Gender, Eros, Sünde

Inhalt

  • Same same! But different?
  • Ist Krieg männlich?
  • Cabron! (Ziegenbock)
  • Führe uns nicht in Versuchung!
  • Gut und Böse zugleich

letzte Überarbeitung: 02.06.2019

Same, same! But different?

Di quell’armor ch’è palpito  dell’universo intero, misterioso, altero, croce e delizia al cor. Die Liebe bewegt das Weltall, geheimnisvoll, erhaben, dem Herzen Schmerz und Wonne zugleich. La Traviata

Menschen können sich intensiv binden.

Wir können uns geliebte Personen vorstellen, und so handeln, als ob sie uns dabei zu sähen.

Typisch für uns ist auch die starke  Differenzierung von Geschlechterrollen. Unsere äußeren Geschlechtsmerkmale sind anatomisch deutlich betont, und theoretisch sind Männer und Frauen, unabhängig von fruchtbaren Perioden, ständig für Sex bereit.

Im Gegensatz zu unseren nahe verwandten Bonobo-Vettern ist aber die sexuelle Erfüllung in der Regel deutlich schwieriger erreichbar.

Bonobos fallen in ihrem Paradies mehrmals am Tag übereinander her, wenn sie Spaß daran haben. Menschen dagegen müssen erst erhebliche Hürden überwinden, bis ihnen dann (manchmal) gestattet wird, Lust oder gar Liebe zu erfahren.

Bei den Bonobos baumelt die ersehnte Banane der Lustbefriedigung direkt vor ihrer Nase herum. Beim Menschen hängt sie weiter entfernt: sehr deutlich sichtbar zwar und theoretisch auch erreichbar, aber nur nach erheblichen Kraftanstrengungen für das Wohl der Gemeinschaft.

Diese Hoch-Spannung zu einem Liebesobjekt liefert Energie (oder Dopamin-Ausschüttung) für heldenhafte Leistungen, die Bonobos weder erbringen wollen noch können, weil sie ja ihre Bananen auch ganz ohne Mühen genießen können.

Die Anlage für den menschlichen Liebesdynamo scheint genetisch vererbt zu werden, wird aber kulturell (und abhängig von der Art der sexuellen Orientierung) unterschiedlich ausgeformt (Young 2009).

Frauen, Männer und Transgender

Menschliche Zellen scheinen entweder weiblich oder männlich sein.

Die ersten Zellknäuel, aus denen sich ein Kind entwickelt, enthalten Erbinformationen der Mutter und des Vaters: Der Vater steuert ein X oder ein Y Chromosom bei. Die Mutter ein X Chromosom und zusätzlich noch die Gene ihrer Zellbakterien, den Mitochondrien, die durch „Verbrennung“ mit Sauerstoff Energie erzeugen.

Ein Mensch trägt folglich mehr mütterliche als väterliche Erinnerungen in sich.

Diese scheinbar so klare Vererbung die X- und Y-Informationsstränge, die das Geschlecht bestimmen, ist aber nicht immer eindeutig. Neben unzweifelhaft männlichen (XY) und klar weiblichen Chromosomen (XX) lassen sich bei gesunden Menschen auch viele andere genetische Zwischenstufen nachweisen. (Ainsworth 2015)

Die genetischen Vorgaben werden in der Gebärmutter durch die Lebensumstände der Mutter verändert (so genannte Epigenetik). Insbesondere wirkt sich Stress stark auf die Kodierung der Erbsubstanz aus, u.a. durch die Hormonkonzentrationen, die das Ungeborene erlebt. Nach der Geburt schließlich werden die angeborenen Funktionsweisen kulturell und gesellschaftlich geprägt und verändert (Mustanski 2015).

Manche Menschen kommen auch ohne anatomisch oder physiologisch eindeutige Geschlechtszuordnung zur Welt. Und in viele Kulturen war (und ist) die Rolle eines „dritten Geschlechtes“ gesellschaftlich akzeptiert. Z.B. kannten die Ureinwohner Nordamerikas sogenannte Berdaches, anatomisch eindeutige Männer, die als Zweitfrau mit einem Krieger verheiratet sein konnten. Berdaches waren als hybride (oft schamanistisch orientierte) Grenzgänger bestens in der Gemeinschaft integriert. Sie füllten eine Frauenrolle aus, und waren so von den Zwängen der spannungsgeladenen Geschlechterpolarisierung befreit. (Lang 1990).

Frau in Senegal (Cordula Kropke 2001)

Der Psychoanalytiker Carl G. Jung glaubte, dass Menschen nicht nur in ihren Zellen, sondern auch in ihrer Psyche, die beiden möglichen Pole des Seins in sich zu trügen. Dass die Persönlichkeit eines Menschen einem Geschlechts-Mosaik entspreche, das er als „Animus und Anima“ bezeichnete. (Jung, Neumann 1949)

Die Gender-rollen würden als archaische Erinnerungen an die Frühzeit in modernen Menschen weiterleben und in der Erziehung nur ungenügend von kulturellen Moralvorgaben überschrieben werden. Und das führe, wie in der Geschichte von Romeo und Julia, immer wieder zu Tragödien.

Unterschiede zwischen Männern und Frauen

Körperliche Funktionen, Stoffwechsel, die der Art der Wahrnehmung und der Informations-verarbeitung sind bei den Geschlechtern verschieden.

Die Zellen im Körper werden von unterschiedlichen Hormon-Rhythmen bestimmt. Frauen und Männer bewegen sich aufgrund ihrer anatomischen der Ausstattungen anders: zum Beispiel kann ein weibliches Becken besser Lasten aufnehmen und abgeben, während sich schmale männlich Beckenknochen, besser zum Laufen und Werfen eignen (Young 2009, Jäger 2015).

Und es gibt auch psychologische und neurologische Unterschiede (Hines 2010). Zum Beispiel scheint es Männern oft leichter zu fallen, sich drei-dimensonal zu orientieren, während Frauen besser Objekte lokalisieren können, um zu ihnen hin zu navigieren. (Lee 2014). Oder Frauen scheinen eher befähigt zu sein, Beziehungsnetzwerke zu knüpfen, während Männer eher zur Bildung von Seilschaften neigen (David-Barrett 2015).

Bei der Betrachtung „männlicher und weiblicher Gehirne“, und des von ihnen abgeleiteten Verhaltens, neigen einige dazu, Geschlechts-Unterschiede zu übertreiben (Brizendine 2010). Andere dagegen verwerfen sie als einen Mythos (Dussage 2014, Schmitz 2014, Kleie 2015, Fine 2013, Zell 2015).

Frau in Senegal (Cordula Kropke 2001)

In der Medizin jedenfalls werden die Geschlechts-Unterschiede unterschätzt (Fugate 2014, Morrow 2015). So erhalten Frauen oft Medikamentendosierungen, die sich zuvor nur bei männlichen Studienteilnehmern als sinnvoll erwiesen haben, aber für sie eigentlich nicht passen (Mc Gregor 2014).

Oder es werden bei Frauen Herzinfarkte zu spät erkannt, wenn Patientinnen mit Oberbauchbeschwerden und Übelkeit eingeliefert werden. Weil fälschlich vermutet wird, Herzinfarkte seien eher eine „männliche“ Erkrankung, und äußerten sich (wie bei Männern) mit Brustschmerzen äußert, die in den Arm ausstrahlen.

