1. Home
  2. /
  3. Medizin
  4. /
  5. Patienten-Un-Sicherheit
  6. /
  7. Medizinische Katastrophen
17. Mai 2024

Medizinische Katastrophen

„Hunderttausendfacher Mord –
brutale, tödliche Menschenversuche.“
Nürnberger Ärzteprozess gegen 350 Ärzte (1946)

Gefährliche Medizin

Seit ihrer Erfindung vor über zweitausend Jahren war Medizin überwiegend nutzlos bis gefährlich. (Wooton 2006) Erst Ende des 19. Jahrhunderts entwickelten sich wirksame Medizintheorien, wie die Sozial- und Umwelthygiene. Der rasante Aufstieg der Medizin begann erst mit der bis heute das ärztliche Denken beherrschende Kriegstheorie, für die ein wirksameres Waffenarsenal entwickelt wurde. Diese so genannt „Keimtheorie“ besagt, dass Krankheit immer die Folge eines Angriffes ist. Daher sei es nötig, Feinde zu benennen und zu vernichten.

Beseelt vom Krieg gegen das Böse folterten Ärzte dann in universitären Forschungsprojekten Menschen zu Tode, u. a. in Dachau. (DÄB 2021)

Unterkühlungsversuch 1942 in Dachau
Unterkühlungsversuch 1942 im KZ Dachau durch Dr. Rascher

Einer von ihnen, der Leiter des Tropeninstitutes Hamburg, Prof. Peter Mühlens, lies von 1933 bis 1943 KZ-Häftlinge und psychiatrisch Kranke mit Fleckfieber und Malaria infizieren.

Man glaubte „Im Dienst der Wissenschaft“ vollkommen korrekt gehandelt zu haben:

 „So hat mir, wie ich mich bemühte zu zeigen, das Dritte Reich […] auf ärztlichem Gebiete eine große Chance gegeben. Ich habe die Chance genutzt.“ (Karl Gebhardt 1947)

Zeitgleich wurden in Japan amerikanische Kriegsgefangene zu Tode operiert. Aus den dazu verfügbaren Dokumenten gestaltete der Literaturpreisträger Shūsaku Endō ein Psychogramm der Beteiligten. Er beschrieb „normale“ Krankenschwestern und Ärzte, die in die Geschehnisse hineingezogen wurden, die sich verstrickten, und denen es schließlich nicht mehr gelang, sich aus der Dynamik des Wahnsinns herauszulösen.

Waren es (als Ärzte verkleidete) Psychopathen, die Menschen folterten und ermordeten?

Endō sah die Schuld eher in den äußeren Umständen, die durch Ideologie, Dogmen, medizinischen Fortschrittsglauben, soziale Verpflichtungen, Normierung, Karriere-Chancen und gesellschaftlichen Anreize, im Prinzip wohlmeinende und auch zweifelnde Menschen zu Schuldigen werden ließen. Ein freier Wille, um moralisch zu handeln, sei angesichts dieser gesellschaftlichen Zwänge Illusion:

„Und wenn ich mit solchen Entscheidungen konfrontiert worden wäre? – Wer bin ich schon, um zu sagen, dass ich dann anderes gehandelt hätte?“ (Endō 1958)

Nur wenige Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg Mediziner wurden auch in anderen Weltregionen Menschenversuche unternommen. Zum Beispiel in Guatemala: Von 1946 bis 48 wurden dort Soldaten, Gefangene, Prostituierte und psychisch Kranke mit Syphilis infiziert.  Die Liste ähnlicher Versuche (allein in den USA) ist lang: Unethical human experimentation (Wiki)

Französische Wissenschaftler (Jean Paul Mira, Camille Locht) sinnierten am 02.04.2020 bzgl. der innovativen Covid-Impfstudien in Afrika (sinngemäß gemäß übersetzt), dass man: „ … bestimmte Menschen zum Testen auswählen“ solle.

