1. Home
  2. /
  3. Blog
  4. /
  5. Westliche Abenddämmerung

Westliche Abenddämmerung

Droht nach Afghanistan die nächste Kriegskatastrophe: im Sahel?

Der Versuch einen sinnlos-neokolonialen Krieg durch nett gemeinte Entwicklungszusammenarbeit abzusichern, ist gescheitert. Wie im letzten Jahrhundert die Strategie, Kolonialausbeutung durch Missionsstationen zu garnieren.

Jetzt droht nach dem verlorenen USA-Krieg das nächste Fiasko dieser Art: in der Sahelzone.  

Auch die dortigen Probleme sind eine Folge westlicher Kriegsintervention (u.a. in Lybien). Auch dort soll jetzt die Militärintervention weitergeführt und mit deutschen Exportschlagern beglückt werden (Solarzellen, ElektoTechnik etc- Tagesschau 02.05.2021). Wie in Afghanistan: eine Kombination aus Militärgewalt (zur Sicherung der Handelswege und Grenzen) und deutscher Wachstumsförderung.

Kabul, 2017, Bild: afghanic.de

Mehr zu den USA geführten imperialen Kriegen seit 1945:

Bernd Greiner: Made in Washigtion. Was die USA seit 1945 in der Welt angerichet haben CH Beck August 2021. Ergänzend interessant: Schneider A, Kolenda KD: Generation 2021, Verlag fifty-fifty. Daniele Ganser: Übersichts-Vortrag 08.09.2017, Buch: Imperium USA, Orell Füssli 2020

„Nicht die Taliban, sondern wir haben den Staat zerstört!“, Gilles Dorronsoro, NZZ 02.09.2021

Was tun für Afghanistan?

Der eigentliche Fehler – das eigentliche Verbrechen – war der Überfall auf Afghanistan 2001 … Er hat nicht nur über zwei Billionen US-Dollar gekostet, sondern das Leiden der Menschen in Afghanistan verstärkt, Hass gesät und Konflikte unter den Volksgruppen Afghanistans weiter angeheizt. Was jetzt geschieht, ist die Ernte von zwanzig Jahren, in denen man meinte, Toleranz, Akzeptanz grundlegender Menschenrechte und Demokratie durch Gewehre und Drohnen erzwingen zu können.“ Erklärung des Bundes für soziale Verteidigung am 17.08.2021

Elizabeth Thompson: Remnants of an Army.
Es zeigt William Brydon, den einzigen Überlebenden der Bengalischen Armee, vor den Toren von Jalalabad. 1842 wurden, bis auf diesen einen, alle englischen Besatzungstruppen umgebracht. Es war das größte Desaster kapitalistischer Expansions-Gier im 19. Jahrhundert (Stephan Liddell, Richardson 2021).

Wir können etwas tun:

Dringend Menschen herausholen, an deren Elend wir mitschuldig sind!

Dabei handelt es sich um mehr als 10.000 ehemalige Ortskräfte deutscher Institutionen und deren Familien.

  • Appell ehemaliger GIZ-Mitarbeiter:innen (14.08.2021)Zweiter Brief an das Auswärtige Amt (31.08.2021)Unterzeichner
  • „... Die Situation ist furchtbar und man kann durchaus Wut und Ekel empfinden gegenüber den für diese Entwicklung Verantwortlichen in Politik und Verwaltung. Resignation ist zum jetzigen Zeitpunkt eine durchaus naheliegende Reaktion. Aber das hilft jetzt wirklich nichts. Tausende von Menschen, für die wir – in unterschiedlichem Maße – verantwortlich sind, sind in einer Situation durchaus berechtigter Todesangst. ..“ Ehemaliger Experte der GiZ am 16.08.2021

Militärinterventionen beenden – „Entwicklungszusammenarbeit“ durch Kooperation ersetzen!

Entwicklungszusammenarbeit als Geschäftsmodell vieler Interventionen und Projekte, hat seit einem halben Jahrhundert vielfach versagt. In Afghanistan seit 2001 mit dreizehn Milliarden versenkten Euro besonders krass, weil verbunden mit Kriegsverbrechen ( (MOAB: 13.04.2017) Große Teile davon werden allerdings (wie bei kapitalistisch motivierter „Hilfe“ üblich) das Land nie errei Nur selten führte sie zu nachhaltigen Entwicklungen. Und oft waren die Probleme, die aus der Entwicklungszusammenarbeit Probleme erwuchsen, größer sind als die, die sie lösen sollten (Beispiel).

Die unterstützen, die bleiben und sich dort engagieren!