„Tatsächlich sind Pharmakokinetik und Pharmakodynamik bei den Geschlechtern grundsätzlich verschieden. Das betrifft eigentlich alle Bereiche der Medizin.“ Vera Regitz-Zagrosek (Kardiologin, Gender-Medizin, Charitè)

Mehr: International Society of Gender Medicine

Männliche und weibliche Körper

„… neuroGenderings“ (critical studies of the sexed brain) explored the working of neurosexism without dismissing neuroscience altogether …“ Übersetzungsversuch: „Nerven-Geschlechtlichkeit (kritische Studien über das sexualisierten Gehirns) erforschten die Arbeit von Nerven-Versexualisierung ohne die gesamte Nerven-Wissenschaft abzulehnen …“ Dussage 2012

Vertreter/innen von Hirnforschung, Psychologie und Gender streiten oft um Positionen, die auf der Basis der Gleichwertigkeit von Geschlechterrollen und sexueller Orientierung eigentlich überflüssig wären.

In ideologisch geführten Diskursen über „weibliche und männliche Gehirne“ wird vergessen, dass es ein isoliertes Gehirn gar nicht gar geben kann. Das Gehirn ist ein Beziehungsorgan, das innere Informationen mit äußeren Einflüssen in einen Sinn-Zusammenhang bringt, der zu einer Bewegung führt. Ohne seine inneren und äußeren Wechselwirkungen ist das Gehirn (wie alle anderen Organe auch) tot.

Solange Menschen leben, sind auch die Nervenzellen, aus denen unser großes Denk- und Fühl-organ besteht, wie alle anderen Zellen untrennbar miteinander verbunden. Über die Unterschiede „weiblicher und männlicher Gehirne“ zu streiten, so als seien sie von anderem getrennt, macht also wenig Sinn.

Sinnvoller ist es dagegen, die funktionellen Unterschiede und Wechselwirkungen in und zwischen weiblichen und männlichen Körpern zu betrachten. Dann erklärte sich zum Beispiel, warum die Nervenzellen des Gehirns (je nach Konstitution, Stoffwechselfunktionen, Ausstattung und Verteilung von Fett- oder Muskelmassen) von mehr Gewebezellen umgeben sind (bei Frauen), oder mehr Isolations-Material (Nervenscheiden) enthalten (bei Männern).

Ist Eros am Ende?

Erotik kann man bestimmen als das Ja-Sagen zum Leben bis in den Tod. .. Es gibt keine Liebe, wenn sie in uns nicht wie der Tod ist.“ Georges Bataille. Die Erotik. 1994

Seit 5.000 Jahren wird die starke Geschlechterdynamik als gesellschaftliche Herrschaftsform bekämpft.

Sie beruht auf helden- und heldinnen-haftem Verhalten, das den eigenen Tod für eine Geliebte oder einen Geliebten lächelnd in Kauf nimmt (Schneiderlein). Oder den gemeinsamen Tod sucht, wenn die Gesellschaft ein Zusammenleben verwehrt (Romeo & Julia). Oder den Tod des Anderen (gemeinsam mit dem eigenen) bewirkt, weil ein Verlust mit einem eigenen Leben nicht mehr vereinbar wäre (Carmen).

Erotik bedeutet Todesnähe und wenig Gelegenheit für realen Sex bei großen sexuellen Versprechen. Alle (menschheits-geschichtlich sehr jungen) Weltreligionen sind sich einig, dass diese gefährlich-erotisch-explosive Liebe als Sünde verdammt werden muss.

Denn Eros hatte unter ihren neuen Herrschaftsformen als gesellschaftlicher Antriebsdynamo ausgedieht. Und wurde ersetzt durch innere (zuvor eingetrichterte)  Befehle, Gesetze, Vorgaben, Glaubenskonstrukte, Pflichten und natürlich Geld, Macht und Karriere-Versprechen.

In den modernen Gesellschaften gehört Sexualität in die Ehe, um der Fortpflanzung zu dienen, oder in die Bordelle, um sich abzureagieren. Gesellschaftlich akzeptierte Liebe ist platonisch-nüchtern-rational a-sexuell.

Trotz all dieser jahrtausendelangen Anstrengungen war es bisher nicht gelungen, die Kraft von Eros ganz zu brechen, selbst nicht in finstersten Priester-Diktaturen. Heute aber geht es der alten Kommunikationsform tatsächlich ernsthaft an den Kragen. Denn die modernen kapital- und markt-bestimmten Gesellschaften benötigen keine Genderrollen mehr:

Geschlechtsidentität ist eine kulturelle Konstruktion, unabhängig davon welche biologische Bestimmtheit dem Geschlecht weiterhin hartnäckig anhaften mag … Die Geschlechtsidentitäten können weder wahr noch falsch, weder wirklich noch scheinbar, weder ursprünglich noch abgeleitet sein. .. Sie können jedoch radikal unglaubwürdig gemacht werden.“ Judith Butler in „Das Unbehagen der Geschlechter“

Ein Geschlecht reicht für die elektronische Arbeit, die Aufzucht der Kinder in virtuellen Welten und für den elektronischen Freizeitkonsum völlig aus: Die Androgynie (die Geschlechterähnlichkeit), wie sie Elisabeth Badinter vorschlägt, wird zum Leitziel der Entwicklung von Gender.

Es gibt noch einen weiteren Grund für den Niedergang des Eros: die Sexualisierung des virtuellen, medial- und modegeprägten Lebens. Starke Partnerschaften sind für den Konsum sexueller Dienstleistungen eher hinderlich. „Heilige“ erotische Rituale werden im Porno profan vermarktet und bewirken so das Ende des Begehrens. Flirten und aufwendiges Werbungsverhalten werden hinfällig und stören. Entweder man hat (chemisch oder durch Alkohol enthemmt) einen One-Night-Stand miteinander oder man läßt es eben bleiben.

Erotik ist keine Voraussetzung mehr für sexuelle Begegnungen. Orgasmischer Sex (vermittelt durch das Kick-Hormon Dopamin) ist inzwischen ein integraler Teil der Leistungsgesellschaft geworden: käuflich zwar, aber auch abhängig von Körperoptimierung, Fitness und Stiling.

Erotik ist keine Voraussetzung mehr für sexuelle Begegnungen. Orgasmischer Sex (vermittelt durch das Kick-Hormon Dopamin) ist inzwischen ein integraler Teil der Leistungsgesellschaft geworden: käuflich zwar, aber auch abhängig von Körperoptimierung, Fitness und Styling.

Mit-einander-schlafen, und ineinander gekuschelt die Ausschüttung des Beziehungshormons Oxytozin zu erfahren, mag weiterhin entspannend und sicherheitsvermittelnd sein, ist aber in Zeiten zunehmender Ich-Bezogenheit in weiten, beliebigen Netzwerken weitgehend überflüssig geworden.

„Die Krise der Liebe .. (entsteht aus der) .. Erosion des Anderen, die derzeit in allen Lebensbereichen und mit zunehmender Narzissifizierung des Selbst einhergeht. .. Der Andere verschwindet oder wird zum Objekt .. Libido wird in die eigen Subjektivität investiert ..

