, der etwas beschleunigt, was ohnehin bereits begann (u.v.a. Algorithmen-gesteuerte Krankheitsversorgung, Medikalisierung des Lebens, Krankenhaus – und Praxen-sterben).

Zum Virus: Was ist zurzeit relativ sicher?

Covid-19 ist eine Erkrankung mit einem Coronavirus, das bis Anfang 2020 noch nicht durch Labortests beobachtet worden war. Im Gemisch der jährlichen Grippeviren kommen vier andere Coronaviren vor. Diese Viren werden aber von dem SARS-CoV-2-typischen Test nicht erkannt.

Die ersten Meldungen über ein bis dahin nicht beobachtetes Corona-Virus erfolgten im Dezember 2019 Wuhan. Ende März wurde publiziert, dass eine Variante von SARS-CoV-2 in Italien einige Monate vorher übertragen worden sein könnte (Chirumbolo 2020, Zehender 2020) Die ersten Fälle in Frankreich und in Italien liegen im Dezember 2019, deutlich vor dem Ausbruch in Wuhan (BBC 05.05.2020, FAZ 19.06.2020).

SARS-CoV-2 ist vermutlich tierischen Ursprungs (Decaro 2020), aber relativ menschen-typisch. Das Virus wurde aber auch nach Beginn der Epidemie bei verschiedenen Tieren nachgewiesen (Mahdy 2020). Es wird also nicht nur „grippeartig“ von Mensch zu Mensch übertragen, sondern ggf. auch durch Schlachtvieh oder Medizinprodukte, die tierische Zellen verwenden (OIE 2020). Daher sind in diesen Bereichen besondere Hygiene- und Sicherheitsmaßnahmen erforderlich. Insbesondere gilt das für in Krankenhäusern. Denn dort werden Patient*innen besonders leicht mit SARS-CoV-2 infiziert, oder, falls sie bereits Covid-19 erkrankt sind, weiter mit krankenhaus-typischen Infektionen konfrontiert.

Im Vordergrund der Symptome von Covid-19 stehen meist Husten, Kopfschmerzen, Fieber, Schüttelfrost. Es wurde auch von Durchfällen und einem vorübergehenden Verlust des Geruchssinnes berichtet. Bei wenigen Patient*innen kann sich eine Lungenentzündung entwickeln. Die Inkubationszeit liegt im Mittel bei fünf bis sechs Tagen. Theoretisch können bereits vor Ausbruch erster Beschwerden infizierte Menschen Kontaktpersonen anstecken. Asymptomatische Personen übertragen Covid-19 ( nach Ansicht der WHO) allerdings nur sehr selten. (van Kerkhove 08.6.2020, WHO, head emerging diseases and zoonosis unit)

Von Ort zu Ort werden extrem unterschiedliche Infektionszahlen von SARS-CoV-2 gemeldet (JHU 13.06.2020):

  • Niedrig u.a. in China außerhalb von Wuhan (inkl. Taiwan), ebenso in Laos, Vietnam, Thailand, und im pazifischen Raum, unabhängig davon, was diese Länder zur Eindämmung taten.
  • Relativ niedrig auch in Süd-Korea und Japan u.a.
  • Sehr hoch in Italien (Lombardei), Spanien (Madrid), Belgien, USA (New York), Brasilien (Sao Paulo, Rio de Janeiro) uva.

Die Sterblichkeitsraten bei positiven SARS-CoV-2-Testnachweis wurden in China im Februar bei 0,04-0,12% eingeschätzt, und liegen weltweit etwa bei 0,02-0,78 % (Mittel: 0,2%) (Ioannides: The infection fatality rate of COVID-19, 08.06.2020, SWPRS 12.06.2020).

Ein Wissenschaftler der Universität Antwerpen beschrieb im Juni 2020 unterschiedliche Aspekte der Epidemie aus epidemiologischer Sicht. Sein Versuchen eine Case Fatality Rate (Sterblichkeit bei Erkrankung) zu bestimmen (2-3%?) war nicht einfach. Denn sie bezieht sich auf Falldefinitionen, die sich örtlich deutlich unterscheiden. Selbst die WHO Definition ist nicht eindeutig. Die PCR-Teste weisen aktives oder bereits abgestorbenes Virusmaterial nach. Die Spezifität soll je nach Testsystem bei 99-98% liegen. Fällt also bei einem Sterbenden oder Toten ein CoV-Test positiv aus (was in die Fallsterblichkeit / CFR eingeht) kann das vieles bedeuten:

  • falsch positives Testresultat (~1500 / 100000)
  • tote Virusreste nach einer abgelaufenen Infektion
  • zufälliges Zusammentreffen (Koinzidenz) zweier Ereignisse: Todesfall / Testergebnis (ähnlich wäre ein Nachweis antibiotika-resistenter Bakterien)
  • Teil einer atemwegsrelevanten Mischinfektion (mit H-CoV, Influenza-Viren, RSV, nosokomialen Bakterien uva …)
  • der letzte Kick (der letzte Tropfen) der ein aus vielen Gründen instabiles System endgültig destabilisiert
  • Infektion mit SARS-CoV-2, die  ursächlich und allein zum Tod geführt hat. Was kann man also (überwiegend auf der Basis von Meldedaten) über eine ursächlich-kausale CFR sagen?
Dieses Bild hat ein leeres Alt-Attribut. Der Dateiname ist ILI-US-2020.png
Economist-Artikel vom 11.04. (freie Übersetzung): Influenza ähnliche Erkrankungen (ILI) ohne Influenza-Viren sind in den USA stark angestiegen ist. Der Anstieg hat das gleiche geographische Muster wie bei den Covid-19-Fällen … Insgesamt übertraf die geschätzte ILI-Grippe ohne Influenza vom 8. bis 28. März eine historische Grundlinie um 23 Millionen Fälle – das ist das 200-fache der Anzahl positiver Covid-19-Tests in diesem Zeitraum. Dies könnte die Ausbreitung von Covid-19 überbewerten, da die ILI-Grippe auch durch andere Viren verursacht wird. Sie könnte auch zu niedrig sein, da Personen mit asymptomatischem oder mildem Covid-19 nicht über einen grippalen Infekt berichten würden. … Covid-19 braucht 20-25 Tage, um Opfer zu töten. Die Publikation rechnet damit, dass sieben Millionen Amerikaner vom 8. bis 14. März infiziert wurden. Offizielle Daten zeigen 7.000 Todesfälle drei Wochen später. Die daraus resultierende Sterblichkeitsrate liegt bei 0,1%, ähnlich wie bei einer Influenza-Grippe. Das ist erstaunlich niedrig, nur ein Zehntel von einigen anderen Schätzungen. Vielleicht ist es einfach falsch, möglicherweise weil die Zahl der Todesopfer zu niedrig angegeben wurde. Vielleicht sind die New Yorker Krankenhäuser aber auch deshalb überfüllt, weil das Virus so ansteckend ist, dass es den Gegenwert eines Jahres an Grippefällen auf eine Woche zusammengepresste.“ Publikation: Silverman J MedRxiv 2020 www.medrxiv.org/content/10.1101/2020.04.01.20050542v1.full.pdf – ergänzender Artikel vom 04.082020: https://reason.com/2020/04/08/mass-antibody-testing-in-this-rural-colorado-county-sheds-light-on-covid-19s-prevalence-and-lethality/

Die z.T. extremen Schwankungen der Infektions-, und auch der Sterblichkeitsraten, können nicht allein durch die Art der Präventionsmaßnahmen erklärt werden. Ist SARS-CoV-2 tatsächlich neu? Ist eine Kreuz-Immunität zwischen menschlichen CoV-Varianten und SARS-CoV ausgeschlossen? Könnte es sein, dass bestimmte Bevölkerungsgruppen (z.B. in Südostasien, uva. auch in Laos) geschützt sind, weil sie bereits zuvor eine Infektion mit diesem oder einem ähnlichen Virus durchgemacht haben.

Spekulation zu Ursprung und Verbreitung in Südostasien

Die Kofaktoren der Covid-19-Infektion sind bisher ungenügend untersucht

Üblicherweise sind Epidemiologen brennend daran interessiert, welche Kofaktoren bei der Übertragung und bei der Krankheitsentwicklung beteiligt sind. Denn nur aus diesem Wissen können Konsequenzen für die Primär und die Sekundärprävention abgeleitet werden.

Örtliche Faktoren und Gegebenheiten erhöhen das Sterblichkeitsrisiko: gesundheitsschädliche Verhältnisse, gesundheitsgefährdendes Verhalten, ambulante und stationäre Fehlbehandlungen (zu frühe Beatmung, Chloroquin & G6PD-Mangel, nosokomiale Infektionen …), Umwelt-Faktoren, die Atmungs- und Immunsystem schädigen (Lombardei: Chirumbolo 2020) (Feinstaub., Stickoxide, Pestizide, Schwermetalle), Medikamente, Qualität primär-ambulanter Versorgung, Antibiotika-Missbrauch, schlechte Behandlungsqualität und fehlende ambulante Versorgung, Ko-infektionen mit anderen Atemwegserregern, Rauchen, Bewegungsmangel, Fehl- und Mangelernährung (Adipositas), Krankenhaus-Infektionen, Fehlbehandlungen (zu frühe Beatmung, Chloroquin & G6PD-Mangel, …), Medikamentenkonsum Suchtverhalten, Berufserkrankungen (Asbestbelastung), Infektionen (Influenza, Dengue ..)   uva.

Auch die Krankheitshäufigkeit und Sterblichkeit, die durch die Maßnahmen zur Bekämpfung von Covid-19 ausgelöst wurden, werden kaum untersucht. Die zum Teil heftigen Interventionen in komplexe gesellschaftliche Zusammenhänge wurde in der Regel ohne Begleitforschung durchgeführt. Obwohl es naheliegend ist, dass bei einer dementen Dame die intensiv vor CoV-2 geschützt wird, geistige und körperlich Anregungen eingeschränkt werden, und so uva. das Risiko für Thrombosen und Embolien steigt.

Die Folgen der Quarantäne-Maßnahmen betreffen psychiatrische Störungen, Verschlechterungen chronischer Erkrankungen, rasante Veränderungen im Gesundheitswesen (u.v.a. Krankenhaus-Sterben), Entwicklungsstörungen bei Kindern uva.

Vorbeugungsmaßnahmen

Sicher ist, dass auch in der Covid19-Epidemie gilt: Wer ohne akute Atemwegsinfektionen durch die Grippesaison kommen möchte, sollte (wie jedes Jahr)

  • sich viel und entspannt bewegen,
  • ausgiebig schlafen,
  • sich gesund ernähren,
  • stress-arm leben,
  • Menschenmassen meiden,
  • sich dem Sonnenlicht aussetzen,
  • Abstand zu Erkrankten halten,
  • auf Handhygiene achten, und
  • nicht rauchen.

Zusätzlich sollten gefährdete und kranke Personen optimal versorgt werden. Dazu gehört insbesondere Bewegungsfreiraum und auch sozialer Kontakt.

Die Wirksamkeit dieser einfachen Verhaltens-Maßnahmen ist unwidersprochen. In den Medien wurden sie, solange es bis Ende 2019 nur um die Vermarktung der „Grippe-Impfung“ ging, selten oder gar nicht erwähnt.

Aussagekraft von Meldezahlen, die nur auf einem PCR-Test beruhen

„Warum die Diskussion um den PCR-Test nicht endet: Sämtliche im Zuge der Corona-Krise beschlossenen Maßnahmen beruhen auf den Ergebnissen eines millionenfach verwendeten PCR-Tests. Zu diesem sind weiterhin wesentliche Fragen offen. Deutlich wird: Während viele Wissenschaftler sauber und transparent arbeiten, werden auf der politischen Ebene einiger der verantwortlichen Institute und Behörden offenbar andere Ziele verfolgt. Die in diesem Artikel zusammengetragenen Informationen bieten reichhaltiges Material für einen Untersuchungsausschuss, dessen Einsetzung zur Klärung des Sachverhalts dringend nötig erscheint.“ Mehr: Mertens Oliver Multipolar 06.06.2020

Bei Angaben zu Sensitivität und Spezifität der in Deutschland verwendeten PCR-Tests halten sich sowohl das Robert Koch-Institut als auch das nationale Konsiliarlabor am Institut für Virologie der Charité bedeckt. Die oft zitierte, nahezu 100-prozentige Sensitivität unter Laborbedingungen dürfte in der Praxis nie erreicht werden, schon weil beim Testen selbst erhebliche Unsicherheitsfaktoren hinzukommen. Schlenger R.: Dtsch Arztebl 2020; 117(24): A-1194 / B-1010

Auch die Aussagekraft von Antikörpertesten ist unsicher. Bei vielen Personen, die eine Infektion sicher durchgemacht haben, verschwinden die Antikörper wieder (SZ 20.07.2020, Spiegel 22.06.2020). Ein Immunitätsausweis macht deshalb sicher keinen Sinn. Ob neutralisierende Antikörper gegen SARS-CoV-2 im Blut mit einer Immunität einhergehen, ist nicht belegt (Eckert N.: Dtsch Arztebl 2020; 117(24): A-1196 / B-1012)

Graphik: Sterblichkeit in Europa seit 2016 bis 24 KW 2020. Quelle: www.euromomo.eu. Im Gegensatz zu Vorjahren kurzer steiler Anstieg und rascher Abfall. Warum? Handelt es sich um ursächlich nur an Covid-19-Verstorben? Oder könnte es auch sein, dass ein Virus Covid-19 einen Anstoß gegeben hat, bei anderen regional vorliegenden Erkrnakungen. Oder wäre es möglich, das örtlich viele „Grippe-Patient*innen“ in Panik (während kurzer Zeit) überlastete Krankenhäuser stürmten, statt wie sonst über Monate verteilt zu kommen? Und, dass sie sich dabei krankenhaustypischen Infektionsrisiken (alle möglichen Grippeviren) und Fehlbehandlungen aussetzten? Oder könnte es auch sein, dass Menschen im gleichen Zeitraum vermehrt aus ganz anderen Gründen (als Covid-19) gestorben sind? Z.B: an Folgen von „Kollateralschäden“ http://inproportion2.talkigy.com/collateral_judgement.html (Beispiel: Thrombose bei älteren Menschen infolge Bewegungsmangel in der Isolation). Und wenn diese Menschen an einer Infektion verstarben, und wenn der PCR-Test positiv für Covid-19 ausfiel: Welchem Erreger-Mix gab ihnen dann  den Rest? Wirklich nur das neue Corona-Virus, oder auch andere influenza-ähnliche Viren oder auch (nosokomiale) Bakterien, zB. nach Intubation?

Graphik www.euromomo.eu 24 KW: In einen Ländern: nichta außergwöhnliches? in anderen eine Zacke. Was macht den Unterschied?

Haben die z.T. drastischen Quarantänemaßnahmen (gesamtgesellschaftlich) zu geringerer oder erhöhter Krankheitslast und Sterblichkeit geführt?

