1. Home
  2. /
  3. Blog
  4. /
  5. Zusammen – Leben (Konvivialität)

Zusammen – Leben (Konvivialität)

„Wir können der Tatsache nicht ausweichen, dass jede einzelne Handlung, die wir tun, ihre Auswirkung auf das Ganze hat.“ Einstein

Die (quantenphysikalische) Vorstellung, dass alles getrennt Wahrgenommene sich wieder auflöse, ist uns im narzisstisch-individualistisch-kapitalistisch-modernen Europa fremd. Noch beunruhigender ist das Bild, dass es den Tod nicht gäbe, weil ohnehin alles in allem sei und sein wird.

Aus der modernen Naturwissenschaft folgt, dass wir handelnde Akteure im Zentrum eines übergeordneten, uns durchdringenden und mitgestalteten Systems stehen. Wir sollten aufhören, die Welt als Gegenstand zu betrachten, den man reparieren oder ausbeuten muss, und damit anfangen, eine neue Ethik zu entwickeln. …

Es reicht nicht aus, immer besser zu wissen, wie die Realität beschaffen sein könnte. Wissen ist kein Selbstzweck. Verstehen dient dem Tun.

Ein möglicher Handlungsspielraum eröffnet sich aus der Möglichkeit, „zusammenzuleben“ (Konvivialität). Der Begriff wurde vor etwa fünfzig Jahren von dem Bremer Soziologen Ivan Illich vorgeschlagen. Er verstand darunter die Verfolgung einer Vision der Gestaltung ethisch orientierter Wertesysteme, die Personen und Institutionen übergeordnet sind. Also das, was heute Politik und Wirtschaft fehlt. Eine danach orientierte neue Ethik hätte zum Ziel, die Qualitäten zu verbessern: von Interaktionen, Beziehungen und mit den Wechselwirkungen der alles verbindenden Systeme. …

Seit 2020 wird der Begriff Konvivialität in der Umweltbewegung wieder aufgegriffen. Gefordert wird eine radikale Wende menschlichen Verhaltens.

Das Ziel dabei ist, Biosphäre, Technik und Menschen in der Evolution doch noch zu versöhnen. Dazu muss zwangsläufig die Systemfrage gestellt werden: Wie können wir damit aufhören (mit Zerstörungswahn, Krieg und unbegrenztem Wachstum), unser Beziehungsnetzwerk zu zerstören?

Der Begriff Konvivialität ist sperrig – aber das damit Gemeinte sehr einfach:

  • Es ist sinnvoll, das Wesentliche zu erkennen,
  • ein Übel bei der Wurzel (radix) zu packen,
  • und damit aufzuhören, Symptome zu behandeln.

Vollständiger Artikel

Inhalt

  • Was ist gewiss?
  • Quanten-Theologie
  • Quanten-Philosophie
  • Konvivialität (weiterführende Links)

Kommentar

Lieber Helmut, Capra habe ich auch vor 50 Jahren gelesen, „Das neue Denken“ habe ich neulich im Bücherregal wiederentdeckt. Das Buch von Warnke wurde mir vor ein paar Wochen ebenfalls von jemandem empfohlen, ich habe es aber noch nicht gelesen.

Zum Thema Konvivalität: Sicher ein richtiger Ansatz, aber die quantenneurologischen Aspekte zu Ende gedacht bedeutet ja ohnehin, dass wir gar nicht anders können, als Realität zu formen bzw. zu beeinflussen. Wir sind convivae, ob wir wollen oder nicht.

Bei den meisten läuft dieser Prozess aber nicht bewusst ab und sie sind dadurch Opfer egregorialer Manipulation. Ändert man dies, wird man automatisch zum Täter, mit allen positiven wie negativen Konsequenzen, man schafft eigene Egregoren, die irgendwann eine Eigendynamik entwickeln, im Kleinen wie im Großen. Auch die Entscheidung, sich bewusst aus dem Spiel nehmen zu wollen, ändert das Spiel, im schlimmsten Fall dadurch, dass man denen das Feld überlässt, die finsterere Spielziele haben. Wie hat Goethe das seinen Mephistopheles so treffend formulieren lassen: „Ich bin ein Teil der Kraft, die stets das Böse will, doch stets das Gute schafft.“

Im Spiel der globalen Geopolitik gibt es nicht nur die drei Positionen: Entweder sitzt man am Tisch, gehört zum Personal oder liegt auf dem Teller – die vierte Position ist der Tisch selbst.
Wenn es gelingt, den zu Sägespänen verrotten zu lassen, fällt er auseinander und das Spiel wird für alle uninteressant. Diesen Weg haben Mahatma Gandhi und Martin Luther King beschritten. Sie zerfielen dann konsequenterweise zwar auch selbst, haben aber das jeweilige Spiel effektiv zerstört.

Natürlich suchen sich die Speisenden dann einen neuen Tisch, finden auch immer wieder neues Personal und Beute für die Teller, aber es gibt immer wieder auch neue Tische zu schaffen oder zu zerstören. Welche Rolle wir persönlich, im jeweiligen aktuellen Leben oder durch die Zeiten (wenn man das Konzept der Reinkarnation für relevant erachtet) übernehmen, ist Gegenstand unserer freien Wahl. Auch die Entscheidung, nicht wählen zu wollen, ist eine freie Wahl und ordnet uns unweigerlich einer dieser vier Gruppen zu.

Deshalb gilt, wie Viktor Heidinger es in seinen Seminaren so treffend formuliert: „Denke, bevor Du denkst!“
Als fünftes Element dieses Spiels sei der Vollständigkeit halber noch das Raum-Zeit-Kontinuum erwähnt, in dem sich Tisch und Spieler befinden. Aber das entzieht sich wohl menschlicher Einflussnahme, das ist der Raum zwischen dem Graphen der Hyperbel und der Abszisse bzw. Ordinate, in dem ich göttliches Wirken verorte und wo nur noch der Glaube hilft, wenn man ihn hat. Oder, wie es Zeilinger formuliert: „Vielleicht manifestiert sich Gott im Zufall.“

Das Gebet und die Meditation schaffen zumindest eine Option, hier einen Einblick zu gewinnen, was im christlich-jüdischen (Hiobs Gottesschau) wie im hinduistischen (Arjunas Vision der wahren Natur seines Wagenlenkers Krishna in der Bhagavad Gita) Kontext aber am Ende das menschliche Fassungsvermögen übersteigt.
R.

Letzte Aktualisierung: 12.08.2026