(Aber:) Das Denken im empathischen Sinne hebt erst mit Eros an. Ohne Eros verliert das Denken jede Vitalität, jede Unruhe und wird repetitiv und reaktiv. .. Eros besiegt die Depression.“ Byung Chul Han, „Agonie des Eros“.

Männlich oder weiblich werden

Männer oder Frauenrollen sind nicht. Sie entwickeln sich. Jeweils auf der Basis mitgegebener Anlagen und Möglichkeiten der Umwelt oder der Kulturen.

Kinder sind bei Geburt nicht wirklich weiblich oder männlich: sie werden es in unterschiedlicher Abmischung und Ausprägung.

Es gehört zu ihrem (häufig versagten) Grundrecht, ihre Gender-Rollen selbst zu entdecken, auszugestalten und voll ausleben zu dürfen. (Nathwani 2015)

Mehr

  • Sprache des Homo sapiens: Die starke Paar-Beziehung (Eros) 
  • Sprachen-Verwirrung: Neolithische Revolution und Gilgamesch
  • Weitere Sprachen des inneren Teams

Scienexx-Dossier

  • Der kleine Unterschied. Was macht uns zu Mann und Frau? 25.08.2017

Video

Literatur

  • Ainsworth C: Sex redifinded, Nature 518:288-291, 19.02.2015, deutsch: Die Neudefinition des Geschlechts, Spektr. d. Wissen., 20.03.2015
  • Blake E: Stark als Paar. Spekt d. Wissenschaft, Apr 2015: 34-39
  • Brezedine L: The Female Brain, New York 2006, deutsch: Das weibliche Gehirn, Warum Frauen anders sind als Männer, Goldmann, 2008; The Male Brain Paperback 2011
  • Brezedine L: The Male Brain. Goldmann 2010
  • Chapais B: Monogamy, Strongly Bonded Groups, and the evolution of human structure. Evolutionary Anthropology 2013, 22:52-65
  • David-Barret T: Women Favour Gyadic Relationsships, but men prefer clubs: cross cultural evidence from social networking. PloS One 2015, 10(3):e0118329
  • Dussage I et al.: Neuroscience and Sex/Gender, Neuroethics 2012, 5:211-215.
  • Fine C: Is There Neurosexism in Functional Neuroimaging Investigations of Sex Diffences? , Neuroethics 2013, 6(29)-369-409
  • Fine C: His Brain, her brain: Research exploring sex differences in the human brain must overcome „neurosexist“ interpretations. Science 2014, 346: 6212-915-916
  • Fine C: How Our Minds, Society, and Neurosexism Create Difference . W. W. Norton., Wiki
  • Fine C: Is there Neurosexism in functional neuroimaging investigations of sex diffences? Neuroethics , 2013, 6(29)-369-409
  • Fugate N: Epidemiologic Approaches to Women’s health. Epidem REv 2014, 36:1-4
  • Hines M: Sex-related variation in human behaviour and the brain. Trends Cogn Sci 2010, 14(10)448-456
  • Jäger H: Beckenbewegung: Theorie, Übungen, Mai 2015
  • Jung CG: Animus und Anima und sein Schüler Neumann E: Ursprungsgeschichte des Bewusstseins, Walter (mit einem Vorwort von CG Jung), 1949, Neuauflage 2004
  • Lang S.: Männer als Frauen – Frauen als Männer. Geschlechtsrollenwechsel bei den Indianern Nordamerikas. Wayasbah 1990. Mehr zum Dritten Geschlecht: Link: Third Gender
  • Li R: Why women see differently from the way men see? A review of sex differences in cognition and sports, Journal of Sport and Health Science 2014, 3(3):155–162
  • Lukas D et al: The evolution of social monogamy in mammals. Science 2013, 341:526-530
  • Male Warrior Hypothese
  • McGregor A: Why medicine often has dangerous side effects for women, TED (Video), 2014
  • Marean C: Der Siegeszug des Homo sapiens. Spektrum der Wissenschaft, Juni 2016, S. 48-55. Marean CW: The Origians and Coastal Ressource Use in Afrika and Western Eurasia. Joun of Hum Evolution 2014, 77:17-40
  • Morrow E: The evolution of sex differences in disease. Biol Sex Diiff 2015: 6,5
  • Mustanski BS, …, Hamer D: A genomewide scan of male sexual orientation. Hum Genet. 2005, 116(4):272-8. Epub 2005 Jan 12. Relativierender Kommentar zu Tuck Ngun: Die Entdeckung des Gay Genes: The Atlantic Okt. 2015
  • Nathwani N et al.: Protecting Persons with Diverse Sexual Orientations and Gender Identities. A Global Report on UNHCR’s Efforts to Protect Lesbian, Gay, Bisexual, Transgender, and Intersex Asylum-Seekers and Refugees. UN High Commissioner for Refugees (UNHCR), 21 December 2015, 63 pp. 2.0 MB
  • O’Connor  C et al (2014): Gender on the Brain: A Case Study of Science Communication in the New Media Environment PLoS ONE 2014, 9(10): e110830
  • Schmitz S et al: Neurofeminism and feminist neurosciences: a critical review of contemporary brain research, Front Hum Neurosci. 2014; 8: 546
  • Young R: The ontogony of throwing and striking. Hum Ontogenet 2009, 3(1)19-31
  • Young LJ: Being Human: Love: Neuroscience reveals all, Nature 2009, 457, 148 
  • Zell E etal: Evaluating gender similarities and differences using metasynthesis. Am Psychol. 2015;70(1):10-20. .

Ist Krieg männlich?

This is a man’s world – But it wouldn’t be nothing – Without a woman or a girl – James Brown 1966

Terrorgruppen rekrutieren (nicht nur, aber) überwiegend Männer, die, zu Hause frustriert und chancenlos, in Bürgerkriegen morden und vergewaltigen dürfen. Droht deshalb dort eine Welle der Gewalt, wo weitaus mehr Männer als Frauen aufwachsen? Was werden die vielen jungen Männer in  Asien u.a. tun, die keine Chance mehr haben, eine Partnerin zu finden?

Einige Wissenschaftler nehmen an, Männer seien grundsätzlich risikobereiter als Frauen. Nach ihrer These „der männlichen Krieger“ (Male-Warrior-Hypothesis, Van Vugt 2010) seien Männer eher gruppenorientiert. Sie neigten dazu, ihre Identität in Konkurrenz zu anderen Gruppen zu suchen, von denen sie sich abgrenzen. Daher müssten bei Auseinandersetzungen „der einen“ gegen „die anderen“ Outfit, Uniformen, Signale (Fahnen, Banner, Plakate), Parolen und Gegröle etc. stimmen. Alle gewaltbereiten Gruppen, die sich für ihre jeweiligen Gegner definieren, seien sich im Prinzip in ihren männlich dominierten Verhaltensmustern sehr ähnlich. Die Guten müssten nur klar von den Bösen unterscheidbar sein, damit die „richtige“ Bierflasche nicht auf dem „falschen“ Kopf landet.

Frauen sollen gemäß der These stärker auf die interpersonellen Beziehungen innerhalb ihrer Gruppen bezogen seien. Dafür spreche, dass schon weibliche Schimpansen sich eher um den inneren Gruppenfrieden kümmern, während die männlichen Exemplare dazu neigen die Mitglieder der Nachbargruppe zu bedrohen oder auch zu erschlagen. Allerdings stehen uns entwicklungsgeschichtlich die vergleichbar friedlicheren Bonobos (die Zwerg-Schimpansen) näher. Und die sind hauptsächlich an Sex interessiert, und ihre weiblichen Gruppenmitglieder sind offenbar besonders fähig, friedensstiftend zu handeln (De Waal 2005). Das lässt hoffen.