„Mir scheint, es wäre Zeit, einige der hauptsächlichen und komplett falschen Aussagen rund um dieses Virus in der Öffentlichkeit zu kritisieren. Erstens: Es war falsch, zu behaupten, das Virus sei neu.  Zweitens: Noch falscher war es, zu behaupten, es bestünde in der Bevölkerung keine Immunität gegen dieses Virus. Drittens: Es war sozusagen die Krönung der Dummheit, zu behaupten, man könne die Krankheit Covid-19 symptomlos durchmachen oder andere gar ohne Symptome anstecken.“ Mehr: Prof Stadler, 12.06.2020 emeritierter Professor für Immunologie und ehemaliger Direktor des Instituts für Immunologie an der Universität Bern.

Was verursachte die deutliche Übersterblichkeit bei Covid-19-negativen Patient*innen? Covid-19 in proportion: http://inproportion2.talkigy.com/

Welche Auswirkungen hat die soziale Distanzierung?

„Wir haben in Deutschland einen großen Kollateralschaden erzeugt.“ Stephan Sturm, Vorstandsvorsitzender Fresenius, FAZ 16.05.2020

Die „Kollateralschäden“ der „sozialen Distanzierung“ sind bisher ungenügend untersucht, werden sich aber auf die Erkrankungs- und Sterblichkeitsraten vieler anderer Gesundheitsstörungen auswirken, u.a. hinsichtlich

  • psychiatrischer Erkrankungen (Depression, Angst-Panik-Störungen, Suizid-Gedanken),
  • Erkrankungen des Bewegungsapparates,
  • Immunstörungen,
  • Störungen der körperlichen, psychischen und sozial-kommunikativen Stabilität bei älteren Personen mit eingeschränkter Hirnfunktion,
  • Störungen der körperlichen, psychischen und sozial-kommunikativen Entwicklung von Kindern .

Die von der EU freigestellten Mittel zur Covid-19-Forschung sollen an universitäre Institute und Firmen verteilt werden, die z.B. virologische Grundlagenforschung betreiben, und die an der Entwicklung von Tests, Medikamenten und Impfstoffen beteiligt sind. Versorgungsforschung, Pflege­wissenschaft und Public Health werden vernachlässigt.

Psychische Störungen

Anpassungsstörungen, Angsterkrankung, Depression, Traumafolgestörung und auch Suizidalität scheinen aufgrund der Maßnahmen der Covid-19 Pandemie zuzunehmen. „Nach einer initial verringerten Inanspruchnahme aufgrund der Pandemieausrichtung der Versorgungseinrichtunen sowie aufgrund von sozialen Isolationsmaßnahmen ist mit einer langdauernden Phase zunehmender und erst sehr langsam wieder abnehmender Inanspruchnahme des psychiatrischen Versorgungssystems aufgrund direkter oder indirekter psychosozialer Pandemiefolgen zu rechnen.“ (Zielaseck J et al.: psychische Störungen werden zunehmen. Deutsches Ärzteblatt 2020, (117): 310 -312) Ähnlich:

Zur Lage der Kinder:

Stellungnahme ärztlicher Fachgesellschaften, 20.05.2020

Päd.-med. Arbeitsgruppe Witten Herdecke, 11.05.2020

Economist 18.07.2020: Let them lerarn

Zur Lage der chronisch Kranken

Zur Lage in den Pflegeheimen

Gesamteinschätzung

Zur Notwendigkeit von Begleitforschung

Zur Lage in Kliniken:

Zu den Hotspots „Schlachtbetriebe“

Zu sozialer Not

Zur Interpretation der Meßergebnisse

Zur Akzeptanz der Maßnahmen

Warum bleiben so viele SARS-CoV-2 infizierte Menschen gesund?

  • Sind gesunde Infizierte (gegenüber Kontroll-Personen) körperlich anders?
  • Verhalten sie sich anders?
  • Was macht ihr Immunsystem richtig?
  • Welche Faktoren erhöhen oder senken das Risiko der Entwicklung eines schweren Krankheitsverlaufes?
  • Wie können sie präventiv beeinflusst werden?

Subjektive Link-Auswahl

Kommentare

Initiativen zur Untersuchung der Zusammenhänge:

Virolog*innen, Mikrobiolog*innen, Pathologe

Epidemiolog*innen, Biostatistoker*innen, Public Health

Amerikanische Milliardäre sind während der Pandemie um eine halbe Billion reicher geworden, aber auch das ethnische Wohlstandsgefälle ist (in den USA) angewachsen. Rogers: Business-Insider 04.06.2020

Taylor Nicole Rogers Jun 4, 2020

Recht, Gesellschaft, Politik

Corona in Schweden – Bewährt sich Schwedens Sonderweg? Arte 04.05.2020
https://www.arte.tv/de/videos/092187-004-A/re-corona-in-schweden/
Interview Dr.Tegnall 19.05.2020: https://www.youtube.com/watch?v=Biqq34aUJcQ — Interview Dr. Tegnell 23.07.2020 https://www.youtube.com/watch?v=xh9wso6bEAc
Report & Interview Dr. Tegnell 17.08.2020 https://www.youtube.com/watch?v=52VoreS2jzQ

Andreas Moring (FDP): „Erst verteufelt, jetzt die Lösung: Der schwedische Weg soll uns vor Lockdown bewahren“ Fokus 12.08.2020

Covid-19 assoziierte Todesfälle in Schweden bis 26.06.2020
Report 03.06.2020: https://www.euronews.com/2020/06/03/coronavirus-hard-hit-sweden-admits-it-could-have-battled-covid-19-better

Satire

Mehr

Zur Corona-Diskussion

22. Juli 2020

Virus-Übertragungen sind nicht ungewöhnlich. Die SARS-CoV-2-Pandemie aber wird in die Weltgeschichte eingehen.

Üblicherweise werden angesichts einer Epidemie unvollständige Informationen aus möglichst vielen Blickwinkeln betrachtet: ruhig, emotions- und ideologiearm, kompetent, und anderen Wissenschaftler*innen gegenüber respektvoll und zugewandt.

Als erstes muss immer die Bevölkerung und die Politik beruhigt werden. Und auch die Medien sollten mithelfen, dass keine Panik entsteht.

Im Vordergrund wissenschaftlicher Analysen stehen ungeklärte Fragen. Lehrmeinungen, auf vergangenen Ereignissen beruhen, sind nützlich. Sie passen aber möglicherweise nicht genau zur aktuellen Situation, und können nicht einfach in die Gegenwart kopiert werden.

Vorläufige Not-Maßnahmen werden normalerweise so gestaltet, dass sie korrigiert oder rückgängig gemacht werden können. Stabilere Handlungsempfehlungen beruhen dann u.a. auf Studien zur Infektions-Sterblichkeit und zu den Faktoren, die Übertragungen begünstigen oder Infektionsverläufe abmildern oder verschlimmern.

Aktionismus erhöht die Gefahr

Bei der Covid-19-Epidemie verlief vieles anderes als sonst. Positionen wurden rasch als alternativlos bezeichnet. Und es wurde intensiv nach Antworten gesucht, die belegen sollten, dass das, was ohnehin bereits getan wurde, auch richtig und notwendig gewesen sei.

In der allgemeinen Hektik war für neugierig-kritisches Fragen kaum Platz. Stattdessen kämpften „Wahrheiten“ um Aufmerksamkeit in offiziellen und alternativen Medien.

Sanfte Brise auf offenem See. Alle sind brav und tun was sie sollen. Ganz im Sinne von Konfuzius: Denn dem war nicht wichtig, wie es „wirklich ist“, solange das Ritual ausgeführt wurde, also ob es „so sei“. Protestiert wurde hier nur, als jemand sein Gesicht nicht verbergen wollte: Denn, wer das verordnete Ritual ablehne, solle auch nicht Boot fahren. Bild: Jäger 18.07.2020

Was ich in den ersten Monaten der Pandemie am meisten vermisste, war, dass die Behörden das vorhandenes Wissen (zu vergleichbaren Virus-Epidemien), nicht ausreichend berücksichtigten, und dass die Forscher keine Experimente durchführten, die uns sagen konnten, was funktioniert, was nicht funktioniert und was schädlich ist. Peter Gøtzsche 2020

Was war so besonders an der Covid-19-Epidemie?

… Im Vergleich zu den schwer verlaufenden Influenza-Epidemien des letzten Jahrzehntes? Warum konnte Covid-19, lawinenartig, gesellschaftliche Veränderungen auslösen?

Mir erscheint ein Grund besonders plausibel, der keinen virologischen Bezug hat: Seit Oktober 2019 beschleunigte sich die globale Krise des Welt-Wirtschafts und -Finanzsystems. Und diese elemetare System-Katastrophe brauchte dringend einen Namen.

Zugleich triggerte die Epidemie eine Beschleunigung der Konzentrationsprozesse und radikalen Umgestaltungen des weiterhin krisenstabil wachsenden Gesundheits-Marktes. Für die Digitalkonzere und die Hersteller von Produkten erwies sich die Krise als Segen.

Als SARS-CoV-2 Anfang 2020 auftauchte, standen ohnehin dramatische gesellschaftliche Veränderungen an. Diese gesellschaftliche Dynamik erschwerte den wissenschaftlichen Dialog bezüglich des Einzelfaktors „Virus“. Es ging eben nicht nur um Virologie, sondern um umfassendere Zusammenhänge. Die Störungen persönlicher, ökologischer oder gesellschaftlicher Systeme (ihre Anfälligkeit für Krankheit) wurde aber kaum thematisiert.

Der Fokus lag nur bei dem „Virus“, das sich aber bei unterschiedlichen Menschen und in verschiedenen Regionen scheinbar jeweils sehr anders verhielt.

Im “Neuen-Normal“ (mit Corona) ist vieles anders:

In Folge der so genannten „Corona-Krise“ verschlechterte sich die Lage der stationären und ambulanten Versorgung.

Covid-19 triggerte gesellschaftliche Veränderungen, die sich bereits lange vorher entwickelt hatten: u.a. Digitalisierung, Konzentrierung und Kommerzialisierung im Gesundheitsmarkt.

Die Maßnahmen, die die Virus-Verbreitung eindämmen sollten, beschleunigten diese Entwicklungstrends wie Katalysatoren. Zum Beispiel den Übergang von patienten-zentrierter Behandlung („patient centered care“) zu Algorithmen-gesteuertem Patienten-Durchschleusen („patient processing“).

Sprechende, berührende, soziale und beziehungsreiche Medizin verkümmern. Die Qualität psychosomatisch heilsamer Arzt-Patienten-Kommunikation droht eher noch weiter abzunehmen. Gesundheitsziele im Sinne gesunden Verhaltens und gesunder Verhältnisse (Ottawa Charta) scheinen in der Gesundheitspolitik keine wesentliche Rolle mehr zu spielen.


Ottawa Charta: Entwicklung einer gesundheitsfördernden Gesamtpolitik. https://gesundheits.de/gesundheit/ottawa-charta

Dafür rücken Ziele der Gesundheitsmarkt-De-Regulierung in den Vordergrund: hin zu technischen Anwendungen und zu deren staatlich-subventioniertem Verkauf. Der ohnehin mächtige Gesundheitsmarkt, der heute bereits alle Lebensbereiche medikalisiert, wird explosionsartig weiterwachsen wie ein Krebsgeschwür.

Die Entwicklungs- und Bildungschancen bei Kleinkindern verschlechterten sich deutlich. Kindergesundheit (und damit die Zukunftsfähigkeit der Gesellschaft) wird „nach Corona“ noch mehr vernachlässigt als bisher. Allgemein scheint der Trend zu Geringschätzung kreativer menschlicher Bildungskompetenz zuzunehmen (das was „Künstliche Intelligenz“ nicht kann).

Stattdessen wird Bildung und Wissen noch stärker als Wiedergabe dessen aufgefasst werden, was andere bereits gesagt oder aufgeschrieben haben. Daten-Wissen, das jeder Laptop besser beherrscht, wird (z.B. in Prüfungen) höher bewertete, als menschen-typischen Fähigkeiten, wie Zusammenhänge, Beziehungen und Wechselwirkungen zu verstehen.  

Infolge der Covid-19-Maßnahmen wurden zudem die Möglichkeiten und der Anreiz zu körperlicher und geistiger Bewegung eingeschränkt. Besonders bei Kindern und bei kranken Menschen (u.v.a. mit Krebs). Die Trends zur sozialen Vereinsamung wurden verstärkt: psychiatrische Erkrankungen werden daher sicher zunehmen.

Auch die Versorgungsqualität älterer Menschen hat sich verschlechtert, insbesondere die der ambulanten, psycho-sozial-kompetenten Begleitung. Moderne Epidemien wie Adipositas, psychische (Stress-)-Störungen, psychiatrischer Erkrankungen, Antibiotikaresistenz, Suchtverhalten, Immun- und Auto-Immunerkrankungen, Entwicklungsverzögerungen bei Kindern, Diabetes, Mangel an entspannter Bewegung, Mangel an ausreichend Schlaf und gesunder Ernährung … scheinen die Gesundheitspolitik nicht mehr zu interessieren.

Die Krise der globalisierten Welt-Kapital- und Finanzordnung führt absehbar nicht nur zu einer Umschichtung des gesellschaftlichen Reichtums von unten nach oben (mit dem Risiko starker sozialer Verwerfungen). Sondern auch zu einer weiteren Vernachlässigung dringender (menschheits-bedrohender) ökologischer Störungen der Oberfläche unseres Planeten (Meer, Land, Klima).

Die drohende „neu-normale“ finanzblasen-gepowerte Wachstumsideologie könnte möglicherweise zu noch größerer Umweltzerstörung als bisher führen.

Vielleicht steigt auch das Risiko lokaler und internationaler Kriege im Rahmen verschärfter Konfrontationen, u.a. zwischen USA/NATO und Russland und China. Denn bei dem zunehmenden Sinn- und Visions-Verlust krisengeschüttelter Gesellschaften, denen die Wachstumsideologie wegbricht, ist eine Zunahme autokratischer Tendenzen und Demokratieabbau (unter dem Vorwand des „Gesundheits-Schutzes) sehr naheliegend.

Das Verstehen von Systemzusammenhängen, biologischen-physikalischen-ökologischen-soziologischen Wechselwirkungen, Resilienz, Flexibilität, Anpassungsfähigkeit gesunder System-Netzwerke spielt in der Wachstums-Dynamik des Medizinmarktes eine immer geringere Rolle.

Dafür werden einzelne Faktoren von Ursache von Wirkung (monokausal, mechanistisch, reduktionistisch) überhöht („das Virus“), und daraus eine Umkehr des Vorsorgeprinzips („zuerst nicht schaden“) zu Gunsten von Interventionen abgeleitet.

Der österreichische Gesundheitsminister Anschober erklärte am 21.07.2020 zur Maskenpflicht u.a. in Super-Märkten, dass es nicht um Covid ginge, sondern um (Schnupfen)-Rhinoviren und um das virologische „Grundrauschen“ durch andere Erkältungsviren. https://tvthek.orf.at/profile/ZIB-2/1211

Reden über Lösungen führt zu Lösungen (Reden über Probleme erzeugt Probleme)

Die Atmosphäre der Diskussionen und Diskurse zu den Zusammenhängen, die die Menschheit seit Anfang 2020 prägen, ist (immer noch) vergiftet durch Angst, Ärger, Wut.

