Gott und Gewalt

Die Entstehung des Monotheismus sei zwangsläufig von Gewalttätigkeit begleitet worden, schreibt der Ägyptologe Jan Assmann (1). Gewalt sei die logische Konsequenz aus Vorstellungen, dass

  • etwas von einem anderen radikal getrennt sein könnte („mosaische Unterscheidung“),
  • und sich deshalb auch eine Gruppe von Menschen, die dem „einen Gott“ näherstünde, sich fundamental von anderen unterscheide, und es vor allem,
  • ein einziges, un-anzweifelbares, niedergeschriebenes Wahrheits-Dogma gäbe, dessen Verkündung alle widersprechenden Ansichten als bösartige Lügen entlarve.

Menschen, die außerhalb einer solchen monotheistischen Religion stehen, werden daher missioniert, oder ausgegrenzt, oder bekämpft oder auch vernichtet.

Sinnloser Religionskrieg. Kabul 2015, Bild: Yahya Wardak

„Der Begriff „Gott“ erfunden als Gegensatz-Begriff zum Leben … Der Begriff „Jenseits“, „wahre Welt“ erfunden, um die einzige Welt zu entwerten, die es gibt … Der Begriff „Seele“, „Geist“ .. „unsterbliche Seele“ erfunden um, den Leib zu verachten … Der Begriff „Sünde“ erfunden samt dem zugehörige Folterinstrument … der Begriff „freier Wille“, um die Instinkte zu verwirren, um das Misstrauen gegen die Instinkte zur zweiten Natur zu machen.“ Nietzsche (2)

Den Gedanken Nietzsches folgend diagnostizierte Sigmund Freud Religion als gefährliche kollektive Zwangsneurose (3). Auch der Biologe Richard Dawkins hielt für einen irrationalen und zerstörerischen Wahn (4), dessen Ausbreitung, wie der Historiker Karlheinz Deschner beschreibt, Blutspuren hinterlässt. (5) Ähnlich beschrieben Philosophen wie Anton Grabner-Haider (6), Michel Onfray (7) u.v.a. monotheistische Religionen als tickende Bomben, die selbst die eigenen Gesellschaften in den Tod reißen können.

Aber wäre die Welt ohne monotheistische Dogmatiker
tatsächlich sicherer?

Vollständiger Text (28.12.2019)

Darrius und die Lügner
Darius I (der Große) vernichtet die neun Lügenkönige. Darüber: Zahrathustra’s „Reine Wahrheit“ des einen, guten Gottes. Felsrelief am Berg Behistun nahe Kermanshah. Bild Wiki

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Letzte Aktualisierung: 12.01.2020