Frauen gehen körperlich mit Konflikten anders um als Männer.

Weibliche Top-Level-Karateka treten z.B. häufiger als männliche Kämpfer und diese schlagen lieber zu (Tsolakis 2012, Tabben 2014). Das hat etwas damit zu tun, dass Männer und Frauen unterschiedlich gebaut sind. Das knöcherne weibliche Becken mit seinem breiteren Schambogenwinkel eignet sich besser zum Aufnehmen von Lasten. Frauen sind von ihrem Bewegungsapparat stabil gebaut und in den Verbindungen der Beckenknochen beweglicher als Männer. Die wiederum sind die besseren Dauerläufer und Werfer (Roach 2013, Young 2009). Außerdem macht es Sinn, wenn Frauen, die grober Kraft leichter unterliegen können, mehr auf Bewegungsintelligenz zu setzen und ihre Gegner auf Distanz zu halten. Daraus sind sogar eigene Stilrichtungen des Kämpfens erwachsen, u.a. Wing Tsun, das von einer Frau stammen soll, die sich (erfolgreich) gegen brutale Machos zur Wehr setzten musste.

Wenn die Vermutung „der männlichen Krieger“ zuträfe, müsste sich die Gesellschaft intensiver als bisher um die frühkindliche Entwicklung von Jungs kümmern, damit diese nicht in pubertären Gangs zu Gefahrenpotentialen für die Gesellschaft werden. Männerspezifisch günstig wären Kraft- und Bewegungstrainings als Teamsport, Gemeinschaftshobbys oder Gruppenaktivitäten. Es wäre günstig den Heranwachsenden eine Identifizierung mit einem größeren sozialen Verbund zu ermöglichen: „Mein Verein, mein Dorf, mein Glaube, mein Life-Style, unsere Gemeinschaft …!“. Solidarität und Mitgefühl für eine Gruppe weit über den Rahmen des engen familiären Zusammenhaltes hinaus, sollten wesentlich stärker gefördert werden. Gleichzeitig müsste das Risiko von Gemeinschafts-Irrsinn eingedämmt werden („Wir die Auserwählten! Wir die allein Guten!“) Zu starke Identifizierungen mit Idealen würden sonst für „andere“ sehr unangenehm werden. Besonders dann, wenn Alkohol oder Drogen den Kopf vernebeln, oder wieder einmal jemand zu einem Kampf aufruft, bei dem alle Mittel recht sein sollen.

Gruppensport und gemeinsame Aktivitäten entwickeln Solidargemeinschaften. Kampfsportarten dagegen bieten Jungs die Möglichkeit, Aggressionspotentiale zu kanalisieren. Die direkte Gewaltanwendung wird dort aus dem Training in einen Vorstellungsraum verbannt. Die jungen Sportler lernen ihr volles Aktivitätspotential („wie in einem echten Kampf“) zu nutzen, während sie mit Partnern und Partnerinnen trainieren, die sie respektieren und wertschätzen. Bewegungsarten wie Aikido, Taiji, Judo, Boxen, Taekwando, Ringen, Wing Tsun u.v.a. sind daher für Jungs vielleicht ebenso wichtig wie Mannschaftssport: Sie lassen Schnelligkeit und Kraft zu, entwickeln aber zugleich den friedlichen Umgang mit Energie.

Natürlich haben Männer, abgesehen von ihren kriegerischen Kompetenzen, viele andere herausragende Qualitäten in Musik, Kunst, Wissenschaft uva. Sie können sehr liebevoll sein und sich auch anmutig und fließend bewegen. Besonders dann, wenn sie aus kämpferischer Zielorientiertheit des Siegen-Wollens („besser, schneller, höher, weiter“) herausfinden und Gewandtheit und Bewegungsfluss entwickeln. Dann sind sie schön, und das gefällt Frauen, und Männern, die Männer mögen: Ein guter Grund für Gewalt-Machos, ihr Verhalten zu modifizieren.

Und Mädchen und Frauen?

Ihre Stärke, gemäß der These der „männlichen Krieger“, läge darin, inner-gesellschaftliche und inner-persönliche Verhältnisse so zu beeinflussen, dass Aggressionsentladungen nach innen und außen an Bedeutung verlieren. Ein Soldatin, die in einer männlich dominierten Armeen überleben muss, wird allerdings nur wenig verändern. Und Armeen mit hohem Frauenanteil müssen auch nicht zwangsläufig friedfertiger werden, solange sich die Frauen durch latent aggressiv-männliche Hierarchien durchbeißen müssen. Aber vielleicht könnten sie solche Strukturen langsam, aber nachhaltig beeinflussen.

Viele Frauen an entscheidenden Stellungen einer Gesellschaft (oder auch einer Armee) könnten dafür sorgen, dass sich innerhalb der Gemeinschaft weniger Konflikte aufstauten. Dann könnte die Wahrscheinlichkeit, Gewalt nach außen zu tragen, abnehmen. Die These des „männlichen Kriegers“ ist also ein gutes Argument für die Quotenregelung.

 Literatur:

  1. De Waal, 2005: Our inner ape. New York, NY: Riverhead Books.
  2. Mc Donald M, 2012: Evolution and the psychology of intergroup conflict: the male warrior hypothesis, Phil Trans R Soc 2012, 367:670-679
  3. Roach NT et al., 2013: Elastic energy storage in the shoulder and the evolution of high-speed throwing in Homo, Nature 2013, 498:483–486
  4. Tabben M et al, 2014: Time-motion, tactical and technical analysis in top level karatekas according to gender, match outcome and weight categories. Journal of Sports Sciences 2014,
  5. Tsolakis, C et al., 2014: Acute effects of two different warm-up protocols on flexibility and lower limb explosive performance in male and female high level athletes. Journal of Sports Science andMedicine, 2012 11(4), 669–675.
  6. Van Vugt M, 2007: Gender Differences in Cooperation and Competition: The Male-Warrior Hypothesis Psychological Science, 2007, 18: 19-23
  7. Van Vugt, 2010:Sydney Symposium 2010: The Male Warrior Hypothesis, Web-Site
  8. Young RW, 2009: The ontogeny of throwing and striking. Human Ontogenetics 2009, 3(1):19-31

Cabron! (Ziegenbock)

Jemanden in Lateinamerika „Ziegenbock“ (Cabrón) zu nennen, kann böse enden.

Warum eigentlich?

The devil who plays a deep part – has tricked his way into my heart
By simple insistence – Of his non-existence -Which really is devilish smart. The Wordsworth Book of Limericks, 1997

Ein guter europäisch-kleinasiatischer Teufel besitzt Hörner, einen Schwanz, große Hoden, einen mächtigen Penis und mindestens einen Huf. Er verführt Mädchen, und praktiziert perversen Sex. Er ist tief verderbt und voller Sünde.

So wie die antiken Satyren, die vor 2.000 Jahren offenbar viel Spaß an Sex und Wein hatten. Obwohl auch damals schon die Staatssysteme Disziplin, Ehre, Gehorsam und Unterwerfung für viel wichtiger hielten. Aber diese Kobolde trieben immer wieder ihr Unwesen, z.B. wenn ein Rausch die Kontrolle moderner, kulturell erworbener Frontalhirn-Programme dämpfte.