„… unterschiedlich irre Verschwörungstheoretiker …“ Zitat aus der Bildunterschrift, Süddeutsche Zeitung, Juli 2020

Wissenschaftliche Dialoge werden zudem behindert durch (jeweils alternativlos-dogmatische) „Wahrheiten“, die zu einem intensiven Anpassungsdruck führen.

Der angebliche Sinn des Tragens von Masken außerhalb medizinischer Räume nimmt einen breiten Platz ein. Es wird dagegen kaum thematisiert, wie kleine Kinder vor (noch mehr) Schäden bewahrt werden können, besonders dann, wenn deren Situation ohnehin schon schwierig ist (zerrüttete Familie, soziale Not, Gewalt, Migration …). 

In der öffentlichen Diskussion scheint der Streit ungleich wichtiger zu sein , ob jemand die Influenza-Gefahren wegen der Corona-Risiken verharmlost oder umgekehrt.

Vor dem Hintergrund starker Verunsicherung war Angst normal

… zu Beginn der Epidemie. Ungewöhnlich war nur, dass sie durch Schreckensbilder und Szenarien geschürt wurde.

In Angst wird nach Sicherheit gesucht. Daher sind Ängstliche leicht manipulierbar. Sie können dann keine Fakten abwägen. Deshalb müsste in Gefahr eigentlich die Angst beruhigt werden.

Geschieht das nicht (wie im Verlauf der Covid-19-Epidemie) entwickelt sich nach der Verunsicherung eine ideologische Starre: ein unerschütterlicher Glaube an eine einmal erkannte Wahrheit. Dann ist es nicht mehr nötig über Covid-19 selbst nachzudenken und Fragen zu stellen, weil man seine Antwortbox mit den reinen Wahrheiten gefunden hat.

Das neue Erklärungsmodell muss nur gegen störende Informationen verteidigt werden. Notfalls vehement. Es ist dann belanglos, ob einige Fakten der Theorie widersprechen: Denn das wäre (nach Watzlawik) „umso schlimmer für die Realität“.

Eigentlich ist jedes inbrünstiges Glaubensbekenntnis eine Beleidigung des kritischen Verstandes, aber leider immer wieder sehr mächtig und völlig logik- und erfahrungs-resistenz.

Aggressives, ideologisches, raues Diskussion-Klima

Auf Fakten gegründete Dialoge sind erst dann nützlich, wenn sie auf Neugier basieren. Herrschen dagegen die Gefühle Ärger, Angst, Wut vor, oder ein ideologisch-dogmatisches Ge-Glaube an ein „alternativlos-wahres“ Erklärungsmodell, wird es mühsam.

Ich wünschte mir ruhige, emotions-interessen-ideologie-arme Abwägungen der Entwicklungszusammenhänge, die unsere Welt zurzeit mitreißen. Den Streit um die Bedeutung eines Einzelfaktoren („Virus“) halte ich für vergleichweise banal und unproduktiv.

Menschen die ihre Rest-Angst in Neugier wandeln und den Tunnelblick zu einem Weitblick wandeln wollen, sollten nicht nur auf das Einzelne sehen. Gerade in Gefahr wäre die andere Fähigkeit des menschlichen Gehirns, Gesamtzusammenhänge, Wechselwirkungen und Beziehungen zu verstehen, viel wichtiger als „Erbsenzählen“.

In den Gesprächen zu den Herausforderungen, die sich nach der Corona-Krise entwickeln werden, wünschte ich mir mehr psychologische Grundhaltungen, die Visionen entstehen lassen, zu denen es hinzieht:

Wenn du ein Schiff bauen willst, dann trommle nicht Männer zusammen, um Holz zu beschaffen, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre sie die Sehnsucht nach dem weiten, endlosen Meer. A. Saint Exupery

In der großen Krise der Wachstumsideologie haben wir vergessen, so zu leben, dass wir gesund bleiben. Die Krankheits-Bekämpfung wird übermächtig und die Kunst des guten Lebens (die Salutogenese), schwächelt. Die Welt erscheint immer verworrener, die Möglichkeiten sie zu gestalten nehmen ab und (besonders wichtig): die Sinnhaftigkeit, dessen was getan wird geht verloren.

Es ist an der Zeit, etwas anderes zu tun als nur die Übel zu bekämpfen, die zurzeit so mächtig sind.

Wir könnten uns geistig und körperlich mehr bewegen, denn „Verstehen“ folgt sinnlicher Erfahrung. Wir könnten uns mehr einbringen und gestalten, und wir könnten Visionen ertäumen, wie Homo sapiens sich sinnvoll in das Ökosystem Erde integrieren könnte.

Die Menschheit braucht langfristig nicht noch mehr technische Lösungen. Sie braucht dringend eine Veränderung ihrer Einstellung.

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Literatur und Links

Kinder krank machen!

23. Oktober 2020

Rektorin einer Berliner Grundschule schlägt Alarm: Die Bedingungen nach den Corona-Schliessungen seien «absolut furchtbar» Die Pädagogin erkennt ihre Schüler kaum wieder. Schon unter den Kleinsten gebe es zunehmend Gewalt. Die Eltern würden zu Aggressionen beitragen – und die unterschiedlichen Herkunftsmilieus die Konflikte zusätzlich anheizen.!“ NZZ 13.10.2020

SARS-CoV-2-Infektionen verlaufen bei Kindern meist unbemerkt. Wenn Kinder erkranken, dann fast immer leicht und folgenlos.

Bild aus Cathcart T & Klein D: „Heidegger and a hippo walk through those pearly gates.“ Penguin Books 2010, Seite 200

Tsunamie der Kinderfeindlichkeit

Kinder stehen nicht im Zentrum dieser Pandemie. Aber sie laufen Gefahr, zu ihren größten Opfern zu gehören. UN 15.04.2020

Kinder sind die Hauptleidtragenden der rasanten gesellschaftliche Veränderungen seit März 2020. Man erklärt sie als ein Gefahr für andere, und glaubt ihnen deshalb Maßnahmen aufzwingen zu dürfen, die ihnen schaden. Kinder ab der 5. Klasse werden gezwungen im Unterricht Masken zutragen. Der Nutzen dieses „kleinen Stücks Stoffs vor Mund und Nase“ ist selbst bei Erwachsenen nicht belegt.

Die psychologischen und körperlichen Folgeschäden bei Kindern dürften groß sein: Erzeugung von Angst und Stress, Behinderung der emotionalen, mimischen Kommunikation und der Artikulation insb. bei schüchternen Kindern, Verminderung der Sauerstoffsättigung (besonders bei asthmatischen Kindern), Erhöhung der Kohlendioxid-Rückatmung (Müdigkeit, Konzentrationstsörungen), Behinderung des natürlichen Atemrythmus, Kollaps- und Sturzgefahr bei Hyperventilation, …

„Die Coronavirus-Pandemie hat laut dem Uno-Kinderhilfswerk Unicef 150 Millionen Kinder zusätzlich in die Armut gestürzt. Seit Ausbruch der Pandemie sei die Zahl der in Ländern mit geringen oder mittleren Durchschnittseinkommen in Armut lebenden Kinder um 15 Prozent auf etwa 1,2 Milliarden gestiegen, heisst es in einem Bericht von Unicef und der Hilfsorganisation Save the Children vom Donnerstag 17. 09. Für den Bericht seien Daten unter anderem zu Bildung, Gesundheitssystemen oder Ernährung aus mehr als 70 Ländern ausgewertet worden. Die Organisationen riefen die Regierungen der Welt auf, das Problem mit hoher Priorität anzugehen.“ NZZ 17.09.2020

„Die Pandemie schwächt das unterdurchschnittliche Schulsystem Lateinamerikas noch weiter.“ The Economist 12.09.2020, frei übersetzt: „… Obwohl sich die Rate der Neuinfektionen verlangsamt, sind die meisten Schulen bis auf zwei Länder, Uruguay und Nicaragua, in allen Ländern geschlossen. … Mehr als 95% der 150 Millionen Schüler der Region bleiben zu Hause. … Das Lebenszeiteinkommen pro Schüler könnte um mehr als 15.000 Dollar sinken. … Der Anteil derer, die die Leistungsstandards in Lesen und Mathematik nicht erfüllen, könnte von 53% auf 68% steigen.“

Besonders hart trifft es Kinder mit ohnehin schlechten Startchancen.

… Die Hälfte der Flüchtlingskinder der Welt muss die Schule verlassen. Coronavirus: a dire threat to refugee education – half of the world’s refugee children out of school UNHCR August 2020

https://www.youtube.com/watch?v=oXuFN7WpuT4&feature=emb_logo
Prof. Dr. Wieland Kiess: Lockdown-Studie in Schulen in Sachsen, August 2020. Weitere Informationen zur Kindergesundheit: Verschlechtertung der psychischen und psychosomatischen Gesundheit von Kindern, insb. bei sozial schwachen: COPSY-Studie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) – (NDR 10.07.2020, KMA online 10.07.2020) – Stellungnahme ärztlicher Fachgesellschaften, 20.05.2020Päd. Arbeitsgruppe Witten Herdecke, 11.05.2020Economist 18.07.2020: Let them learn

Kinder sind keine Brandbeschleuniger des Infektionsgeschehens

Es wird vermutet, dass Kinder eine robustere, frühe, angeborene Immunantwort gegen das Virus haben, die sie vor dem Fortschreiten zu einer schweren Lungenerkrankung schützen könnte.Yale News 21.09.2020

Erwachsene sind fast zehnmal häufiger asymptomatische Träger von COVID-19 als Kindern (Milani 2020). Etwas mehr als 1% der Kinder, die keine äußeren Anzeichen oder Symptome einer Infektion aufwiesen, seien positiv auf das Virus getestet worden, nachdem sie aus anderen Gründen in ein Krankenhaus in Mailand eingeliefert wurden. Umgekehrt wurde bei etwas mehr als 9% der asymptomatischen Erwachsenen festgestellt, dass sie COVID-19 hatten. (Milani G et al. Frequency of children vs adults carrying (SARS-Cov 2) asymptomatically, JAMA Pediatrics 14.09.2020)

Das geringere Risiko: „Lange Zeit ohne Schule ist eine Katastrophe für Kinder wie für ihre Familie.“ …“Man kann nicht jedes Kind, das niest oder hustet, für 14 Tage zu Hause lassen“ Bartens W. SZ 28.09.2020

Schulaufgabe 6. Klasse

Gesunde Kinder sind fröhlich

Der Verfasser eines Standard-Lehrbuches der Kinderheilkunde (Harnack) hielt Fröhlichkeit und unbekümmertes Spielen für die sichersten Zeichen kindlicher Gesundheit. Der Medizinsoziologe Antonowsky ergänzte, Kinder müssten die Chance erhalten, ein starkes Gefühl für Stimmigkeit entwickeln zu können.

Das vermittle ihnen als Erwachsene die Zuversicht, Anforderungen zu verstehen, zu beeinflussen und sinnvoll zu gestalten. Physiker*innen und Biolog*innen beschreiben heute wie körperliche, geistige und soziale Entwicklung untrennbar miteinander verwoben sind (Wolpert 2019, Fuchs 2017). Um zu gedeihen, müssen Kinder deshalb spielen, singen, sprechen, juchzen, singen, lauschen, raufen, rennen, schnüffeln, riechen, schmecken, schlecken, springen, tanzen, hüpfen, und so ihre Umwelt gestalten und prägen.

Um ihr Lebenspotential voll auszuschöpfen, brauchen sie vor allem Liebe, Sicherheit und Geborgenheit. In diesem Schutz können sie aus sich herauswachsen und sich voll entfalten.

Man muss Kinder nicht drillen und zwingen, damit sie sich zu gesunden Erwachsenen entwickeln. Genauso wenig wie es nötig ist, an Grashalmen zu ziehen, damit sie aus-sprossen.

Stattdessen sollte man Kinder lassen, schützen und fördern: durch emotionaler Austausch, Begeisterung, Bewegung, Beziehung, Spaß, Sicherung ihrer Unversehrtheit, Erfüllung ihrer Grundbedarfe, Kreativität, (auch riskante) Herausforderungen, gesunde Ernährung, unvergiftete Umwelt, freies Atmen, Lebenslust, Interesse und Neugier.

Lebendige Kinder in Tansania: Arm an Plastikspielzeug, aber reich an Erfahrung. (Bild Jäger 1983)

Heute stehen Ordnungsrituale im Zentrum der Aufmerksamkeit, die Kindergesundheit bewirken sollen, indem sie kleine fröhlich-kreativ-chaotische Menschen zu digital angepassten Einzelwesen erziehen.

Arbeitsanweisung zur Traumatisierung von Kindern (zugeleitet aus dem Landkreis Stotternheim bei Erfurt, August 2020). Vom Inhalt her ähnlich gruselig, wenn auch vom Ton moderater: Gesamtschule Kierspe 10.08.2020.

Masken, die Kindern aufgezwungen werden, erschweren es ihnen Emotionen zu erkennen und ihnen Ausdruck zu verleihen. Stattdessen erleben sie eine Welt zahlloser, unsichtbarer Gefahren. Ganz wie im Mittelalter, als man Kinder vor Geistern oder dem bösen Blick durch Amulette und anderen Hokuspokus zu schützen suchte.

In vielen Kulturen schützt man sich gegen unsichtbare Risiken durch Geisterhäuschen, Markierungen, Amulette, Geister-Zeremonien, rituelle Tänze uva. … Krankheitserreger gelten dann als Werkzeuge böser Geister, die man versöhnen oder bannen muss.

Immer schneller verprassen Erwachsene in den letzten Jahrzehnten die Lebens-Ressourcen ihrer Kinder. Indem sie die Luft, die Böden und das Wasser „nachhaltig“ verdrecken. Trotzdem erwarten die Alten selbstverständlich, dass die heutigen, zunehmend bedrohten Jungen ihre Rente bezahlen werden.

Seit August 2020 werden außerdem von Kinder bevölkerungspolitische Pflichten verlangt, die sich direkt gegen deren Interessen richten: Sie sollen sich sowohl gegen Influenza und zusätzlich gegen Corona impfen lassen. Das verlangen Gesundheitspolitiker, der Präsident der Bundesärztekammer und der Verband der deutschen Kinderärzte (Welt a.s. 30.08.2020)

Mit Schniefnase in die Kita? Noch können Kinder draußen spielen. Aber was tun die Erzieher, wenn der Winter da ist? … „Wir leben mit einem hohen Risiko.“ … „Corona-Infektion und Influenza sind im Einzelfall schwer zu unterschieden.“ … „Daher wünschen wir uns eine hohe Grippeimpfquote …“ Welt am Sonntag, 30.08.2020„Streitfall Schniefnasen: Gewerkschaften und träger sind skeptisch, ob in den Kitas ein regulärer Betrieb lange aufrechterhalten werden kann.“ … „Für die GEW ist der Arbeitschutz nicht gewährleistet, wenn verschnupfte, hustende Kinder ohne Coronatest in die Kita gebracht werden …“ Süddeutsche Zeitung, 31.08.2020„Unterricht in Bayern nur mit Maske“ Süddeutsche Zeitung 01.09.2020

Grippe-Infektionen (ob durch Corona-, Influenza, Schnupfen- oder andere Viren) richten bei gesunden Kindern keinen Schaden an. Deshalb sind die Risiken (ggf. unausgereifter) Medizin-Produkte natürlich höher, als ein (marginal denkbarer oder fehlender) Nutzen.

