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Takt und Geld

Ein Journalist behauptet, modernen Menschen stecke der Takt des Geldes im Blut. Folglich könnten wir den Kapitalismus nur loswerden, wenn wir uns als Gattung Mensch veränderten.

Für seine These scheint zu sprechen, dass

  • Metronomtakte im Körper (inklusive des Gehirns) deutliche Signale für Störungen sind. Denn natürliche Rhythmen fließen chaotisch (nicht nur im Herzen, sondern in allen Zellen).
  • die ersten Instrumente (Harfen, Schwing- oder Schwirrstäbe, Geierflöten) Naturgeräusche modulierten. (Wind, Wasser, Blätterrascheln etc.)

Takte wurden schon vor 12 000 Jahren geschlagen – lange vor der Erfindung des Geldes.

Bilder: Klangsteine (vulkanischen Ursprungs mit inneren Lufteinschlüssen). Links: Gobustan, Aserbaidjan, rechts: Qala, Aserbaidjan, Jäger 2019. Weitere Bilder früherer Instrumente: KnochenflötenHarfen. Prähistorische Musik: https://www.youtube.com/watch?v=LlTPqrJNdEg&t=11s

Der Takt (oder besser das Metrum) ist wichtig, wenn etwas rhythmisch getan werden muss. Zum Beispiel bei der Arbeit, der Fron, beim Marschieren, beim Rudern auf der Galeere oder beim Steineziehen zu den Pyramiden. Takt (Metrum) löst Trance aus. Dann laufen innere Programme ab, die kulturell eingeprägt wurden, oder die innere Stimmen befehlen.

Geld ist eine Erscheinungsform, der neolithischen Revolution. Bauern, Sklaven und Soldaten der Sesshaften, aber auch Jäger und Sammler, die zu heiligen Stätten zogen, benötigten Geld, als ein Versprechen für den Kauf neuer Ware.

Zunächst entwickelten sich im Takt des Tausches Märkte, in denen Ware (etwas) gegen Geld (nichts oder ein Versprechen) gegen Ware (etwas) gehandelt wurde. Geld war in dieser Zeit nicht zwangsläufig mit Krieg verbunden. Denn die Händler und ihre Routen wurden von den Mächten geschützt. Besonders interessant ist die über tausend Jahre dauernde Geschichte der Sogden, einem iranischen Volk, das immer Handel betrieb und auch Reichtum anhäufte, aber immer ein gedeihliches Auskommen mit den Herrschenden anstrebte.

Im europäischen Mittelalter entstand dann der Proto-Kapitalismus mit der Organisation der Kreuzzüge (Templerorden). 1427 n. u. Z. wurde in Florenz eine allgemeine Steuerpflicht erfunden („castato“), um Söldner anwerben zu können. Im 14. Jahrhundert erfand die katholische Kirche die Vorhölle, das Purgatorium. Der Trick der Ablassbriefe beruhte darauf, dass die Kirche einen Schatz des vergossenen Blutes der heiligen Märtyrer verwalte, und deshalb Straferlass gewähren könne. Schließlich folgten die Finanzierungen der Raubzüge in Europa (Fugger, Wallenstein) und in anderen Weltregionen (Conquista). Und allmählich begann parallel die Mechanisierung der Räderwerklogik: „Es klappert die Mühle am rauschenden Bach: Klipp, klapp, klipp, klapp, klipp, klapp …“

  • Der rauschende Rhythmus fließt: chaotisch, nicht vorhersehbar und wunderschön. Man kann sich mit ihm verbinden, ihn fühlen und in sich spüren.
  • Das Klappern der Maschine ist dagegen immer genau gleich. Jedenfalls solange sie läuft und den Müller zur Arbeit zwingt. Diesen Takt kann man zählen, und den eigenen Rhythmus mit dem äußeren Beat abstimmen.

Der Psychiater Ian McGilchrist beschreibt das getaktete Denken (Klipp Klapp) als eine Hilfsfunktion, die der Wahrnehmung und dem Verständnis von Gesamtzusammenhängen untergeordnet sein sollte. Es sei Tragik oder Krankheit moderner Zivilisationen, dass die nachgeordnete Fähigkeit des Gehirns, auf Einzelfaktoren zu starren, in der Welt der Maschinen, menschliche Weitsicht verdrängt.

  • Goethe: „Über allen Wipfeln ist Ruh.“ (komplex)
  • Ingenieur oder KI: Rechts Bäume. Links Bäume. Dazwischen Zwischenräume (0). (kompliziert)
Bleibend aktueller Comic: Vortrag, Vortrag Ian McGilchrist, 2011: https://www.youtube.com/watch?v=dFs9WO2B8uI, Bücher: McGilchrist J: The matter with things. Our brains, our delusions and the unmaking of the world, Perspektiva Press 2022, https://channelmcgilchrist.com/home/

Der Kapitalismus des 16. Jahrhunderts hatte also eine lange Vorgeschichte (siehe 1525Ethik im Kapitalismus). Er führte aber tatsächlich zu einer ganz neuen Qualität der Interaktion: Die Ware war nicht mehr das Ziel, sondern sie wurde zum Tauschmittel eines räuberischen Prozesses, in dem Geld über den Tausch von Waren mehr Geld erzeugte:

  • „Geld (nichts) – Ware (etwas) – Geld (nichts)“.

Das Verständnis für komplexe lebende Systeme (Regenwald) nahm ab, und der Bedarf nach Anhäufung toter Dinge (Verkauf von gefälltem Holz) stieg rasant an.

Der moderne Technofeudalismus relativiert diese Entfremdung vom Lebenden weiter:

  • „Geld (nichts) – Macht (über Menschen, Ressourcen, Territorien, Waren)  – Geld (nichts)“.

Mit diesem Bedeutungsverlust der Ware (als Zweck, Ziel oder Sinn) gerät der Kapitalismus aus dem Takt. …

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Letzte Aktualisierung: 13.03.2026