Viele engagierte Menschen (auch aus der Bundeswehr und aus der Entwicklungszusammenarbeit) haben sich intensiv engagiert um eine positive (von Frauen mitbestimmte) Entwicklung Afghanistans zu unterstützen

Die Dewangbegi Clinic ist ein 2016 gegründetes Gesundheitszentrum in einer Vorstadt Kabuls, das von dem Verein Afghanic begleitet wird. Es wird von einer Gynäkologin geleitet, und mehr als die Hälfte des beschäftigten Personals ist weiblich. 2020 wurden über 16.000 Patientinnen und Patienten medizinisch versorgt. Fast 90% der täglich ca. 70 PatientInnen sind Frauen und Kinder. Die Klinik liegt in einem Wohngebiet, so dass die meisten Frauen ohne männliche Begleitung kommen können.

29.08.2021: Alle Mitarbeiter:innen weiterhin vor Ort tätig (Bild: afghanic.de). Spenden werden zu 100% direkt an die Klinik nach Kabul weitergeleitet, und an niemanden anderen. Mit Spenden werden keine Vereins- oder Klinikverwaltungskosten finanziert! Kontakt: Yahya Wardak, http://www.afghanic.de, IBAN: DE59 3705 0198 1902 0838 96

Das Elend des Westens

„Man wollte nie die Herzen gewinnen. Es fehlte an Kulturkompetenz. Von Anfang an war es ein Feldzug! …“ Reinhard Erös, Kinderhilfe Afghanistan, FAZ 17.08.2021

„70% der Deutschen befürchten Massenflucht“

Überschrift: Die Welt, 29.08.2021

Offenbar haben viele auch im sicheren Europa (egal ob liberal, konservativ oder links) Angst. Und Angst ist (wie alle Gefühle) immer berechtigt:

Wird das Angst-Gefühl bekämpft (z.B. durch ideologisches Angriffsgehabe), werden primitivere Hirnmuster aktiviert: Stress- oder Panikreaktionen. Kommunikation ist dann nicht mehr möglich. Angst sollte man besser an- und ernst-nehmen. Und vor allem Zuhören. Und erst dann sprechen. Am besten, ohne zu urteilen. Man kann die große Unsicherheit, die die Angst ausgelöst hat, als die Realität erkennen, wie sie eben ist. Und erst dann mit Ängstlichen darüber sprechen, was Sicherheit bieten könnte. Z.B. in wertschätzenden, respektierenden und akzeptierenden Diskursen über die Möglichkeiten und Chancen, die sich bieten, um die Gesamtsituation günstig zu beeinflussen und sicherer zu gestalten.  Das geschieht nicht, wenn man im ideologischem Gehacke über Symptome und Taktiken streitet: wie „Grenzen auf oder zu machen“.

In den führenden kapitalistischen Staaten des Nord-Westens fehlt es aber zurzeit an Visionen, Werten und Sinn. Die Regierungen zappeln deshalb ohne erkennbare Jahrhundert-Strategie von einer kurzfristigen, aggressiven Krisenintervention zur nächsten. (Projektitis)

Stattdessen wäre es wichtiger damit zu beginnen, die Ursachen des Elends zu verstehen, und (am besten sofort) damit aufzuhören, die Situationen weiter stetig zu verschlimmern.

Wir müssten dringend

  • von unserm Wachstums-Zwang wegkommen,
  • Reichtum abgeben,
  • zu einer gerechten, friedlichen Welt-Innenpolitik finden,
  • radikal umzusteuern (angesichts der evolutionären Wand, auf die wir zurasen).

Allerdings, ob Schwarz, Rot, Gelb oder Grün, alle streben vor der Wahl nach neo-kapitalistischem ReSet-Wachstum und freien Märkten. Diese Politik ist hochgefährlich. Ohne gerechte Weltwirtschaftsordnung, Negativ-Wachstum in kapitalistischen Führungsstaaten, und ohne werte-orientierte Welt-Innenpolitik wird den Menschen an vielen Orten der Welt der Boden unter den Füssen wegzogen. Wenn die Krieg um Rohstoffe und Einflusszonen weiter so toben, als hätte es das Afghanistan-Fiasko nicht geben, wird auch die Stabilität in den reichen Nationen gefährdet werden.

Der „Fall Afghanistans“ und die vielen Katastrophen, die sich 2021 aus der Zerstörung der Biospäre ergaben, zeigen, dass das USA geführte Modell aus Wachstum, Expansion und Krieg dringend durch ein anderes, ein friedvolles, ersetzt werden müsste.

Erforderlich wäre ein „Bewusstseinswandel“: Hin zu einem qualitativen Umbau der Gesellschaft mit Biosphären-freundlichen Zukunftsperspektiven. Der militarisierte Raubtier-Kapitalismus herkömmlicher Prägung sollte möglichst bald eingemottet werden.

Möglicherweise ist diese Erkenntnis im Osten etwas weiter gereift. Zumindest scheinen sich einige asiatische Länder hinsichtlich Afghanistan gerade etwas klüger zu verhalten als die NATO.

Mehr

Bild: Grünes Wachstum mit Wumms, Bazooka & ReSet

Letzte Aktualisierung: 02.09.2021