Kinder brauchen Liebe, Sicherheit und Geborgenheit

Um sich zu entwickeln müssen Kinder etwas mit allen Sinnen erleben, erleben, empfinden, manipulieren und ausprobieren und daraus eine Theorie ableiten („ein Ball!“) – Erst dann, nach langem Üben, werden sie Bälle fangen können. Weile es ihnen allmählich gelingt, ihre Erfahrungen mit der unmittelbaren (reichlich unscharfen) direkten Sinneswahrnehmung abzugleichen.

Hocken sie dagegen desinfiziert und bewegungslos vor ihrem Bildschirm, und hören eine Computerstimme, die ihnen alles erklärt, was man zu Ballspielen alles wissen muss, werden sie mit realen Bällen nicht weit kommen.

Die Tatsache, dass heute schon viele Kinder nicht mehr rückwärts-gehen und nicht mehr hüpfen können, ist nicht nur ein Anzeichen für ein Bewegungsdefizit, sondern auch für eine dramatische Entwicklungs-hemmung des Gehirns. Durch den Zwang in die Covid-19-Isolation werden die Trends kindlicher Rück- und Fehlentwicklungen weiter drastisch zunehmen.

Was macht Kinder gesund?

  • Eine störungsfreie Schwangerschaft, insbesondere während der Periode der Hirnfaltung im letzten Drittel der Schwangerschaft (Epigenetik)
  • Eine intensive Mutter-Kind Bindung und das Stillen in den ersten Lebensmonaten (Prägung des Immunsystems, der Stressbewältigung und Ausbildung der Grundlage für Gefühle)
  • Einer geschützte Frühkindheit, in der sich Kinder gemäß ihrem Potenzial störungsfrei entwickeln können.

Covid-19-Strategien schaden der Kindergesundheit

Unsere Kinder sind durch die Maßnahmen zur Eindämmung viraler Bedrohungen bedroht. Ihre Lobby ist schwach.

Die Zukunft der Menschheit ist nicht nur durch die Erwärmung der Atmosphäre, sondern auch durch das kinder-feindliche, soziale Klima bedroht.

Eingepfercht in Plastikkäfige und versorgt mit Plastik. Die Menschheit gräbt sich gerade ihre Zukunft ab. Guardian Weekly vom 21.08.2020

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Covid-19: Die Gefahr des Singens

19. Mai 2020

Menschen unterscheiden sich von anderen Tieren …

… insbesondere durch die Fähigkeit zur sozialen Kommunikation. Wir sind „Zur Liebe fähige Tiere“ (Humberto Maturana).

Die Gemeinschaft mit anderen Menschen vermittelt uns Sicherheit. Wird der Grundbedarf Geborgenheit nicht erfüllt, entwickeln sich früher oder später Störungen und Krankheiten.

Wir kommunizieren durch

  • Körperlichen Ausdruck
  • Gestik und Berührung (besonders mit der Hand)
  • Mimik und Spiegeln der Mimik
  • Stimmbildung und auf Stimmen zuhören
  • Gemeinsam sprechen und singen.

„Die Gefahren des Singens werden überschätzt!“ (Faz.net 10.07.2020)

Ausdrucksvolle, unverstellte, international schlagartig-verständliche Mimik. Piraha 2016: https://www.youtube.com/watch?v=SHv3-U9VPAs – Mehr zu Piraha: https://daneverettbooks.com/

Unsere Möglichkeiten, mit anderen in eine direkte Verbindung zu treten, sind seit der Covid-19-Pandemie eingeschränkt. Menschen, die sich nach Beziehung und Verbindung sehnen, werden in die soziale Distanz gezwungen. Das (kulturell bei uns so wichtige) Händeschütteln ist untersagt. Umarmungen sind riskant und sollten unterbleiben. Die Mimik wird hinter Masken verborgen. Gefühle, die Basis emotionaler Intelligenz, werden nur eingeschränkt wahrgenommen und gespiegelt.

Wo man singt, da lass dich ruhig nieder,
böse Menschen haben keinen Lieder.
Johann Gottfried Seume

Singen gilt als besonders gefährlich. Warum eigentlich?

Einige Politiker*innen reden davon, Singen in Chören solle erst als eine der letzten „Lockerungs-Übungen“ wieder erlaubt werden. In einigen Jahren vielleicht? Wird dieser massive kulturelle Eingriff bei Kindern bis dahin bleibende Verhaltensänderungen ausgelöst haben?

Beim Singen bestehe eine größere Gefahr Viren zu übertragen, als beim Sprechen oder beim Händeschütteln. Scheinbar belegt wird diese Annahme durch einen Ausbruch von Covid-19 Infektionen in einem amerikanischen Chor. (Hammer 2020) Allerdings konnte in dieser Studie nicht nachgewiesen werden, ob die Virusübertragung tatsächlich während des Singens und nicht im Rahmen anderer sozialer Kontakte stattfand.

Viren wie SARS-CoV-2 können in der Atemluft durch Tropfen (größer 5µm) oder durch Aerosole (kleiner 5 µm) übertragen werden. Aerosole schweben länger in der Luft und verteilen sich in schlecht belüfteten Räumen. Sie werden auch durch Klimaanlagen übertragen, während Tropfen meist innerhalb von 1,5-2 Metern zu Boden fallen und vertrocknen.

Humspeech: Eine Urform des Singens. Großmutter und Enkel: ganz ohne Mundschutz. Der Mund ist am Oberkiefer aufgesetzt: Die Lautgebung erreicht direkt über die Knochenleitung das Mittelohr. Dort wird ein Reflexbogen ausgelöst. Der bewirkt tiefe Beruhigung. Kinder die ein solches Intensiv-Training genossen haben, brauchen nichts zu fürchten. Denn sie können später, den stark gebahnten, Beruhigungs-Reflex selber triggern. Vielleicht wird dabei dann auch ein wenig vor sich hingebrummt, wenn man dem Leoparden gegenüber steht. Piraha 2016: https://www.youtube.com/watch?v=baf2fDD2pI4 – Mehr zu Piraha: https://daneverettbooks.com/

Das Virus SARS-CoV-2 stirb außerhalb von Menschen oder Tieren schnell ab. Allein wegen SARS-CoV-2 ist, im Gegensatz zu multiresistenten Bakterien, eigentlich keine Raumdesinfektion erforderlich. Auch die Kontamination an einer Türklinke ist theoretisch nur möglich, wenn diese von einem Infizierten mit voll-geniester Hand berührt würde, Sekunden später von einer anderen Person und diese sich dann unmittelbar darauf die Augen reiben oder den Finger zum Mund führen würde.

Eine Tröpfcheninfektion mit SARS-CoV-2 ist also bei entsprechenden Abstandsregeln nicht wahrscheinlich. Aerosole könnten zwar im Luftraum weitergetragen werden, aber sie entstehen in tieferen Lungenpartien, z.B. bei Kranken, die heftig husten.

Viele Menschen könnten aber infiziert sein und keine Krankheitserscheinungen zeigen, während sie Viren im Mund-Rachen-Raum ausscheiden. (Wölfel 2020) Von diesen beschwerdefreien Personen geht wahrscheinlich kein oder nur ein geringes Risiko aus, da sie nicht husten und in ihren tiefen Lungenanteilen keine oder kaum Aerosole produzieren.

Eine absolute Gewissheit kann es aber nicht geben. (SD 13.05.2020) Zumal auch beim normalen Sprechen Aerosole entstehen, die minutenlang in der Luft schweben können. (Stadnytskyi 2020)

Sollte die Menschheit also auf das Sprechen und das Singen verzichten?

In einer Kultur ohne Singen aufzuwachsen, wäre besonders nachteilig für die Entwicklung von Kleinkindern. Denn ein wesentlicher Teil ihrer Nervenausstattung ist noch unreif. Sie müssen durch Training ihrer essenziellen Nerven lernen, angesichts äußerer Belastungen, ihre Herz-Kreislauf-Funktion, die Atmung und auch das Immun-System zu beruhigen.

Kurz vor der Geburt sind sie in der Lage angesichts einer starken Belastung alle Eigenaktivität einzustellen (Tauchreflex). Werden sie dann reif und gesund geboren, können sie selbstbewusst protestieren und sich wehren.

Sie sind aber (noch) nicht in der Lage sich alleine zu beruhigen. Denn die dafür notwendigen Nerven können noch nicht genutzt werden. Neugeborene benötigen daher eine intensive Bindung. Diese innige Beziehung (Bonding) wird u.a. durch Hautkontakt, Geruch und Stimmbildung vermittelt. Rhythmisches Summen, Sprechen oder Singen haben dabei eine herausragende Wirkung auf das Hirn- und das Immuntraining des Kindes:

Im menschlichen Mittelohr befinden sich (wie bei allen höheren Säugetieren) zwei Muskeln. Deren Aktivität sorgt dafür, dass sie nur die Schwingungen im Bereich vertrauter Stimme wahrnehmen (Borg 1989). Sie werden von Nerven versorgt, die reflexhaft  mit Hirnfunktionen verbunden sind, die Stressreaktionen dämpfen. Beide gehören zu den so genannten Kiemenbogen-Nerven, die Säugetiere bei ihrer sozialen Kommunikation nutzen. Beim Menschen versorgen diese Nerven die Muskulatur des Gesichtes, die Empfindlichkeit von Gesichts- und Kopfhaut, die Feineinstellung des Halses, den Kehlkopf, den Rachenraum und die Steuerung von Herz, Atmung und dem autonomen Nervensystem.

Direkt beeinflusst wird die Aktivität dieser Kiemenbogen-Nerven durch das Neurohormon Oxytocin, das schon bei Kleinsäugetieren im Mittelhirn ausgeschüttet wird, wenn ihre Babys Pieps-Laute von sich geben. Mama hört dann das in dieser Situation Wesentliche und kann das Geschnatter anderer Nervenzellen in sich dämpfen (Shen 2015). Das Hormon hilft dabei, Reizüberflutungen einzugrenzen, um sich auf essentielle, soziale Beziehung konzentrieren zu können. Es regt über die Funktion der Kiemen-Bogennerven an, die Herz- und Atemfunktion ruhiger, belastbarer und flexibler zu gestalten. (Porges 2014)

Kinder die genau zuhören, oder mitsingen, hören vergleichsweise wenig. Denn sie lauschen nur auf den Frequenzbereich der vertrauten menschlichen Stimme. Das entspannt sie:

Kaum gibt sich ein Kind dem vertrauten Schlaflied der Oma hin, fühlt es sich wohlbehütet. Und schläft selig ein.

Graphiken: Borg Scientific American 1989. Bild: Jäger 2019

Schlussfolgerung:

Singen hat eine herausragende Bedeutung für die Stabilisierung elementarer menschlicher Funktion. Das gilt besonders für Neugeborene, Kleinkinder, Heranwachsende und Jugendliche. Diese Funktionen müssen durch die Gesellschaft gefördert und gepflegt werden.

Dem gegenüber ist das Risiko einer Virusinfektion beim Singen vermutlich sehr klein. Es betrifft Kinder und junge Menschen nicht, da Covid-19 bei diesen meisten unbemerkt und folgenlos bleibt. Auch bei älteren und alten Menschen wirkt sich Singen positiv auf den anti-inflammatorischen Reflex des Vagus-Nerven aus, der das Immunsystem besänftigt. Folglich sollte auch in Altenheimen gesungen werden.

Je früher aus Kindergärten, Schulen, Freizeiten, Vereinen, Chören wieder Lieder ertönen, desto besser. Der Schaden den Nicht-Singen anrichtet, ist unkalkulierbar hoch und wirkt lange nach.

Mehr

Literatur

  • Borg E et al: The Middle-Ear Muscles. Scientific American August 1989, 74-80
  • Hammer l et al: High SARS-CoV-2 Attack Rate Following Exposure at a Choir Practice – Skagit County, Washington, March 2020. MMWR 2020 May 15; 69(19):606-610 https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/32407303
  • Porges SW et al.: (2014). Reducing auditory hypersensitivities in autistic spectrum disorder: Preliminary findings evaluating the listening project protocol.Front ediatr. 2014; 2: 80., Porges ST: The Polyvagal Perspective Biol Psychol. 2007, 74(2): 116–143. – Web-Site: Stephan Porges
  • Shen H Neuroscience: The hard science of oxytocin, Nature 24. Juni 2015, 522:4110-12
  • Stadnytskyi R: The airborne lifetime of small speech droplets and their potential importance in SARS-CoV-2 transmission. PNAS 13.05.2020
  • Wölfel R: Virological assessment of hospitalized cases of Covid-19 https://www.medrxiv.org/content/10.1101/2020.03.05.20030502v1.full.pdf

Covid-19 im Süden

17.06.2020

Die „Corona-Gefahr“ und die „Impfung für alle“ wurden (und werden weiterhin) in diesen Ländern seit Ende Februar intensiv vermarktet.

Schickes Angst-Video aus Burkina Faso (Mitte Februar 2020). Es droht, ganz Afrika könne beerdigt werden, wenn man den Gerüchten glaube, dass Corona harmlos sei. (Monsieur Rumeur finira par enterrer l’Afrique)

Aus langer Berufserfahrung glauben Expert*innen der Entwicklungszusammenarbeit, eher ein anderes Problem im Zusammenhang mit Corona zu sehen:

Die schwachen und zum Teil zerstörten öffentlichen Gesundheitsdienste.

Ende Februar 2020 hatte ich die Möglichkeit, nach einem längeren Unterrichtsaufenthalt, die passende Corona-Strategie im Gesundheitsministerium in Vientiane (Laos) zu erfahren. Weder Hochleistungsmedizin (Beatmungsplätze) noch die Vermarktung von Medizinprodukten seien das wesentliche Problem, sondern die gesundheitsschädliche Verhältnisse (Armut, Elend, Tropen-Infektionen, Wasser, Abfall, Umweltgifte …). Und ferner die schwachen Gesundheitsdienste für die Basisversorgung und oft auch ungünstiges Verhalten (mangelnde Gesundheits-Bildung). Man setze dort (wie bei den Nachbarn Vietnam und Kambodscha) auf intensive Aufklärung der Bevölkerung über eine anstehende Grippewelle und die Einschränkungen des Reiseverkehrs und auf allgemeine Vorsichtsmaßnahmen. Ohne Lock down!