Die Satyren erinnerten an die  Anziehungskraft zwischen mutig-jagenden Helden (Adonis) und schön-klugen Frauen (Venus). Nach der Sesshaft-Werdung der Menschheit war diese Bindungs-Energie sehr schnell durch die Macht der Besessenheit von inneren Zwängen und den Zwang äußerer Gesetzen abgelöst worden.

Gesellschaftsstabilisierend durften die Satyren deshalb nur in sakralen Zusammenhängen, wie der Kybele oder der Dionysos-Religionen freigelassen werden.

Kleophrades-Maler: rotfigurige Amphora mit Dionysos im Schwarm der Mänaden und Silene, Vasenmalerei, um 500 v. Chr., Staatliche Antikensammlungen und Glyptothek, München

Liebe ist menschentypisch

Der Spaß an Sex verbindet uns mit unseren nächsten Verwandten den Bonobos.

Homo-sapiens-typisch aber ist die Steigerung dieses Verhaltens: die Erzeugung von „Sehnsucht und Verlangen“. D.h. eine ferne Aussicht auf Sex, nach großen Leistungen, die auch (ohne Sex) tödlich enden können.

Die Betonung der Unterschiede der Geschlechterrollen und der starken Bindungen zu den (verschieden- oder gleichgeschlechtlichen) Geliebten bewirkte einen evolutionären Entwicklungssprung. Denn Menschen verfügten über einen „Kitt“, der sie  zusammenhielt, auch wenn sie sich über lange Perioden nicht sehen konnten.

Während die Bonobos in ihrem Sex-Paradies verblieben, konnten zur Liebe und Beziehung fähige Menschen die ganze Welt erobern (Chapais 2013, van Vugt 2010, Lukas 2013, Blake 2015).

Dieser starke Spannungsbogen, den die Griechen in der Antike Eros nannten, und der die Energie für die menschliche Entwicklungsdynamik lieferte, scheint genetisch verankert zu sein (Young 2009).

Das Glückshormon Dopamin hat nichts mit der Vergangenheit zu tun (Belohnung), sondern nur mit der Zukunft (Vorstellung). Frei zitiert nach R. Sapolski

Niemand brauchte damals einem Helden oder einer starken Frau zu sagen, was getan werden musste, um begehrt zu werden. Der Lohn (Sex) war in diesen Zeiten (im Gegensatz zum Sex-Paradies unserer Bonobo-Vettern) nur durch große Mühen zu erreichen. Manchmal kostete es sogar das Leben, wenn für „die Prinzessin“ ein Drachen getötet werden musste. Aber das war es damals wert, und zur Arterhaltung auch nötig.

Kulturell wird Eros sehr unterschiedlich ausgestaltet: manchmal hetero- und manchmal homosexuell.

Der Sündenfall der Erotik

Als Homo sapiens nach hunderttausenden von Jahren sesshaft wurde, entpuppte sich Eros als herrschafts-gefährdend. Es musste deshalb von den neuen Ideologien als Sünde verdammt werden.

Für die Leibeigenen, die arbeiten sollten, reichte Sex zur Vermehrung und für ein wenig Spaß nach der Fronarbeit. Die starke Spannung zwischen Mann und Frau war gemeingefährlich und wurde sanktioniert.

In dieser Zeit begann man dann auch damit, Männer und später auch Frauen symbolisch zu kastrieren, damit Sex nur noch zur Fortpflanzung genutzt wurde.

In den folgenden Jahrtausenden der sich bekriegenden Königreiche und Staaten ´mussten die Männer oft mit großen Armeen wegziehen und ihre Frauen allein zurückgelassen.  Möglicherweise ergab sich daraus ein evolutionärer Vorteil für Männer und Frauen, deren erotische Ausrichtung sich auf einen gleichgeschlechtlichen Partner oder Partnerin bezog, da sie so in gefährlichen Situationen besser geschützt waren.

Und heute?

lle großen Religionen mussten Eros radikal unterdrücken, um Energie für ihre jeweilige große Wahrheits-Illusion verfügbar zu machen.

Aber trotz intensiver, mindestens dreitausend-Jähriger Bemühungen ist es bis heute (noch) nicht gelungen, den Eros-Dynamo ganz auszurotten.

Selbst in Kulturen, in denen versucht wird, die Gender-Spannung durch schwarze Umhänge oder Schleier auszulöschen, lenken Henna-Muster den Blick auf schön geformte Zehen, und Lidschatten zu verführerisch dunklen Augen.

Gerade in den Dunkelkulturen, in denen die Eros-Dynamik zerstört werden soll, und Sex für Liebende unerreichbar ist, lodert erotisches Feuer besonders stark.

Sex-Vermarktung: Eros zumüllen

In unserer Kultur wird Sex gesellschaftlich nutzbringend, als harmloses Konsumprodukt, vermarktet. Sex lenkt wunderbar ab von entfremdeter Arbeit und Ausbeutung. Und weil der Trieb so stark verankert ist, zelebrieren Männer- und Frauen-Zeitschriften in ihren Bildern die alten Illusionen von Schönheit und Helden-Mut, um damit ihre Modeprodukte zu verkaufen.

Eros, die stark-polarisierte Dynamik zwischen Liebenden, ist in der sexualisierten Konsumwelt zunehmend verpönt. Zwar kommt sie noch als Spannungselement in James-Bond-Filmen vor, aber das Bond-Girl hat nach dem Sex eigentlich seine Bedeutung verloren, oder muss sterben, weil es sich als Teil des Bösen erwiesen hat.

One-Night-Stand-Begegnungen, die in Chat-Börsen vermittelt werden, machen den modern-genormten Menschen natürlich ebenso Spaß wie den Bonobos, aber sie bewirken häufig keine bleibenden (liebevollen) Bindungen mehr, für die es sich zu engagieren lohnt.

Die Macht der Satire

Den kulturellen Evolutionen der vergangenen 10.000 Jahre ist es bisher nicht gelungen, missliebige biologische Verhaltensprogramme auszurotten. Erotik wurde kulturell höchstens ins „Unterbewusste“ verdrängt. Aber aus diesem dunklen Keller der Psyche kann es hervorgezerrt werden. Z.B. durch einen Clown, der Schmähgedichte schreiben kann.

„Beleidigt-Sein“ entlarvt das Verborgene. Und die Aggression gegen den „Witzbold da draußen“ ist nichts weiter als Kampf gegen den „Teufel da drinnen“.

Deshalb leben Satiriker gefährlich (Böhmermann-Affäre).