In den französischen Kolonien wurde in den 1950er-Jahren versucht, die Schlafkrankheit mit einem neuen Medikament auszurotten (Lomidine / Pentamidin). In Massenkampagnen wurden die dazu notwendigen Spritzen zwangsweise und notfalls auch mit Gewalt verabreicht. Der Nutzen war gering. Dafür erkrankten viele oder starben an Krankheitsfolgen. 1957 wurden diese Menschenversuche schließlich eingestellt, und es wurde alles getan, um die angerichteten Schäden zu vertuschen. (Lachenal 2014)

Und auch heute gibt es  „Gegenden ohne medizinische Ethik“ (medical ethics free zones) (NEJM 2013). Ärzte überwachen Folter und Exekutionen, oder sind an illegalem Organhandel (BMJ 2015) beteiligt.

Und Menschen werden weiterhin als Versuchskaninchen benutzt, um neue Produkte der Pharmaindustrie auszutesten (Somo, CNN, Pandemrix). Ein Beispiel dafür ist das Verimpfen eines nicht ausgereiften Impfstoffes an 800.000 Kinder, die in den Philippinen 2016 – 2017 (BBC 03.02.2018).

Die Standards der Studiengestaltung und -durchführung sind in vielen Ländern sehr niedrig. Das macht es für Konzerne attraktiv macht, neue Produkte dort auszutesten. Wie bei den Kindern, an denen der Malaria-Impfstoff Mosquirix über Jahrzehnte ausprobiert wurde und wird (DLF 17.12.2020):

„… In dieser Studie wurden 7200.000 Kinder nichts ahnend und ohne Einverständnis ihrer Eltern zu Probanten. das ist nicht nur eine Verletzung der internationalen Ethikregeln. Es ist sogar eine Menschenrechtsverletzung. Und im Forschungskontext ist es die größte Verletzung der Menschenrechte von Kindern, die mir bekannt ist.“ Charles Wejer, Bio-Ethiker, in Koloniales Denken in der Wissenschaft – Ethik-Dumpig, DLF, 27.12.2020

Natürlich gehört auch das Austesten neuer Behandlungs- und Vorbeugungskonzepte bei Covid 19-Pandemie in diese Denk- und Handlungweise.

Weitere Beispiele medizinischer Katastrophen

„Wer als Werkzeug einen Hammer besitzt,
sieht in jedem Problem einen Nagel.“
Watzlawick

Neurochirurgie mentaler Erkrankungen

Rosemary Kennedy, die lebenslustige Schwester des späteren Präsidenten JFK, wurde in ihrem 23. Lebensjahr an den renommierten Psychiater Walter Freeman ausgeliefert. Der behauptete, psychische Probleme weg-operieren zu können. Ihr Vater litt unter ihren Stimmungs-Schwankungen, und konnte ihre Unfähigkeit, die von ihm erwarteten intellektuellen und sportlichen Höchstleistungen zu erbringen, nicht ertragen.

Dr. Freeman war 1941 eine anerkannte Autorität seines Fachs. Sein Lehrer war der portugiesische Neurologe Egas Muniz, der für die Entdeckung des „therapeutischen Wertes der präfrontalen Leukotomie bei gewissen Psychosen“ 1949 den Nobelpreis erhielt.

Rosemary war eines der Ersten, und vermutlich das berühmteste, Opfer von Freeman. Er trieb ihr ein hakenförmiges Instrument zwischen Nase und Auge in den Schädel. Und zerstörte dort den vorderen Anteil des Gehirns, der für menschliches Verhalten besonders typisch ist.

Nach diesem Eingriff war Rosemary keine „Nervensäge“ mehr. Sie verhielt sich wie ein Kleinkind, starrte regungslos die Wände an, konnte nur noch unverständliche Wortgebilde brabbeln, und blieb bis zu ihrem Tod ein Pflegefall.

Freeman selbst führte die „Frontale Lobotomie“ etwa dreitausendfünfhundert mal durch, und tourte mit einem „Loboto-mobile“ quer durch die USA. Von weiteren „Psycho-Chirurgen“ wurden in den USA über 40.000 Menschen verstümmelt, die anschließend in Pflegeeinrichtungen vegetierten.

Zum Bild:

Da hämmert jemand mit einem primitiven Küchengerät in die komplexeste Struktur eines Menschen hinein. Sieht niemand der Beteiligten? Warum erschauern sie nicht oder gruseln sich? Vielleicht deshalb, weil niemand das Überdeutliche (ein „Elefant im Raum“)  anzusprechen wagt?