Das Ergebnis gab diesen drei Ländern recht: Laos meldete bis zum 16.06.2020 nur neunzehn Covid-19-Infizierte und keine Toten (Quelle: https://coronavirus.jhu.edu/map.html). Kambodscha nur 128/0 und Vietnam 334/0.

Möglicher Grund für diese extrem niedrigen Zahlen: In der Region (viele chinesische Provinzen, Laos, Vietnam, Kambodscha, Thailand, Korea  …) waren 2020 ggf. viele gegen SARS-CoV-2 immun, weil das gleiche (oder ein sehr ähnliches Corona-Virus) bereits in den Jahren zuvor (unbemerkt) durchgerauscht war.

In Afrika wurde von dem super-ausgestatteten John-Hopkins-Gavi-Ableger Africa-CDC bis heute trotz intensiver Suche nur 7.000 Fälle gemeldet, bei denen bei einem Toten ein Corona-Test ein positives Resultat ergab. Das ist angesichts täglicher Todeszahlen an Malaria, Durchfall, Dengue, Atemwegsinfektion, Smog, Verkehrsunfällen kaum einer Erwähnung wert. Die meisten „Corona-Toten“ wurden in den Ländern gemeldet, wo brutale Lock-down-Maßnahmen durchgezogen wurden (Süd-Afrika).

Möglicher Grund, warum Corona dort nicht Dramatisches anrichtet: Nur wenige Afrikaner sind älter als 65 Jahre und Corona verläuft in dieser Altersgruppe harmlos. Man wird also heftig weiter Angst-Reklame machen müssen, damit die Afrikaner den Impfstoff-Blogbuster noch abnehmen wollen.

Im Vergleich dazu Brasilien mit 888.000 / 55.000 „Corona-Toten“.

Ich kenne die Gründe nicht. Aus meiner Erfahrung mit vorherigen lateinamerikanischen Epidemien (u.a. Zika) halte ich es für wahrscheinlich, dass SARS-CoV-2 dort tatsächlich relativ neu aufgetaucht ist. Brasilien wird jährlich von heftigen Dengue-Epidemien durchgeschüttelt mit hoher Mortalität (https://bmcpublichealth.biomedcentral.com/articles/10.1186/s12889-019-6641-4). Wenn dort ein Corona-Test positiv ausfällt, sind endemische und nosokomiale Infektionen als Todesursache natürlich nicht ausgeschlossen! Für die Schwere der Erkrankung spielen dort sicher viele Faktoren eine Rolle: insbesondere Armut, Umweltgifte (Pestizide! ganz besonders in Brasilien und in Argentinien in der industriellen Landwirtschaft!!), extrem hohe Kaiserschnitt-Raten (dann ist das Immun-system ist schlechter dran), miserable Mega-City-Luftqualität, insb. Feinstaub&Stickoxid-Konzentration, Qualität primär-ambulanter Versorgung, extremer Antibiotika-Missbrauch, schlechte Behandlungsqualität und fehlende ambulante Versorgung, Ko-infektionen mit anderen Atemwegserregern, Rauchen, Bewegungsmangel, Fehl- und Mangelernährung, Krankenhaus-Infektionen, Fehlbehandlungen (zu frühe Beatmung, Chloroquin & G6PD-Mangel, …), Suchtverhalten,  uva. … All das ist für mich nicht erkennbar untersucht worden.

Die Schuldzuweisung „Virus“ für einen Problemkomplex ist aber (aus meiner Erfahrung mit Lateinamerika) sicher irreführend.

https://www.youtube.com/watch?v=GKajchR7Gg8
Englisch:https://www.youtube.com/watch?v=0oGQn5rnCf0

Öffentliche Diskussion zweier Wissenschaftler (Jean Paul Mira, Camille Locht) am 02.04.2020 zur Covid-19-Impfung in Afrika . Es ist selten, dass jemand (aus Versehen) in der Öffentlichkeit das sagt, was sonst (viele) nur hinter verschlossenen Türen getuschelt wird. Ergänzung: Die WHO distanziert sichKongo läßt die Impf-Tests trotzdem zu.

Covid-19: ÖGD stärken

21. Mai 2020

Lernen aus der Corona-Pandemie – den Öffentlichen Gesundheitsdienst stärken

Memorandum eines informellen Zusammenschlusses international erfahrener Seniorfachkräfte im Gesundheitsbereich (s. Liste der Unterzeichner am Ende des Dokuments), 13.5.2020 (Kontakt: aerzte-fuer-den-oegd@mailbox.org)

Zusammenfassung

  • Öffentliche Gesundheitsdienste auf Grundlage einer Überprüfung des Mandats und der Aufgabenstellung stärken
  • Wissen und Fähigkeiten im Bereich Epidemiologie und Public Health fördern
  • Die Pandemiegefährdungen sowie den Nutzen von und die Gefährdung durch Kontrollmaßnahmen umfassend wissenschaftlich bewerten.
  • Verständliche Kommunikation im Bereich Epidemiologie und Public Health für die Bürger sicherstellen
  • Internationale und lokale Erfahrungen nutzen und aktionsorientierte Studien zu möglichen Verbesserungen des öffentlichen Gesundheitsdienstes durchführen
  • Unterstützung ärmerer Länder sicherstellen
  • International zusammenarbeiten, insbesondere im Rahmen der EU und der WHO

Das vollständige Dokument

Öffentlichen Gesundheitsdienst stärken

Angst machen!

Covid19-Risiko: Dicke Luft

22.04.2020

Warum kein Verbot von Tabak-Werbung?

„Mediziner warnen: Wer raucht, ist verstärkt gefährdet,
bei einer Infizierung mit dem Coronavirus
an der Lungenkrankheit Covid-19 zu erkranken.“ FAZ 20.04.2020

Das Sars-CoV-2-Virus wird über Tröpfchen der Atemluft übertragen. Bei ~20% der Infizierten entwickeln sich Beschwerden. Das Krankheitsbild Covid-19 verläuft dann schwerer bei Personen, bei denen u.a. die Lungen-und die Immunfunktionen vorgeschädigt sind. (WHO 2020)

Rauchen und E-Smoke schaden doppelt

  • Nikotin beeinträchtigt die Funktionen des Vagus-Nerven, die das Herz, die Atmung und Immunsystem beruhigen.
  • Abfallprodukte, die beim Rauchen anfallen, werden in den Lungenbläschen abgelagert und stören deren Funktion.

Beides fördert die Entwicklung von Krebs und anderen chronischen Erkrankungen.

Selbst in gut gelüfteten Räumen sind Menschen erheblichen Schadstoffkonzentrationen ausgesetzt, wenn Rauchern anwesend sind, selbst wenn diese nicht rauchen. (Sheu 2020) Kinder, deren Eltern rauchen, sind folglich bei Ausfall von Kindergarten und Schule länger und intensiver Passiv-rauch ausgesetzt, als zu normalen Zeiten.

Auch beim Tragen von Gesichtsmasken muss damit gerechnet werden, dass die Sauerstoffversorgung (bei vorgeschädigten Lungen) eingeschänkt sein kann, und Kohlendioxid (ggf. mit Schadstoffen) wieder eingeatmet werden (Butz 2005).

Folglich müsste im Rahmen drastischer Präventionsmaßnahmen die Reklame für Tabak-Produkte verboten und der Verkauf eingeschränkt werden. (Simons 2020)

Tabak-Werbung und Verkauf in Zeiten des Shutdown, Bild: Jäger, März 2020

Warum wird Rauchen bei der Covid-19-Pandemie ignoriert?

Vielleicht,

Oder besitzen sie einfach einen „guten Draht“ zur Bundesregierung?

„…Gesundheit ist ein Menschenrecht und es ist die Pflicht des Staates, die Gesundheit der Menschen zu schützen. Das muss wichtiger sein als Überlegungen zur Wirtschafts-förderung oder zum Steueraufkommen. Allerdings gibt die Tabaklobby offen zu, „über Jahrzehnte einen guten Draht zur Politik aufgebaut“ zu haben. In Deutschland sei es wie in keinem anderen Land so einfach, mit der Politik ins Gespräch zu kommen…“ Kleine Anfrage im Bundestag Drucksache18/11368, 03.03.2017

Rückgang der Luftverschmutzung in Nord-Italien von Februar auf März 2020: https://www.youtube.com/watch?v=6Sro2j5A65M — Video-ESA-Aufnahmen: http://www.esa.int/Space_in_Member_States/Germany/Coronavirus_Rueckgang_der_Stickstoffdioxid-Emissionen_ueber_Italien

Umweltbelastung und Covid-19

Rauchen ist im Zusammenhang mit Covis-19 besonders dort riskant, wo die Lungen- und die Immunfunktion bereits durch Umweltbelastungen geschädigt sind. In Nord-Italien besteht zum Beispiel ein erhebliches Problem mit Asbest-Altlasten, das seit Jahrzehnten bekannt ist (Spiegel 10.12.2009). Ein wesentlicher Hinweis auf die Asbestose-Erkrankung ist dort die Häufigkeit des (sonst) selten Lungenkrebses Mesotheliom (Corfiati 2015).

Covid-19 Erkrankungen verliefen zudem auch in Industrie-Regionen und Megastädten besonders schwer, die eine sehr schlechte Luftqualität aufwiesen.

„… von den 4443 Todesfällen entfielen 3487 (78%) auf fünf Regionen in Norditalien und Zentralspanien. Darüber hinaus weisen dieselben fünf Regionen die höchsten NO2-Konzentrationen in Kombination mit einer nach unten gerichteten Luftströmung auf, die eine effiziente Ausbreitung der Luftverschmutzung verhindert. Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass die langfristige Exposition gegenüber diesem Schadstoff möglicherweise einer der wichtigsten Verursacher der durch das COVID-19-Virus verursachten Todesfälle in diesen Regionen und möglicherweise in der ganzen Welt ist.“ (frei übersetzt: Ogen 2020, Hinweise auf weitere Studien: SD 23.04.2020)

Relativ für in der SARS-CoV-2-Pandemie, wurde dieser Zusammenhang in Wuhan thematisiert (Eurasiareview 01.02.2020), und seither vielfach (u.a. in Nord-Italien und in Madrid) bestätigt (Dt. Allianz Klimawandel 20.03.2020).

Quantifiziert wurde der Zusammenhang erstmals im April 2020 in den USA:

“ … Ein geringer Anstieg der langfristigen Feinstaub-Exposition .. führt zu einem starken Anstieg der COVID-19-Todesrate … Die Studienergebnisse unterstreichen, wie wichtig es ist, die bestehenden Vorschriften zur Luftverschmutzung weiterhin durchzusetzen, um die menschliche Gesundheit sowohl während als auch nach der COVID-19-Krise zu schützen.“ Xiao 2020

Tabak-Werbung und Verkauf in Zeiten des Shutdown, Bild: Jäger, März 2020

Eigentlich müsste viel getan werden,

um

  • Tabak und E-Smoke-Konsum zu verringern
  • Luftqualität zu verbessern

Was kann man tun, damit das auch geschieht?

Literatur

Covid 19: Selber-denken?

18.04.2020

… Ausländer, Fremde, sind es meist – Die unter uns gesät den Geist – Der Rebellion. … Vertrauet Eurem Magistrat – Der fromm und liebend schützt den Staat – Durch huldreich hochwohlweises Walten – Euch ziemt es, stets das Maul zu halten. Heinrich Heine, Krähwinkels Schreckenstage, 1854

Wem darf man glauben?

Expert*innen kennen die „Wahrheit“. So auch in der Corona-Krise 2020. Politiker*innen leiten aus ihren Aussagen Handlungs-Zwänge ab. Das Vorgehen sei so wissenschaftlich legitimiert und folglich „alternativlos“. Die Bevölkerung erduldet es. Und hofft auf „wissenschaftlich begründete“ Entscheidungen.

In der gefährlichen weltweiten Corona-Krise scheint kein Raum zu sein für Zweifel. Die Menschheit ist bedroht von einer Naturgewalt, die ganze Gesellschaften in den Abgrund ziehen wird.

Wirklich?

Krise: Gefahr (links) und Möglichkeit (rechts). Bild: Wikipedia, oben alt-chinesische, unten vereinfachte Schrift

In jeder Krise stecken Möglichkeiten.

Eine der Möglichkeiten der Corona-Krise könnte zum Beispiel darin bestehen, dass mehr Menschen den Mut aufbringen, selber zu denken.

Selber-denken?

Meist denken wir bei komplizierten Zusammenhängen das, was andere, die es besser wissen müssen, aufgeschrieben oder gesagt haben. Wenn wir dann anderen „unsere Meinung“ mitteilen … wiederholen wir in der Regel etwas zuvor Gehörtes. Aber wir könnten auch kreativ und intuitiv aus unser Erfahrung Gedanken wahrnehmen, die neu und „unerhört“ wären.

In Angst ist das nicht möglich. Denn dann muss lösungsorientiert nach Sicherheit gesucht werden. Man hält sich im schlingernden Chaos lieber an Bewährtes und das von Expert*innen Gesagte.

Manchmal wird Angst aber auch von einer Überraschung abgelöst. Und dann entsteht eine Frage:

Das Killer-Virus ist gefährlicher als die jährliche Grippe!

Expert*innen versichern, das SARS-CoV-2-Virus verursache viel mehr Todesfälle als die jährlichen Pandemien mit den Influenza-Viren. Dort liegt die Sterblichkeitsraten weit unter 1% der Infizierten. Betroffen sind überwiegend ältere Menschen, die viele Vorerkrankungen aufweisen.

Weil Covid-19 deutlich häufiger zu Todesfällen führe als Influenza, seien Quarantäne-Maßnahmen, Grundgesetz-Einschränkungen, Kindergarten-Schul-Schließungen nötig. Und man müsse auch die rasante Talfahrt in eine Rezession in Kauf nehmen.

Ist das so?

Für die Annahme der großen Gefährlichkeit von SARS-CoV-2 sprechen die Zahlenangaben der „renommierten John Hopkins-Universität“ (Zitat aus den täglichen Tagesschau-Nachrichten). Danach wird die Sterblichkeit bei Covid-19 Patient*innen in Deutschland auf 2,64% geschätzt (Stand 15.04.2020). Die WHO gibt die Sterblichkeitsrate der positiv getesteten Fälle weltweit sogar mit 3-4% an (WHO 06.03.2020) Sicher deutlich mehr, als bei Influenza-Viren zu erwarten wäre. Mitte März wurde sogar noch Schlimmeres befürchtet: „In neun Tagen sind wir Italien! (Ruhrbarone 12.03.20). Dort lag die Todesrate der Infizierten mit dem gleichen Virus bei 7.2%! (Jama 17.03.20).

