Pandemische Panik?

„Infodemic .. the spread of false or baseless pieces of information. .. misinformation can be more viral than the virus ..“ VeraFiles 28.01.2020

Pandemic Panic („Berge aus Maulwurfshügeln“): David McCandless (TED 2010). Graphik: informationisbeautiful.net Bildauschnitt vom 05.02.2020 (Corona-Virus-Hype fehlt noch)

Warum wird bei der Corona-Epidemie 2020 so selten über die Smog-Katastrophe in den Megastädten gesprochen? Obwohl die Belastungen mit Feinstaub (u.a.) bei der Sterblichkeit von Atemwegsinfektionen eine erhebliche Rolle spielen. Personen mit vorgeschädigten Atemwegen also besonders gefährdet sind. Und sich das Virus an Smogpartikel anheften und so schneller weiterverbreitet werden kann.

Beides ist kaum eine Nachricht wert.

  • Weil unsere (Auto)-Industrie an dem Luft-Debakel in den Mega-Städten erheblich beteiligt ist?
  • Oder weil, wie bei jedem neuen Virus, fieberhaft an Medizinprodukten geforscht wird, die in Kürze massenhaft und lukrativ vermarktet werden können?
Bild: Versuch nicht zu atmen. Artikel im Guardian Weekly, 19.04.2019. Aktualisiert: The Guardian (Air Pollution 2020). Neun von zehn Menschen auf der Erde atmen (laut WHO) Luft mit zu hohen Schadstoffmengen. Luftverschmutzung soll eine höhere Sterblichkeit verursachen als Rauchen, AIDS, Diabetes und Verkehrsunfälle zusammengenommen. In China sind von der Smog-Endemie insbesondere Kinder betroffen: CCCEH.

Gastbeitrag: “ Medienhype“

Jan Bollwerk (*1953-+2020), Artikel: 20.02.2019

Wir alle wissen, dass die Emotionen an allen Entscheidungen nicht nur beteiligt sind, sondern eine zentrale Rolle spielen. Daher ist es das Bestreben in jedem Verkaufsprozess, die Emotionen so zu beeinflussen, dass der Mensch ihnen glaubt. Und, so funktioniert der Mechanismus, dass die Emotion dem Verstand signalisiert: Dieses Produkt ist gut – diese Information ist wahr. Der Verstand meldet dies wiederum der Emotion zurück – und in diesem Hin und Her entsteht die Entscheidung, die positiv fürs Produkt ausfällt.

Glauben. Alle diese Prozesse wurden und werden immer wieder haarklein untersucht und beschrieben. Auftraggeber sind dafür u.a. große Public Relations (PR)- und Werbeagenturen und Unternehmensberatungen. Sie machen Milliardenumsätze.

Die Big Player unter ihnen agieren weltweit. Viele auch „nur“ in Deutschland bzw. Europa. Sie werden von Unternehmen beauftragt, ihnen werden von Seiten der Wirtschaft Milliardenetats zur Verfügung gestellt, um definierte Inhalte zu kommunizieren. Definierte Inhalte: Es geht nicht um Wahrheit, sondern um wirtschaftliche Ziele bzw. Produkte, mit denen Ziele erreicht werden. Ziele können sein: die Marktführerschaft in einem Bereich, die Übernahme von Konkurrenten, Umsatzsteigerungen, eigene Bereinigungen. Häufig sind Ziele auch politisch motiviert, häufig hängt beides zusammen. Die Kommunikation erfolgt auf verschiedenen Kanälen.

Da werden tausende Artikel ins Internet geschleust: auf eigenen Websites, in Blogs, auf Landingpages, in sozialen Netzwerken. Geschleust bedeutet: Inhalte/zu transportierende Fakten, Tonalitäten, „unterliegende“ Botschaften werden von Unternehmen bzw. den beratenden Kommunikationsagenturen vorgegeben; viele voneinander unabhängige, bezahlte Schreiber formulieren aus diesen grundsätzlichen Vorgaben große Mengen an kurzen und langen Nachrichten, Features, Berichten, großen und kleinen Stories, People-Geschichten.

In der Suchmaschinen-Optimierung werden die Begriffe, auf die es bei dem Suchen und Finden im Web ankommt, untereinander vernetzt. Immer wieder wird eine aufwendige Keyword-Optimierung gefahren: Es wird geprüft, welche Begriffe gesucht werden, daraufhin werden die Berichte und Meldungen und Stories mit diesen Begriffen versehen, überarbeitet und ins Web geschleust. Auf diese Weise tauchen die gesuchten Begriffe in und mit den gewünschten und vorgegebenen Inhalten auf. Daher erscheinen scheinbar überall und dadurch offenkundig glaubwürdig die gleichen Antworten auf dieselben Fragen. Scheinbare Wahrheiten zementieren sich auf diese Weise in den Köpfen und – vor allem – Emotionen der Menschen.

Zusätzlich werden Anzeigen mit den korrespondierenden Inhalten und Aussagen und selbstverständlich auch herkömmliche Werbung geschaltet: in Zeitungen/Zeitschriften, im Web auf Seiten, wo die Zielgruppe unterwegs ist, auf Bahnhöfen, Plakatwänden, etc. Dann laufen im Rundfunk und im TV entsprechende Features und auch Anzeigen.

Dies ist im Prinzip die gleiche Geschichte wie die fürs Web. Die „Vervielfältiger“ (Journalisten, Fachjournalisten, PR-Profis) können recherchieren wie sie wollen – wo sollen sie objektive Informationen bekommen? Wie sollen sie dabei in der Lage sein, die tatsächlichen Fakten gegeneinander abzuwägen?

Wichtig ist weiterhin:

Jedes Medium – insbesondere Redaktionen – sind sog. Tendenzbetriebe. Sie dürfen tendenziell berichten.

Sehr viele Chefredakteure, Ressortleiter begreifen sich als Zuträger für eine gesunde wirtschaftliche Lage ihres jeweiligen Mediums. Meistens werden deshalb Mehrheitsmeinungen transportiert.

Mehrheitsmeinungen werden ganz stark von Presseagenturen (z.B. dpa, Reuters, AP, AFP) gebildet, die ihrerseits ebenfalls von PR-Agenturen – und selbstverständlich von den großen Playern – mit Inhalten befeuert werden. Viele kleine und regionale Zeitungen können oder wollen sich eigenes journalistisch geschultes Personal nicht mehr leisten, sondern greifen auf Agenturleistungen (die selbstverständlich bezahlt werden müssen) zurück. Auf diese Weise geraten deren Inhalte auch ins letzte Dorf.

Am Ende der Skala gibt es unzählige viele allgemeine Anzeigenblätter, fachbezogene Anzeigenblätter (Apotheken-Rundschau), Branchenblätter. Auch hier erscheinen die gewünschten Inhalte irgendwann.

Wenn man das alles versucht zu verstehen, fragt man sich am Ende, wo eigene Informationen übers Weltgeschehen, die Wirtschaft, Gesundheit, Impfen, Währungen etc. herkommen …

Es gibt Zusammenschlüsse von Journalisten und Redaktionen, die sich ihrer ursächlichen Aufgaben bewusst sind und recherchieren und aufdecken. Sie werden schnell in die Ecke der Panikmacher und Verschwörungs-Theoretiker gestellt. Und, auch das ist so, auch diese Spezies gibt es; letztlich ist deren Vorgehen das gleiche wie das der Wirtschaft, denn deren Interessen sind letztlich die gleichen wie die oben beschriebenen.

Letzte Aktualisierung: 05.02.2020