Eros (Stichworte)

Eros Dynamo
Eros Dynamo. Links: Venus vom Hohlefels, Mammut-Elfenbein, (Fundort: Geißenklösterle-Höhle, Schwäbische Alb), Alter etwa 35-40.000 Jahre. Bild: Wikipedia, Rechts: Toter (?) Jäger mit erigiertem Penis, Lascaux, Alter: etwa 17.000 Jahre. Bild: Wikipedia

Was ist Eros?

Der Begriff Eros wird sehr unterschiedlich ausgelegt, genutzt und interpretiert. Ich nutze dieses Wort, um die erste eindeutig menschen-typische Kommunikationsform zu beschreiben: Die Fähigkeit zu besonders starker Paarbindung.

Begriffe wie Sex und Erotik trenne ich: Sex ist auch ohne Beziehung möglich, und Liebe besteht auch, wenn eine Trennung durch Raum, Zeit oder Schicksal unüberbrückbar erscheint.

Andere Vormenschen, wie die Neandertaler, waren unseren direkten Vorfahren körperlich deutlich überlegen. Homo sapiens-Menschen verfügten zu dem über eine kleiner Gehirnmasse, d.h. sie waren nicht unbedingt sehr viel schlauer als ihre Vettern, die sich besser an das raue europäische Klima angepasst hatten.

Aber andere Vormenschen waren nicht fähig, größere Stämme zu bilden. D.h. die Form ihrer sozialen Kooperation war weniger perfekt.

In den kleinen Familien-Trupps der Neandertaler herrschten Alpha-Männer oder -Frauen, die anderen direkte Befehle erteilen konnten. Aber offenbar fehlte ein stärkerer sozialer Kit, der einzelne Personen auch dann zu einem geeigneten Rollenverhalten zwang, wenn der Chef oder die Chefin außer Sicht- oder Hörweite waren.

Die griechische Mythologie beginnt mit Eros

Eros schuf die Spannung der Geschlechterrollen. In der chinesischen Schöpfungsgeschichte beginnt die uns bewusste Welt mit der Gebut des Gegensatzes von weiblich (Yin) und männlich (Yang):

Wuji Yin Yang
Vom Ursprungschaos zur Dualität des Lebens. Links: der leere Kreis (der alles und nichts enthält) oder die Schlange, die sich in ewigem Kreislauf selber frisst (Urobos). Daneben, die Schlange, die das Paradies teilte (irgendwo in Kleinasien oder Mesopotamien). Der Beginn der allmählichen Trennung. Und rechts der voll entwickelte Dynamo des Lebens mit seinen Polen „Plus / Minus“, „Hell / Dunkel“, „Weiblich / Männlich“.

In der geschichtslosen Vorzeit war alles eins:

Natur und Leben, Vergangenheit und Zukunft waren in einem endlosen Kreislauf verbunden: Das Symbol von Urobos, der Schlange, die sich selber frisst. Dann kroch iregendwann die Urobos-Schlange durch ihren Kreis und trennte das eine vom anderen. So erzeugte sie den Dynamo der starken Paarbeziehung, den Dualismus von Schwarz und Weiß, der die Welt seither in Atem hält.

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Eros verschafft ungeahnte Kräfte um unüberwindliche Widerstände zu bezwingen. In Todesgefahren und entbehrungen bleibt wenig Gelegenheit für Sex. (Fotos aus: Anna Karenina 1996)

Eros: Viel Sehnsucht, Verlangen und Tod. Wenig Sex.

Sexuelle Orientierung

Die sexuelle Orientierung ist für das Eros-Prinzip unerheblich.

Da Männer und Frauen häufig getrennt lebten (Jagd & Krieg / Stammes-Lager), müssen die Überlebenschancen bei Menschen, die sich gleichgeschlechtlich liebten, deutlich höher gelegen haben. Homosexualität war also evolutionärer sinnvoll: z.B. bei Alexander (dem so genannten Großen), den seine Liebhabern mehrmals retteten (und sich dabei für ihn aufopferten).