Allerdings …

Zwei Wochen später errechnete das RKI die Sterberate in Deutschland nur auf 0,8%-1% (Ärzteblatt 31.03.20RKI 09.03.2020). Man glaube aber, die wirkliche Zahl sei höher, weil noch nachgemeldet werde. Allerdings war die Zahl der Atemwegserkrankungen in Deutschland bereits „abrupt“ zurückgegangen (RKI 03.04.20). In der europäischen Sterbestatistik war für Deutschland nichts Ungewöhnliches erkennbar. Und auch in Nachbarländern war der Trend der Sterblichkeit nicht höher als in anderen schweren Grippeepidemien und bereits wieder rückläufig (Euromomo, 14 KW). Anfang April schätzte eine Untersuchung der ersten epidemischen Verbreitung von SARS-CoV-2 in Gangelt (NRW) die Sterblichkeit der Personen, die Covid-19 positiv getestet worden waren, auf 0,37%, was bezogen auf die Sterblichkeit der Bevölkerung 0,06% ausmachen würde (Steeck 09.04.20).

„Das COVID-19-Todesfallrisiko bei Menschen älter als 65 Jahre (während des Zeitraums der der Epidemie) entsprach dem Todesfallrisiko beim Fahren zwischen neun Meilen pro Tag in Deutschland und 415 Meilen pro Tag in New York City … Todesfälle bei Menschen unter 65 Jahre, ohne zugrunde liegende krankheitsverschlimmernde Zustände sind bemerkenswert selten“ Epidemiologe John Ioannides 10.04.2020

Eigentlich kann das nicht sein …

Die Bilder in den Nachrichtensendungen von völlig überlasteten Leichenbestattern trügen doch nicht. Oder?

Eine Studie aus den USA bietet eine naheliegende Erklärung: Die Covid-19- bedingte Sterblichkeit liege nur bei 0,1%, und dennoch seien (schlecht vorbereitete) Krankenhäuser in bestimmten Regionen überlastetet. Besonders dann, wenn alle Infizierten, wie sonst über einen Saisonverteilt, plötzlich in einer Woche die Notaufnahmen überfüllen:

Economist-Artikel vom 11.04. (freie Übersetzung): Influenza ähnliche Erkrankungen (ILI) ohne Influenza-Viren sind in den USA stark angestiegen ist. Der Anstieg hat das gleiche geographische Muster wie bei den Covid-19-Fällen … Insgesamt übertraf die geschätzte ILI-Grippe ohne Influenza vom 8. bis 28. März eine historische Grundlinie um 23 Millionen Fälle – das ist das 200-fache der Anzahl positiver Covid-19-Tests in diesem Zeitraum. Dies könnte die Ausbreitung von Covid-19 überbewerten, da die ILI-Grippe auch durch andere Viren verursacht wird. Sie könnte auch zu niedrig sein, da Personen mit asymptomatischem oder mildem Covid-19 nicht über einen grippalen Infekt berichten würden. … Covid-19 braucht 20-25 Tage, um Opfer zu töten. Die Publikation rechnet damit, dass sieben Millionen Amerikaner vom 8. bis 14. März infiziert wurden. Offizielle Daten zeigen 7.000 Todesfälle drei Wochen später. Die daraus resultierende Sterblichkeitsrate liegt bei 0,1%, ähnlich wie bei einer Influenza-Grippe. Das ist erstaunlich niedrig, nur ein Zehntel von einigen anderen Schätzungen. Vielleicht ist es einfach falsch, möglicherweise weil die Zahl der Todesopfer zu niedrig angegeben wurde. Vielleicht sind die New Yorker Krankenhäuser aber auch deshalb überfüllt, weil das Virus so ansteckend ist, dass es den Gegenwert eines Jahres an Grippefällen auf eine Woche zusammengepresste.“ Publikation: Silverman J MedRxiv 2020 www.medrxiv.org/content/10.1101/2020.04.01.20050542v1.full.pdf

Eine Arbeitsgruppe der Standfort Universität (USA) schätzt, dass

„… die Prävalenz (Häufigkeit) von SARS-CoV-2-Antikörpern in Santa Clara County, basierend auf Seroprävalenz-Proben einer großen regionalen Bevölkerung, Anfang April zwischen 2,49% und 4,16% lag. Auch wenn diese Prävalenz weit unter der theoretischen End-Größe der Epidemie liegen könnte, deutet dies darauf hin, dass die Zahl der Infektionen 50-85-mal größer ist als die Zahl der derzeit im Bezirk Santa Clara festgestellten Fälle.“ Bendavid 2020 COVID-19 Antibody Seroprevalence in Santa Clara County, California , www.medrxiv.org/content/10.1101/2020.04.14.20062463v1)

Lieber kluge Fragen stellen, als schlauen Antworten glauben

Manchmal sind Antworten, wie hier hinsichtlich der Gefährlichkeit von SARS-CoV-2, nicht eindeutig. Das zwingt dazu, der einen oder der anderen Seite zu glauben, oder selber nachzudenken. Oft beginnt Selber-Denken mit Fragen. Bei mir z.B. mit diesen:

  • Gibt es in einigen Regionen andere Faktoren, die die Ausbreitung von SARS-Cov.2 begünstigten, und die den Verlauf verschlimmerten (Umwelt, Luft, Medizinqualität …)?
  • Was sagen Meldezahlen aus?
  • Ist die angekündigte Jahrhundert-Rezession in Europa eine Folge der Corona-Pandemie, wenn sie schon lange vor dem Shut-Down bekannt war (IMF 24.02.2020 und IMF 27.03.2020?
  • Waren die Quarantäne Maßnahmen wirksam gegenüber Ländern, die einen Shut-down vermieden haben?

Wenn die Tatsachen nicht mit der Theorie übereinstimmen muss man sie beseitigen.
If the facts do not conform, to the theory, they must be diposed of.
Murphys Law

Inproportion 18.04.2020

Eigene Fragen?

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Die Krise ist komplex

7. April 2020

Menschen können (wie viele andere Tiere auch) Situationen aus zwei verschiedenen Perspektiven beobachten:

  1. Einzelfaktor fokusiert oder
  2. den dynamisch veränderlichen Zusammenhang betrachtend.

Video: https://iainmcgilchrist.com/videos

Beide Arten des Denkens sollten sich idealerweise ergänzen und abwechseln.

Gefahrensituation verändern sich sehr schnell, chaotisch und eigendynamisch. Sie erfordern Weitblick: die Wahrnehmung von Beziehungen und Wechselwirkungen. Die tunnelblickartige Konzentration auf Einzelfaktoren und mikroskopisch-kleine Details, ist dann weniger nützlich. 

In hochriskanten, bisher noch nie dagewesenen Situationen steht man vor „unbekanntem Nichtwissen“.

Complex problems have simple, easy to understand
wrong answers. Murphy’s Law

Also sollte, wer in ein komplexes Systeme intervenieren will, vorher

  • genau prüfen, was geschehen soll (d.h. man sollte wenigstens eine ausreichende Datenbasis und durch Erfahrung erworbene Kenntnisse besitzen, bevor man massiv eingreift),
  • sich an das Vorsorgeprinzip (s.u.) halten,
  • das Vorsorgeprinzip nicht umkehren (s.u.),
  • wenn nötig, vorsichtig und kontrolliert intervenieren,
  • unbedingt klären, wer haften wird, wenn es schief geht. Und niemals Menschen entscheiden lassen, die hinterher weder haften wollen noch zur Verantwortung gezogen werden können,
  • ruhig, gelassen, klug, rational) vorgehen, so dass man sich jederzeit von einer Aktion kontrolliert zuückziehen kann.
Meist wissen wir nicht was wir nicht wissen
https://fooledbyrandomness.com/pp2.pdf

Umsichtiges, vorsorgendes Vorgehen sollte eigentlich der Standard sein, wenn bei Menschen interveniert werden muss: durch Operationen, geburtshilfliche Eingriffe, Krebsbehandlung uva.

Bei gesellschafts-weiten Gefahrensituationen, wie bei der Covid-19-Krise 2020, müsste eigentlich ähnliches gelten: Je nach dem, ob man die mikrobiellen, individuellen, sozial-lokalen, ökonomischen oder globalen Systeme betrachtet.

Schaut man auf „Das Virus“, ergeben sich mono-kausale diagnostische, therapeutische, präventive, ordnungspolitische Konsequenzen. Deren Erfolg wird dann gemessen nur an den Auswirkungen auf diesen einen Faktor gemessen werden („Verdopplungsrate der Test-positiven“). D.h. man interessiert sich nicht für Wirkungen, die außerhalb des „viralen“ Fokus liegen.

Betrachtet man dagegen die veränderliche Gesundheit (einer Person, Gesellschaft, Menschheit), dann ist „das Virus“ nur ein Faktor von vielen, der mit anderen (ungünstig) wechselwirkt.

Das Virus als Indikator für Widerstandsfähigkeit (Resilienz):

Manche Menschen bleiben gesund und andere brechen unter (zu) vielen Belastungen zusammen. Andere beteilgte Faktoren könnne dabei sein

  • Umweltbelastungen (bei SARS-CoV-2: Feinstaub und Asbest wie in der Lombardei, vielleicht aber auch Metalle, Pestizide u.ä.?),
  • chronische Erkrankungen, die das Immunsystem beeinträchtigen,
  • psychisch-psychiatrische Aspekte (bei SARS-CoV-2 Angst / Stress / Panik / Depression),
  • Medikamentenwechselwirkungen,
  • Mischinfektionen (mit anderen Grippe-Viren oder mit opportunistischen Bakterien),
  • Rauchen,
  • im medizinischen Einrichtungen erworbene (nosokomiale) Infektionen,
  • gefährliche (unsachgemäß ausgeführte, ungünstige) Therapien
  • uva. …

Alles Faktoren die zu mehr Anfälligkeit und Instabilität führen (Fragilität).

Resilienz in gesellschaftlich-ökonomischer Systeme

Wenn ein Virus das globale Wirtschafts-System umpusten kann, war dieses vermutlich vorher schon krank.

Betrachtung des Zusammenhangs

Schaut man auf die vielen durch die Virus-Bedrohung und durch die Bedrohungsabwehr ausgelösten Wechselwirkungen, sieht man was sich in allen relevanten Bereichen verändert. Man ist also nicht also nicht nur Zahlenkolonnen, wie „Test-positive/Tote“ fixiert, sondern betrachtete Hinweise für die Veränderung von Gesundheit (Krankheitsmeldungen, Sterblichkeitszahlen), insbesondere bei Alten, den psychiatrisch Kranken, den Krebspatienten, und vor allem auch die Entwicklungsverzögerungen bei den Kindern.

Der Aspekt „Kampf“ oder noch schlimmer „Krieg“ gegen einen Faktor wird in der Corona-Krise 2020 überbetont, und von politisch-blindem Aktionismus begleitet.

Vernachlässigt wird es, ökonomische-soziale-physiologische Zusammenhänge und deren Dynamik zu verstehen. Und erst dann ruhig und besonnen zu handeln, wenn man verstanden hat, was man tut.

Mehr

Zurück zum Bundes-Seuchen Gesetz?

26.03.2020

Unbegrenzte Erächtigung?
Das neue Infektionsschutzgesetz stellt die Gesetzesbindung
von Regierung und Verwalung
weitgehend zur Disposition. FAZ 26.03.2020

Die aktuelle Corona-Krise liefert den Anlass für eine einschneidende Veränderung des Infektions-Schutzgesetzes. Ich war am Prozess der Novellierung des Bundesseuchengesetzes aktiv. Und fürchte einen deutlichen Rückschritt zu längst überwunden geglaubten Fehlern der Seuchenkontrolle.

Bekämpfung der Infektionserreger noch ohne Gesetz

Mitte des 19. Jahrhunderts wurden die Bakterien entdeckt. Man hielt sie zunächst für harmlose Bestandteile des Lebens. Bei Krankheiten, die sich epidemisch verbreiteten, wie die Cholera, war der bakterielle Ursprung lange umstritten. Sozial-Hygieniker glaubten diese Seuchen durch gesundheitsförderliche gesellschaftliche Entwicklungen beherrschen zu können:

  • Für saubere Wohnverhältnisse und ausreichende Ernährung sorgen,
  • Böden rein halten, und
  • Trink- und Abwasser trennen.

Gegen Ende des 19. Jahrhundert setzte sich im Rahmen der Kolonialpolitik der Gedanke der Kriegsmedizin durch: Einen feindlichen Erreger erkennen, nachweisen, ihn isolieren, abwehren, bekämpfen und vernichten.

„Kochs Triumph war danach nicht allein seiner wissenschaftlichen Überlegenheit zuzuschreiben, sondern der Übereinstimmung seines Konzepts mit den politischen Vorgaben der Reichsgründung.“ Hansen: Geschichte der DTG

Das Reichs-Seuchengesetz

Der gesetzliche Rahmen für die kriegerische Sicht der Seuchenbekämpfung wurde am 30. Juni 1900 mit dem „Gesetz zum Schutz vor Epidemien“ erlassen.

Die Bestimmungen diese Reichsseuchengesetzes 1900 regelten den Umgang mit Erkrankungen tropischer Regionen: Lepra, Cholera, Fleckfieber, Gelbfieber, Pest und Pocken. Im Vordergrund der Maßnahmen standen: Meldung, Kontrolle und konsequentes Intervenieren.

Das Gesetz zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten

Nach dem zweiten Weltkrieg folgte in der BRD dem Reichsseuchengesetz zunächst das

Der Leitgedanke dieses Gesetzes war die Kontrolle von Prostituierten und Personen mit ungewünschtem („gesundheitsgefährlichem“) Sexualverhalten. Im Vordergrund der Regelungen standen Pflicht-Untersuchungen, Identifizierung von Infizierten, Erreger-Nachweis, Zwangsmaßnahmen zur Isolierung zu verpflichtender Behandlung.

Das Bundesseuchengesetz

1961 wurde das Reichsseuchengesetz abgelöst durch das

Auch hier wurde die Infektions-Kontrolle betont. Förderung individueller Vorbeugung oder gesellschaftlicher Veränderungen zur Verbesserung des Infektionsschutzes wurden nicht berücksichtigt.

Beide Gesetze waren Ende der 1989-iger Jahre nicht mehr zeitgemäß:

  • Die Weltgesundheitsorganisation forderte 1986 Maßnahmen der „Verhaltens-“ und der „Verhältnis“-Prävention (Ottawa-Charta), und
  • im Rahmen der HIV/AIDS-Epidemie entstand eine sehr aktive Präventions-Bewegung, die sich gegen Stigmatisierung und Ausgrenzung von Infizierten zur Wahr setzte, und das klassische Zwangs-Instrumentarium der Infektionskontrolle leidenschaftlich und erfolgreich ablehnte. (Deutsche AIDS-Hilfe)

Der lange Weg zum Infektionsschutzgesetz

1992 wurden schließlich Arbeitsgruppen des Bundes- und der Ländergesundheitsministerien eingerichtet, die Vorschläge für eine Novellierung des BSeuchG und des GeschlechstskrG. Die AG 5 (GeschlechtskrG) wurde von mir geleitet.

Es bestand in diesen Arbeitsgruppen rasch Einigkeit, dass der Gedanke der klassischen Seuchenbekämpfung weniger stark betont werden, und dafür Präventionsmaßnahmen einen wesentlich höheren Stellenwert erhalten sollten. Das GeschlechtskrG sollte abgeschafft und in eine neues, modernes auf Vorbeugung orientiertes „Bundes-Infektionsschutzgesetz“ integriert werden.