Gerade als vom Minarett der Ruf zum Gebet erklang, beobachteten die Leute, dass der Hodscha von der Moschee weg eilte. Jemand rief ihm hinterher: “Wohin läufst du, Hodscha?” Der Hodscha rief zurück: “Das war der lauteste und durch-dringendste Ruf, den ich je gehört habe. Ich gehe jetzt so weit von der Moschee weg, bis ich herausfinde, aus welcher Entfernung der Gebetsruf noch gehört werden kann!” Nasreddin Hodscha

Literatur

  • Ainsworth C: Sex redifinded, Nature 518:288-291, 19.02.2015, deutsch: Die Neudefinition des Geschlechts, Spektr. d. Wissen., 20.03.2015
  • Blake E: Stark als Paar. Spekt d. Wissenschaft, Apr 2015: 34-39
  • Chapais B: Monogamy, Strongly Bonded Groups, and the evolution of human structure. Evolutionary Anthropology 2013, 22:52-65
  • Male Warrior Hypothese
  • Hines M: Sex-related variation in human behaviour and the brain. Trends Cogn Sci 2010, 14(10)448-456
  • Jung CG:  Animus und Anima
  • Lukas D et al: The evolution of social monogamy in mammals. Science 2013, 341:526-530
  • Mustanski BS, …, Hamer D: A genomewide scan of male sexual orientation. Hum Genet. 2005, 116(4):272-8. Epub 2005 Jan 12. Relativierender Kommentar zu Tuck Ngun: Die Entdeckung des Gay Genes: The Atlantic Okt. 2015
  • Young LJ: Being Human: Love: Neuroscience reveals all, Nature 2009, 457, 148 
„Immerhin über das Wesentliche sind wir uns einig …“
Karikatur: Charlie Hebdo

Versuchung? Ja, gerne.

The devil who plays a deep part
has tricked his way into my heart
By simple insistence
Of his non-existence
Which really is devilish smart.
The Wordsworth Book of Limericks, 1997

2017 bestanden die deutschen Bischöfe darauf, dass Gott uns nicht in Versuchung führen solle (ntv 16.12.2017). Der Papst dagegen glaubte, dass ein guter Gott uns nichts Böses antue, und es folglich der Satan sein müsse, der uns bewusst auf Abwege bringen wolle (Zeit 07.12.2017). Damit besann sich der wichtigste christliche Hirte (bewusst oder unbewusst)  auf die Ethik der ersten erfolgreichen monotheistischen Religion: der des Zarathustra.

Lilith. Adams erste Frau. Göttin? Heilige? Sünderin? Teufel?
Bild: Ana Sojor, www.anasojor.de

Der aus Baktrien (dem heutigen Afghanistan) stammende Lehrer Zarathustra schuf um 1.000 v.u.Z. ein übergeordnetes, einfach verständliches Grundgesetz, das schamanistische Stammes-Rituale und den Mithras-Kult (Blutopfer, Götzenverehrung, Rausch, Besessenheit) verdrängen sollte.

Zarathustra erzählte von einem „guten Gott“ (Ahura Mazda), der den bösen Satan (Arhiman) im Zaum halte. Von den Menschen verlangte er den Verführungen des Arhiman zu widerstehen. Dieser Philosophie konnte sich im 6. Jhh. Kyros der II. bedienen, um seinen rasch expandierenden Vielvölkerstaat unter medischer und persischer Führung zusammenzuhalten. Von den Juden im babylonischer Exil wurde Kyros II als gottgesandter Erlöser gefeiert, der ihnen nicht nur die Rückkehr, sondern auch die Ausübung ihrer speziellen Variante des Monotheismus erlaubte (Holland 2011).

Natürlich hat Kardinal Marx Recht, dass die Geschichten der Bibel sich eher an der anderen Wurzel des Monotheismus orientieren, die auf die Lehre des ägyptischen Pharao Amenophis IV (Echnaton) zurückgeht. Bei dem  gab es nur den einen, alles durchdringen Gott „Aton“, und keinen Satan neben ihm. So wie Zarathustra den Gegensatz zwischen „Gut und Böse“ erdachte, entstand aus Echnatons relativ kurzer Religionsepisode die „Mosaische Trennung“ zwischen „Wahrheit und Unwahrheit“ (Assmann 1997)

Das Christentum erblüht aus vielen Wurzeln.

Nach der Zerschlagung des zoroasthrischen Monotheismus durch die Armeen Alexanders des Großen erlebte der kleinasiatische Kult der Muttergottes und ihres sonnen-gleichen Sohnes  eine Renaissance.  In Ägypten herrschte sie als Isis, und einige hundert Jahre später verband sie sich im römischen Reich mit dem wiederbelebten Mithras zum Kult der Mater deum und ihres Kaisersohnes Sol invictus.

Als Kaiser und Oberpriester dieser römischen Staats-Religion sorgte Konstantin der Große für ihre Verschmelzung mit der bis dahin bestehenden Form des Christentums. Ab dann hieß die „Mater deum“ Maria und viele Rituale, die das Christentum bis heute prägen, wurden aus den Mithras- und auch aus den Dyonisos-Kulten integriert.

Die Vereinigung der Urform des Christentums mit der römischen Religion auf dem Konsil von Nikäa 325 v.u.Z., erforderte allerdings die Abspaltung der reinen Monotheisten um den Bischof Arius (Giradet 2010).

Dessen Nachfolger mögen vielleicht, nach Nord-Afrika abgedrängt, dreihundert Jahre später die Neuerstehung des reinen Monotheismus im Islam begünstigt haben.

Sind Marjam und Maria, Issa und Jesus … gleich? Spiegel 23.12.2017

Für die Frage nach der „Versuchung“ sind noch andere Wurzeln des Christentums wichtig

Jesus war, wenn er überhaupt als eine einzige historische Person aufgefasst werden kann, ein Wanderprediger, von denen es damals in dieser Region wimmelte. Manche Historiker glauben, er sei von Zeloten für einen Messias-Auftrag  ausgewählt und ausgebildet worden, um ein Befreiungsheer für die Errichtung eines Gottesstaates anzuführen (Aslan 2013, Baignet 2006). Da es keine direkten Dokumente von ihm gibt, bleiben viele dieser Theorien spekulativ. Sicher scheint zu sein, dass Jesus nie versucht hatte, eine eigene Religion zu begründen, sondern sich vielmehr als Reformator des Judentums gesehen haben mag.

Möglicherweise wirkte er auch dem Überleben der Folter am Kreuz noch einige Zeit als monotheistischer Reformator des Judums weiter, und kann daher eher als vorläufer des Islam gelten, als des von Paulus erfundenen Christentums. (Fried 2019,Bowersock 2019)

Und sicher ist auch, dass es vor und nach ihm viele Messias-Anwärter gab, von denen aber nur einer (einhundert Jahre später) von der jüdischen Priester-Hierarchie tatsächlich als Messias anerkannt wurde: Bar Kochba.

Jesus predigte Gewaltlosigkeit und empfand Mitleid.

Vieles, was von ihm in den ausgewählten Evangelien (Neues Testament) und in den Apokryphen (Gemming 2013) erzählt wird, erinnert deshalb an die Entsagungs-Religionen Nord-Indiens: an Jain und an den Buddhismus.

Das ist angesichts des regen Kulturaustausches zwischen Nordindien und Europa seit etwa 500 v.u.Z. auch nicht verwunderlich. Der erste indische Kaiser, der den Buddhismus zur Staatsreligion erhob (Ashoka), soll griechisch-sprachige Missionsreisen nach Persien und Europa befohlen haben. Und zumindest der bedeutendste der griechischen Großkönige, die eine Generation nach Ashoka Nordindien beherrschten konvertierte zum Buddhismus (Menander), und lies ebenfalls eifrig nach Europa missionieren: Gespräch des Milinda.

Die Wahrscheinlichkeit, dass Jesus von diesem Gedankengut beeinflusst wurde, ist also groß.