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Venus-Figur aus Catal-Höyük, Hürriyet 15.09.2016. Weitere prähistorische Venus-Figuren und Penisdarstellungen

Entscheidend für die Funktionsweise des (homosexuellen oder heterosexuellen) Hochleistungsdynamo sind eindeutige Rollen-Ideale, aus denen sich klare Verhaltensvorgaben ableiten lassen. Die führen dann (wenn sie erfolgreich abgeschlossen werden) zu starken Paarbindungen, die große räumliche und zeitliche Distanzen überstehen können (Bilder oben: 10-40.000 Jahre alte Figuren, u.a. eaumunich 2016Geißenklösterle-Höhle , Comic unten aus: Antropoloy.net).

Bilder: Cordula Kropke

Eros bedeutet: Kommunikation auf Augenhöhe.

Damit ein Dynamo rotieren kann, müssen die Anziehungskräfte von Plus und Minus gleich stark sein.

Junger Mann (Held, Liebhaber, Krieger). Junge Frau (fordernde Schönheit). Junge Mutter und Kind. Alter Macho. Starke Stammes-Großmutter. (Bilder: Cordula Kropke)

Archaische Gender Rollen

Intakte Eros Welt
Eros vor 5.000 Jahren: Die junge, kluge, mächtige Schönheit (hier die mesopotamische Ishtar) liebt den mutigen, sanften, siegreichen Hirten-König (hier Dumuzi, gr. Adonis). Sie bleibt ewig jung. Er aber muss jährlich im Herbst/Winter sterben und wird beweint. Im Frühjahr wird er (oder ein neuer Mann in seiner Rolle) zum Glück unter großem Jubel wiedergeboren.

Kastration
Kastration: Hodengeschmückte Göttin der Jagd, der Liebe und des Krieges (Diana, Artemis von Ephesus, 2. Jhh vuZ?,  Vatican Museum), Die Kastration des Uranos durch Zeus. Bild: Georgio Vasari 1511-1578, Wiki-Commons

Versager, Feiglinge oder Kriegsgefangene werden kastriert

Möglicherweise ist seit zehntausenden von Jahren bekannt, das Veränderungen am Penis nicht zum Tod führen. Folglich konnten Kriegsgefangenen, Schwächlingen oder Versagern die Hoden abgeschneiden werden, um sie so ihrer Männlichkeit beraubt, der Lächerlichkeit preisgegeben und sie zu lebenslanger Fronarbeit zu verdammen. Die erste griechische Muttergöttin (Gaia) lies so ihrem Ehemann Uranos von ihrem Sohn kastrieren.

Aus seinen, ins Meer geworfenen, Hoden entsprang die ideale junge Schönheit Aphrodite. Alte Eros-Frauen wurden noch als Großmütter gebraucht. Alte Eros-Machos wurden selten alt. Ständig herausgefordert starben sie durch einen jungen Rivalen, der anschließend die Witwe heiraten durfte. Oder man schnitt ihnen, wenn sie Pech hatten, das Geschlecht ab, oder stach ihnen die Augen aus. Junge Krieger, die zauderten, den Heldentod zu sterben, mussten bei dem Gedanken erschauern, was sie wohl erwartete, wenn ihnen ihr Leben wichtiger erschien, als das der Gemeinschaft.

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Gelenkter Stier-Macho: Die mächtige Gewalt, die Kriegsmacht, wird geleitet durch sanfte Intelligenz. (Bild: Fresko aus Pompeji, 1. Jhh nuZ.,  Wikipedia)

Georgische Nationalsage aus dem 12. Jhh., nacherzählt und illustriert von T. Spreckelsen und K. Menschik, Galiani 2018. Erinnerung an die damals schon längst vergangenen Zeiten des Übergang von frei jagenden Räubern zu mauerbauenden Städtern. Sie und Er sehen sich nur einmal durch einen Schleier. Doch die unmittelbare Bindung ist extrem stark. SIE widersetzt sich dem dem Beschluss der Eltern und wartet sehnsüchtig Jahrzehnte lang, Strippen ziehend und Intrigen spinnend. Währenddessen vollbringt ER heldenhaft Unglaubliches, und will tausendmal lieber sterben, als die Geliebte zu vergessen.

Spannung, Sehnsucht, Verlangen („Dopamin gesteuert“)

Una music brutal (Gotanproject)

Una musica brutal (Gotan Project)

Gernhaben (Oxytocin gesteuert)

Heidi Preisegger (Vocafonia): Gernhåbn tuat guat

Letzte Aktualisierung: 14.06.2019