Die sehr weitgehenden Vorschläge dieser Arbeitsgruppen hinsichtlich der Verhaltens- und (sehr zaghaft) auch zu Verhältnis-Prävention, und auch zu subsidiärer Gesundheitsvorsorge als staatliche Aufgabe, konnten sich nur in beschränktem Maß durchsetzen.

Das heute gültige Infektionsschutzgesetz wurde am 10.01.2001 verabschiedet

Droht jetzt ein Gesundheits-Kontrollgesetz?

Anlässlich der Corona-Krise plant das BMG jetzt eine radikale Novellierung, die u.a. eine Ausweitung von Kontrollmaßnahmen erleichtern, Persönlichkeitsrechte beschränken und die Bestimmungen zur Zulassung pharmazeutischer Produkte erleichtern soll:

Der Prozess zur Novellierung des BSeuchG zum IfSG zog sich über zehn Jahre hin. Jetzt sollen ähnlich weitgehende Veränderungen innerhalb weniger Wochen als Notverordnungen verabschiedet werden?

Ohne grundsätzliche gesellschaftliche Diskussion? Warum gerade jetzt? Weil alle, wie gelähmt, auf die täglichen Todes-Meldungen starren?

Historischer Pandemie-Krimi

25.03.2020

Die Geschichte der Schweinegrippe Epidemie 1976 bleibt zeitlos aktuell. Sie schildert die Einstellung von Menschen, die, unter enormem Handlungsdruck, in gutem Glauben in hochkomplexe Systeme intervenierten. Und damit Verschlimmbesserungen auslösten.

The Swine Flu Affair
Decision-Making on a Slippery Disease
(Entscheidungsfindung bei einer schlüpfrigen Krankheit)

Rezension Jacoby MG:
BMJ 2005;331:1276 https://www.bmj.com/content/331/7527/1276.1
Freie Übersetzung aus dem Englischen

„Im Januar 1976 kam es auf dem Militärstützpunkt Fort Dix in New Jersey zu einem Ausbruch von Erkrankungen der oberen Atemwege. Der leitende Epidemiologe des Bundesstaates wettete mit dem zuständigen Sanitätsoffizier in Fort Dix, dass man sich mitten in einer gewöhnlichen Grippeepidemie befinde. Zur Abrechnung der Wette schickte der medizinische Offizier Kulturen an das staatliche Labor. Er verlor. Die Kulturen zeigten ein nicht identifiziertes Grippevirus, das an die Centers for Disease Control and Prevention (CDC) in Atlanta geschickt wurde und sich als Schweinegrippe herausstellte.

Richard E Neustadt, Harvey V Fineberg, The Swine Flu Affaire, University Press of the Pacific, ISBN 1 4102 2202 0

Damals glaubte man, dass jede Antigenverschiebung, wie es hier der Fall war, der mögliche Vorläufer einer Pandemie sei. Der damalige Direktor der CDC, David Sencer, bereitete ein Memorandum für David Mathews, den damaligen Sekretär für Gesundheit, Bildung und Wohlfahrt, vor. Das Memorandum bot vier Optionen, die in der Regierung üblich sind: drei, die vom Leser abgelehnt werden sollten, und eine vierte, die vom Verfasser gewünscht wurde.

  • Die erste war „nichts tun“,
  • die zweite „minimale Reaktion“,
  • die dritte ein „Regierungsprogramm“
  • und die vierte ein „kombinierter Ansatz“, der dem privaten Sektor eine Rolle zuwies.

Dieses Aktionsmemorandum war absichtlich so konzipiert, dass eine positive Reaktion einer bedrängten Regierung erzwungen werden sollte, die es sich nicht leisten konnte, es abzulehnen, um es dann durchsickern zu lassen. Das Memorandum wurde bei einem Treffen mit Mathews am 15. März vorgestellt, bei dem Sencer Mathews stark unter Druck setzte. Mathews war der Ansicht, dass es politisch unmöglich sei, Nein zu sagen, selbst wenn das Risiko weit entfernt zu sein schien. Obwohl die Risiken gering waren, drängte Sencer auf die starke Möglichkeit einer Pandemie, die antigenetisch mit der Grippe von 1918 zusammenhing. Es musste innerhalb von zwei Wochen eine Entscheidung getroffen werden, um Zeit für die Vorbereitung, Prüfung und Verabreichung des Impfstoffs vor der nächsten Grippesaison zu geben.

Theodore Cooper, stellvertretender Sekretär für Gesundheit, Bildung und Wohlfahrt, war beeindruckt und machte sich die Sache von Sencer zu eigen.

Am 22. März fand ein Treffen mit Präsident Ford statt, an dem Mathews und Cooper und andere Mitglieder der Verwaltung teilnahmen. Vor sechs Dingen wurde der Präsident nicht gewarnt:

  • Probleme mit schwerwiegenden Nebenwirkungen,
  • mit der Dosierung von Kindern,
  • mit der Haftpflichtversicherung,
  • mit der Expertenmeinung,
  • mit der Öffentlichkeitsarbeit des öffentlichen Gesundheitsdienstes
  • und mit seiner eigenen Glaubwürdigkeit.

Am 24. März um 15.30 Uhr fand im Kabinettsraum eine weitere Sitzung mit externen Wissenschaftlern statt, darunter die eingefleischten Gegner Jonas Salk und Albert Sabin. Kurzfristig ins Weiße Haus einberufen und eingeschüchtert, vertraten die meisten Anwesenden die Auffassung, dass es „programmiert“ und „inszeniert“ sei und dass die Entscheidungen getroffen worden seien. Sie waren der Meinung, dass „wir benutzt wurden“. Durch Handzeichen wurde das Programm einstimmig angenommen. Ford bat um eine Ablehnung, aber es gab keine. Der Präsident sagte daraufhin, er werde die Sitzung unterbrechen und sich ins Oval Office begeben, wo jeder, der Zweifel hat, mit ihm unter vier Augen sprechen könne. Niemand tat dies. Der Präsident ging zurück in den Kabinettsraum, nahm Salk als auch Sabin mit und ging in den Presseraum, wo er das 135 Millionen Dollar teure Programm zur Impfung gegen die Schweinegrippe ankündigte, mit dem jeder Mann, jede Frau und jedes Kind im Land geimpft werden soll.

Der Impfstoff wurde als sicher und wirksam angesehen.

Der Rest der Geschichte ist bekannt:

  • die Probleme bei der Herstellung des Impfstoffes,
  • die Weigerung der Versicherungsgesellschaften, Haftpflichtversicherungen auszustellen,
  • die nur mäßige Reaktion der Öffentlichkeit auf das Impfprogramm,
  • das Auftreten des Guillain-Barré-Syndroms und, was am auffälligsten war, das Nicht-Erscheinen eines Ausbruchs der Schweinegrippe.

Die ganze Affäre, die in diesem Buch so gut beschrieben wird, ist ein gutes Beispiel für die Fehlbarkeit der Expertenmeinung und die Fehlbarkeit der Regierung.

Dei Analyse „Schweinegrippe-Affäre“ wurde von Mitgliedern der Harvard School of Government and Public Health im Auftrag des Gesundheits-, Bildungs- und Sozialministeriums in Auftrag gegeben und 1978 erstmals veröffentlicht.

Sie ist unterhaltsam geschrieben und spannend wie jeder gute Detektiv- oder Science-Fiction-Roman.

Sie sollte für Ärzte und Politiker Pflichtlektüre sein, da die US-Regierung heute vor den gleichen Problemen steht wie vor fast 30 Jahren.“ (Jacoby 2015)

Zitate aus The Swine Flu Affaire
Richard E Neustadt, Harvey V Fineberg,
freie Übersetzung aus dem Englischen

  • „… Wenn die Erfahrung mit der Schweinegrippe uns etwas lehren kann, dann ist es wichtig, dass wir sie lernen. Wenn es Fehler oder Fehltritte gegeben hatte – wie auch immer gut gemeint – wäre es wichtig, sie zu lernen, damit wir sie nicht wiederholen, weder in der Impfpolitik noch in anderen, ähnlichen Entscheidungs-Zusammenhängen.“
  • „… Wenn Entscheidungen auf der Grundlage sehr begrenzter wissenschaftlicher Daten getroffen werden müssen, sollte die Bundes-Gesundheitsbehörde Schlüsselpunkte festlegen, an denen das Programm formell neu bewertet werden sollte.“
  • „… Es war keine leichte Entscheidung, angesichts all der (unbekannten) Unbekannten. Sie erschien uns als eine vernünftige Entscheidung, bei der alle Risiken sorgfältig abgewogen wurden. Was uns aber fast ebenso eindringlich auffiel, war die weit offene Art und Weise, wie sie getroffen wurde – der „Sonnenschein-Ansatz“, wenn man so will.“
  • „… Das, was bei der Planung des Schweinegrippe-Programms nötig gewesen wäre, war ein Tag am Tisch, um mit Murphy’s Law ein Brainstorming zu veranstalten: „Wenn etwas schief gehen kann, dann wird es das auch“, um alle denkbaren Entwicklungsmöglichkeiten, die man sich vorstellen kann, zu diskutieren. Das hätte es getan. Es hätte sicherlich eine Menge der Dinge aufgefangen, die schief gelaufen sind – schließlich war es gar nicht so schwer, an sie zu denken.“

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Weitere Buchempfehlungen

Kluge, zeitlos aktuelle Bücher, die grundsätzliche Aspekte von Epidemie-Bekämpfungen beleuchten.

Medikamentöses Massenprogramm

Die „Lomidine Files“ schildern das Fiasko einer brachialen Intervention zur Schlafkrankheits-Ausrottung in Westafrika. Ohne nachweisbaren Nutzen und mit langfristigen Folgen.

Le médicament qui devait sauver l’AfriqueParis 2014. Englisch: JHU Press 2017

Links

Die Logik des Mißlingens

Immer wieder geschehen die gleichen Fehler. Menschen intervenieren in Systeme, die sie nicht verstehen. Sie halten komplexe Zusammenhänge für einfach oder höchstens für kompliziert. Und dann intervenieren sie zielgenau und sind oft sogar kurzfristig erfolgreich. Dann aber erleben sie ungeahnte Überraschungen, weil sie zuvor nicht wussten, was sie nicht wussten. Und so erzeugen sie immer wieder (manchmal heftige) Verschlimmbesserungen.

Dietrich Dörner: Die Logik des Mißlingens, rororo 2003, Interview

Die Geschichte des Öffentlichen Gesundheitswesens

Das Öffentliche Gesundheitswesen geht auf die großen Sozial-Hygieniker Virchow und Pettenkofer zurück, die im 19. Jahrhundert u.a. die Wasserversorgung Berlins und Münchens erfolgreich sanierten. Anfang des 20. Jahrhunderts setzte sich dann die kriegerische Auffassung der Medizin durch, dass man äußere Feinde isolieren, abwehren, bekämpfen und vernichten müsste.

Ich kenne kein Buch, das diese Ursprungsgeschichte der „Interventionen in das Leben anderer“ so gut recherchiert hätte.

Randall M. Packard: A History of Global Health – Interventions into the lives of other people. JHU Press 2016. ISBN 987654321

Die eigene Haut riskieren

Viele Katastrophen geschehen, weil Menschen komplexe Zusammenhänge nicht verstehen oder deren Eigendynamik unterschätzen. Wenn man „nach hinten schaut (in die Vergangenheit, in der alles gut war)“ und dabei „nach vorne (in die Zukunft)“ rudert, kann man plötzlich (völlig überraschend) an einen Fels krachen und untergehen. Geschehen solche Ereignisse immer nur aus Unkenntnis oder Dummheit? Nicht unbedingt, denn die Mächtigen, die die Entscheidungen treffen, riskieren meist nicht ihre eigene Haut. D.h. sie sind nicht verantwortlich, wenn es schief geht und haben zuvor dafür gesorgt, dass sie nicht haften werden.

„One should never do anything without skin in the game. If you give advice, you need to be exposed to losses from it.“ (Man sollte nie etwas tun, ohne die eigene Haut risikieren zu müssen. Wenn man Ratschläge gibt, muss man sich den Verlusten aussetzen, die sich daraus ergeben“. Taleb 2018

Nassim N Taleb: Skin in the Game: Hidden Asymmetries in Daily Life, New York 2018 Interview, Web-Site: https://www.fooledbyrandomness.com/

Die Supermacht des Lebens

Die meisten der Viren sind für uns harmlos, nützlich oder unentbehrlich. Die Erfolgsgeschichte der Viren begann vor 3,5 Milliarden Jahren. Sie sind der Motor der Evolution. Ohne sie gäbe es uns nicht. Es sind meist nicht die Viren, die uns krankmachen, sondern der ineffiziente Umgang mit ihnen, durch ein gestörtes Immunsystem.

„Viren sind Nutznießer ungewöhnlicher Situationen – dann entstehen Krnakheiten. Nur diese Formulierung lasse ich gelten – Kriegsvokabular nicht.“ Mölling 2015

Karin Mölling: Die Supermacht der Viren. CH BEck 2015, ISBN 973406669699, Web-Site: moelling.ch ; Interview 14.03.2020

Mehr:

Pandemische Panik

20.03.2020

Virus-Pandemie und Pandemische Panik

„Infodemic .. the spread of false or baseless pieces of information. .. misinformation can be more viral than the virus ..“ VeraFiles 28.01.2020

Pandemic Panic („Berge aus Maulwurfshügeln“): David McCandless (TED 2010). Graphik: informationisbeautiful.net Bildauschnitt vom 05.02.2020 (Corona-Virus-Hype fehlt noch)

Womöglich nur eine vorübergehende Hysterieepidemie. Vielleicht ja nur eine kurzlebige Aufwallung spätmoderner Katastrophenlust, die sich nach heftiger medialer Erregung, demonstrativer politischer Umtriebigkeit und kurzfristiger Realisierung pharmaindustrieller Extraprofite auch wieder verläuft – wie schon bei Vogel-, Schweine- und anderen Grippen. Vielleicht … Womöglich (aber) ist das „Unheimliche“ auch das eigentlich Ansteckende am Coronavirus: Vielleicht sind wir ja schon infiziert von der Ahnung, dass die guten Zeiten vorbei sind, und es uns an den Kragen geht. In der Tat, da kann einem der Atem stocken. St. Lessenich, SZ 07.03.2020

Info-demie

Eine Infektion mit Sars-VoV-2 verläuft bei den meisten Erkrankten ohne schwere Krankheitserscheoinungen, und sie heilt folgenlos ab. So wie jedes Jahr die „Grippe“. Trotzdem löste die Covid-19-Erkrankung eine Panik-Welle aus. Mit immensen sozialen und ökonomischen Folgen.

Und ernsten psychologischen Auswirkungen (u..a durch Isolationsmaßnahmen, drohende Arbeitslosigkeit oder Existenz-Krisen) (Brooks 2020)

Da das Virus auch unbemerkt weitergegeben werden kann, werden immer intensivere Isolationsmaßnahmen seine Ausbreitung nicht verhindern können. Aber mit Zunahme Personen, die ernster oder lebensbedrohlich an von Covid-19 erkrankt sind könnte die Funktionsfähigkeit des Medizin-Systems gefährdet werden. Das Virus wäre dann für Patient*innen weniger bedrohlich, als ein durch den Umgang mit der Epidemie ausgelöster Versorgungsmangel.