Die Ärzte, Pfleger und Schwestern wirken nicht abgestumpft, sondern aufmerksam und interessiert an diesem Heilungsritual bei, das auf aktuellster Expertenmeinung beruht. Sie strahlen Bewunderung, Ehrfurcht und Glauben aus, und sind fasziniert, wie etwas Hoch-Komplexes (die glitschige Hirnmasse im Schädel) so konsequent, einfach und genial repariert werden kann. Freeman selbst kann den von ihm verursachten Blödsinn natürlich nicht erkennen, weil er sich „hämmernd“ in Trance befindet.

Gerade diese absolut erscheinende Selbstgewissheit wahnhaften Handelns zieht die Umstehenden in den Bann seines pseudo-wissenschaftlichen Glaubensmodells. Mitgefühl mit dem Opfer hat, angesichts der rationaler Autorität der „Eminence based medicine“, nur noch seinen Platz in der Geste der helfenden Hände, die dem Opfer vermitteln sollen, dass jetzt „sicher alles gut werde“.

Spätestens als 1967 Freeman die verstümmelnden Eingriffe untersagt wurden, hätte die Psycho-Chirurgie aus den Operations-Sälen in die Museen umziehen müssen.

Sie tat es nicht. Im Gegenteil:

Freeman ebnete den Weg für immer weitergehende Verfeinerungen „neuro-chirurgischer Eingriffe in die Psyche“. (Mashour 2005, Jeha 2007, Stone 2008, Lapidus 2013). Dieses mechanische Gefummel in komplexe, nur ansatzweise Quanten-physikalisch erfassbare System-Zusammenhänge ergibt keinen Sinn. (Buzsáki 2018)

Trotzdem geschieht es: Bis der erste Kopf transplantiert wird, ist nur noch eine Frage der Zeit. (Ren 2017)

Leukämie und Röntgen in der Schwangerschaft

In vielen Industrieländern wurde nach 1945 empfohlen, die Beckenknochen von Schwangeren zu röntgen. Man wollte daraus ableiten, ob eine Geburt auf natürlichem Wege erfolgen könne, und so die Zahl schwierig verlaufender Geburten senken. Die Technik der Röntgenbestrahlung war sehr einfach anwendbar und schmerzfrei.

Unethisch
Lebendes erstarrt, damit das zwei-dimensional-tote Abbild nicht verwackelt. (Bild: Rieckhof, 1942)

Zitat Erbslöh 1942: „… Die angewandte Technik besteht in einer fast vollständigen Ablassung des Fruchtwassers durch Punktion, …, und einer nachfolgenden Instillation von 10-20 ccm Moljodol, ein von einer japanischen Firma hergestelltes Jodöl. … Durch gleichzeitige Darstellung der Innenwand des Uterus … ergeben sich weitere Möglichkeiten für die röntgenologische Erforschung des Geburtsverlaufes …“

Die Risiken schienen sehr gering zu sein, weil bei dem kurz zuvor durchgeführten „Großversuch“ in Hiroshima und Nagasaki Schwangere viel höheren Röntgendosen ausgesetzt waren, aber sofern sie überlebten, von den Behörden relativ wenig bleibende Schäden bei Kindern gemeldet worden waren. Außerdem traten bei den Beobachtungen unmittelbar nach niedrig-dosierten diagnostischen Bestrahlungen keine nennenswerten Nebenwirkungen auf. Die ungeborenen Kinder schienen in ihrem Wohlbefinden nicht beeinträchtigt zu sein.

Man argumentierte im Prinzip so, wie es auch heute bei anderen Eingriffen in der Schwangerschaft immer noch üblich ist: Es bestehe vermutlich ein gewisser Nutzen, den man den Schwangeren aus ethischen Gründen nicht vorenthalten könne. Zudem sei eine erhöhte Sterblichkeit für Mutter und Kind ausgeschlossen, und für langfristige Schäden einer unbekannten Art gäbe es keinerlei Beweise. Also sei die Anwendung der Methode bedenkenlos.