Paulus, der Gründer einer neuen Religion

Für die Entstehung einer neuen Religion war der historisch besser fassbare Paulus (oder Saulus) von wesentlich größer Bedeutung. (Maccoby 1986). Er wurde als Römer geboren, stammte aus Kilikien (Südtürkei) und war mit den dortigen Religionen ebenso vertraut wie mit dem Judentum.

Saulus soll sich (in unklarem Auftrag) einen Namen als Verfolger der relativ unbedeutenden  Nazarener-Sekte des Judentums gemacht haben.  Dann vollzog sich eine plötzlich in ihm eine Wandlung zu einem neuen Charakter. Und dieser Paulus schuf aus der Geschichte der Hinrichtung eines sozial-religiös motivierten Rebellen eine geniale metaphysisch-kosmische Dimension, die schließlich die Abspaltung vom Judentum einleitete.

Im Gegensatz zu den Geschichten um Jesus, betonte Paulus die Sünde, und er zeigte eine starke Abneigung gegen Sexualität. Seine harte Form der Entsagung war nicht von Liebe, sondern von Strenge geprägt. Sie erinnert an die griechische Gegen-Philosophie-Bewegung der Kyniker, die eine ernst-kompromiss-lust-lose Lebensverneinung predigten. (Crossan 1991, Lukian von Samosata ~150).

Was ist eigentlich die Versuchung, vor der wir bewahrt werden sollen?  

Menschen werden versucht, wenn ihnen die Befriedigung eines wichtigen Bedürfnisses greifbar nahe  erscheint, ihnen aber durch ein höheres Gesetz strikt verweigert wird. Sexualität  zum Beispiel.

Die Aussicht auf Sex war vermutlich über einhundert-tausend Jahre die wichtigste Triebfeder für große menschliche Leistungen. Seit der neolithischen Revolution war aber das Spannungsverhältnis der starken Paarbindung für die Erledigung von Sklavenarbeit überflüssig geworden.  Und mit dem Entstehen der großen Religionen (Konfuzianismus, jüdisch-christlicher-islamischer Monotheismus, Hinduismus, Jain, Buddhismus, …) erschien Erotik den Mächtigen staatsgefährdend zu sein. Also wurde sie als Sünde reglementiert, unterdrückt oder (heute) noch wirksamer durch Kommerzialisierung ausgehöhlt.

Birgt der Vorschlag des Papstes, in das „Vater-unser“ den Satz „Lass mich nicht in Versuchung geraten“ einzufügen, nicht noch einen Sprengsatz? Wenn man sich einen durch und durch „guten“ Gott vorstellt, der wie in der Philosophie Spinozas alles durchdringt, dann kann doch (logischerweise) alles, was in der Gottes Schöpfung entstanden ist, nicht sündig sein. Konsequent zu Ende gedacht: Sex auch nicht.

Wird deshalb schon nach der Absetzung des Papstes gerufen? (Epoch Times 17.12.2017)

Literatur

  • Aslan R: Zelot. Jesus von Nazaret und seine Zeit. Random 2013
  • Assmann J: Moses der Ägypter. Fischer 2007
  • Baignet M. Die Gottesmacher. Lübbe 2006
  • Bowersock GW: Die Wiege des Islam. CH. Beck 2019
  • Ceming K: Die verbotenen Evangelien. Marix 2013
  • Fried J: Kein Tod auf Golgatha. CH Beck 2019
  • Giradet KM: Der Kaiser und sein Gott. Das Christentum im Denken und in der Religionspolitik Konstantins des Großen. Berlin/New York, De Gruyter, Buchrezension
  • Holland T: Persisches Feuer. Klett-Cotta 2008
  • Kurtz P: Embracing the Power of Humanism, 2000, Rowman & Littlefield.
  • Lukian von Samosata. Sämtliche Werke. Marix Verlag
  • Maccoby H: Der Mythenschmied. Paulus und die Erfindung des Christentums. 1986, dt. Freiburg 2007
  • Menander: Die Fragen des Königs Milinda (Englische Fassung: Pdf)

Gut und Böse zugleich

Menschen können mitleiden …

Sie  können anderen helfen. Und solidarisch zu ihnen stehen. Zumindest, wenn es sich um Personen innerhalb ihrer engeren familiären und sozialen Gruppe handelt.

Menschen sind im Prinzip zu Liebe fähige Tiere.

 … oder sich auch bösartig verhalten.

Mitglieder anderer menschlichen Gruppen erscheinen Menschen oft als fremd und verunsichernd. Sie werden abgewehrt. Dieses Verhalten entwickelt sich, sobald kleine Kinder in der Lage sind, eine Gruppenidentität wahrzunehmen und damit beginnen, nach deren Regeln zu leben.

Der Krieg ist eine Sache der Männer. Lysistrate. Aristophanes (411 v.u.Z)

Manche Wissenschaftler/innen glauben, die jeweils „guten und bösen Seiten“ des Menschen könnten bei den Geschlechtern unterschiedlich abgemischt sein.

Zum Beispiel behauptet die These „der männlichen Krieger“, es sei mit evolutionären Vorteilen verbunden gewesen, andere Stämme zu überfallen, um so Territorien zu erweitern oder Vieh, Kinder oder Frauen zu rauben.

Frauen dagegen hätten starker Männer bedurft, um sie vor Vergewaltigungen durch andere Räuber zu bewahren.

Während Neandertaler nur in kleinen familiären Gruppen jagten, war es Homo sapiens Stämmen möglich. arbeitsteiliger vorzugehen: Männer bildeten eher Clubs oder Räuberbanden, um Beute zu machen. Während Frauen in ihren Stammeslagern eher interne Beziehungen knüpften, die Fäden in der Hand hielten und die Beziehungen friedvoller stabilisierten. (David-Barret 2015)

und weiblicher Friede? 

„Wer die menschliche Gesellschaft will, muss die männliche überwinden.“ Erhard Eppler auf dem Parteitag der SPD in Nürnberg 1986

Der These der „männlichen Krieger“ folgend, könnte man annehmen, dass eine der Ursachen des modernen Kriegselends darin bestehen könnte, dass heute (im Gegensatz zu unseren Steinzeitvorfahren)  fast gleich viele Männern wie Frauen in unseren Gesellschaften leben. In China und Indien, wo weibliche Feten abgetrieben werden, werden es sogar bald noch sehr viel mehr sein.

Könnte sich also dieses Problem verringern, wenn der weibliche Einfluss-Rahmen aller Frauen sich in allen Kulturen vergrößerte?  Wenn also Frauen in allen Gesellschaften größere Gestaltungs-Spielräume erhielten, entstünde dann Frieden?

Lysistrata

It is time for women to stop being politely angry. Leymah Gbowee

Schon vor zweieinhalb tausend Jahren vermutete der griechische Komödiendichter Aristophanes, dass es eigentlich dem Frieden dienen müsse, wenn die Frauen an die Macht kämen.

Er schrieb dazu ein Anti-Kriegs-Schauspiel, dass von der intelligenten und durchsetzungs-starken Frau handelte: von Lysistrata (Illustration: Aubrey Beardsley)

Seine Geschichte beginnt im Prinzip wie das 2.000 Jahre ältere Gilgamesh-Epos: Auch dort beklagten sich die Frauen, dass ihre Männer (durch Kriegsdienst) für sie verloren gingen.