Bild: Versuch nicht zu atmen. Artikel im Guardian Weekly, 19.04.2019. Aktualisiert: The Guardian (Air Pollution 2020). Neun von zehn Menschen auf der Erde atmen (laut WHO) Luft mit zu hohen Schadstoffmengen. Luftverschmutzung soll eine höhere Sterblichkeit verursachen als Rauchen, AIDS, Diabetes und Verkehrsunfälle zusammengenommen. In China sind von der Smog-Endemie insbesondere Kinder betroffen: CCCEH.

Die Chronik der pandemischen Panik 2020

Ende Dezember 2020 glaubte ein Arzt in Wuhan Hinweise für einen SARS-ähnlichen Ausbruch gesehen zu haben. Man verwarnte ihn, versuchte die Fälle zu vertuschen, und verlor so wertvolle Zeit.

SARS (Schweres Akutes Atemnot Syndrom) war 2002 ebenfalls durch ein Corona-Virus ausgelöst worden. Die Sterblichkeitsrate betrug damals etwa 10%. Die Epidemie konnte aber rasch unter Kontrolle gebracht werden, weil das Virus fast nur von schwer-erkrankten Personen weitergetragen wurde. Isolationsmaßnahmen erwiesen sich damals als hoch-effektiv.

Hätte es sich also am 01.01.2020 um einen SARS-ähnlichen Ausbruch gehandelt, hätte man sofort und konsequent betroffene Patienten isolieren müssen. Die Epidemie wäre dann rasch unter Kontrolle gewesen.

Etwa so ähnlich wie bei dem Corona-Virus-Ausbruch (MERS) in Saudi-Arabien, der seit 2012 relativ begrenzt blieb. Die Sterblichkeitsrate bei Mers liegt mit etwa 3%. Die meisten Personen infizieren sich im Kontakt mit Erkrankten. Eine gute medizinische Versorgung konnte und kann daher die Verbreitung dieses Virus eindämmen, wenn auch nicht ganz beseitigen.

Die internationale Medien nahm das Thema („Neues Coronavirus = SARS“) gerne auf. Schreckens-Geschichten verkaufen sich gut, und die Schadenfreude über ein mögliches Einknicken der chinesischen Wirtschaft war, besonders in den USA unüberhörbar. Außerdem schienen die anfänglichen Fehler der Lokalpolitik die Unfähigkeit der chinesischen Bürokratie zu belegten.

Sars-CoV-2 verhielt sich aber unerwartet anders als SARS.

Die Sterblichkeitsrate liegt bei Covid-19 unter 1% bei nachweislich infizierten Personen. Das Virus kann auch von gesunden (unentdeckten) Personen weitergegeben werden, die keinerlei Grippe-Symptome zeigen. Isolationsmaßnahmen, Desinfektions-Orgien und die Meidung öffentlicher Kontakte hatten nur eine begrenzte Wirksamkeit: Das Virus breitet sich pandemisch aus.

Chinas Regierung handelte Anfang Januar sehr rasch, medial und politisch hocheffizient. Das Virus wurde zum Staatsfeind erklärt. D.h. man überhöhte seine Bedeutung weiterhin als „SARS-ähnlich“, und sagte ihm den massiven Kampf an. Millionenstädte wurden abgeriegelt, Unmassen von Desinfektionsmitteln versprüht und ein lückenloses System der Überwachung installiert. Das Corona-Virus war plötzlich zu einem willkommenen Anlass geworden, mit der die neo-konfuzianische Staats-Elite ihre, bisher schon massive, Kontrolle über jeden einzelnen Bürger intensiv ausweiten konnte. Ohne auf Widerstand zu stoßen. Nebenbei beruhigte sich so auch die Lage in Hongkong. Und kaum jemand interessierte sich noch für die reale Gefahr der Belastungen mit Feinstaub in chinesischen Megastädten. Obwohl sie zu Atemwegserkrankungen führen, die natürlich auch bei Infektionen der Luftwege und bei der Verbreitung von „Grippe“-Viren eine wesentliche Rolle spielen.

Die Konzentration auf einen äußeren, schicksalhaft aufgetretenen Feind erleichterte es, „heldenhaft-konsequentes Handeln“ propagandistisch auszuschlachten. So ist man heute auch sicher, dass der sich verkündete militärische Sieg ind China durch sinkende Fallzahlen belegt sei.

In anderen Weltregionen (mit weniger gleichgeschalteten Gesellschaften) ist diese vorexerzierten Art eines massiven Krieges gegen einen Infektionserreger (noch) nicht möglich. Aber China soll bereits bereits Entwicklungshelfer*innen nach Italien schicken.

Aus politischen Gründen war die Überhöhung der Gefährdungslage der Epidemie in China rational nachvollziehbar. Denn die Digitalisierung der Überwachung konnte so um ein Vielfaches verbessert werden. Die Pandemie bot eine willkommene Chance die Lückenlose Kontrolle der Bevölkerung weiter zu perfektionieren („Big Brother is watching you!“).

Die Folge war allerdings die Auslösung einer weltweiten Panik-Welle, erkennbar am Ausverkauf von Gesichtsmasken, die eine verängstigte Psyche besänftigen, aber die Virusverbreitung natürlich nicht verlangsamen können.

Gepostete Bilder aus sozialen Netzwerken Mitte März 2020

 „… there does not seem to be anything special
 about this particular epidemic of influenza-like illness.
 … we should wash our hands all the year round, not just now.
(Jefferson 2020)

Großanzeige der BZgA in der SZ vom 07.3.2020:
Was an dieser Information bezieht sich genau (und nur) auf Corona-Viren? Gilt das Gesagte nicht für alle Grippe-Erreger? Ist Händewaschen nicht zeitlos sinnvoll, und gerade dann, wenn (wie jedes Jahr) ein Grippe-Virus umgeht?

Normale Grippe ohne Influenza?

WHO, Gesundheitsbehörden und die von ihnen informierten Behörden versäumten es, rechtzeitig das Gefährdungs-Szenario als das zu bezeichnen, was es ist. Eine jährliche Grippe-Welle (wenn auch mit einem ungewöhnlichen Erreger), angesichts der man das tun sollte, was immer Sinn macht:

Gesundheitsförderliches Verhalten ist unspektakulär aber wirksam. Daher müsste es eigentlich Jahr für Jahr für alle Wintermonate empfohlen werden (und nicht nur die „Grippe-Impfung“). Das aber wurde fast 10 Jahre lang versäumt, weil es ausschließlcih darum, die „Grippe“-Impfung (die nur gegen Influenza wirkt) als wirksamsten Schutz zu vermarkten.

Rational abwägende Wissenschaftler*innen haben es in panischen Zeiten schwer (siehe Kommentare). Denn, wer verängstigt ist, kauft und hortet Toilettenpapier, aber kann nicht nüchterne Information verarbeiten. Dafür sehnt er sich nach der Vermarktung von Produkten, die ihm seine Angst wieder nehmenkönnen.

Dem Tsunamie der Angst, der z.Z. durch alle Medien schwappt, wird (wie so oft) – früher oder später – ein zweiter Tsunami der Vermarktung von Dienstleistungen und Produkten folgen. Milde Erkrankungsverläufe bei Covid-19 erfordern zwar keine gezielte Therapie, und bei schweren Krankheits-Verläufen sind intensiv-medizinische Behandlung erforderlich, die Vitalfunktionen der Patient*innen stabil halten (d.h. nicht spezifisch „gegen das Virus“ wirkende Produkte.

Es werden experimentelle Anti-virale Meidkamente eingesetzt. Und es wird intensiv an der Herstellung von Impfstoffen geforscht. Und man wirbt bereits dafür, dass man angesichts der Katastrophe die Sicherheitsstandards der Zulassung senken müsse.

Überstürzte Produktvermarktungen, wie bei der Influenza-Pandemie 2009, nicht mehr schaden als nutzen könnten (BMJ-Tamiflu-Campaign, Doshi 2018, Ahmed 2017)

Die Erfahrung mit der vergleichbaren Influenza-Impfung zeigt zudem, dass sie nur einen „mäßigen“ Schutz gegen die Viren bot, vor denen sie bewahren sollte (Cochrane 2018). Und selbst, wenn eine tatsächlich effektivere Impfung gegen das jetzt umlaufende Sars-CoV-2 schützen würde, könnte es nicht Epidemien mit neuen (bisher unbekannten) „Grippe“-Viren verhindern, die uns ab 2021 bevorstehen werden (seien es Corona-, Influenza- oder andere Viren).

Kommentare & persönliche Einschätzungen

„If we decide to jump off the cliff,
we need some data to inform us about the rationale
of such an action and the chances
of landing somewhere safe.“ Ioannides 2020

Gastbeitrag: “ Medienhype“

Der folgende Beitrag wurde zwölf Monate vor der Corona-Epidemie geschrieben. Er bezog sich auf eine ander Welle medizinischen Marketings. Der Autor war ein hervorragender Journalist und ein guter Freund. Ich vermisse ihn sehr. Gerade jetzt hätte ich seinen Rat gebraucht um die Info-demie besser zu verstehen.

Jan Bollwerk (*1953-+2020), Artikel: 20.02.2019

Wir alle wissen, dass die Emotionen an allen Entscheidungen nicht nur beteiligt sind, sondern eine zentrale Rolle spielen. Daher ist es das Bestreben in jedem Verkaufsprozess, die Emotionen so zu beeinflussen, dass der Mensch ihnen glaubt. Und, so funktioniert der Mechanismus, dass die Emotion dem Verstand signalisiert: Dieses Produkt ist gut – diese Information ist wahr. Der Verstand meldet dies wiederum der Emotion zurück – und in diesem Hin und Her entsteht die Entscheidung, die positiv fürs Produkt ausfällt.

Glauben. Alle diese Prozesse wurden und werden immer wieder haarklein untersucht und beschrieben. Auftraggeber sind dafür u.a. große Public Relations (PR)- und Werbeagenturen und Unternehmensberatungen. Sie machen Milliardenumsätze.

Die Big Player unter ihnen agieren weltweit. Viele auch „nur“ in Deutschland bzw. Europa. Sie werden von Unternehmen beauftragt, ihnen werden von Seiten der Wirtschaft Milliardenetats zur Verfügung gestellt, um definierte Inhalte zu kommunizieren. Definierte Inhalte: Es geht nicht um Wahrheit, sondern um wirtschaftliche Ziele bzw. Produkte, mit denen Ziele erreicht werden. Ziele können sein: die Marktführerschaft in einem Bereich, die Übernahme von Konkurrenten, Umsatzsteigerungen, eigene Bereinigungen. Häufig sind Ziele auch politisch motiviert, häufig hängt beides zusammen. Die Kommunikation erfolgt auf verschiedenen Kanälen.

Da werden tausende Artikel ins Internet geschleust: auf eigenen Websites, in Blogs, auf Landingpages, in sozialen Netzwerken. Geschleust bedeutet: Inhalte/zu transportierende Fakten, Tonalitäten, „unterliegende“ Botschaften werden von Unternehmen bzw. den beratenden Kommunikationsagenturen vorgegeben; viele voneinander unabhängige, bezahlte Schreiber formulieren aus diesen grundsätzlichen Vorgaben große Mengen an kurzen und langen Nachrichten, Features, Berichten, großen und kleinen Stories, People-Geschichten.

In der Suchmaschinen-Optimierung werden die Begriffe, auf die es bei dem Suchen und Finden im Web ankommt, untereinander vernetzt. Immer wieder wird eine aufwendige Keyword-Optimierung gefahren: Es wird geprüft, welche Begriffe gesucht werden, daraufhin werden die Berichte und Meldungen und Stories mit diesen Begriffen versehen, überarbeitet und ins Web geschleust. Auf diese Weise tauchen die gesuchten Begriffe in und mit den gewünschten und vorgegebenen Inhalten auf. Daher erscheinen scheinbar überall und dadurch offenkundig glaubwürdig die gleichen Antworten auf dieselben Fragen. Scheinbare Wahrheiten zementieren sich auf diese Weise in den Köpfen und – vor allem – Emotionen der Menschen.

Zusätzlich werden Anzeigen mit den korrespondierenden Inhalten und Aussagen und selbstverständlich auch herkömmliche Werbung geschaltet: in Zeitungen/Zeitschriften, im Web auf Seiten, wo die Zielgruppe unterwegs ist, auf Bahnhöfen, Plakatwänden, etc. Dann laufen im Rundfunk und im TV entsprechende Features und auch Anzeigen.

Dies ist im Prinzip die gleiche Geschichte wie die fürs Web. Die „Vervielfältiger“ (Journalisten, Fachjournalisten, PR-Profis) können recherchieren wie sie wollen – wo sollen sie objektive Informationen bekommen? Wie sollen sie dabei in der Lage sein, die tatsächlichen Fakten gegeneinander abzuwägen?

Wichtig ist weiterhin:

Jedes Medium – insbesondere Redaktionen – sind sog. Tendenzbetriebe. Sie dürfen tendenziell berichten.

Sehr viele Chefredakteure, Ressortleiter begreifen sich als Zuträger für eine gesunde wirtschaftliche Lage ihres jeweiligen Mediums. Meistens werden deshalb Mehrheitsmeinungen transportiert.

Mehrheitsmeinungen werden ganz stark von Presseagenturen (z.B. dpa, Reuters, AP, AFP) gebildet, die ihrerseits ebenfalls von PR-Agenturen – und selbstverständlich von den großen Playern – mit Inhalten befeuert werden. Viele kleine und regionale Zeitungen können oder wollen sich eigenes journalistisch geschultes Personal nicht mehr leisten, sondern greifen auf Agenturleistungen (die selbstverständlich bezahlt werden müssen) zurück. Auf diese Weise geraten deren Inhalte auch ins letzte Dorf.

Am Ende der Skala gibt es unzählige viele allgemeine Anzeigenblätter, fachbezogene Anzeigenblätter (Apotheken-Rundschau), Branchenblätter. Auch hier erscheinen die gewünschten Inhalte irgendwann.

Wenn man das alles versucht zu verstehen, fragt man sich am Ende, wo eigene Informationen übers Weltgeschehen, die Wirtschaft, Gesundheit, Impfen, Währungen etc. herkommen …

Es gibt Zusammenschlüsse von Journalisten und Redaktionen, die sich ihrer ursächlichen Aufgaben bewusst sind und recherchieren und aufdecken. Sie werden schnell in die Ecke der Panikmacher und Verschwörungs-Theoretiker gestellt. Und, auch das ist so, auch diese Spezies gibt es; letztlich ist deren Vorgehen das gleiche wie das der Wirtschaft, denn deren Interessen sind letztlich die gleichen wie die oben beschriebenen.

Letzte Aktualisierung: 25.10.2020