Folglich wurden in Europa und Nordamerika in einigen Krankenhäusern bis zu 25 % der schwangeren Frauen gemäß der damals aktuellen Leitlinien geröntgt (Lewis 1960). In den Fünfzigerjahren fiel dann der Epidemiologin Stewart ein Anstieg von kindlicher Leukämie in England auf. Da ihr das ungewöhnlich erschien, suchte sie nach Hinweisen auf Ereignisse, die für die betroffenen Kinder vermehrt zutrafen.

Sie fand in ihrer ersten Studie, dass von 296 Kindern, die im Alter unter zehn Jahren an Leukämie verstorben waren, 46 im Mutterbauch geröntgt worden waren. In der Kontrollgruppe von 269 Kindern waren es nur 24 (Steward 1956). Zwei Jahre später veröffentlichte sie, dass Leukämie (und wenige andere Karzinome) bei 13,7 % von 1.299 der Kinder aufgetreten, die in der Schwangerschaft geröntgt worden waren. In der Kontrollgruppe lag die Rate nur bei 7,2 % (Stewart 1958).

Diese Veröffentlichungen führten keineswegs zu einer Veränderung der Expertenempfehlungen. Stattdessen wurde u. a. diskutiert, dass die Beobachtungen, zumindest in einem Krankenhaus, die hohe von Stewart vermutete Krankheitswahrscheinlichkeit nicht bestätigten (Lewis 1960). Alice Stewart und ihre Mitarbeiter konnten jedoch ihren Verdacht durch intensivere Datenanalysen und größere Beobachtungszeiträume später deutlich bekräftigen, und begannen auf dieser soliden Basis auch die möglichen ursächlichen Zusammenhänge zu diskutieren (Stewart 1962).

Dennoch wurde die Methode weiterhin als wirksam empfohlen (Barron 1964). Erst 1974 schien es schließlich nicht mehr umstritten zu sein, dass das Risiko später an Leukämie zu versterben bei bestrahlten Ungeborenen etwa 2–3-mal so groß sei wie bei nicht geröntgten Kindern, und es für dieses Phänomen auch keinen unteren Grenzwert gäbe. (Mole 1974)

alice stewart
Alice Stewart (1906-2002): “The woman who knew too much” (Greene: Uni. Mich. Press 1999)

Inzwischen ist es etabliert, dass niedrig dosierte, diagnostische Röntgenbestrahlungen auch außerhalb der Schwangerschaft in der frühen Kindheit das Risiko für das spätere Auftreten von akuter lymphatischer Leukämie erhöhen (Steward 1986, Wakeford 2003, Bartley 2010). Leukämie ist mittlerweile der häufigste Krebs bei Kindern und die Zahl der Erkrankten nimmt in entwickelten Ländern weiter zu (Shah 2007).

Der Nutzen der Beckenausmessung durch Röntgenstrahlen war bereits 1975 angezweifelt worden (Kelly 1975). Selbst Ausmessungen des weiblichen Beckens mit Magnet-Resonanz-Scannern (MRI) die Kaiserschnittraten nicht senken konnten (von Loon 1997). Denn das weibliche Becken passt sich während der Geburt flexibel und elastisch an die sich dynamisch verändernden Raumverhältnisse an.

Schließlich wurde 2007 endgültig empfohlen, die Methode wegen fehlenden Nutzens nicht mehr einzusetzen. (Rosenberg 2007)

Es dauerte also ein halbes Jahrhundert bis zur Abschaffung einer Intervention, die Schwangeren fast keinen Nutzen brachte, aber langfristig erheblichen Schaden anrichtete.

Die Faszination der Verwandlung vierdimensionaler, dynamischer Vorgänge in einfach-flache Bilder hat aber im Markt der Medizin nichts von seinem Reiz verloren.

Thalidomid – Contergan©

1954 Jahren wurde Thalidomid (α-Phthalimidoglutarimid)  entdeckt, und als nebenwirkungsarmes Schlaf und Beruhigungsmittel hergestellt. Spätestens ab 1957 wurde es schwangeren Frauen als Mittel gegen Schlaflosigkeit, Ängste und Übelkeit verschrieben.