Bei Gilgamesch wurden die Männer noch gegen ihren Willen zur Fronarbeit eingezogen. Bei Aristophanes begaben sich die Männer aber scheinbar aus einem inneren Aggressions-Trieb in den sinnlosen Krieg zwischen Sparta und Athen (von 431 bis 404 v.u.Z.).

Ein ziemlich sinnlos-aufreibender Krieg, in dem sich die Männer gegenseitig zerfleischten, und bei dem (als das Stück geschrieben wurde ) nach zwei Jahrzehnten immer noch kein Ende abzusehen war.

Lysistrata schlug den Frauen beider (männlichen) Kriegsparteien vor, ihren Männern den Sex zu entziehen, um sie zur Vernunft zu bringen. Und sie besetzte mit ihren Frauen die Burg, das Zentrum der Macht, und lies die Männer allein, sich selbst überlassen, zurück.

In dem Stück erwies sich diese Strategie tatsächlich als erfolgreich, und sie brachte den Frieden. Allerdings nicht in der Realität, denn der Krieg ging nach dem Stück noch fast ein Jahrzehnt weiter, bis eine der Parteien (Athen) schließlich zusammenbrach. Und auch die anschließenden Gemetzel in Griechenland gestalteten sich auch nicht „humaner“ (siehe Alexander).

Könnte das daran liegen (wie andere behaupten), dass es hinsichtlich des Rollenverhaltens zwischen Männern und Frauen gar keinen vererbten Unterschied gäbe?

„Man kommt nicht als Frau zur Welt, man wird dazu gemacht.“ Simone de Beauvoir 1949

Literatur

Burkini und Nackbaden

Christlicher Kleidersack (15. Jhh.)

An einigen Stränden wird gestritten, ob der Staat bei der Bademode eingreifen sollte. Die Anpassung des Kopftuches (Hijab) für den Strand (Burkini) sei eine Provokation.

Das wäre es an diesen Badeorten möglicherweise auch, wenn „mann“ oder „frau“ ganz nackt ins Wasser hüpften.

Statt „Ganz-Ohne“ und „Ganz-Mit“ gleichermaßen zu verbieten, könnten die Behörden theoretisch auch beides gleichermaßen tolerieren. Oder sie könnten die Nackten, Halbnackten und Angezogenen auch komplett trennen. Etwa so, wie in St. Peter Ording der Masse der Textil-Fetischisten andere Strände zugewiesen werden als der Gemeinde der Freikörper-Kultur-ler.

Vielleicht bevorzugen religiös eingestellte Menschen in St. Peter Ording sogar den FKK-Strand, weil es dort, wie in Gemeinschafts-Saunen, besonders wichtig ist, trotz überquellender Reize „cool“ zu bleiben, und alle sexuellen Gedanken zu unterdrücken. Hier muss „mann“ sich beherrschen, während er anderswo eine Erektion in einer Badehose vielleicht noch verbergen könnte.

Das erotische Kribbeln von „Sea, Sex and Sun“ findet eher dort statt, wo etwas Reizvolles nur angedeutet wird, aber im entscheidenden Bereich verhüllt bleibt, also zugleich anzieht und schwierig erreichbar zu sein scheint.

Bunte Burkinis kombiniert mit fröhlichem Gesichtsausdruck und anmutigen Bewegungen könnten deshalb auch sehr reizvoll sein.

Andererseits mögen Burkini-Trägerinnen an üblichen Textilstränden ganz ähnliche Gefühle auslösen wie Bikini-Schönheiten mit Badehosen-Begleitern an einem FKK-Strand. Besonders wenn die Männer textilgesicherter Frauen nach den nackten Tatsachen anderer Schönheiten linsen.

Ein Verbot der Burkinis würde Frauen, die in ihrem Handlungsraum ohnehin eingeschränkt sind, sicher zusätzlich schaden, weil es für sie eine weitere Möglichkeit einschränken würde, Körperlichkeit und Lebensfreude erleben und entdecken zu dürfen.

Warum ist Sexualität nur so gefährlich?

Alle großen monotheistischen Religionen versuchten u.a. auch durch Kleidungsvorschriften die starke Anziehungskraft zwischen Liebes-Paaren zu brechen. Menschen sollten sich ganz auf das virtuelle Glück nach dem Tod konzentrieren, und nicht vorher zu sehr durch irdischem Spaß und Lustempfinden verwirrt werden.

Zu diesem Zweck war es besonders wichtig, etwas „ins Auge springendes“ zu verbergen. Sexualität war nicht nur dem Christen- und dem Judentum und (weniger auch) dem Islam suspekt, sondern auch allen anderen großen Wahrheitssystemen: Buddhismus, Jain, Vedanta, Konfuzianismus und Daoismus. Eigentlich wurde sie von den jeweiligen Schriftgelehrten nur zur Kinderzeugung akzeptiert.

Eros (die starke Paarbindung) galt ihnen als besonders teuflisch, weil sie so effektiv von dem jeweiligen Dogma der Jenseits-Wahrheiten ablenkte. Deshalb musste etwas versteckt werden, was die Urmenschen von Tieren unterscheidet: stark ausgeprägte sexuelle Merkmale, die große Sehnsüchte wecken können. Und die zu Heldentaten anstacheln, die (sofern der Held sie überlebt) sofort, ohne fruchtbare Perioden abwarten zu müssen, befriedigt werden konnten.

Einigen Religionen reichte das Verbergen der Gefahr noch nicht:

So wurden nach der Renaissance des Konfuzianismus (und dem Ende der lebensfrohen Tang-Zeit) um 900 n.u.Z. die Füße der Frauen verstümmelt, damit sie ihre Häuser nicht mehr verlassen sollten. Diese gequälten Frauen empfand „mann“ dann als schön.

Oder: Der in den USA einflussreiche, christliche Sektierer John Harvey Kellog (1952-1943) empfahl, die Vorhaut der Jungs, aus erzieherischen Gründen ohne Anästhesie, abzuschneiden, und die Klitoris der Mädchen mit Karbolsäure zu verätzen.

Die Folgen der vielen anderen archaischen Riten symbolischer Kastration sind weniger sichtbar als schwarze Stoff-Umhänge, aber sie werden natürlich ebenso nach Europa importiert wie die religiösen Kleider-Moden. Allerdings widersprechen sie, im Gegensatz zu verhüllenden Gewändern, geltendem Recht.

Was ist an Emotionen so gefährlich?

Burkas (die Säcke mit Augengitter) und Niqab (das gleiche mit Augenschlitzen) sollen nicht nur den lustvollen Sex fernhalten, sondern zusätzlich die Emotion beherrschbar machen.

Gefühle vermitteln sich vor allem über die Mimik, die hinter Gitterfenstern scheinbar sicher verborgen werden soll.

Allerdings bleibt diesen Frauen noch die Restfreiheit, ihren Kleidersack zu Hause (bei ihren Kindern) abzulegen und dort Mensch sein zu dürfen.

Die europäisch-nordamerikanische Form der Burka, die Mumifizierung des Gesichtes durch Botox, Lifting und Hyaluronsäre ist perfider. Denn diese Masken bleiben Tag und Nacht, und wenn „frau“ Pech hat, bis zu ihrem Tod.

Letzte Aktualisierung: 14.06.2019