Ab 1960 konnten die Frauen das Medikament schließlich in Deutschland auch ohne Rezept kaufen. In der Folge wurden 10.000 bis 20.000 Säugling mit schweren Missbildungen der Arme, Beine und zum Teil auch der Augen und Ohren geboren. Viele dieser Schäden führten zum Tod. 46 Jahre nach dem Bekanntwerden der ersten Missbildungen erklärte sich die Herstellerfirma Grünenthal zu einer Entschädigung bereit.

Erst am 15. Juli 2009 konnten 50 Mill. € an Betroffene verteilt werden.

Diethylstilboestrol bei Schwangeren

1938 wurde ein synthetisches Östrogen Diethylstilboestrol (DES) an der Universität Oxford entwickelt. 1940 wurde es in den USA zur Behandlung verschiedener Wechseljahrsbeschwerden und zum Abstillen zugelassen. DES erwies sich als weitgehend nebenwirkungsfrei. Außerdem schien es gegen wiederholte Fehlgeburten und auch gegen Übelkeit in der Schwangerschaft zu helfen. Vermutlich erhielten mehr als 3 Millionen Schwangere DES, zum großen Teil in den USA, aber auch in weiteren Ländern.

Tatsächlich war der Nutzen des Medikamentes sehr gering (AMJOG 1953, 66:1062-81). Trotzdem wurde es Dank eines genialen Marketings massenhaft verkauft. Erst 1971 wurde erstmals gezeigt, dass die Einnahme von DES in der Schwangerschaft (14–22 Jahre nach der Geburt) das Entstehen einer seltenen Krebsart (hellzelliges Adenokarzinom der Vagina) erhöhte (NEJM 1971, 284:878-81); heute ist bekannt: etwa um das Vierzigfache. Weitere Störungen, die vermutlich mit DES-Gaben in der Schwangerschaft zusammenhängen, sind Unfruchtbarkeit, ein höheres Risiko für Fehlgeburten und Brustkrebs.

Ein Teil der schweren Nebenwirkungen wurde deshalb nicht früher entdeckt, weil sie sich (im Gegensatz zu Thalidomid) erst viele Jahre später zeigten. Und weil kein einfach-mono-kausaler Zusammenhang bestand, weil sich viel Schadwirkungen in komplexen Zusammenhänge gegenseitig ungünstig beeinflussen.

Duogynon (später Cumorit, engl. Primodos)

In den 70er Jahren wurden gehäuft Missbildungen bei Kindern beobachtet, deren Mütter einen Schwangerschaftstest erhalten hatte. Den Frauen war von ihren Ärzten zwei Tabletten eines Gestagen-Östogen-Kombinationspräparates verschrieben worden (Inhaltsstoffe: Norethisteron-acetat und Ethinylöstradiol). Sie sollten eine Menstruation auslösen, oder, falls das nicht eintreffen würde, belegen, dass die Frauen schwanger seien.

Die Medikamenten-Kombination war vor ihrer Zulassung nicht ausführlich auf die Risiken möglicher embryonaler Schädigungen oder Abortauslösung untersucht worden. Die spätestens ab 1975 immer deutlicheren Zusammenhänge wurden von dem Hersteller (Schering) und von den Zulassungsbehörden nicht umfassend analysiert. Weltweit wurde das Medikament bis in die Achtzigerjahre als Schwangerschaftstest weiter vertrieben. Erst nach 1978 wurde es für diese Indikation vom Markt genommen. Im Gegensatz zu den Mißbildungs-Opfern von Contergan erhielten die Geschädigten keine Unterstützung. Berichte über Nebenwirkungen, die zu Regressansprüchen gegen die Herstellerfirmen hätten führen können, wurden erfolgreich vertuscht und verdrängt:

  • Reportage in Englisch SkyNews 2017: „Primodos. The Secret Drug Scandal“
  • Reportage des BR 2016: „Der vertuschte Skandal“, oder in der ARD Mediathek
  • Nachweis von embryonalen Mißbildungen im Tierversuch:
    Brown et.al, Nature 13.02.2018, Scientific Reports 8:2917
  • Anfrage im Bundestag 2018: „Das Präparat Duogynon® als Ursache embryonaler Fehlbildungen und die Entschädigung der Betroffenen.“

Mehr

Literatur

Komplex

Ethik

Röntgen und Leukämie

Psycho-Chirurgie

Letzte Aktualisierung: 13.07.2024